Illustrierte Aeronautische Mitteilungen

Jahrgang 1904 - Heft Nr. 4

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Eine der ersten Zeitschriften, die sich vor mehr als 100 Jahren auf wissenschaftlichem und akademischem Niveau mit der Entwicklung der Luftfahrt bzw. Luftschiffahrt beschäftigt hat, waren die Illustrierten Aeronautischen Mitteilungen, die im Jahre 1897 erstmals erschienen sind. Später ist die Zeitschrift zusätzlich unter dem Titel Deutsche Zeitschrift für Luftschiffahrt herausgegeben worden. Alle Seiten aus den Jahrgängen von 1897 bis 1908 sind mit Fotos und Abbildungen als Volltext in der nachstehenden Form kostenlos verfügbar. Erscheint Ihnen jedoch diese Darstellungsform als unzureichend, insbesondere was die Fotos und Abbildungen betrifft, können Sie alle Jahrgänge als PDF Dokument für eine geringe Gebühr herunterladen. Um komfortabel nach Themen und Begriffen zu recherchieren, nutzen Sie bitte die angebotenen PDF Dokumente. Schauen Sie sich bitte auch die kostenfreie Leseprobe an, um die Qualität der verfügbaren PDF Dokumente zu überprüfen.



illustrierte aeronautische jtötteilungen.

VIII. Jahrgang. -?>* April 1904. 4. Heft.

Aeronautische Meteorologie und Physik der Atmosphäre.

Über die Bedingungen, unter denen die Ortsveränderung eines Ballons elektrische Ladungen auf ihm hervorbringen kann.

Von Wilhelm Volk mann.')

Als vor zehn Jahren der Ballon «Humboldt im Anschluß an die Landung den Klammen zum Opfer fiel, konnte mit großer Sicherheit nachgewiesen werden, daß die Entzündung weder durch eine Flamme noch durch eine glimmende Zigarre oder Pfeife verursacht worden war, denn alle diese Quellen der Gefahr hatte der Ballonführer durch rechtzeitige Warnung der hinzueilenden Leute ferngehalten. Eine sorgfältige Nachprüfung aller den Unfall begleitenden Umstände führte dazu, eine elektrische Entladung, die bei der Berührung des großen Ventils durch die Hand des Ballonführers ausgelöst worden war, für das Unheil verantwortlich zu machen. Die Quelle der elektrischen Ladung suchte man damals nur in der Reihung, insbesondere der Ballonhülle am Erdboden. Da die Entleerung mit Hilfe der beiden Ventile geschehen war, war es unvermeidlich, daß solche Reibung in ausgiebigster Weise geschah. Seitdem sind aber mehrfach bei Ballonfahrten kräftige elektrische Erscheinungen beobachtet worden, für deren Entstehung die Reibung nach Lage der Umstände nicht in Betracht kommen kann. Es hat sich daher, zunächst bei den Männern der Praxis, die Meinung gebildet, daß die Orts Veränderung allein schon zu Ladung«- und Entladungserscheinungen Veranlassung geben könne. Aus elektrischen .Messungen bei Ballonfahrten ist bekannt, daß man, vom Erdboden aufsteigend, in Schichten von sehr verschiedener elektrischer Spannung kommt, und da hat man gemeint, wenn der Ballon in einer solchen Schicht eine bestimmte Spannung angenommen hat und nun in eine Schicht von anderer Spannung kommt, werden sich elektrische Entladungserscheiuungen abspielen müssen. So einfach liegt die Sache nun keineswegs. Um ein Urteil über diese Angelegenheil zu haben, muß man sich vielmehr erst genau vertraut machen mit den merkwürdigen Wechselbeziehungen, die zwischen elektrischer Spannung und elektrischer Ladung bestehen und allen Umständen, die hierbei eine entscheidende Rolle spielen. Bevor wir dies versuchen, möchte ich, um einiger Begriffsbestimmungen willen, noch an einige ganz bekannte Dinge erinnern.

Seit alter Zeit weiß man, daß Bernstein durch Reibung die eigentümliche Fähigkeit erhält, in der Nähe befindliche leichte Körper in Bewegung

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zu setzen. Als man später auch bei andern Stoffen die gleiche Fähigkeit fand, war man bereits so gewohnt, sie als besondere Eigentümlichkeit des Bernsteins anzusehen, daß man auch in diesem Falle sie als Bernstein-eigentümlicbkeit bezeicbnete, denn nichts anderes bedeutet der griechische Name Elektrizität in deutscher Übertragung. Inzwischen hat das Wort einen anderen Sinn bekommen, und man versteht heute darunter meist das meßbare Etwas, das den elektrischen Erscheinungen zugrunde liegt und das man bestimmter elektrische Ladung nennt. Nabe gelegt ist uns diese Bedeutung dadurch, daß die einfacbsten elektrischen Erscheinungen mit der Ladungsmenge in unmittelbarer Beziehung stehen, wie denn auch die Elek-trizitätslebre in ihrer ältesten Form sich auf den Begriff der elektrischen Ladung aufbaut.

Elektrische Ladungen verraten sich durch die bewegenden Kräfte, die sie aufeinander und damit zugleich auf die mit ihnen belegten Körper ausüben. Ihre Auffindung wird noch dadureb erleichtert, daß es möglich ist, sie auf gewisse Körper, die sogenannten Leiter der Elektrizität, zu übertragen. Macht man solche Leiter recht leicht beweglich, so sind sie für den Nachweis elektrischer Ladungen besonders geeignet. Zwei nebeneinander gehängte Streifchen Silberpapier oder Seidenpapier genügen in vielen Fällen, sie spreizen sich von einander, sobald Ladung auf sie übertragen wird. Alle derartigen, zum Nachweis elektrischer Ladung bestimmten Apparate bezeichnet man als Elektroskope. Für weitaus die meisten Zwecke ist es nötig, daß das Elektroskop vom Erdboden oder andern Leitern durch nichtleitende Körper, oder, da es solche, genau genommen, garnichl gibt, durch möglichst schlecht leitende Körper, wie Glas, Luit, Seide, Siegellack, Gummi, Bernstein u. s. w., getrennt oder, wie mau auch sagt, isoliert sei.

Indem man durch Reibung die verschiedensten Körper in den elektrischen Zustand versetzt, findet man bald, daß es zwei verschiedene Elektrizitäten gibt, die man mit ganz willkürlicher Bezeichnung als positiv und negativ unterscheidet. Mit einer Siegellackslange erhält man die eine, mit einem Glasstabe die andere. Sie bieten jede für sich ganz die gleichen Abstoßuugserscheinungen dar, gegenseitig aber ziehen sie sich an, wie man mit kleinen, an Seidenfäden hängenden Papierblättehen leicht feststellen kann.

Eine besondere Eigentümlichkeit der Elektrizität besteht darin, daß die Ladung im Ruhezustande nur auf der Außenfläche der Leiter, nie im Innern oder auf der Innenfläche hohler Leiter aufzufinden ist. (Im letzteren Falle ist die Einschränkung zu machen, daß der Hohlraum keine von ihm isolierten Leiter umschließen darf.) Diese Tatsache ist leicht nachzuweisen. Man stellt auf einen Isolierschemel, d. h. auf einen Schemel mit gläsernen Füßen, oder auf ein Stück Paraffin eine große ollene Blechbüchse oder einen Zylinder aus weitmaschigem Diahinetz. Diese Einrichtung, die man oft als Faraday-schen Käfig oder Topf bezeichnet, wird elektrisch geladen und nun mit einem Metallscheibchen an langem Hartgummistiel, einem sogenannten Probe-scheibchen, Ladung vom Käfig auf ein Elektroskop übertragen. Man findet,

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dali man von der Innenseite keine Ladung ablösen kann, eben weil dort keine vorhanden ist, wohl aber von der Außenseite, besonders viel vom Rande. Es ergibt sich daraus, daß die Ladung höchst ungleichmäßig auf dem Leiter verteilt ist. Gleichwohl befindet sie sich völlig im Gleichgewicht, denn so oft wir auch Ladung von der Außenseife mit dem Probescheibehen abheben und auf der Innenseite wieder abladen, stellt sich die frühere Verteilung doch sogleich wieder her. Wenn wir eben vom Gleichgewicht der Ladungen sprachen, so haben wir aus Not ein Wort gewählt, das hier nur als Gleichnis dienen kann. Wohl muß eine Gleichheit der verschiedenen Teile des Leiters vorhanden sein, aber nicht in beziig auf das Gewicht, d, h. auf die Ursache der Massenbewegung, sondern in bezug auf die Ursache der Ladungsbewegung. Für diese Ursache ist die Bezeichnung elektrische Spannung, oder wenn kein Irrtum möglich ist, einfach Spannung gebräuchlich. Wenn auf allen Teilen eines Leiters dieselbe Spannung herrscht, tritt keine Bewegung der Ladungen ein; sind aber Spannungsunterschiede da, so bewegen sich die Ladungen so lange, bis die Unterschiede ausgeglichen sind. Wir erkennen also, daß die Spannungen und nicht die Ladungen die elektrischen Erscheinungen beherrschen, auf die Messung der Spannungen müssen wir also fortan bedacht sein. Es ist ohne weiteres ersichtlich, daß auch die Übertragung der Ladung von einem Körper auf den andern durch die Spannung beherrscht wird, um es aber noch einmal zu sagen: Bewegung von Ladungen geschieht nur, wenn Spannungsunterschiede vorhanden sind.

In einem geradezu befremdenden Gegensatz zu der herrschenden Stellung, die die Spannung einnimmt, steht ihre Abhängigkeit von der Umgebung, die sich bei jeder Bewegung eines Leiters gegen die ihn umgebenden Körper oder dieser gegen ihn offenbart. Ein an seinem Hartgummistiel leicht beweglich befestigtes Prohescheibchen aus sehr dünnem Aluminium, das abseits auf dem Tisch gelegen hat, mit diesem also gleiche Spannung besitzt, bringe ich an die Innenseite eines stark geladenen Faradayschen Käfigs. Ich weiß, daß dieser ganz andere Spannung als der Tisch hat, und wenn ich Leitung zwischen Tisch und Kälig herstellte, würde der Ausgleich in Form eines elektrischen Funkens erfolgen. Gleichwohl bemerke ich nicht, daß das Scheibchen eines Ausgleiches mit dem Käfig bedarf, es hat allem Anschein nach durch die bloße Bewegung in den Käfig hinein dessen Spannung angenommen. Dasselbe Scheibchen bringe ich nun, ohne inzwischen einen andern Leiter mit ihm berührt zu haben, an die Außenseite des Käfigs. Seine lebhalte Bewegung und ein deutlicher Funke verrät, daß nun ein Ausgleich erforderlich ist. Das nunmehr geladene Scheibchen bringe ich wieder in das Innere des Käfigs, mit einem Funken gleicht sich der Spannungsunterschied aus. Darauf lege ich das Scheibchen wieder auf den Tisch, dahin, wo es zuvor gelegen hat. Kein Fünkchen erscheint, es ist in Spannungsgleichheit mit ihm. Der Schluß, den wir aus diesen Versuchen zu ziehen haben, lautet: Man kann wohl Ladungen, nicht aber Spannungen transportieren. Auf unsern praktischen Zweck übertragen:

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Wenn ein Ballon nach einander in Gebiete verschiedener Spannung kommt, so gibt das allein noch nicht zu elektrischen Entladungen Veranlassung.

Die bisherigen Versuche lassen keinen einfachen Zusammenhang zwischen Spannung und Ladung erkennen, zweifellos ist zunächst nur das eine, daß die Verteilung und Übertragung der Ladungen durch die Spannung bestimmt wird. Befremdend ist nur der Umstand, daß bei ein- und derselben Spannung ein Leiter eine so verschiedene Fähigkeit zeigen kann, elektrische Ladungen aufzunehmen. Gießt man Wasser in eine Flasche, so muß man das Gefäß, aus dem man gießen will, höher heben, als sich der Hals der Flasche befindet. Die Flasche selbst wird durch das eingegossene Wasser entweder voll, so daß kein weiteres Wasser hinein kann, oder sie wird bis zu einem ganz genau angebbaren Teile ihres Fassungsvermögens gefüllt. Preßt man Gas in eine eiserne Flasche, wie sie zur Aufbewahrung von Kohlensäure oder Wasserstoff dient, so ist erforderlich, daß man den Druck höher treibt, als er in der Flasche bereits ist. Von der Flasche kann man mit demselben Hecht behaupten, sie sei stets voll, oder auch sie sei nie voll. Im ersten Fall würde man meinen, daß kein Teil der Flasche von Gas leer sei, im zweiten, daß immer noch mehr Gas in die Flasche gepreßt werden kann. Trotzdem kann man ein bestimmtes Fassungsvermögen der Flasche angeben, wenn man sich auf einen bestimmten Druck bezieht, es entspricht dann diesem Druck und dem räumlichen Ausmaß der Flasche. Will man einem elektrischen Leiter elektrische Ladung zuführen, so gelingt das, sobald die Spannung höher getrieben wird, als sie auf dem Leiter bereits herrscht, wie bei der Gasflasche kann dies immer weiter fortgesetzt werden, aber bei ein- und derselben Spannung kann ein- und derselbe Leiter ganz verschiedene Ladung aufnehmen, je nach seiner Umgebung. Das Fassungsvermögen eines Leiters für Elektrizität ist nicht mehr durch Bestimmungen, die nur den Leiter allein beließen, angebbar, es ist veränderlich. Ein Eleklroskop, wie wir es vorhin kennen gelernt haben, kann bei ganz verschiedenen Spannungen dieselbe Angabe machen, wenn nur in diesen Fällen die Ladungen der auf einander wirkenden Teile dieselben sind. Es ist nur ein Ladungszeiger, dessen Fassungsvermögen von der Umgebung mitbedingl ist, was uns aber fehlt, ist ein Spannuugszeiger. Aus dem Elek-troskop kann ein solche;!' nur werden, wenn es auf irgend eine Weise gelingt, den Einfluß der Umgebung zu beseitigen oder unveränderlich zu machen. Dieses Ziel ist nun in der Tat erreichbar, und zwar durch das einfache Mittel, daß man das Elektroskop mit einer Hülle aus Blech oder Drahtnetz umgibt, aus der nur die Zuleitung zum Instrument herausragt. Nunmehr hat die Ladung des Elektroskopes einen unveränderlichen Zusammenhang mit dem Spunnuugsunterschied zwischen der Hülle und dein darin eingeschlossenen Instrument und dieses ist dadurch zum Spannungsmesser, zum unabhängigen Meßinstrument, zum Elektrometer1) geworden. Daß eine leitende Hülle

1 Die Aiibrinfiine «im»* Gra-lt^^i-iis un einem bk-ktruekop iet iiehetisüc-hlifh und begründet nicht di<> Benenuung: blektromeUr.

wirklich die Fähigkeit hat, den von ihr umschlossenen Raum vor den elektrischen Einflüssen der Umgebung zu schirmen, soll ein einfacher Versuch zeigen. Ein einfaches Elektroskop, bestehend aus vier an Lamettafäden aufgehängten Scheibchen aus sehr dünnem Aluminium, wie es bei der Erzeugung von Blattaluminium als Zwischenprodukt hergestellt wird, steht auf einem Glasfuße auf dem Isolierschemel. Links und rechts von diesem stehen auf Glasfüßen zwei große runde Platten aus weitmaschigem Drahtgeflecht, sie sind durch Drähte mit den Polen einer kleinen Influenzmaschine verbunden. Dem Elektroskop führe ich Ladung zu mit einer kleinen Verstürkungsflasche, die ich gleich daran hängen lasse, damit die Ladung sich um so sicherer unverändert hält. Sobald die Maschine gedreht wird, weichen alle Scheibchen nach einer Seite hin ab, von der einen Platte angezogen, von der andern abgestoßen. Wenn ich aber nun unsern Faradayschen Käfig darüberstülpe, so daß er, das Elektroskop umschließend, auf dem Isolierscheniel steht, hängen die Pendelchen wieder ganz symmetrisch um den sie tragenden Stab, wie stark auch die beiden Platten, ja sogar der Käfig selbst geladen wird.') Das Elektroskop wird natürlich durch den Kälig beeinflußt, wie sich das ja auch in dem vergrößerten Ausschlag der Pendelchen zu erkennen gibt, aber so lange der Käfig unverrückt an seiner Stelle bleibt, ist dieser Einfluß unveränderlich. Das Elektroskop ist durch die Umhüllung also wirklich zu einem Elektrometer geworden.

