Zeitschrift Flugsport

Heft Nr. 18 vom 30. August 1939

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Die Zeitschrift Flugsport war die illustrierte, flugtechnische Zeitschrift für das gesamte Flugwesen und wurde im Zeitraum von 1909 bis 1944 von Oskar Ursinus herausgegeben. Über einen Zeitraum von 36 Jahren hinweg wurde in dieser Zeitschrift sowohl über die zivile als auch über die militärische Luftfahrt berichtet. Jedes Heft widmete sich in besonderen Kapiteln u.a. den Themen Segelflug, Motorflug, Luftschiffahrt, Ballonfahren, Modellflug, Luftwaffe oder Luftsport. Ebenso wurden die Bereiche Flugzeuge, Flugzeugtechnik, Flughäfen, Landeplätze sowie Flugnavigation und Luftverkehr im Inland und Ausland behandelt. Alle Seiten aus den Jahrgängen von 1909 bis 1944 sind mit Fotos und Abbildungen als Volltext in der nachstehenden Form kostenlos verfügbar. Erscheint Ihnen jedoch diese Darstellungsform als unzureichend, insbesondere was die Fotos und Abbildungen betrifft, können Sie alle Jahrgänge als PDF Dokument mit Inhaltsverzeichnissen, Seitenzahlen, Fotos und technischen Zeichnungen für eine geringe Gebühr herunterladen. Um komfortabel nach Namen, Themen und Begriffen zu recherchieren, nutzen Sie bitte die verfügbaren PDF Dokumente. Nutzen Sie bitte die kostenfreie Leseproben von Heft 17/1933 sowie von Heft 8/1939, um die Qualität der angebotenen PDF Dokumente zu prüfen.



Illustrierte flugtechnische Zeitschrift und Anzeiger für das gesamte Flugwesen

Brief-Adr.: Redaktion und Verlag „Flugsport", Frankfurt a. M., Hindenburgplatz 8 Bezugspreis für In- und Ausland pro V\ Jahr bei Htäglichem Erscheinen RM 4.50

Telef.: 34384 — Telegr.-Adresse: Ursinus — Postscheck-Konto Frankfurt (Main) 7701

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Nr. 18 30. August 1939 XXXI. Jahrgang

Die nächste Nummer des „Flugsport" erscheint am 13. Sept. 1939

Stand 1939.

Deutschland marschiert im Flugwesen an der Spitze. Charles Lindbergh hat die deutschen Flugforschungsanstalten nach seinem T3esuch in Deutschland als mustergültig erklärt und darauf hingewiesen, daß in USA., um Schritt zu halten, Anstrengungen gemacht werden müßten. Der bekannte Kriegsflieger Rickenbacher sagte jetzt nach seiner Rückkehr nach Amerika: Die deutsche Luftflotte ist die stärkste von Europa. Und wenn man den Stand des Flugwesens nach den internationalen Rekorden beurteilen würde, so wären Italien und Deutschland international ebenso führend. Für die Entwicklung des Flugwesens im Ausland standen ganz andere Mittel zur Verfügung als bei uns in Deutschland. Vieles in der deutschen fliegerischen Entwicklung ist dank der nationalsozialistischen Begeisterung aus Nichts geschaffen worden. Und dabei darf und wird in Deutschland die Entwicklung nicht stillstehen. Das wichtigste ist hierbei die Nachwuchsschulung, und diese ist im nationalsozialistischen Staat so organisiert, daß sie den Bedürfnissen in der kommenden Zeit nachkommen wird.

Deutschland besitzt den Nachwuchs für die Luftwaffe. Wir sind daher in der Lage, den Vorsprung in der Fliegerei nicht nur einzuhalten, sondern noch zu vergrößern.

Spätere Geschlechter werden, wenn erst mal die Einzelheiten über die Zeitergebnisse der Oeffentlichkeit überliefert werden, staunen, was die jetzige Generation unter der nationalsozialistischen Führung, Schaffung der Luftwaffe durch Vierjahresplan und anderes, in der Leistungssteigerung vollbracht hat. Durch Massenfabrikation nach althergebrachtem Muster ohne den heutigen Zeitgeist wäre der Hochstand unserer heutigen deutschen Fliegerei nie möglich gewesen.

Miles Master zweisitziges Schulflugzeug.

Der Miles Master, gebaut von Phillips and Powis, Reading, ist aus dem Miles Kestrel Trainer, Beschreibung siehe „Flugsport" 1938, Seite 646, entwickelt worden. Auf Grund der Erfolge dieses

Diese Nummer enthält Patentsammlung Nr. 14, Bd. VIII, u. Reportsarnmlung Nr. 15.

ersten Typs hatte das Air Ministry einen Serienauftrag erteilt. Die ersten Teillieferungen wurden mit Rolls Royce Kestrel XXX und die folgenden mit Rolls Royce Kestrel XVI ausgerüstet.

Der Miles Master zeigt gegenüber dem Kestrel Trainer folgende Aenderungen: Kühlerverlegung von der Nase nach der Rumpfmitte. Qrund Gewichtsverlegung. Rumpfende und gleichzeitig Höhenleitwerk erhöht. Beide Führersitze zur besseren Sicht beim Landen höher gerückt.

Mr. Miles, der Konstrukteur, ist ein fanatischer Anhänger der Holzbauweise und der Ansicht, daß man bei Holzbauweise mehr Materialauswahl habe als bei Metallbauweise. Ebenso läßt sich durch einfache Konstruktion, gute Schablonen und geschickte Fabrikationseinrichtungen schnellere Serienarbeit erreichen als bei Metallbauweise. Man muß schon anerkennen, daß Mr. Miles mit seinem „Master" ein Flugzeug von aerodynamischer Sauberkeit geschaffen hat. Wie es sich im Militärbetrieb indessen mit den verschiedenen Witterungsverhältnissen bewähren wird, ist eine andere Frage, die erst die Praxis erweisen muß.

Flügel zwei Kastenholme, sperrholzbedeckt. Verhältnismäßig große Holmhöhe. Profil NACA 230 nach den Enden verjüngt in Tiefe und Dicke. Flügel dreiteilig. Mittelstück durch den Rumpf gehende Holme. An der Hinterkante des Mittelstücks Spreizklappen hydraulisch betätigt. Klappenausschlag bei Start 25°, bei Landung 90°. Klappenausschlag im Führersitzanzeiger erkenntlich. Querruder zwecks größerer Steifigkeit mit Sperrholz bedeckt.

Rumpf ovaler Querschnitt, Holzbauweise bis zum Brandschott. Zwei Sitze hintereinander. Lehrer sitzt bei Beginn des Schulens vorn und später hinten. Windschutzverkleidung rechts nach Steuerbord ausschwingbar und auch teilweise längsverschiebbar. Obere Dachverkleidung des hinteren Sitzes bei Start und Landung aufklappbar, hierbei kann der hintere Sitz 30 cm in der Höhe verstellt werden, um ein besseres Gesichtsfeld nach vorn zu erhalten. Zwischen den beiden Sitzen befindet sich ein starker Elektronbügel zum Schutze bei Ueberschlag. Im Windschutz sind noch kleinere Hilfssichtfenster zum Aufklappen bei beschlagenem undurchsichtigem Windschutz vorgesehen.

Engl. Miles „Master", zweisitziges Schulflugzeug. Werkbild

Höhen- und Seitenleitwerk freitragend. Sperrholzbedeckte gute Formgebung. Höhen- und Seitenruder Trimmklappen vom Führersitz zu verstellen.

Fahrwerk Bauart Lockheed, gebaut von der Automotive Products Ltd., das erste, das in Serienfabrikation verwendet wurde. Das hydraulische Fahrwerksbein ist am Flügelholmanschlußbeschlag des Mittelstücks kardanisch gelagert und wird von einem Lenker und einer Knickstrebe hydraulisch betätigt so nach oben geführt, daß sich das Laufrad um 90° dreht und zwischen die Holme zu liegen kommt, wo es in einer Arretiervorrichtung einschnappt. Die Stellung des Fahrwerkes ist durch einen mechanischen und elektrischen Anzeiger zu erkennen.