Unser Verlähren, elektrische Spannungen zu messen, ist nun also das folgende: Wir haben uns einen Apparat hergestellt, der bei jedem Span-nungsnnterschied gegen seine Hülle stets eine ganz bestimmte Ladung aufnimmt. Hiervon entfällt ein Teil auf die festen, ein anderer auf die beweglichen Stücke des Apparates, und die gegenseitige Abstoßung dieser Ladungen bringt den Ausschlag der beweglichen Teile hervor, der uns als Maß für die Spannimg dient. Das Abstoßungsgesetz, das hier die Messung vermittelt, verdient eine nähere Betrachtung. Es ist vor etwa 130 Jahren auf Grund von vergleichenden Messungen in der Form aufgestellt worden: Die Abstoßung gleichartiger (und die Anziehung ungleichartiger) Ladungen entspricht dem Produkt der Ladungen und dem umgekehrten Quadrat ihres Auslandes. Es geht also bei dem doppelten Abstände die Kraft auf den vierten, beim dreifachen Abslande auf den neunten Teil zurück. Die Tatsachen erhalten durch dieses Gesetz keinen ganz befriedigenden Ausdruck, denn es redet nur von der Wechselwirkung mehrerer Ladungen, so daß die Frage nahe hegt: Hat denn eine einzelne Ladung keine Wirkung in die Umgebung, wird sie dazu erst durch einer anderen Ladung Haß oder Liebe gereiztV Und dann das umgekehrte Quadrat oder Entfernung! Gill es nicht auch bei der Wechselwirkung der Planeten, sowie der magnetischen Pole, ja sogar beim Schall, beim Licht und bei jeder anderen Strahlung, wo von einer Wechselwirkung gar nicht die Rede ist? Was ist das Gemeinsame in

') 11«i sehr wcitinasdii^em Külig ist der Schulz nicht jfanz vollkommen, obwohl iltMitlirh erkennbar.

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all diesen so verschiedenen Fällen? Was anderes, als die Ausbreitung in den dreidimensionalen Baum von einem Punkte aus auf die ihn umgebenden konzentrischen Kugelschalen, deren Fläche mit dem Quadrat des Radius wächst? Ein geometrisches Gesetz hat man uns gegeben, statt des elektrischen, ein Gesetz, das von den Eigenschaften des dreidimensionalen Raumes redet, und auch dieses nur gültig für den besonderen Fall, daß die Wirkung von einem Punkte ausgeht. Haben wir eine sein* lange Linie als Wirkungsquelle, so breitet sich die Wirkung auf Zylindern aus und nimmt der Entfernung selbst umgekehrt entsprechend ab, und die Wirkung einer sehr großen Fläche ist gar von der Entfernung unabhängig, mag es sich um Licht, Schall, Elektrizität oder Magnetismus handeln. Es ist leicht ersichtlich, wie alle diese Gesetze, die im Grunde genommen nur eins sind, z. B. im vierdimensionalen Räume heißen würden. Doch warum sollte das elektrische Wirkungsgesetz nicht die Eigenschaften des Raumes enthalten? handelt es doch gerade von der Ausbreitung der Wirkung in den Raum! Hieran ist also nicht Anstoß zu nehmen, die Unzulänglichkeit aber, die in der ausschließlichen Rücksicht auf Wechselwirkung liegt, ist durch die herangezogenen Beispiele des Schalles und des Lichtes nur um so deutlicher geworden.

Zur Auffindung des Wirkungsgesetzes einer einzelnen Ladung könnte man vielleicht meinen, ein einfaches Mittel darin zu haben, daß man die Ladung auf einen ungeladenen Leiter wirken läßt. Jedoch schon die ersten Versuche dieses Vortrages konnten uns bei einiger Aufmerksamkeit lehren, daß das nicht ausführbar ist. Nähert man einem ungeladenen Elektroskop eine geriebene Glasslange, so zeigt es schon lange vor der wirklichen Übertragung von Ladung die Anwesenheit von Ladung an, die beim Entfernen der Glasstange wieder zu verschwinden scheint. Zur genaueren Untersuchung «lieser merkwürdigen Erscheinung diene ein langer Leiter auf Glasfuß, der in wagerechter Stellung einer unserer großen Netzplatten gegenübersteht. Bevor ich mit der Maschine Elektrizität errege, berühre ich alle isolierten Leiter zugleich. Wir befinden uns in einem Zimmer, also wird genau, wie in einem Faradayschcn Käfig durch dies Berühren jede Ladung beseitigt. Nunmehr lade ich die Platte und eine sie berührende Veistärkungsflasche, die mir wieder eine große Haltbarkeit der Ladung sichern soll, mit der Inlluenz-maschine. Mit einer Probescheibe, einem Elektroskop. der Hartgummi- und der Glasslange prüfe ich die Ladung der Netzplatte. Ebenso prüfe ich verschiedene Stellen des wagerechten Leiters und linde auf dem der Platte abgewandten Ende dieselbe, auf dem zugewandten Ende aber die entgegengesetzte Ladung, wie auf der Platte. Der Leiter war also vorher nur scheinbar ohne Ladung, in Wirklichkeit waren entgegengesetzte Ladungen auf ihm so gemischt, dass ihre Anwesenheit nicht bemerkt werden konnte, und die Trennung dieser Mischung, die Bewegung der Ladungen in eine neue Verteilung beweist, daß die Ladung des Drahtnetzes Spannungsunterschiede in der Umgebung hervorgerufen hat. Also nicht nur auf einem geladenen

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Leiter erscheint elektrische Spannung, sondern auch in seiner Umgebung, und zwar ist diese Spannung in der Umgebung in verschiedenen Abständen verschieden. Da entsteht nun gleich eine Schwierigkeit. Der wagrechte Leiter befindet sich mit seinen verschiedenen Teilen in verschiedener Entfernung von dem Drahtnetz, sollte also an verschiedenen Stellen verschiedene Spannung haben, andererseits muß er als Leiter durchweg dieselbe Spannung haben, da die Ladungen auf ihm nicht eher in Ruhe kommen können. Die Schwierigkeit löst sich, wenn man bedenkt, daß die auf ihm verteilten Ladungen ihrerseits Spannung haben und Spannung in der Umgebung erzeugen. Die Verteilung stellt sich nun gerade so ein, daß diese Eigenspannung zusammen mit der von allen anderen Ladungen in der Umgebung erzeugten für jeden Punkt des Leiters überall denselben Summenwert ergibt. Ist so auch für den Leiter an sich Spannungsgleichheit möglich, so kann doch höchstens ein Querschnitt von ihm mit der Umgebung in Spannungsgleichgewicht sein, und zwar der Querschnitt, an dem keine Eigenspannung zu der von den übrigen Ladungen erzeugten hinzutritt, also der ungeladene Querschnitt. Diesen Querschnitt können wir nach Relieben an jede beliebige Stelle des Leiters bringen, wenn wir sie sehr oft mit einem ungeladenen Probescheibchen berühren und so ihre Ladung allmählich entfernen. Rascher und gründlicher wird dies Geschäft von einer kleinen an die Stelle gebrachten Lampe besorgt; die von der Flamme aufsteigenden Verbrennungsgase nehmen die Ladung in kurzer Zeit mit sich hinweg. Um das erkennbar zu machen, verbinde ich ein Elektrometer mit dem wagerechten Leiter, es zeigt durch seinen Ausschlag an, daß bei jeder Stellung der Lampe der Leiter eine andere Spannung besitzt. Die in jedem Falle sich ergebende Spannung ist hervorgerufen durch die auf der Netzplatte und auf dem Leiter befindlichen Ladungen. Nimmt man den Leiter hinweg und bringt man nur ein außerordentlich kleines Lämpchen in die Nähe der Platte, das durch sehr dünnen Draht mit dem weit entfernt stehenden Elektrometer verbunden ist, so ist die auf Draht und Lampe befindliche Ladung und demnach auch die davon ausgehende Wirkung äußerst gering, und man hat eigentlich nur die von der Platte ausgehende Wirkung, das sogenannte elektrische Feld der Platte, das man mit dem Lämpchen abtasten und ausmessen kann. Führt man eine solche Messung im Felde einer kleinen stark geladenen Kugel aus und bezeichnet man die Spannung im Abstände eines Dezimeters vom Kugelmiltelpunkt als 1, oder, was dasselbe sagt, nimmt man diese Spannung als Maß für die übrigen, so findet man in den Abständen 2, 3, 4, 5, ß die Spannungen '/s, »/a, "4, 1V«. Dies also ist die gesuchte Fernwirkung einer einzelnen Ladung. Diese Wirkung ist der Entfernung selbst umgekehrt entsprechend, wie sich aus den angeführten Zahlen ergibt. Wie die Wirkung mit der Entfernung abnimmt, wird besonders deutlich, wenn man die Abnahme für jeden Dezimeter ausrechnet: V» — '/a = 3/6 — 2'g «/« u. s. w., wie die Tabelle angibt. Diese Unterschiede werden mit wachsender Entfernung immer kleiner.

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Wir erinnern uns nun daran, daß auf heilem der Spannungsunterschied maßgebend war für die Bewegung der Ladungen, und fragen uns, ob vielleicht in dem jetzigen Falle, d. h. in der Umgebung, im Felde eines Leiters dasselbe stattfindet. Beim Übergang der Ladung von einem Leiter zum anderen hatten wir über jeden Leiter sich erstreckend eine bestimmte Spannung und zwischen beiden einen Spannungsunterschied, ebenso wie jede Stufe einer Treppe eine bestimmte Höhe hat, zwischen zwei Stufen aber Höhenunterschied besteht, (lebt man, statt auf einer Treppe, auf einem Bergabhange, so kommt man nicht stufenweise, sondern ganz allmählich abwärts oder aufwärts, an die Stelle der Höhenstufen tritt nun das Gefälle, das von Punkt zu Punkt wechseln kann. Das Gefälle an jeder einzelnen Stelle können wir angeben durch die Überlegung, wie weit es bei einem Wege von einem Meter Länge abwärts führen würde, wenn es unverändert bliebe. Genau so verhält es sich mit der Spannung in unserem elektrischen Felde. Auf der Strecke von 1 zu 2 Dezimeter Abstand geht die Spannung wohl um die Hälfte des Wertes zurück, aber das Anfangsgefälle in diesem Baum ist größer und würde einen Dezimeter weit forlgesetzt einen größeren Spannungsunterschied hervorbringen. Ebenso ist das Kndgefälle in diesem Gebiet kleiner und der gemessene Spannungsunterschied ist ein Mittelwert des Spannungsgefälles in diesem Gebiet, ein Wert, der in Wirklichkeit bei ungefähr 1,4 Dezimeter besteht. Kbenso sind 1 j«, llu u. s.w. Mittelwerte des Spannungsgefälles in den anderen Intervallen. Wichtig wären für unsere Überlegung die genauen Werte des Spannungsgefälles in einem, zwei u.s. w. Dezimelern Abstand, sie müssen jedenfalls zwischen jenen Mittelwerten liegen und sich aus ihnen wenigstens näherungsweise abschätzen lassen. Wir versuchen so eine Abschätzung, indem wir die Brüche hinschreiben, deren Nenner gerade zwischen denen der Mittelwerte stehen, nämlich Vi», 'Zie, 's... Eine glückliche mathematische Beziehung dieser durch ihre Einfachheit ausgezeichneten Brüche zu denen, die uns als Mittelwerte vorlagen, hat uns bei dieser rohen Schätzung genau dieselben Werte in die Hand gespielt, die sich bei einer genauen Berechnung ergeben haben würden. Es sind dieselben Werte, die das vor 130 Jahren aufgestellte Gesetz der Wechselwirkungen anzeigt. Auf Grund dieser Ibereinstimmung können wir nun das elektrische KeniWirkungsgesetz in der befriedigenden Form aussprechen: Die bewegende Kraft auf eine Ladung ist gleich der Ladungsmenge multipliziert mit dem an ihrem Orte herrschenden Spann ungsge fülle.

In dieser Form ist das Gesetz geeignet zur Beantwortung der Frage^ die diesem Vortrage den Namen gegeben hat. Befindet sich ein Luftballon in der Luft, so befindet er sich in dem elektrischen Felde der bekanntlich negativ geladenen Erde. Wie jeder Körper ist er mit einem Gemisch von positiver und negativer Ladung begabt, deren erstere sich unter dem Einfluß des Spannungsgefälles nach der Unterseite des Ballons zu begeben strebt, während die andere die obere Seite aufsucht. Auf jede dieser Ladungen wirkt eine Kraft gleich der Ladungsmenge mal dem Spannungsgefälle an ihrem Orte, deren Richtung für positive Ladungen abwärts, für negative aufwärts weist. Die Differenz dieser beiden entgegengesetzten Werte ist die Kraft, die die elektrische Belegung des Ballons und damit diesen seihst zu verschieben strebt. Wir fragen uns nun, wann wird diese Kraft gleich Null? Es sei zunächst das Spannungsgefälle in dem ganzen vom Ballon eingenommenen Räume dasselbe. In den beiden entgegengesetzten Produkten, die gleich groß werden sollen, ist dann einer der beiden Faktoren übereinstimmend, also muß es auch der andere sein. Das Gleichgewicht der bewegenden Wirkungen der elektrischen Kräfte ist also in diesem Falle an die Bedingung gebunden, daß auf dem Ballon gleich viel positive und negative Ladung sich befinde, daß er nach der üblichen Ausdrucksweise ungeladen sei. Ist das Spannungsgefälle an verschiedenen Stellen des vom Ballon eingenommenen Raumes ungleich, z. B. unten kleiner als oben, so kann Gleichheit der Produkte aus Gefalle und Ladung nur zustande kommen, wenn die Ladungen unten größer als oben sind, d. h. der Ballon positiv geladen ist. Eine derartige Verteilung des Spannungsgefälles, oder auch die gerade entgegengesetzte, kann durch geladene Wolken oder Dunstsehichten hervorgebracht werden, bei schönem Wetter nimmt das Gefälle sogar stets von unten nach oben hin ab. Es sei nun der Ballon nicht so geladen, wie es eben für das Verschwinden der bewegenden Kräfte als nötig erkannt war, dann wird der Ballon also durch elektrische Kräfte gehoben oder niedergedrückt. Nun sind aber meist beträchtlich größere Kräfte, z. B. die aus der Temperaturumkehr in der Stabilitätsschicht sich ergebenden, vorhanden, die diese Bewegungen vereiteln. Während diese Kräfte am Ballon selbst angreifen, tun es die elektrischen an den elektrischen Ladungen und suchen daher diese wie eine elastische Haut über den widerstrebenden Ballon herüberzuziehen, um die dem Spannungsgefälle angemessene Ladungsverteilung herzustellen. Das Ziel kann erreicht werden, wenn es gelingt, etwas von der zu reichlich vertretenen Ladung zu beseitigen und dafür etwas von der zu knapp vorhandenen herbeizuschaffen. Diesen Austausch besorgt die rauhe Oberlläche des Ballons mit ziemlicher Leichtigkeit durch sogenannte Spitzenwirkung, so daß man sagen kann: Nach einem Aufenthalt von nicht zu kurzer Dauer in einem ungleichförmigen Spannungsgefälle besitzt ein Ballon stets Eigenladnng.

Wir haben bei dieser Überlegung den Ballon ohne weiteres wie einen Leiter behandelt, er ist aber, wie ich Ihnen im Oktober nachweisen konnte,

Illn-.tr. iWonaut. Mill.il. VIII. Jahr; 1'

Mit

schon nach kurzer sonniger Fahrt ein sehr schlechter Leiter, so dal! die Herstellung der dem Spannungsgefälle angemessenen Verteilung bei plötzlichen Änderungen des Spannungsgefälles, z. B. beim Durchstoßen einer stark geladenen Dunslschicht oder beim Vorbeifliegen an einer Wolke, gar nicht sich vollziehen kann, bevor sich auf den leitenden Teilen des Ballons, dem Ventil, dem Bing und dem Korbbeschlag bedenkliche Spannungsunterschiede ausgebildet haben, die zu empfindlichen Funken Anlaß geben können, wie denn auch dergleichen schon beobachtet worden ist.

Eine ganz regelmäßig auftretende Ursache zur Ausbildung bedeutender, zur Zündung völlig ausreichender Spannungen führen die Vorgänge bei der Landung herbei. Der Ballon besitze unmittelbar vor der Landung die dem Gefälle entsprechende Ladungsverteilung, also Schlepptau positiv, Ventil negativ, Leitfähigkeit von Netz und Hülle sehr gering. Nun legen sich Schlepptau, Korb und Ring auf die Erde und werden abgeleitet, auch die Hülle sinkt zusammen und das Ventil befindet sich dicht über dem Erdboden mit einer Ladung, die bei 100 oder 150 Volt Gefälle auf den Meter einer Leiterlänge von etwa 120 m angemessen war. Ich brauche die Gefahr wohl nicht weiter auszumalen, die gründliche Ableitung des Ventils ist unabweisbare Notwendigkeit.

Kurz zusammengefaßt sind die Ergebnisse unserer Betrachtungen:

«Nicht die Spannungen, auch nicht das Spannungsgefälle, sondern die Ungleiehförmigkeit des Spannungsgefälles ermöglicht das Auftreten von Ballonladungen. »

«Gefährlicher als die Ballonladungen sind die wegen der geringen Leitfähigkeit des Ballonstoffes bei allen schnellen Änderungen des Gefälles auftretenden Spannungsunterschiede von Ring, Korb und Ventil. Sie sind durch die metallische Verbindung dieser drei Leiter zu beseitigen*.

«Die größte und bei schönem Wetter regelmäßig auftretende Gefahr bietet ein nicht abgeleitetes Ventil bei der Landung.»

Drachenaufstiege auf der Ostsee, den Norwegischen Gewässern und dem Nördlichen Eismeere.

Von Arthur Berson und Hermann Elins.

Wenige Jahre, nachdem die Methoden der aeronautischen Meteorologie, hauptsächlich durch das Verdienst des Herrn Rote Ii und seiner Mitarbeiter, um das so überaus wichtige Hilfsmittel der Drachen bereichert worden waren, drängte sich auch — gleichzeitig und von einander unabhängig — Herrn Roteh und dem mitunterzeichneten Berson die große Bedeutung auf, welche die neue Methode erlangen könnte durch ihre Anwendung auf dem Meere. Eine nur kurze Verfolgung des fruchtbaren Gedankens ergab, daß auf diese

Weise, allerdings von Bord eines zur vollen Verfügung der Meteorologen stehenden Dampfschiffes aus, eine Erforschung des Luftmeeres über dem Ozean möglich, ja leicht ausführbar wäre, während sie sich mit den älteren Werkzeugen der wissenschaftüchen Aeronautik, dem Frei- und Fesselballon, sowie dem Ballon-sonde, notwendigerweise nur auf das Festland beschränken mußte.

Es ist hier nicht der Ort, näher auf die gewaltige, man kann sagen umwälzende Rolle einzugehen, welche eine solche Expedition durch Herbei-schalfung von wirklich neuem Material aus einem völlig brachliegenden, weil bisher unzugänglichen Gebiete in der Physik der Atmosphäre zu spielen berufen wäre, noch auch deren Erfordernisse, Bedingungen und programmatische Punkte zu erörtern. Wir müssen uns begnügen, in dieser Beziehung auf andere Veröffentlichungen des Mr. Rotch *) und des erstunterzeichneten Verfassers *) hinzuweisen. Stand aber einmal die Wichtigkeit und Fruchtbarkeit des Planes fest, so mußte es als das nächstliegende erscheinen, noch ehe die Durchführung einer größeren eigenen Expedition gelingt, welche leider noch immer der Zukunft angehört, behufs Erprobung der Methode und Sammlung praktischer Erfahrungen vorbereitende Experimente in kleinerem Umfange auszuführen. Auch hierin konnte der unermüdliche Mr. Rotch, dank seiner größeren Unabhängigkeit in Beziehung auf Zeit und Kosten, als erster vorgehen: es gelang ihm bereits 1901 sowohl in den Küstengewässern der atlantischen Staaten, von Bord eines eigens zur Verfügung gestellten kleinen Dampfers, wie auch auf dem Ozean selber, hier allerdings nur im Laufe einer gewöhnlichen Überfalirt nach Europa, also von Bord eines mit gebundener Marschroute und feststehender Geschwindigkeit laufenden Passagierdampfers aus, mehrere Drachenaufstiege, zunächst natürlich nur in geringere Höhen, auszuführen.

Die großartigsten Experimente in dieser Richtung haben bisher Mr. Dines und M. Teisserenc de Bort gemacht: der erstere bereits im Sommer 1902 in den Gewässern an der schottischen Westküste, Nordkanal usw., der zweite, im Anschlüsse an seine Arbeiten auf der «Station franco-scandinave des sondages aeriens», im Frühjahr 1903 in der Ostsee, nahe den dänischen Inseln. In Schottland wurden über 4000 in, in der Ostsee gar 5800 in Hohe erreicht: ein Beweis, wie ausgezeichnet sich die Methode bewährt! Denn dieselbe kam in beiden Fällen voll zur Geltung: d. h. es wurde? von Bord eines zwar nicht gerade schnellfahrenden, doch immerhin eigens zur Verfügung gestellten Dampfers gearbeitet, der nach den jeweiligen Bedürfnissen des Drachenaufstieges gesteuert wurde. Verwandt durch die Methode sind auch die schönen, vielfach recht hohen Aufstiege, welche die Herren

'< Am iiiitführlirltrileit in den < I'rntoknlkn der III. Versammlung der International) n Konimi?-ion f. wi.i.iHi>j<i'h. I.uflgi hilTalirt », üt-ilau'e II. S, 'Jl— U6 SlraUbur« ISM>;ii.

*■ Verirl. ubiae I'mlukoll»': zu l'ropniründa/vro<ken wurde die Krage in mehr p'ipuliiror Ferm eingehend eri.rtort in ilon Artikel reihen • .Met«■r.roI<l£is<•h<• Forschung Uber «lern Micro, im Feuilleton de* Her-liner «T»if • Xr. ;V»l und .">Ti von und :i von und • l>ir brft'Mihnng <!•'* I.ulinn-« r.■» über dem

Ozean > in der i\Viv!i«> iNr. ,'i und ii von l'M'ii.

Prof. Herges eil und Gral Zeppelin mit einem recht schnellen Dampfschiffe an den internationalen Terminen auf dem Bodensee ausführen, wenn sie auch naturgemäß mit ihren wissenschaftlichen Ergebnissen nicht auf dem Gebiete der maritimen Meteorologie liegen, mit der wir es hier zu tun haben.

Die Berichterstatter über die im August 1902 an Bord der «Oihonna» ausgeführten Drachenaufstiege haben wohl das Recht zu beanspruchen, daß man ihre Versuche bona fide nicht mit dem Maßstabe der oben angeführten Arbeiten messe, speziell was die erreichten Höhen anbelangt. Wir müssen, um allen Mißdeutungen vorzubeugen, hier nachdrücklichst betonen, daß es sich in unserem Falle um Experimente handelt, welche nur gelegentlich, von Bord eines unter stets feststehender Richtung und Geschwindigkeit zu Vergnügungszwecken, mit fit) Passagieren beiderlei Geschlechtes an Rord fahrenden Dampfschiffes ausgeführt werden konnten. Ganz ausnahmsweise konnte uns ja die Schiffsleitung, welche sonst allen unseren Wünschen aufs freundlichste entgegenkam, auf wenige Minuten in bezug auf die Fahrgeschwindigkeit oder — noch seltener, wohl nur ein einziges Mal — auch den Kurs des Dampfers Zugeständnisse machen: daß dies im allgemeinen bei einem Schiffe, welches zu ganz festgesetzten Zeitpunkten in bestimmten Häfen sein mußte und fast zu vorausbestimmter Stunde die ganze vierwöchige Reise zu beendigen hatte, völlig ausgeschlossen war, liegt auf der Hand. Die oben erwähnten ganz vereinzelten Fälle ergaben sich auch nur, wenn Kapitän Rade, der Unternehmer der Reise, und Graf Stenbock, der Kapitän der Oihonna», den ollen bar drohenden Verlust von Drachen, noch mehr aber des kostspieligen Apparates, die öfter durch plötzlichen Kurswechsel in den Windschatten der gewaltigen Berge in den Schären Norwegens geratend in die See zu fallen drohten, von uns abwenden wollten. Wir müssen dies gewiß dankbar auerkennen, da uns sonst vielleicht die ganze fernere Arbeit unmöglich geworden wäre. Allein die erreichten .Höhen wurden in diesen Fällen nicht größer, noch auch der Aufstieg verlängert: es handelte sich lediglich um das Verhüten einer Katastrophe gegen Ende des Aufstieges. Bloß zu jenen, für uns ja so wünschenswerten Zwecken eine Änderung von Kurs oder Geschwindigkeit (deren auch nur geringfügige Steigerung bekanntlich den Kohlenverbrauch sofort enorm vermehrt) von der Schilfsleitung zu erbitten, wäre bei den gegebenen Verhältnissen durchaus unzulässig gewesen.

Uber diesen grundsätzlichen Nachteil, die Niehlanwendbarkeil der eigentlichen Schiffsdrachenmcthode-, wie man sie mit einem Worte nennen könnte, waren sich sowohl die beiden Reisenden, wie auch die Leitung des Aeronautischen Observatoriums, welches das Unternehmen durch Überlassung von Winde, Draht, Drachen und Apparaten unterstützte, oder vielmehr erst ermöglichte, von vornherein klar, wie nicht minder darüber, daß es schon aus diesem Grunde und mit einer kleinen Handwinde nicht gelingen würde, größere Höhen zu erreichen. Indessen hielten wir allerseits aus den weiter unten angegebenen Gründen die Sache für interessant genug, um dieselbe

B13 e«««

trotz allerhand sich häufender Schwierigkeiten zur Ausführung xu bringen. Dies war um.somehr der Fall, als hei dein grollen Kntgegenkommen, welches der inzwischen leider verstorbene Kapitän Bade dem Unternehmen in finanzieller Beziehung erwies, die Mittel von privater Seite besehalft werden konnten — durch dankenswerte Unterstützung seitens des Seherischen Verlages in Berlin —. und so dem Staate keine direkten Ausgaben erwuchsen, auch die Beise von den beiden sie unternehmenden Beamten des Meteorologischen Instituts in ihrer Urlaubszeit ausgeführt wurde.