Motor Rolls Royce Kestrel XXX, überkomprimiert, 12 Zyl. „Vu-Type, wassergekühlt. Max. Startleistung 715 PS bei 2750 U, Normalleistung 635 PS bei 2400 U. Der Motoreinbau in Stahlrohr wird bei der Lieferung von Rolls Royce komplett mitgeliefert, so daß er nur an vier Punkten am Brandschott befestigt werden muß. Schraube Rotöl Dreiblatt, nicht verstellbar. Schraubenblätter Lizenz Schwarz. Zwrei Betriebsstoffbehälter, je 155 1, in den Flügelwurzeln. Oelbehälter vor dem Brandschott.

Von dem Motor werden angetrieben: eine Lockheed hydraulische Pumpe für das Hochziehfahrwerk und die Klappenbetätigung, ferner eine Vakuumpumpe für den Antrieb der gyroskopischen Instrumente, sowie ein elektrischer Stromerzeuger 500 Watt.

Spannweite 11,9 m, Höhe 3,05 m, Länge 9,35 m, Spurweite 3,75 m, Fläche 20,1 m2. Leergewicht 1887 kg, Fluggewicht 2494 kg. Flügelbelastung 124 kg/m2, Leistungsbelastung 3,49 kg/PS. Max. Geschwindigkeit 403 km/h in 4500 m, Reise mit 66% Motorleistung 347 km/h, Lande 103 km/h, Gipfelhöhe 8534 m, Start 268 m, Auslauf mit Klappen und Bremsen 215 m. Steigfähigkeit auf 1600 m in 3 min., auf 3000 m in 6 min. 20 sec, auf 4500 m in 10 min. Aktionsradius 700 km.

USA Fairchild M-62 Uebungsflugzeug.

M-62, Uebungsflugzeug für Fortgeschrittene, ist nach einjähriger Entwicklungsarbeit fertig gestellt worden.

Rumpf Stahlrohr geschweißt. Vorn Metall, hinten Leinwandbedeckung. Sitze hintereinander, in der Höhe verstellbar. Doppelsteuerung.

Flügel dreiteilig. Mittelstück leichte V-Form, durch den Rumpf gehend. Der Stahlrohrrumpf ist unten für die Aufnahme ausgespart. Holzbauweise, zwei-holmig, Sperrholzbeplankung. Flügelprofil an der Wurzel NACA 2416, verjüngt sich nach den Flügelenden auf Profil NACA 4408.

Slots und Spreizklappen

am Mittelstück. Querruder statisch und aerodynamisch ausgeglichen, leinwandbedeckt.

Fahrwerk große Spurweite, Fahrwerksbeine fest. Stromlinienverkleidung. Hydraulische Bremsen.

Motor Ranger 165 PS bei 2450 U/Min. Zwei Betriebsstoffbehälter von je 113 1 in den Flügeln.

Spannweite 10,8 m, Länge 8,4 m, Höhe 2 m, Fläche 18,5 m2. Leergewicht 735 kg, Fluggewicht 1040 kg. Aktionsradius 5 Std.

USA Fairchild M 62

Zeichnung Flugsport

Fairchild M-62 Uebungsflugzeug. Werkbilder

Fairchild M-62 Uebungsflugzeug. Werkbild

USA Harlow PJC-1, 4-sitz. Kabinenflugzeug.

Nach vierjähriger Entwicklungsarbeit hat die Harlow Engineering Corp., Alhambra, Cal., ein Ganzmetall-Kabinenflugzeug fertiggestellt. Je nach Erfordernis wird die Maschine zwei- oder vier-sitzig geliefert.

USA Harlow PJC-1, viersitziges Kabinenflugzeug. Werkbilder

USA fiarlow PJC-1 Viersitzer

Zeichnung Flugsport

Flügel, leichte V-Form, auf der Rumpfunterseite durchgehend, mit abnehmbaren Flügelspitzen, großen, elektrisch betätigten Landeklappen.

Rumpf, infolge des verwendeten 145-PS-Warner-Super-Scarab-Sternmotors, erlaubt breite Kabine.

Fahrwerk seitlich nach dem Rumpf hochziehbar, elektrisch betätigt. Abdeckbleche an den Oleo-Stoßaufnehmerstreben.