Denn wenn es auch nur gelingen konnte — und in der Tat nur gelang —, Aufstiege in bescheidene Höhen hinauf und von geringer oder mälliger Dauer zustande zu bringen, so mullte man sich doch sagen, dal? es auf jeden Fall die ersten Beobachtungen waren, die man aus den hochnordischen Meeren erhalten würde, ja ganz allgemein gesagt: die allerersten Beobachtungen aus der freien Atmosphäre im ganzen polaren und subpolaren Gebiete. Des weiteren lagen damals, auller den wenigen kaum 000 in Höhe erreichenden Versuchen des Herrn Bot eh, überhaupt noch keine über dem Meere, sei es in irgend welcher Breite, gemachten Aufstiege vor. Endlich aber, und dies war besonders für die Leitung des Aeronautischen Observatoriums das Bestimmende bei der Mitgabe von wertvollem Material: wie immer die Besultate ausfallen mochten, unbedingt sicher war es, dall seitens zweier Beamten des Observatoriums reiche Erfahrungen gesammelt wurden in beziig auf die Arbeit mit Drachen auf einem Schilfe, eine Methode, auf welche auch das Observatorium in Zukunft vielfach zurückzugreifen gedenkt.

Dennoch muH zugestanden werden, daß die Ergebnisse, besonders was die Höhen anbetrifft, zurückgeblieben sind, nicht sowohl hinter unseren Erwartungen, weil diese vorsichtigerweise sehr wenig hochgespannte waren, als vielmehr hinter demjenigen, was auch bei den gegebenen, früher erörterten Beschränkungen noch immer unter günstigeren Bedingungen erreichbar gewesen wäre. Der Grund hierfür lag nicht in Mangelndes Materials oder zu geringem Bestände daran. Es kann hier gleich vorweggenommen werden, dall, obwohl 2H—24 Aufstiege mit Apparat gelangen und mindestens die doppelte bis dreifache Anzahl an Versuchen vorgenommen wurde, die wegen Windmangels oder

Fig. I. — Zusammensetzen des Drachen«.

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auch infolge zu schweren Sturmes mißglückten, dennoch von den mitgenommenen 12 zusammenlegbaren Drachen (7 von 4 qm, 5 von 3 qm Drachenfläche) vom normalen, gradfläehigen Typus des Aeronautischen Observatoriums — die sich beiläufig gerade auch in ihrer Zusammenlegbarkeit glänzend bewährten — kaum zwei hei den Aulstiegen verloren gingen und fünf überhaupt gar nicht in Gebrauch kamen! Die 4000 m des auf der Handwinde aufgewickelten Drahtes kamen bis auf kaum 250 m intakt zurück, 10000 m mitgeführten Reservedrahtes wurden überhaupt nicht angerührt. Da sowohl unter den Vergnügungsreisenden der «Oihonna » sich stets begeisterte Freiwillige fanden'), welche beim Auflassen, besonders aber beim Einwinden der Drachen wacker mitarbeiteten und bei allen sonstigen Arbeiten hallen, als auch zu jeder Zeit einige Leute der Mannschaft des Dampfers infolge liebenswürdigen Entgegenkommens des Sehiffskommandos zur Verfügung standen, so war auch das Fehlen von Maschinenkraft an der Winde nicht besonders hinderlich, obschon naturgemäß sich Aufstiege in Höhen von 3<HR) m und mehr, mit vielen Drachen am Kabel, verboten. Allein es wäre mit dem vorhandenen Material an sich sehr wohl möglich gewesen, 2000 in und darüber öfter zu erreichen und die Zahl der Aufstiege erheblich größer zu gestallen, wenn nicht noch drei besonders ungünstige Einstände zusammengewirkt hätten, von denen wir wohl den ersten bis zu einem gewissen Grade, die beiden sehr wichtigen anderen jedoch garnicht im voraus übersehen konnten.

Dieser erste Umstand war das während eines erheblichen Teiles der ganzen Fahrt von Lindesnäs bis zum Xordkap Europas, also der Hälfte der ganzen später näher anzugebenden Route, recht schmale Fahrwasser der norwegischen «Schären , mit dem so häufigen hier gebotenen, oft sehr jähen Kurswechsel. In welchem beträchtlichen Maße diese beiden Faktoren ungünstig auf Dauer und Höhe der Aufstiege einwirken mußten, wie sie einmal zu plötzlichem Abbrechen des Aufstieges zwangen, ein andermal den Drachen einen günstigen Wind so zu sagen vor der Nase - wegnahmen, darin wieder den Haltedraht plötzlich in Konflikt mit den Masten und dem Flaggenstock am Heck zu bringen oder die Drachen un den steilen Klippen zum Abreißen zu zwingen drohten, braucht hier kaum des näheren ausgeführt zu werden. Wesentlich günstiger lagen ja in dieser Beziehung die Bedingungen im südlichsten Teil der Reise, von Kiel durch die Ostsee, Kattegat und Skajjerrack nach Norwegen und wiederum im hohen Norden, vom Nordkap Europas durch das Arktische Meer nach Spitzbergen und bis zur Fackeisgrenze unter 80a N.Rr.

Ein zweiter, noch wichtigerer Grund lag in den Windverhältnissen, welche sich in unerwartetem.Grade ungünstig gestalteten. Wir hatten fast

Ks *.teii In, r an i-r>tcr Stelle mit bestem Dunk« für ihm umrniiidliehe Bereitwilligkeit die Herren OMt. C.raf K<ln i j{«m ark und OM1. Graf Zech au*; Hannover, »owie Oier.-tab»ar/l Dr. Seit* aus F.rliuiyen, «I«-!« Wfitrrm ili" Herren Llrtt. v. K.iinm t.ltrrlin >. l'r. Uhl , Münch« riFreiherr v. Mika ich aus Kroatien und Fabrikbesitzer H. T ■* 11 ■.• iflnrnteni genannt!

dauernd sehr schwache Luftbewegung und vielfach aus unvorteilhafter Richtung, nämlich von rückwärts oder unter kleinem Winkel mit dem Schiffskurse. Die Eigengeschwindigkeit der «Oihonna» betrug fast konstant 103U —11 Knoten, d. h. rund 5Ms m p. s., was etwa praktisch die untere Grenze bedeutet, bei welcher die Drachen, wenn sie nicht durch bedeutende Drahtmengen belastet sind, noch fliegen. Um demnach größere Drahtlängen emporzuheben, war im allgemeinen eine Verstärkung des • ■ Schiffswindes» durch den Naturwind nötig. Erreichte nun die Geschwindigkeit einer natürlichen, mit der SchilTsbewegung gerichteten Luftströmung nicht mindestens 11—12 m, so konnte, da dann der auf die Drachen wirksame resultierende Wind unter 5'/*—<»'/« m p. s. (die Differenz beider obigen Zahlen) sank, kein Aufstieg ausgeführt werden — und eine einfache Berechnung zeigt, daß noch Winde, die von rückwärts und von der Seite unter 45° gegen die Schiffsbewegung geneigt wehten, mindestens 8'/< m p. s. erreichen mußten, um als Resultierende das Minimum von <i m p. s. zu geben, mit rund 11 m p. s. aber blasen mußten, um die wirklich brauchbare Resultante von 8 m p. s. zu hefern. Erst bei noch mehr seitwärts eingenommenem Winde, also zwischen 45 und 5)0°, beginnen die Verhältnisse günstiger zu werden, um schließlich bei von vorne strömender Luft sich der Summe beider Komponenten zu nähern. Nun wurden so starke Winde von Heck so gut wie gar nicht angetroffen, und fast alle unsere Aufstiege gelangen nur bei schwachen, von vorne wehenden Winden, welche die künstliche Brise in mäßigem Grade verstärkten — und dabei wurden noch die besten Höhen von 800—1500 m erreicht —, oder bei seitlichen, ebenfalls sehr flauen Luftströmungen, bei welchen die Drachen fast nur durch die Bewegung des Schilfes gehalten wurden und sich dann naturgemäß trotz ziemlich großer Drahtlängen kaum bis 200—700 m erhoben. Dagegen wehten z. B. am 4., 15., 10., 17., 28. August zu starke Winde von der Seite oder von vorne, und in solchen Fällen war überhaupt schon das Emporbringen des Drachens ohne Havarie durch heiliges Schlagen desselben kaum möglich, da dann meist das Schilf auch ziemlich schwer arbeitete. Es sind dies alles Schwierigkeiten, die bei frei nach den Erfordernissen des Drachenanfstiegs bestimmbarem Schiffskurse völlig wegfallen, von wirklichem Sturm mit sehr schwerem Seegang abgesehen, wo sich denn freilich auf dem oßenen Ozean kaum je etwas machen lassen wird — ein Fall, den wir aber eigentlich nur einmal, vom lö. zum 18., etwa 3ü Stunden lang, hatten.

Der dritte ungünstige Faktor war die Apparatfrage. Das Aeronautische Observatorium war im Besitze von vier Marvinapparaten, von denen es uns, da es in jener Zeit mit den regelmäßigen Aufstiegen beginnen wollte, mehr als einen füglich nicht abgeben konnte, sollte sein eigenes Arbeitsprogramm nicht eventuell gestört werden. Nun hatten wir probeweise zwei Instrumente bezogen, wie sie von Herrn Teisserenc de Bort vornehmlich für den Bedarf der «Station franco-scandinave •» konstruiert worden waren, und die schließlich von ihm zurückgenommen wurden. Diese zwei sollten uns

»»» Kitt

für die gewöhnliehe Arbeil in erster Linie dienen, der mehr als doppelt so kostspielige» Marv in sehe Apparat aber die Reserve bilden. Leider stellte sich gleich nach den ersten mit Apparaten ausgeführten Aufstiegen (7. und 8. August) heraus, daß infolge einer zu geringen Reibung bei Mitnahme der Registriertrommel mittels einer neuartigen Vorrichtung die Trommel fortwährend • rollte», so daß die Registrierungen — die auch sonst sehr dick ausfielen — äußerst undeutlich, ja kaum brauchbar wurden. Die kleinen (beistände an den sonst gewiß guten Apparaten hätten in einer Fein-Mechanikerwerkstatt sicherlich in einem oder zwei Tagen behoben werden können, während wir mit den Hilfsmitteln der Reparaturwerkstatt an Bord eines Dampfschiffes trotz aller Bemühungen die nötigen Änderungen nicht auszuführen vermochten. So sahen wir denn gleich am Anfange unserer Reise ein, daß wir statt dreier Apparate so gut wie völlig auf einen einzigen angewiesen waren. Daß nun speziell der erstunterzeichnete Schreiber dieser Zeilen, als der in erster Linie für das Unternehmen und das Material Verantwortliche, bei den Aufstiegen doppelle Vorsicht ausüben mußte, ist klar. Bei mehreren der besseren Aufstiege hätten wir noch erbeblich weilergehen und größere Höhen erreichen können, wenn nicht die Besorgnis hinzugetreten wäre, daß bei dem steigenden Zuge uns ein Abriß um den einzigen Apparat bringen konnte, womit die ganze weitere Reise für unsere Zwecke fruchtlos geworden wTäre. Ebenso durfte mit dem Fallenlassen der Drachen nicht so weit gegangen werden, und das Arbeiten bei zu schwachem Winde mußte sich in sehr engen Grenzen bewegen. Denn daß ein abgerissenes und in die See gefallenes Instrument praktisch doch verloren war, sahen wir alsbald ein. Wir hatten zwar auf Anregung von Herrn Teisserenc de Bort Schwimmer für dieselben konstruiert: Beutel aus gedichtetem Ballonstoff mit Calcium-carbidsäckchen daran, welche sich beim Fallen ins Wasser mit dem sich augenblicklich entwickelnden Acelylengas füllten und nun mehrere Kilogramm über Wasser hallen konnten. Allein die Praxis zeigte, daß die Schwimmer, die notwendigerweise aus Stoß gemacht sein mußten, durch das Flattern und Schlagen im Winde die Stabilität des Apparates in einer für die Registrierung unzuträglichen Weise störten, außerdem aber ein etwa mehrere Kilometer vom Schilf in die See gestürzter Apparat in den Wogen des Meeres doch kaum mehr auffindbar gewesen wäre, selbst wenn das Schiffskommando sich zu einer mit Zeilverlusl verbundeneu längeren Suche bereit gefunden halte. Es war eben wieder einmal grüner Tisch» gewesen; in der Praxis sahen wir uns genötigt, das einzige brauchbare Instrument, das außerdem b'.*>0 Mk. kostete, nur mit aller Vorsicht zu gebrauchen und beim Herannahen jeder Art von Gefahr in Sicherheit zu bringen.

Es kann an dieser Stelle weder eine Beschreibung der Reise gegeben werden, noch ist es nötig, auf die Einzelheiten der Anordnung einzugehen, die ja höchstens instruktives Interesse für ähnliche Arbeilen in der Zukunft haben könnten, sich aber doch jedesmal je nach dem verfügbaren Schiffsraum. Kräften, Material und Klima der betreifenden Meeresregion verschieden

gestalten werden. Da über «las Aeronautische und meteorologische Material schon im Vorstehenden das Wichtigste erwähnt worden ist, so erübrigt nur noch etwas über die Drachenwinde und deren Aufstellung zu sagen. Es war eine Handwinde nach der ursprünglich von Marvin angegebenen, von Koppen umgeänderten Art mit sehr einfachem Zählwerk und Feder-Dynamometer — dieses nur bei Stillstand der Winde einschaltbar —, deren oberer Teil auf dem Gestell drehbar ist. Von uns wurde noch eine Vereinfachung vorgenommen, indem wir die Teilung der Drahttrommel in zwei Hälften, für verschiedene Drahtstärken, als für unser Vorhaben nicht not ig, wieder beseitigten; des weiteren wurde eine einfache Art von selbsttätiger Führung | Verteilung) des Drahtes hinzugefügt, die sich jedoch nicht bewährte und bald aufgegeben werden mußte, ein Deckel mit Drahtdurchführung und Fenster aufgebaut, um in den Arbeitspausen den Draht vor Hegen etc. zu schützen, nötigenfalls auch mit gedeckter Trommel arbeiten zu können u. a. in. Die Winde wurde auf einem über dem Promenadendeck befindliehen, geländerlosen, mit der Kommandobrücke durch fliegende Brücken verbundenen festen Hegendach für die ganze Reisedauer fest verschraubt. Wir hatten hier einen an höchster Stelle und im rückwärtigen Teile des Schilfes, Fi*. *. - Anbringen de» Apparat* am Or.ht.

frei von Masten und Schornsteinen etc. gelegenen, sehr geräumigen und leeren, dem übrigen Publikum nicht zugänglichen Platz: in dieser Beziehung waren wir also günstiger gestellt, als es auf den allermeisten anderen, wenn auch viel größeren SchifTen möglich gewesen wäre, die ja dieses aus zufälligen (klimatischen) Gründen auf der «Oihonna» angebrachte Verdeckdach kaum je besitzen. So spielte sich denn auch das Auflassen und das naturgemäß meist erheb- " lieh schwierigere Einfangen der Drachen durchaus ohne Unfälle ab: auch bei dem letzteren, wo doch die Drachen in starkem Winde heftig zu sehlagen pllegen, wenn sie so kurz gefesselt sind, wie es hier im letzten Moment sein mußte, gelang es stets, dieselben heil hereinzubekommen,

lllustr. A^ronaut. Milu-il. VIII Jahre.

_ ganz vereinzelt wurde ein- oder zweimal eine leicht zu ersetzende Leiste

__ gebrochen. Schwieriger war

das Auffieren von Hilfsdrachen, da man doch hier mit denselben nicht wie auf Land vorher um mindestens die Länge ihrer Leine, also 50 m oder mehr, weggehen konnte, sondern sie zuerst zum Fliegen bringen, und dann die Klemme — vom Typ des Aeronautischen Observatoriums, in der ersten Publikation desselben beschrieben — an dem Hauptdraht befestigen mußte. Bei starkem Winde wurden deshalb die Hilfsdrachen, — von denen übrigens in den nachstehenden Aufstiegen nie mehr als einer in Gebrauch kam, da wir unsere Experimente aus den schon angegebenen Gründen in bescheidenen Grenzen halten mußten — zunächst von einer besonderen kleinen llolztrommel. auf welcher ihre Halteschnur aufgewickelt war, aufgeliert und dann mit dein bereits in der Luft befindlichen System verbunden. Da die Drachen bekanntlich gerade beim eisten Auflliegen in kräftiger Luflbewegung besonders starken Zug ausüben, so mußten hierbei unsere Freiwilligen» sich ordentlich ins Zeug legen, bis der Drachen mit dem

Fic i. - Auflanen eines HllUdrachens. Hauptsysleill Voll der festen

Winde aus losgelassen werden konnte.

Durch Axtmutänderungen entstehende Schwierigkeiten, wie Konflikte

Fig. 3. — Auflassen de» Oracnens.

139 «44«

des Drahtes m\t Masten, Schornstein etc., wurden durch Einschalten von beweglichen Hilfsrollen nach Möglichkeit beseitigt. (Schluß folgt.)

Das Aeronautische Observatorium Berlin im Jahre 1903.

Das vergangene Jahr ist das erste, in welchem es gelungen ist, an jedem Tage und hei jeder Witterung in den Vormittagsstunden Aufstiege von Drachen oder Drachenballons auszuführen, und /.war ohne jede Lücke, einschließlich der Sonn-und Festtage. Es mag den Beamten des Observatoriums nicht als Selbstüberhebung, sondern als ein Ausdruck gerechtfertigter Genugtuung angerechnet werden, wenn sie auf dieses Resultat einigermaßen stolz sind, denn es ist tatsächlich noch an keiner anderen Stelle gelungen, ein volles Jahr ohne jede Lücke in der angegebenen Weise zu arbeiten! Zwar hat Herr Teisserenc de Bort an der Station franco-scandinave de »ondages acriens in Viborg mehr als acht Monate lang überaus zahlreiche, vielfach Tag und Nacht fortgesetzte Drachenaufstiege ausgeführt, aber trotz dieser außerordentlichen Leistung waren doch längere Lücken nicht ganz zu vermeiden, zumal es dort an dem für den Drachenballon unentbehrlichen WasserstofTgase fehlte.

Abgesehen von dem wissenschaftlichen Werte dieser täglichen Kxperimente ist es von Wichtigkeit, den Beweis dafür geliefert zu haben, daß die am aeronautischen Observatorium allmählich ausgebildete Arbeitsmethode in der Tat unter allen Witterlingsverhältnissen Aufstiege auszuführen gestattet, wenn auch deren Höhe und Dauer nicht unerheblich von den schwereren atmosphärischen Störungen beeinflußt wird. Zwar wurden bei stürmischem Winde, der in wilden Wirbeln und Böen einherbrauste, nur allzu oft auch die besten und stabilsten Drachen in mächtigen «Kopfsprungen* zu Boden oder in die Baumkronen geschleudert oder in der Luft zerdrückt, und selbst der tadelloseste Stahldraht, der eine Bruchfestigkeit von 150 kg besitzt, zerriß unter dem gewaltigen Zuge, und die an ihm befestigte Kette von Drachen trat eine unfreiwillige Schleppfahrt weithin über das Land an, Tausende von Metern des Drahtes mit sich ziehend —, aber trotz aller dieser das «Gebild von Menschenhand» bekanntlich hassenden entfesselten Elemente gelang es doch stets, die Aufgabe, an jedem Tage Beobachtungen zu gewinnen, zu lösen und diese dem Berliner Wetterbureau, welches dieselben an verschiedene Berliner Tageszeitungen weitergibt, sowie der Seewarte in Hamburg, nur selten verspätet, zu übermitteln.

Im ganzen wurden 173 Aufstiege zur Ausführung gebracht, davon 155 gefesselte, also mittels Drachen und Drachenballons, und 28 freie. Eine genauere Übersicht über dieselben gibt die folgende Tabelle.

Aufstiege am aeronautischen Observatorium im Jahre 1903.

 

Jan.

Febr.

März

April

M;,i

Juni

 

Au»r.

Sept.

Okt.

N'ov.

Dez.

Jühr

Drachen .....

sa

33

2(5

 

20

17

12

2S

 

29

■ji;

•23

301

Drachenballon .

i

5

11

12

18

17

15

9

17

9

9

12

111

Freiballon ....

t

 

1

1

1

2

   

1

1

 

9

Registrierballon

1

1

3

3

3

2

1

1

1

t

1

1

19

Summe . .

 

39

11

•»

1*2

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M

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11

SO

M7

173

Die nachfolgenden Angaben beziehen sich nur auf die gefesselten Aufstiege; die freien, welche fast nur an den internationalen Terminen vorgenommen wurden, sind

»»»» 140

bereits in den vorläufigen Berichten der internationalen Kommission für wissenschaftliche Luftschiffahrt in dieser Zeitschrift veröffentlicht und durften den meisten Lesern bekannt sein. Es sei nur erwähnt, daß die mittlere Hohe der Aufstiege 5597 m betragt; die niedrigste Freifahrt erreichte 4121» m, die höchste 8770 m.

Die Höhe von 4500 m wurde 2 mal, von 4000 m 4 mal, von 3500 m 12 mal, von 3OO0 m 32 mal. von 2500 m 67 mal, von 2000 m 122 mal erreicht oder überschritten: unter 500 m blieben nur drei Drachenaufstiege. Der Drachenballon überschritt 2000 m Höhe nur 2 mal, 1500 in aber 39 mal. Die größte Höhe wurde am 7. Mai mit 45(55 m erreicht, wobei daran erinnert sei, daß infolge erst später ermittelter Korrektionen der Registrierapparate ein Teil der bis dahin erfolgten höheren Aufstiege in den ersten Berichten als nicht unbeträchtlich zu hoch angegeben worden war.

Die mittleren erreichten Höhen betrugen unter Zugrundelegung je eines täglichen Aufstieges im

 

Jan.

Kehr.

März

April

Mai

Juni

Juli

Au«.

Sept.

Okt.

N.n.

Dpi.

Jahr

Drachen

1872

1710

2480

1972

2432

2010

1516

2200

1700

2120

1720

2070

1990 b

UradiMblkffl

1231

1065

1233

1455

1380

I33i>

1481)

1011

1345

1522

1314

1283

1 :.1SS m

Ks dürfte unsere Leser vielleicht auch interessieren, einige Notizen über den Verbrauch an Materialien zu erhalten, welche zur Ermöglichung der vorstehenden Aufstiege gedient haben.

Im Jahre 1908 wurden 99 neue Drachen gebaut, welche 1835 Mk. an Herstellungskosten verursachten: 45 Drachen, welche bei den Aufstiegen wiederholt beschädigt worden waren, mußten repariert werden, was den Betrag von 631,27 Mk. beanspruchte. Außerdem wurden zwei Drachenballons im Preise von 2600 Mk. beschafft und so gut wie verbraucht. Für Slahldrähtc, Kabel und Leinen wurden 1600,30 Mk. verausgabt, der Länge nach etwa 50000 m Slahldraht! Für Gummiballons beliefen sich die Kosten auf 533.10 Mk. Zur Füllung der Drachenballons dienten 5281 cbm Wassersloffgas zu einem Preise von 1795.47 Mk.; für Freifahrten au den internationalen Terminen außerdem 19000 cbm (Jas im Preise von 3716.48 Mk.; an Belohnungen für die Bergung abgerissener Drachen und von Begistrierapparaten wurden 360.10 Mk. ausgezahlt. Der Gesamtbetrag von 13071,72 Mk.. ungerechnet einen neuen großen Ballon von 1300 cbm Inhalt, der nach der Methode Finsterwalders als Kujjclwürfel gebaut wurde und am 7. November 1903 seine erste Fahrt machte, sowie zahlreiche Reparaturen und Neubeschaffungen von Begistrierapparaten. läßt erkennen, daß der Betrieb eines Aeronautischen Dienstes in dem Umfange des letzten Jahres allein für Materialien recht beträchtliche Aufwendungen erheischt. Für den an dem neuen Observatorium bei Lindenberg geplanten Dienst, der außer den regelmäßigen Vor-millagsaufstiegen noch ebensolche am Nachmittag und Abend, tunlichst oft auch während der Nacht umfassen soll, dürften die Betriebskosten noch recht erheblich größer werden. Andererseits darf man wohl mit gutem Gewissen behaupten, daß die schon erzielten Erfolge in vollem Maße die ei forderlichen Aufwendungen rechtfertigen, um! daß die besten Aussichten dazu vorhanden sind, auf diesem Wege noch wichtige und folgenreiche Entdeckungen zu machen, welche außer den wissenschaftlichen auch praktischen Zwecken förderlich sein werden. Assmann.

Krweitert «ach «Wetter» 21.1

Flugtechnik und Aeronautische Maschinen. Die Fortführung der Stevensschen Experimente.

Der Sommer 1903 war in Amerika sehr ungünstig für die Aeronautik und wir erlebten das ungewöhnliche Schauspiel, daß Professor Langley und die Gebrüder Wright Versuche fasl mitten im Winter ausführten. So stehen uns jetzt von Leo Stevens wichtige Versuche für die ersten Frühlingstage in Aussicht, weil ganz ausnahmsweise Weiterverhältnisse ihn im letzten Sommer und Herbst nicht dazu kommen ließen. Der unaufhörliche Regen hatte damals die Vorbereitungen so verzögert, daß erst mitten im Herbst der Stevens Nr. 2 gefüllt und fertig zum Flug dastand. Da kam am 9. Oktober ein solch heftiger Sturm, daß Teile vorn Gebälk der Raiionhalle losgerissen und auf die Hülle geschleudert wurden, die zerriß und das Gas entweichen ließ. Nicht lange vorher schon waren einmal die Tore der Halle von einem Sturm eingedrückt worden. Doch Stevens fuhr fort, stetig zu experimentieren und das Funktionieren eines jeden Teils der Maschinerie gründlich zu erprobeu. Kr sagt, daß ein Aufstieg gar keinen rechten Zweck hat, ehe dies auf das weitgehendste geschehen sei. Uber das neue Flugschiff teilt er folgende Einzelheiten mit: 'Es ist 85 Fuß lang und 18'/* Fuß im Durchmesser, besteht aus 1250 Stücken bester chinesischer Seide, und die Hülle ist am oberen Teile mit Goldschlägehäutchen gefüttert. Oben befindet sich ein Scheibenventil von 2 Fuß Durchmesser. Die Hülle besteht aus zwei Abteilungen, deren eine als Luftballone! dient. Der Ballon hat 3 Sicherheitsventile aus Aluminium, ein "Mannloch- und zwei Füllansätze. Entlang den Seiten läuft ein Gürtel, 12 Zoll breit, an dessen unterem und oberem Saum sich je eine «Tasche« bildet, welche zur Verstärkung ein Stahlrohr aufnimmt. Dieser Gürtel ist in der Mitte mit 5 Slichreihen angenäht und an den beiden Säumen frei. Vom oberen Saum gehen 20 je Ii Zoll breite Bänder aus, die dicht anliegend über den Rücken der Hülle laufen: der untere Saum hat 'Augen* zur Befestigung der dünnen glatten Seidenslricke, mit denen das Tragegestell angehängt ist. Letzteres ist 50 Fuß lang, 2 Fuß 10 Zoll hoch und ebenso breit. Es ist keine besondere Gondel vorhanden, sondern der Passagier steht auf einer 10 Fuß langen und 2 Fuß breiten Plattform. Es werden in Zukunft zwei Moloren gebraucht werden, ein jeder mit 2 Zylindern und von 20 h\ fest mit dem mittleren Tragegestell verbunden und 7 Fuß von der Mitte entfernt, sodaß der Abstand zwischen beiden l't Fuß beträgt. Stevens sagt: -Ich habe die Motoren unter voller Kontrolle, weil jeder nur 7 Fuß von mir entfernt ist. Die obere Kante des Trage-gerüsts besieht aus zwei leichten Hartholzsireifen, je l Zoll breit und 2 Zoll hoch. Nach der Mitte zu gehen sie allmählich auseinander und lassen dann einen Zwischenraum von 2 Fuß 5 Zoll für eine Länge von 10 Fuß zwischen sich frei. Die Motoren haben eine Ubersetzung von 3000 auf 5(10. Die Wellen haben Universalgelenke und laufen in messinggefülterten Walzen-

lagern aus Aluminium. Die beiden Huden des Traggestells sind in einer Länge von je 12 Fuß mit Aluminium überdeckt und bilden so zwei scharfe Spitzen. Entlang dem Boden des Traggerüstes läuft eine Stahlschiene, der entlang sich ein Gleitegewicht von 100 Pfund bewegt, worauf ich ein Patent besitze. An jedem Ende des Tragegerüstes belindet sich ein zweiflügeliger Propeller von 17 Fuß Durchmesser. Direkt hinter dem hinteren ist das Steuer angebracht, das 6 Fuß lang und 8 Fuß hoch ist. Propeller und Steuer bestehen aus hartgelöteten Stahlrohren mit Aluminiumverbindungsstücken, die mit besonders schwerer japanischer Seide bespannt sind. Der Ballon soll gerade knapp das Gesamtgewicht tragen und zum Steigen mehr von den Propellern abhängen als mein früherer. Die Hülle ist jetzt viel kleiner, denn was ich haben will, ist ein verhältnismäßig kleiner Apparat von enormer Kraft.» — Soweit ein Urteil von der praktischen Probe möglich ist, sind die Verbesserungen der Meinung des Verfassers noch alle in der rechten Bichtung gesucht worden. Dienstbach.