Spannweite 10,91 m, Länge 7,11 m, Höhe 2,21 m, Fläche 17,19 m2,

USA fiarlow PJC-1, viersitziges Kabinenflugzeug. Werkbild

Flügelbelastung 59,5 kg/m2, Leistungsbelastung 7,04 kg/PS, Leergewicht 729 kg, Zuladung 312 kg. Betriebsstoff 128,7 1, Oel 15,15 1. Max. Geschwindigkeit 273,5 km/h, Reisegeschw. 246 km/h, Lande-geschw. (mit Klappenbetätigung) 72,4 km/h, Auslauf mit Klappen 75 m. Dienst-Gipfelhöhe 5030 m, Steigfähigkeit 259 m/min, Aktionsradius 966 km.

USA Vought-Sikorsky XOS 2U-1.

Werkbild

Vought Sikorsky X0S2U-1 Seeflugzeug.

Vought Sikorsky XOS2U-1 Seeflugzeug ist in Serie (für 2 103 800 $) für die US.-Marine als Kriegsschiff-Beiflugzeug in Auftrag gegeben und wird in Stratford gebaut. Dieses Einschwimmer-

Vougrit-Sikorsky 400 PS Pratt & Whitney Wasp Junior. Werkbild

flugzeug mit zwei seitlichen Stützschwimmern ist für Katapultstart eingerichtet. Es kann auch als Landflugzeug fliegen.

Zur Verringerung der Startgeschwindigkeit Querruder und Landeklappen mit Schlitzen, im Prinzip ähnlich wie bei Junkers.

Metallbauweise, punktgeschweißt. Motor Pratt & Whitney Wasp Junior 400 PS. Rumpf runder Querschnitt, nach, hinten eiförmig, zweisitzig. Schwimmer stark gekielt, einstufig mit Wasserruder.

Spannweite 10,5 m, Länge 10 m als Seeflugzeug (9 m als Landflugzeug). Fluggewicht 2150 kg als See- und 2050 kg als Land-ilugzeug.

Franz. Dewoitine 33S Großflugzeug für 22 Personen, welches auf der Strecke

Berlin—Paris eingesetzt ist. Werkbild

Engl. Rotol-Verstell-Luftschraube.

Die im Juni 1937 von den Firmen Bristol Aeroplane Co., Ltd. und Rolls-Royce, Ltd. in Qloucester gegründete Gesellschaft Rotöl Airscrews, Ltd. befaßt sich, auf Erfahrungen aufbauend, die die beiden oben genannten Firmen bei der Entwicklung von Verstellschrauben gesammelt hatten, mit der Herstellung verschiedener Größen und Typen leistungsfähiger ölbetätigter Luftschrauben gleicher Drehzahl. Im folgenden wird kurz die Wirkungsweise des Verstellmechanismus und der allgemeine Aufbau einer solchen (dreiflügeligen) Schraube dargestellt.

Die einteilige Nabe (a) ist mit ihrer Rückseite an einem Flansch

Weise durch Kegelsitz zentriert und mit einer Mutter gegen Achsialverschiebung gehalten. Das Drehmoment wird vom Flansch auf die Nabe durch einige Kegelbolzen übertragen, die gleichzeitig auch den Schraubenschub aufnehmen. Der vordere, dünner abgesetzte Teil der Muffe trägt einen mit Lederdichtung versehenen Kolben (c), der in bezug auf das Nabengehäuse fest-

Abb. 1. Engl. Rotol-Verstell-Luftschraube.

Werkbild

steht, während der durch einen Deckel (e) vollkommen geschlossene Zylinder (d) frei über ihn gleiten kann. Sowohl der Kolbenschaft als auch die Zylinderenden sind durch Dichtungen geschlossen. Es muß dabei noch erwähnt werden, daß der Zylinder (d) aus Stahl und der Kolben (c) sowie der Zylinderdeckel (e) aus Phosphorbronze sind, so daß immer zwei verschiedene Metalle aufeinander gleiten, wodurch die Möglichkeit des Fressens weitgehend herabgesetzt wird.