Gleitflugrwettfahrten. Die überraschenden Resultate der Gebrüder Wright mit der Gleitmaschine, deren geistiger Urlieber unser unvergeßlicher Lilienthal war, haben überall nachhaltige Wirkung hervorgebracht. Selbst in Frankreich, wo man die Lösung der Flupfrage trotz der Devise «plus tourd que Fair» nur mittels der Ballons zu linden hofft, ist eine merkliche Schwenkung zum reinen dynamischen Flug zu beobachten. Und nicht mit Unrecht trachten die Franzosen, den gewaltigen Vorsprung der Amerikaner einzuholen, nachdem so zahlreiche Opfer an Menschenleben und Geld dem «Lenkbaren» gebracht wurden. An der Spitze sehen wir den ruhmgekrönten Oberst Renard. der schon vor zwanzig Jahren mit den damaligen technischen Hilfsmitteln so Großartiges geleistet halte, einstweilen den Flug mittels lenkbaren Rallons zurückstellen, nachdem ihn der Fortschritt im Raoe leichter Kxplosionsmotoren sowie der hohe Nutzeffekt der Luftschrauben zu der Überzeugung gebracht haben, daß der dynamische Flug kein ♦Problem- mehr sei und schon mit den heutigen technischen Mitteln realisiert werden könne. So wie er haben schon viele andere — vor ihm — rechnerisch nachgewiesen, daß wir vor keiner Utopie stehen, weil uns durch den Automobilismus unbeabsichtigt ein mächtiger Verbündeter erstanden ist, der uns unverhofft zum Ziele führt. Man sagt sich aber zunächst ganz richtig:

«Was nützt uns selbst die beste Maschine, wenn wir sie nicht lenken können? Dem ist nun leicht abzuhelfen. Lihenthal hat uns ja den Weg gewiesen. Chanute, Heering, Wright. Kerber etc. arbeiten als seine Schüler und. wie wir kürzlich erfahren haben, mit den besten Erfolgen. Darum Gleitwetlflüge veranstalten, trainieren, Preise ausschreiben! Das weckt die sportlüsterne .lügend. Und hat man endlich hervorragende Männer von kaltem Rlut und größerer Geschicklichkeit herangezogen, dann wird es keinen Mangel an -Sachkundigen» mehr geben, welche auch eine wirkliche Flugmaschine, mit Motor und Propellern ausgerüstet, hlitzzugattig heil durch die Luft werden lenken können.»

So setien wir den umsichtigen Herrn Archdeacon des Pariser Aeroklubs eifrigst bestrebt, Gleitilugweltfahrten zu veranstalten, wozu vor allem geeignetes Terrain gefunden werden muß. Nach mühevollen Rekognoszierungen worüber wir an anderem Ort berichteten, it. R.) wird endlich an der Mündung der Soinme, in der Gegend von Merli-inont ein • Aerodrorn» gefunden, sowie bei Haut-I51anc. bei Ib.rck ein Flugnbiingsplatz für Anfanget in Aussicht genommen.

Von einem geschickten Mechaniker wurde ein Gleitapparat System Wriglit. Modell 15X12,

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konstruiert, welcher bei 7.f> m Spannweite, 1,P2 m Breite und einer Gesamtfläche von 21,10 qm nur HO kg wiegt. Vom 1. März 1. Js. an linden die Gleilflugvcrsuche unter Leitung des Herrn Archdeacon bei Mcrlimont statt und erhofft man sich eine rege Beteiligung an diesem schönen, nützlichen und neuen Sport.

Ks ist mit Freuden zu begrüßen, daß nicht allein in Frankreich, sondern auch in Deutschland und Osterreich solche Gleitversuche teils begonnen haben, teils erst inauguriert sind. Sic werden auf die Flugtechnik ungemein belebend wirken, wenn auch so manches Opfer kosten. Auf jeden Fall bilden sie die erste und unerläßliche Etape in der Heranbildung der einstigen Berufsluftschiffer, von welchen man nebst hoher Intelligenz mindestens ebensoviel Kühnheil, Umsicht und Kaltblütigkeit fordern wird, wie von den «Kapitäns langer Fahrt». Ni.

«L'Auto» teilt mit, das Aeroplan nach System Wright sei auf Anordnung Archdeacons mit schleifenden Stützen verseilen worden, um beim Landen den schädlichen Stoß abzumildern. D. H. K. N.

Zu „Motorfhie der Gebrtlder Wripbt" i'S. !>H—1(10) wurde nochmals bestimmt versichert, daß beide Schrauben rückwärts, als Propeller wirkend, angebracht sind, die Anwendung einer Ii u b s c h r a u be, von der die amerikanischen Blätter berichten, aber nicht stattfinde. I). B.

Kleinere Mitteilungen.

Bas YVcathcr-Burcau der Vereinigen Staaten von Nordamerika bat sich — laut seines Tätigkeilsberichtes vom verflossenen Jahre — neuerdings wieder lebhaft mit Aeronautik beschäftigt. Prof. Abbe und M arvin haben Versuche angestellt über die Elastizität kleiner Gummiballons, über die Trägheit der Hcgistrierthcrmometer und über neue Formen elektrische? Thermometer. Das Bestreben geht insbesondere dahin, bei sehr raschem Aufstieg doch exakte Begistrierungen zu erhalten; bei diesem Verfahren ist auch die Wahrscheinlichkeit des Wiederauflindens sehr groß. Ferner ist ein Plan ausgearbeitet für die Erbauung eines Observatoriums für kosmische Physik und Aeronautik auf dem Mount Weathcr in den Blue Ridge Mountains, Va. iiier sollen täglich Drachen- und Haiionaufstiege für prognostische Zwecke ausgeführt werden. Sg.

Balloiirns-Tem|»enituniiesser von F.de P.RoJhs. Herr Francisco de P. Bojas. Kapitän der spanischen Luftschiffertruppe. den wir zugleich die Ehre haben als neues Mitglied der Redaktion der III. Aeron. Mitt. begrüßen zu dürfen, gibt in der Broschüre «Termö-metros para conocer desde la banpiilla del globo la temperaturn del gas» Madrid l'JOH. 17 pp. X\ 1H1,'»X2U cm Konstruktionen für elektrische Thermometer an, welche zur Bestimmung der Temperatur des Ballongases während der Fahrt dienen sollen. Die Vorschläge sind wohl ohne große Schwierigkeiten ausführbar — in der Technik sind Instrumente, welche nach ganz ähnlichen Prinzipien gebaut sind, auch schon in Gebrauch — und die Messung der Gasteinperalur verspricht speziell bei der kolossalen Sonnenstrahlung im subtropischen Klima von Spanien höchst interessante Resultate. Es wäre daher sehr wünschenswert, wenn die Thermometer bald erprobt würden, jedoch unter peinlichster Berücksichtigung aller Vorsichtsmaßregeln gegen elektrische Funkenbildung. Der Verfasser selbst weist nachdrücklich auf diese Gefahr und die Möglichkeit, sie zu vermeiden, hin <p. 11 und 12): dieser Punkt ist tatsächlich von fundamentaler Bedeutung für das ganze Verfahren.

Die Arbeit enthält zwei verschiedene Konstruktionsvorschläge. Nach dem eisten Plan werden in die Röhre eines Ouecksilberthermoineters in Abständen von je 1"

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Isolierte Plaündrfthte, die von einem gemeinsamen Kahel auslaufen, eingeschmolzen; außerdem ist ein Draht in das Quecksilberreservoir geführt. Tritt durch diesen Draht ein Strom ein, so wird er umsomehr Leitungen durchlaufen, je höher die Quecksilbersäule im Thermometer steht. Die den einzelnen Graden entsprechenden Drähte werden durch das Kabel bis zum Rallonkorb geführt und enden hier in Kontaktknöpfen auf einer kreisförmigen Scheibe mit Schleifkontakt. Der Schleifkontakt führt zu dein galvanischen Element: die Leitung geht dann weiter zu einem Galvanometer, einem Ausschalter und von hier durch den einzelnen Droht in das Queeksilberreservoir (Flg. Ii. Ist der Strom eingeschaltet, so hal man also nichts weiter zu tun. als mit dem Schleilkontakt über die Kontaktknöpfe zu fahren und am Galvanometer zu sehen, bei welchem Kontaktknopf der Strom zuerst auftritt oder verschwindet, d. Ii. zwischen welchen Dlalinspitzen die Quecksilbersäule des Thermometers steht. Der Apparat hat den großen Vorzug, von der Stromstärke unabhängig zu sein; die einzige l'nbe-i-uemlichkcil ist das Kahel mit den vielen Drähten.

Herr.ltojas halfdaher einen zweiten komplizierteren Vorschlag gemacht, hei welchem statt des Kabels nur zwei Drähte erforderlich sind. Die Konstruktion des Quccksilberthormometers ist dieselbe wie vorher, aber die Platin- j drithte sind nicht isoliert, sondern mit — einander durch Drähte verbunden, in welche kleine Widerstände eingeschaltet sind. Je höher das Quecksilber sieigt. ein desto geringerer WiderMand ist im Stromkreis vorhanden; an einem im Korbe angebrachten Galvanometer wird die jeweilige Stromstärke abgelesen i.Fig. 2). Die zweite Anordnung setzt eine konstante Stromquelle voraus, diese kann dadurch erreicht werden, daß man einen Hheostalen einschallet und hiermit die Stroniintensilät auf ein bestimmtes, durch ein llilf^galvanometer in einer Zweigleitung angezeigtes Maß bringt. Sg.

Zu dein Artikel „Ein Besuch bei Herrin»?** im 2. Heft geht uns von unserem Mitarbeiter in New York die Mitteilung zu, daß seine Quellen teilweise irrige Angaben geliefert halten. So soll Seite öi» Zeile 12 von oben Vi statt "2 stehen (Druckfehler des • Horseless age.i, Seile 57 Zeile 20 von oben ist 3H0O—RHU) slatt 2MK) zu setzen und zu Zeile 25 von oben ist zu bemerken, daß die Zündanlage vier kleine ("hromsilber-Elemente umfaßt, während bei Dienstbachs Besuch nur zwei in Anwendung waren.

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Ii. Red.

Aeronautische Vereine und ßegclienheiten.

Berliner Verein für Luftschiffahrt.

In der 2:15. Versammlung des Berliner Vereins ftlr Luftschiffahrt am 15. Februar hielt Herr Wilhelm Volkmann. Assistent an der landwirtschaftlichen Hochschule, einen

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Expcrimental Vortrag Uber die Bedingungen, unter denen die Ortsveränderung eines Ballons elektrische Ladungen auf ihn hervorbringen kann. Oer mit Beifall aufgenommene Vortrag ist an anderer Stelle dieser Zeitschrift ausführlich wiedergegeben. Die Beschlußfassung über die Aenderung des Satzes 5, § 5 der Satzungen, wovon in letztem Sitzungsbericht schon die Rede war, erfolgte widerspruchslos im Sinne des Verfinderungs-vorschlages. Seit Jahresbeginn haben (i Vereinsfabrten stattgefunden, sämtlich von Berlin aus. Über die einzelnen Fahrten berichteten u. a. Dr. Bröckelmann, der am 19. Januar um 9 Uhr 40 Min. bei schönem Wetter an der Charlottenburger Gasanstalt abfuhr, später aber dichter Bewölkung begegnete und, nachdem der Ballon langsam steigend um 3 Uhr die Wolken durchbrochen und 1750 m erreicht hatte, um 4 Uhr 22 Min. in der Nähe der Eisenbahn Goslar-Oschersleben landete. Ein Gegenstück zu dieser Fabrt war die von Oberleutnant George als Führer geleitete, worüber Dr. Mohr berichtete. Sie war unausgesetzt von Regen und Schnee begleitet, sodaß selbst unter Opferung von (> Sack Ballast es nicht möglich war, den Ballon über die Wolken zu bringen. Er fiel, nachdem er erst 600 m erreicht, und nachdem der anfangs aus NNW. wehende Wind sich nach NO. gedreht hatte, kurz vor dem Haff. Die Landung ging glatt von statten. Freiherr v. Hewald war Teilnehmer an 2 Fahrten. Die erste am 29. Januar — Leiter Hauptmann v. Krogh — endete, nachdem 500 m Höhe erreicht und Pankow, Alt Landsberg, Granzow, die Olra bei Meseritz, Tischtiegel und Opalnica gesichtet war. hart vor Posen. Die am 8. Februar unter demselben Ballonführer mit dem Ballon «Sigsfeld» unternommene Fahrt begegnete bei 1150 m Höhe, die um 11 Uhr abgelesen wurden. Dunstschichlen. welche den Ballon um 150 m herabdrückten. Nach 11 Uhr hatte man etwas Sonne und schätzte die Höhe der oberen Wolkcnschicht auf 1800 m. Um 11 Uhr 55 Min. hörte man deutlich das Geräusch einer großen Stadt unter sich, vermutlich Frankfurt a. O., und sah wundervolle Cirruswolkenuebilde über sich. Von 12 Uhr 35 Min. ab ling der Ballon in der Berührung mit feuchten Schichten langsam zu sinken an und landete um 1 Uhr 45 Min. bei Groß-Wartenberg in Schlesien.

Noch teilte Hauptmann v. Tschudi mit. daß die Ausstellungsgegenstände des Vereins für St. Ix>uis. nachdem sie im Kasernemcnt des Luftschiffer-Bataillons ausgestellt gewesen, nunmehr abgesandt worden seien. Es soll auf einstimmigen Vereinsbeschluß ein neuer Ballon von 1300 cbm' Inhalt bei Biedinger in Augsburg bestellt werden. Dem Freiherrn v. Hewald wurde vom Vorstände die Fiihrerqualität verliehen und einem Vorschlage des Vorsitzenden Geheimrat Busley zugestimmt, wonach für das laufende Jahr 0 neu kommandierten Offizieren des LuftschifTcr-Bataillons vom Verein 2 Normalfahrten verliehen werden, um den Herren Gelegenheit zu gehen, die Führung des Leuchtgasballons — im Gegensatz zu den kleinen Wasselstoffballons — kennen zu lernen, bevor sie im Verein als Führer fungieren. Die Zahl der neu aufgenommenen Mitglieder betrug 20.

MUnchener Verein für Luftschiffahrt.

In der III. Sitzung des Jahres 1904, die am Dienstag den 1. März abends 8 Uhr im Vereinslokal «Hotel Stachus» stattfand, hielt Herr Professor Dr. S. Finsterwalder einen Vortrag «Uber die mit der photogrammetrischen Flinte erzielten Resultate». Der Vortragende beschrieb zuerst die von Frhr. K. v. Bassus an dem photogrammetrischen Aufnahmeapparat angebrachten konstruktiven Verbesserungen, von denen hier der gewehrkolbenartige Griff erwähnt sei, der, besonders wenn man ihn am Tauwerk der Gondel auflegt, die bequeme Fixierung einer bestimmten Bichtung gestattet. Von ihm rührt der Name -Flinte» her. Dieser Teil des Apparates konnte nicht vorgezeigt werden, da er zur Zeit für die Weltausstellung nach St. Louis gesandt ist.

K. v. Bassus hat nun vom Ballon aus mit diesem verbesserten Apparat eine Reihe gut gelungener korrespondierender Doppelaufnahmen gemacht, die dann der Vortragende nach der von ihm entwickelten Methode rechnerisch verarbeiten ließ. Ks würde

Ilhtstr. Aüronaul. MtlUil. VIII. .lahr?. 1 1

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den nahmen des Berichtes überschreiten, wenn hier die mathematische und zeichnerische Behandlung des Problems, die Herr Prof. Finsterwalder der Versammlung erläuterte, wiedergegeben werden sollte. Außerdem möchte der Berichterstatter diese Aufgabe einer berufeneren Feder überlassen. (Ks sei hier auf die wissenschaftliche Heilage im Jahresbericht liH)2 S. 31—H> des Vereins hingewiesen, betitelt: «Neue Methode zur topographischen Verwertung von Ballonaufnahmen. Von Prof. Dr.S. Kinsterwalder.)

Die ausgezeichneten und wichtigen Resultate aber, welche erzielt wurden, sollen angeführt werden. Die Verarbeitung der Doppelaufnahnic der Gegend von Albaching b. Ebersberg ergab z. R. eine Übereinstimmung von 2—3 m zwischen den photogram-metrisch ermittelten und den kartographischen Höhenkoten.

Noch günstigere Ergebnisse lieferte die Aufnahme des Alz-L berganges bei Garching. Werden hier die 9 photograinmetiisch gefundenen Höhenwerte im Gelände mit den entsprechenden Zahlen der Karte verglichen, so ergibt sich der mittlere Fehler zu noch nicht 2 m. Fnd sollte es gelingen, eine neu aufgetauchte Linsenkombination bezüglich ihrer Verwendung für photogi aphische Aufnahmen noch weiter zu vervollkommnen, so wird sich damit eine wesentliche Vereinfachung des photogrammetrischen Verfahrens erreichen lassen. Die jetzt noch etwas mühsame zeichnerische Konstruktion der Grundrißperspektive könnte dann nämlich durch l'mphotographieren der beiden korrespondierenden photogrammetrischen Raiionaufnahmen ersetzt werden. Mit diesem hoffnungsvollen Ausblick schloß der Vortragende seine wichtigen und interessanten Ausführungen, welche mit lebhaftem Reifall aufgenommen wurden, und für die der erste Vorsitzende, Herr Generalmajor Neureuther. dem Redner den Dank der Versammlung aussprach. Dr. W. v. Rabe.

Augsburger Verein für Luftschiffahrt.

Die Keinpteuer Mitglieder des Augsburger Vereins für Luftschiffahrt haben am 17. März 190-1 eine Abteilung gegründet. Obmann: Regierungsbauführer Hackstetter. Fahrtenausschuß: Hauptmann Frank, 20. Inf.-Regiment. vom Münchener Verein für Luftschiffahrt: Dr. Madiener, prakt. Arzt; Bfauereibesilzer Weixler. Entgegenkommen von Magistrat und Gasanstalt ermöglichen den ersten Aufstieg noch innerhalb des Monats März.

Niederrheinischer Verein für Luftschiffahrt.

Die erste diesjährige Vereinsversainnilung des Niederrheinischen Vereins für Luftschiffahrt fand am Montau, den 11. Januar statt. Es hatten sich etwa 80 Mitglieder und Gäste, darunter ca. 20 Damen, eingefunden.

Vor I'antritt in die Tagesordnung widmet der Vorsitzende. Herr Oberbürgermeister Dr. Lentze. dem verstorbenen Mitghede Frau Dr. Bamler. der Gemahlin des um den Verein so verdienten Vorsitzenden des Fahrtenausschusses, einen warmen Nachruf.

Sodann werden 12 neue Mitglieder aufgenommen. Aus dem Jahresbericht mag nur hervorgehoben werden, daß der Verein im ersten Jahre seines llestehens 19 bemannte und 1 unbemannte Ballonfahrten ausgerüstet hat. Mitgefahren sind (»9 Personen, darunter 3 Damen. Der Verein ist im Laufe des ersten Jahres auf 250 Mitglieder angewachsen. Bei lö Fahrten wurden Brieftauben mitgenommen, im ganzen 60. Zurückgekehrt davon sind ">i. Dem Kassenbericht ist zu entnehmen, (hiß der Verein trotz der großen Ausgaben, die ihm naturgemäß im ersten Jahre erwachsen sind, durchaus befriedigend steht. Konnten doch schon von den zur Anschaffung des eigenen Ballons ausgegebenen Anteilscheinen 32 Stück im Werte von tÖ'X) .Mk. ausgelost werden. Dem Schatzmeister und dem Vorstände wird Entlastung erteilt und letzterer auf Antrag von Fräulein Dora Königs für das neue Geschäftsjahr durch Zuruf wiedergewählt. Sodann erhält Fräulein Flse Toelle das Wort nun Derieht über die Fahrt am 29, Dezember 1903, der hier nur in Kürzung folgen kann.

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Um 9 Uhr lö Min. stieg der Ballon unter Führung des Herrn Hauptmann v. Abcr-cron mit Herrn Hugo Toelle, Frl. Bora Königs und Frl. Toelle — mit 1 Brieftauben und 10*|* Sack Ballast bei —13° C. auf. Es wurden etwa 1 Vt Sack Ballast ausgeworfen, und in einer Höhe von ca. -MX) in bei schönster Aussicht ging es in südwestlicher Bichtung in raschem Fluge über Schönebeck und Carnap. Das Wetter war klar und sonnig. 50 Minuten nach der Abfahrt wurde der Rhein passiert. Das furchtbar verwirrte und schmutzige Schlepptau zu entwirren, erforderte längere Zeit. Plötzlich befand sich der Ballon in einer dichten Wolkenbildung, hervorgehoben durch die Nebel in der Rheinebene. Bald wurde es wieder klarer. Nördlich lag Krefeld. Höhe ööO m. Ein größerer Knotenpunkt der Eisenbahn, Geldern, wurde passiert. Um 11 Uhr 80 Min. ging die Fahrt westlich die Maas entlang. Höhe 800 m, Temperatur — 1*. Es zeigten sich nun riesige Moore, de Peel genannt, alle mit Eisdecken überzogen, eine für Luftschiffer besonders im Sommer sehr gefährliche Gegend, da man vom Ballon aus anstatt der Moore Wiesen unter sich zu haben glaubt. Um 12 Uhr wurde Udcn. an der Bahn Wesel—Goch—Antwerpen, durch eine wunderschöne Kirche bemerkenswert, gesehen. Das Schlepptau war nach harter 1V*stündiger Arbeit glücklich aus dem Korbe befördert, was mit der ersten Flasche Sekt gefeiert wurde unter dem Wunsch auf die weitere gute Fahrt. Hier wurde die erste Brieftaube abgesandt, die sofort die Richtung nach Barmen einschlug, aber dort erst nach 2 Tagen eingetroffen ist. Um 12 Uhr 20 Min. wurde das wundervoll gelegene Hertogenbosch passiert, das ringsum überschwemmt und vereist war. Hier war die Maximalhöhe von 900 m erreicht, ohne (ausgenommen zum Aufstieg; Ballast verbraucht zu haben. Das Thermometer zeigte —ö*C. Dann ging die Fahrt über große Wiesen, Bommler Waardt genannt, und. wo Maas und Waal zusammenfließen, am Fort Ixieven-stein vorbei. Nach und nach wurden die drei anderen Brieftauben abgesandt, die Barmen aber nicht erreichten. Als Dortrecht in Sicht war. mußte an die Landung gedacht werden, da die Windrichtung gegen die See gerichtet war. Nachdem Gorinchem und die eigentümlich langgestreckten Dörfer Herdinxfeld und Gießendam an der Waal überflogen waren, Dortrecht und rechts Rotterdam mit dem Hafen und unzähligen Schiffen sich zeigten, wurde ein zum Landen geeigneter Acker ausgewählt, die Ventilleine gezogen und das Schlepptau schleifte bald über Acker und Bäume weg. Der Führer zog die Beißleine und nach dreimaligem Aufschlagen des Korbes fanden sich die Insassen, zwar sehr durcheinandergerüttelt, aber wohlbehalten und äußerst fröhlich auf dem Erdboden wieder.

Herr Hauptmann Abercron stellte glatte Landung 1 Uhr 80 Min. Insel Isselmonde bei dem Dorfe Rhoon. nördlich von Rotterdam, fest, genau auf dem auserlesenen Acker. In ungefähr 3\» Stunden waren 205 km zurückgelegt, pro Stunde also etwa fiO km. Die scharenweise herbeigeströmten Menschen waren erstaunt, daß die Luftreisenden wußten, wo sie sich befanden. Als diese sagten, sie seien Deutsche und kämen aus der Bhein-gegend, bemerkte einer der Leute, «die Deutschen machen alles». Nach 1 Stunde war alles wohl verpackt und so gings zum Bahnhof nach Rotterdam, wo der Ballon verladen wurde.

Den Schluß des geschäftlichen Teiles der Versammlung bildete die Auslosung von 2 Freifahrten, sowie die Verlesung eines Begrüßungstelegrammes des Berliner Vereins für Luftschiffahrt und eines originellen Kartengrußes des Mitgliedes Kurt Königs. Damit hatte jedoch die Versammlung noch längst nicht ihr Ende erreicht, vielmehr nahm das nunmehr folgende «gemütliche Zusammensein« einen sehr lebhaften lidelen Verlauf, sodaß alle Teilnehmer der ersten Jahresversammlung gern an dieselbe zurückdenken werden.

Wiener Flugtechnischer Verein.

Am 15. Januar 1901 fand die 2. Plenarversammtung der Wmtersaison unter dem Vorsitze des Präsidenten Baron Otto v Pfungen statt, welche durch den hohen Besuch

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Seiner kaiserlichen und königlichen Hoheit des Herrn Erzherzogs Leopold Salvator ausgezeichnet wurde. Der Präsident eröffnete mit ehrfurchtsvoller Begrüßung des erlauchten Gastes die Sitzung und ersuchte sodann Herrn Raimund Nimführ, seinen Vortrag: < Die physikalischen Grundlagen der Fortbewegung durch die Luft mittels baltonfreier Flugmaschinen > zu halteu.

Der Vortragende sprach zunächst über die Entwicklungsgeschichte der Flugtechnik und wies darauf hin, daß diese heute nicht mehr ein bloßes Konglomerat von mehr oder minder unsinnigen bezw. praktisch unrealisierbaren Projekten, sondern vielmehr eine werdende Wissenschaft sei. Ausgehend vorn lotrechten Fall und dem schrägen Gleitfall durch die Luft, besprach der Vortragende dann die physikalischen Grundlagen der Flugbewegung und charakterisierte eingehend die verschiedenen Grundtypen von ballonfreien Flugkörpern: Drachen-. Flügel- und Schwebefliegern.

Zum Schlüsse berichtete der Vortragende über die neuesten Versuche der amerikanischen Flugtechniker Wilbur und Orville Wright in Dayton mit einer motorlosen Gleitmaschine und einer durch Motor und Propeller angetriebenen neuen Maschine. Bei den im Dezember v. Js. angestellten Versuchen gelang es den Brüdern Wright. wie aus einem an den Vortragenden gerichteten Briefe von Wilbur Wright hervorgeht, mit ihrer motorlosen Gleitmaschine, mit der sie schon im Jahre 11MI2 experimentierten, sich während 72 .Sekunden frei in der Luft über demselben Orte schwebend zu erhalten und zwar in Winden von 10—30 m in der Sekunde. Die Brüder W'righl habt ii auch mit einem Motorllieger Versuche im Dezember v. Js. angestellt, über welche W. Wright dem Vortragenden Einzelheiten milteilte. (Es sind die gleichen, welche an anderer Stelle dieses Heftes in Sonderberichten enthalten sind.) Der Vortragende schließt mit dem Hinweise, daß das Flugproblem in erster Linie ein wissenschaftliches Problem darstelle, dessen praktische Hcahsierunsi den größten Triumphen des Menschengeistes beigezählt werden müßte und zwar ganz unabhängig von der Frage nach der praktischen Bedeutung. Nach den mit lebhaftem Beifalle aufgenommenen Ausführungen dankte der Präsident Hein Vortragenden für die instruktiven und interessanten Mitteilungen, sowie Seiner kaiserlichen und königlichen Hoheit dem Herrn Erzherzog Leopold Salvator für die hohe Auszeichnung seines Besuches und schloß die Versammlung mit der Bitte, unseren heimischen Erfinder, Herrn Ingenieur Wilhelm Kreß. tatkräftigst zu unterstützen, damit er endlich sein begonnenes Werk vollenden könne.

Freitag, den Ii). Februar 1. Js. hielt der Verein seine 3. diesjährige Vollversammlung im Wissenschaftlichen Klub ab. Der Vorsitzende, Baron Otto v. Pfungen, teilte zunächst mit. daß unser uns kürzlich durch den Tod entrissenes Mitglied, Herr k. k. Generaldirektionsrat a. D. August Platte, über seinen Tod hinaus den Verein bedachte, indem er demselben seine umfangreiche flugtechnische Bücherei zum Geschenke inachte.