Durch je vier an der Vorder- und Rückseite der Kolbenflanschwurzel mündende Bohrungen (1, 2) wird das Oel in den betreffenden Zylinderraum geleitet. Weitere vier Bohrungen (3) enden in einer Ringnut, die sich am Kolbenschaft befindet, und stellen eine Verbindung her mit einer ähnlichen Nut (4) am größeren der beiden vorderen Muffendurchmesser: es sind die Ablaufleitungen, die in den Kolben- bzw. Zylinderendstellungen von der Zylindernabe freigegeben werden, und die zu hohen Oeldruck verhindern und etwa im Oel enthaltene Luft entweichen lassen sollen. Diese insgesamt zwölf Bohrungen sind in der Muffe bis zum rückwärtigen Ende derselben in achsialer Richtung fortgeführt, und zwar enden die Ablaufleitungen im Motorgehäuse, während die im Zylindervorderteil mündenden Bohrungen (1) in die letzte (6) und die im hinteren Raum (2) mündenden in die erste (7) der beiden hinten liegenden Ringnuten führen. Um diese liegt ein schwimmender Ring (f) mit zwei Lochreihen und um das Ganze ein Gehäuse (g), das mit einem Beschlag am Motorschild befestigt wird. In dieses Gehäuse führen vom Geber aus zwei Oelleitungen (h, i), die mit je einer der beiden hinteren Ringnute über den schwimmenden Ring in Verbindung stehen. (Das durch die rechte Leitung [i] kommende Oel treibt den Zylinder nach hinten, das durch die linke [h] kommende nach vorn. Sind beide geschlossen, so bleibt der Zylinder, da kein Oel umlaufen kann, stehen.)

Die Nabe besitzt drei Fassungen, in die die Luftschraubenblätter (k) unter Zwischenschaltung von Kugellagern eingesetzt sind. Von diesen wrerden die Fliehkräfte aufgenommen, unter deren Wirkung sich die Innenringe verengern, die Außenringe erweitern und da-

Abb. 2. Engl. Rotol-Verstell-Luftschraube. Werkzeichnung

m

i

durch die ganze Halterung fester ziehen. Ferner gestatten sie eine leichte Drehung zur Verstellung der Blätter. Das äußere, kleinere Kugellager ist zur Nachstellung vorgesehen, damit etwa auftretendes Spiel im Kugellagersatz zur Vermeidung des Ratterns, besonders bei niedriger Drehzahl, behoben werden kann.

Die Wurzel der aus einer Magnesiumlegierung hergestellten Blätter (k) ist in eine Stahlbüchse (1) geschraubt und durch Stifte (m) gegen Drehung in derselben gesichert. Im äußeren Büchsenhals umfaßt eine Kegelmanschette (n) aus Preßmasse, die mit Hilfe einer Sternnutmutter nachgestellt werden kann, den Blattschaft, wodurch ein fester Sitz, eine gute Kräfteverteilung im Uebergang und damit ein wirksamer Kerbwirkungsschutz gewährleistet wird. Außerdem wird der Werkstoffabrieb (durch die immer auftretenden Bewegungen) gänzlich verhindert.

An der Stahlbüchse eines jeden Blattes ist auf einer Platte ein Zapfen (o) angebracht, der in seiner Lage zum Blatt in bestimmtem Grenzen verstellt werden kann. Alle drei Zapfen sind in Büchsen gelagert, die ihrerseits auf Böcken ruhen, mit denen der frei bewegliche Zylinder versehen ist. Auf diese Art wird die Achsial-bewegung des Zylinders in eine Drehbewegung eines jeden Blattes, überführt.

Der Oeldruck für die Betätigung des Zylinders wird nun durch die „Rotol-constant-speed"-Einheit erzeugt, die am Motorgehäuse sitzt, durch den Motor getrieben wird und auch das Oel von ihm bezieht.

Diese Regler-Pumpen-Einheit besteht im wesentlichen aus einer Hochdruck-Zahnradpumpe (q) und einem Regler, der durch Fliehgewichte (r) und durch den Druck einer Feder (s) betätigt wird. Das. treibende Zahnrad der Pumpe hat eine lange Spindel, an deren Ende das vom Motor getriebene Ritzel sitzt; das getriebene Rad

enthält in seiner hohlen Achse ein Druckminderventil (t), durch das das Oel vom Motor in die Pumpe gelangt. Es geht zur Saugseite derselben und wird dann in die Ringnut (8) der Spindel befördert. Diese

■6 Nut steht in Ver-

7 bindung mit einer Ringkammer, die # von der Spindelbohrung und dem Hals eines in der Spindel gleitenden Kolbens (u) gebildet wird. Der Kolben, der durch die wechselnde Kraft

Abb. 3. Engl. Rotol-Verstell-Luftschraube.