Hierauf lud der Vorsitzende Herrn k. k. Fniversitäts-Professor Dr. Gustav Jäger ein, seinen angekündigten Vortrag abzuhalten.

Lebhaft akklamiert, behandelte sodann der beliebte Gelehrte das Thema: «Die kinetische Theorie des gasförmigen Zuslandes». Mit einer außerordentlichen Anschaulichkeit wurden die Anwesenden in die geheimnisvollen Gebiete der ruhelosen Gasmolekeln eingeführt, wobei gelungene Experimente zur Erläuterung dienten. Insbesondere die Methoden der experimentellen Bestimmung der Luftreibung haben reges Interesse erweckt.

Brausender Beifall folgte den äußerst instruktiven Ausführungen. Ni.

Ungarischer Aero-Klub.

In dem seit 1. April P»o2 unter dum Protektorate Sr. Kais, und Königl. Hoheit des Erzherzogs Leopidd Salvator in Budapest bestellenden -.Magyar Aero-Klub» hat

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Oberleutnant Alexander Kral, Regiments-Adjutant im Korps-Artillerieregiment «Ritler von Kropatsehek • Nr. 4. welcher bisher als Stellvertreter des Kapitäns Ludwig Tolnay, Assistent der Königl. l'ng. Reichsanstalt für .Meteorologie und Magnetismus, im Klub fungierte, die Kapitänstelle übernommen.

Tolnay und Kral haben bisher die Fahrten abwechselnd als Führer und Beobachter gemeinschaftlich übernommen. (Es darf hierbei an die Berichtigung S. 71 erinnert werden, welche durch die irrtümliche Angabe, der Assistent des Observatoriums in Gyalla. Herr RethJy, sei als Führer und Beobachter tätig gewesen, veranlaßt war. D. Red.)

Kral.

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Bibliographie und Literaturbericht.

Veröffentlichungen der Internationalen Kommission fUr Luftschiffahrt. Beobachtungen mit bemannten, unbemannten Ballons und Drachen, sowie auf Berg- und Wolkenstationen. Band I und II (Dez 190I1 bis Dez. 1901). Strasburg 1903457 pp., 13 Tafeln. 4°. Band III (Jan bis Dez. 1902 . 211 pp. — Desgleichen •Jan. bis Mai 1903. 190 pp. 5 Taf. Wie bereits früher erwähnt, sind von dem deutschen Kaiser die Mittel bewilligt worden, um die Resultate der monatlichen internationalen Fahrten in ausführlicher Form zu veröffentlichen. Dadurch hat die gleich nach Bearbeitung der ersten Fahrt (Nov. 1901) ins Stocken geratene Arbeit einen mächtigen Impuls erhalten, sodaß innerhalb eines Jahres die Ergebnisse von 18 Beobachtungstagen veröffentlicht werden konnten. Bedauerlicherweise konnten für 1902 die Resultate der Wolken- und Bergstationen, sowie graphische Darstellungen aus Mangel an Mitteln nicht veröffentlicht werden. Ks darf dabei nicht unerwähnt bleiben, daß der Herausgeber. Prof. Ilergesell, in Herrn v. Quervain einen eifrigen und sorgfältigen Assistenten gefunden hat.

Die Zusammenstellung der Beobachtungen ist möglichst knapp, übersichtlich und gleichmäßig durchgeführt worden, *-"ür jeden Aufsliegstag (ausgenommen 1902) sind Kärtchen der Luftdruck- und Temperalurverteilung am Erdboden, zuweilen auch in 5000 m Höhe, beigegeben. Der Text mit allgemeinen Bemerkungen umfaßt für jeden Tag höchstens eine Seite. Eine kurze Diskussion dieses umfassenden Zahlenmaterials ist natürlich ausgeschlossen, jedoch läßt schon eine ganz flüchtige Einsicht den Wunsch nach gründlicherem Studium und selbständiger Verwertung aufkommen. Man betrachte z. B. die Karten vom 13. Juni 1901. welche überraschend klar die neueren Anschauungen Uber den Mechanismus sommerlicher Depressionen bestätigen, oder im Gegensatz dazu die verwickelten Verhältnisse vom 5. Dezember 1901, wo man in der Antizyklone verhältnismäßig hohe Temperaturen erwarten sollte und statt dessen die tiefste Temperatur, welche wohl bisher in der Meteorologie registriert ist. nämlich —73^»° in 11900 m und darüber eine sehr ausgeprägte Erwärmung (Temp. etwa —nO*» in 15800 inj findet.

A. de Quervain. Rapport sur les lancers de ballons-sondes faits en Russie,(Observatoirc de meteor. dynain.: Travaux scientihques, Tome III). Paris 1903. 72 pp. 4°. Auf Veranlassung von Teisserenc de Bort unternahm der Verfasser Anfang 1901 einige Versuche mit Registrierballons aus Papier in Bußland. Bei 28 Aufstiegen, teils in Petersburg, teils in Moskau, ging nur ein Ballon verloren, also ein überraschend günstiges Ergebnis. Die Resultate der meteorologischen Daten von 1H Fahrten sind sehr übersichtlich zusammengestellt. Für Höhen von 7000 m an sind die mittleren Temperaturen ungefähr dieselben wie Uber Norddeutschland; die Temperatur nimmt also in den unteren Schichten über Rußland sehr viel langsamer ab. Im Mittel aller Fahrten ist es in 2000 m nur O.S1» kälter als am Erdboden; je höher man steigt, desto schneller nimmt die Temperatur ab. Die mitgeführten Apparate, die Methode des Aufsteigens, die Suche nach den Ballons sind sehr ausführlich geschildert, sudaß man aus der Abhandlung auch manches über die Technik der unbemannten Ballons lernen kann.

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Tetaserene de Bort. Sur la decroissance de temp£rature avec la hauleur dans la r£gion de Paris d'aprts 5 annees d'observations. Oomptes Kendus, Acad. Paris, 13H, p. 42-45. 1904.

Auf Grund von 581 Aufstiegen von Registrierballons sind die Temperaturen der einzelnen Jahreszeiten bis zu 14 000 m Höhe in einer Tabelle zusammengefaßt. Die Schichtbildungen der Atmosphäre bei 3000—1000 m, die schnelle Temperaturabnahme und große Trockenheil zwischen 6 und 10 km und darüber die Erwärmung kommen hier klar zum Ausdruck. Nach der Tabelle ist es während des Winters in 14 km Höhe um 2'/t° wärmer als in 11 km.

W. II. Dines and W. N. Shaw. Metcorological observations obtained by the use of kites ofT the west coast of Scotland 1902. Philos. Transactions A i202) p. 123—141. 1903. Auszugsweise in Proceedings Royal Society London, 72, p. 13—15, Meteor. Zeitschr. 20, p. 418, Nature 68, p. 154, Quartcrly Journ. R. meteor. Soc. 129, p. 310. 1903.

R. de C. Ward. Kite Aying in Scotland and the cyclone theory. Science 18, p. 155. 1903.

Die schottischen Drachenversuche sind schon im vorigen Jahrgange der III. Aeron. Mitt. (7, p. 350) erwähnt worden. Es liegt jetzt die ausführliche Rearbeitung vor; die Resultate sind nach mancher Richtung hin auffallend. Die Wärmeabnahme ist in den unteren Luftschichten am schnellsten und wird bis zu 3500 rn immer langsamer (in den ersten 500 m 0,5(i°, von 3000 bis 3500 m 0.43° für je 101) ml. Wenn eine Depression herannahte, wurde die vertikale Temperaturabnahme langsamer. Der Gipfel des Ren Nevis war im Mittel um 2*/«u kälter als die freie Luft in gleicher Höhe. Es scheint jedoch verfrüht, daraus schon jetzt Schlußfolgerungen für die Konstitution der C.yklone zu ziehen.

L. A. Roteh. Meteorological observations with kites at sea. Science 18, p. 413—414. 1903.

Kurze, aber vollständige Übersieht über die bisherigen Arbeiten mit Drachen auf See: Rotch. Berson und Elias, Koppen, Dines, Teisserenc de Rort.

The neronnntical Society'« Klte l'ompetltion. The Aeronautical Journal 8, p. 2—11. 1904.

Der Wettbewerb für den besten Drachenaufstieg (vcrgl. III. Aeron. Mitt. 7. p. 121) ist recht kümmerlich ausgefallen; die größte Höhe, welche erreicht wurde, betrug 550 m. Preise sind infolgedessen nicht verteilt.

R. Assmami. Ein Reispiel für die Nützlichkeit der Höhenforschung. Das Wetter 20, p. 209—214. 1903.

Nach einer langen Regenperiode im September wurde der Einschlag zu schönem Wetter durch relativ warme Luftschichten in der Höhe (zuerst in 10tM) in) angezeigt. Allerdings gab es auch andere Wetterzeichen, denn die Prognosenstellen, welche die aeronautischen Beobachtungen ans Berlin und Hamburg nicht erhalten, haben die Veränderungen auch richtig erkannt.

K. Muck. Zur Morphologie der Wolken des aufsteigenden Luftstroms Meteor. Zeitschr. 20, p. 289—300. 1903. Durch die genaue Beobachtung von Gewitterwolken ist Verfasser zu der Ansicht geführt, daß Wirbelbewegungen um eine horizontale Achse bei der Bildung von Wolken des aufsteigenden Stromes und überhaupt hei aufsteigenden Luftströmen eine wesentliche Rolle spielen. Es wäre sehr zu wünschen, daß die Arbeit von Ballonfahrern studiert würde, damit diese durch eigene Beobachtungen aus der Nähe weiteres Material beibringen können.

L. Bessou. Wolken und Nephoskope. Meteor. Zeitschr. 20. p. 398—fix», 1<H)3.

Genaue Darstellung der Verwendung seiner «nephoskupischen Harke-, welche auch von der internationalen Kommission für wissenschaftliche Luftschiffahrt empfohlen ist. A. Sprung: und R. Naring. Ergebnisse der Wolkcnbeobachtungen in Potsdam und an einigen Hilfsstationen in Deutschland in den Jahren 1N90 und 1K97. iVeröffenll.

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des Kgl. preuß. meteor. Instituts.) Berlin 1903. VIII, 94, 267* pp. 3 Tafeln. 4». 25X83 cm.

Sehr umfangreiches Material aus dem sogenannten «internationalen Wolkcnjahr>; in Potsdam sind ca. 7500 Wolkenhöhen gemessen worden. Die Erörterungen über Kumulusbildungen. Wogenwolken, Cirrusformen haben auch aeronautisches Interesse. Ein ausführlicher Auszug der Bearbeitung wird in der Meteorologischen Zeitschrift erscheinen.

M. Maller. Über den Einfluß von Temperaturunterschieden hoher Luftschichten auf die Druckunterschiede in tieferen Schichten. Meteor. Zeitschr. 20. p. 430—431. 1903. Bechnerisch wird nachgewiesen, daß horizontale Temperaturunterschiede hoher E/uftschichten, obschon die Luft sehr dünn ist, doch von größter Bedeutung für die Druckverteilung sind.

W. Melnurdus. Über die absolute Bewegung der Luft in fortschreitenden Zyklonen. Meteor. Zeitschr. 20, p. 529—514. 1903. Theoretische Betrachtungen; experimentell wäre eine Prüfung möglich durch einen Ballon, der sich selbsttätig in einer bestimmten Höhe erhält, mit den Luftströmungen treibt und seinen Weg durch niederfallende Zeichen angibt.

W. Meinard u*. Uber einige bemerkenswerte Staubfällo der letzten Zeit. Das Wetter 80, p. 265-278. 1903.

Enthält auch Notizen Uber die Luftbewegungen bei den Staubfällen vom Januar 1902, Februar und April 1903.

V. Conrad und F. M. Kxner. Registrierungen des luftelektrischen Potentials auf dem Sonnhli« k. Sitzungsber. k. Akad. Wiss. Wien. 112 (IIa), p. 413—419. 1903. Die Aufzeichnungen von Juni bis August 1902 ergeben schon eine recht regelmäßige tägliche Periode des Potentials. Sg.

Personalia.

Se. M. der König von Württemberg hat dem Schatzmeister des «Berliner Vereins für Luftschiffahrt», Herrn Richard Gradenwltz, das Ritterkreuz erster Klasse des Friedrichsordens zu verleihen geruht.

Dem Direktor des Physikalischen Zentralobservatoriums in St. Petersburg, Kaiserlich Russischen Generalleutnant Rykatschew. ist der Kgl. Prcuß. Kronenorden I. Klasse; dem Kommandeur des Kaiserlich Russischen Luftschifferparks, Oberst Kowanko, der Kgl. Preuß. Kronenorden II. Kl.; dem Architekten Enders in Potsdam, welcher dem Aeronautischen Observatorium in Berlin den 8MK) chin großen Ballon «Preußen», der Berson und Süring bis zur sonst unerreichten Höhe von 10 800 m getragen hat, zum Geschenk gemacht hat, der Kgl. Preuß. Kronenorden IV. Klasse verliehen worden.

Der Oberleutnant der Beserve im Inft.-Rgt. Nr. 99 Ramler wurde durch Allerh. Kabinetts-Ordre als Reserveoffizier in das LuftschifTer-Bataillon versetzt.

Briefkasten.

Herrn P. P. ist die Bedaktion für Hinweis auf einen Fehler dankbar, der im Artikel Espitalliers über das «Luftschiff Deutsch» mit untergelaufen ist. indem dort die Tourenzahl der Schraube zu 930 angegeben ist, während damit jene der Hauptachse, («arbre principal contmnndant» nennt sie E. in seinem Artikel in le gerne civil über «La ville de Paris» des Herrn Deutscio. gemeint war, von der aus ..ist die verlangsamende Umsetzung durch Zahnradvorgelege erfolgt.

Berichtigung.

Seite 51 Zeile 10 von oben ist statt «sie» zu setzen: «die Motorwelle».

152 €44«

Humor.

Wissenachaftliche Leidartikel ohne viele Worte.

Wie die schneidige Landung ohne Reißleine und die praktische Landung

mit Reißleine sich dem Zuschauer darstellen. #

Die Redaktion hält sich nicht für verantzvortlich für den ivissenscha)tlichen Inhalt der mit Namen versehenen Artikel, dli» Rechte vorbehalten; teilweise Auszüge nur mit Quellenangabe gestattet.

Die Redaktion.


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