Zeichnung „Fligfat""

der Fliehgewichte (r) und der Feder (s) betätigt wird, steuert die Oelausgänge und damit den Oeldruck in den einzelnen Bohrungen, wodurch der Zylinder dann verschoben wird. Hat die Luftschraube die richtige Stellung für eine vorgegebene Drehzahl, so geht das Oel von der Druckseite der Pumpe durch ein Zwischenventil (v) zurück zur Saugseite. Die Fliehgewichte sind in einem Gehäuse am Ende der Treibspindel untergebracht; darin befindet sich auch die Feder zwischen der vom Führersitz aus verschiebbaren Zahnstange (w) und der Scheibe, an der die Hebel der Gewichte liegen.

Weil die durch die Gewichte ausgeübte Kraft von der Drehzahl abhängig und die Federkraft durch die Bewegung der Zahnstange zu verändern ist, so kann mit Hilfe des Hebels im Führerraum Gleichgewicht zwischen den Kräften für eine gegebene Drehzahl herbeigeführt werden. Wenn beide Kräfte ausgeglichen sind, dann ist der Kolben in Mittelstellung, beide Oelleitungen geschlossen und der Zylinder und mit ihm die Schraubenblätter festgehalten. Durch irgendeine Vergrößerung oder Verkleinerung der vom Flugzeugführer bestimmten Drehzahl, z. B. durch Aenderung der Fluggeschwindigkeit, der Drosselstellung usw., wird der Gleichgewichtszustand aufgehoben und der Kolben betätigt, so daß Oel in den entsprechenden Zylinderraum geschafft wird und die Blätter sich verdrehen.

Zum Schluß seien noch einmal die Vorzüge der Rotol-Luft-schraube zusammengestellt:

1. Die Verstellung der Blätter erfolgt im Fluge selbsttätig; der Flugzeugführer stellt nur den Hebel auf die gewünschte DrehzahL

2. Die Tatsache, daß bewegliche Teile auf eine Mindestzahl zurückgeführt und nur dort vorhanden sind, wo Drucköl hinkommt, macht ein Fressen fast unmöglich.

3. Durch den dauernden Umlauf warmen Motoröles ist die Wirksamkeit der Verstellung selbst bei niedrigsten Temperaturen erhalten. Z.

Abb. 4. Dreiflügelige Rotol-Verstell-Luftschraube an einem engl. Jagdeinsitzer.

Werkbild

Wright „Duplex-Cyclone" 2000 PS, zweireihig.

Wright „Duplex-Cyclone*6 2000 PS zweireihig.

Der 2000 - PS - Doppelsternmotor der Wright Aeronautical Corp., Paterson, 18 Zyl., ist nach langer Versuchszeit in Serienbau genommen worden. Bei den Versuchsläufen zeigten sich allerhand Schwierigkeiten, auch in der Vergasung, wobei zu berücksichtigen ist, daß hier je Minute 14 1 Benzin zu vergasen sind. Diese Schwierigkeiten sind in Deutschland, wo vollständig neue Wege begangen sind, durch das Einspritzverfahren überwunden. Leistung 33,5 PS/1. Schraubenwelle untersetzt. Auf Rückseite: Stromerzeuger, Anlasser, Betriebsstoffpumpe, MG.-Antriebe.

Der Zündmagnet ist infolge der großen Hitze, wie die Abbildung erkennen läßt, vor den Zylinderstern verlegt. Bohrung 155,6 mm, Hub 174 mm, Zylinderinhalt 59,8 1, Stern-Durchmesser 1,4 m.

Wright G-200 Cyclone 1200 PS, einreihig.

Der einreihige Neunzylinder G-200 Cyclone 1200 PS besitzt 301

Wright G-200 Cyclone 1200 PS einreihig.

Werkbilder

Gesamtvolumen. Der erste Cyclone vor 8 Jahren, der G-400, leistete 575 PS bei dem gleichen Zylindervolumen.

Stahlzylinder, gegenüber dem Typ G-100, höhere und dichter gestellte Kühlrippen. Ebenso sind in den Zylinderköpfen die Kühlrippen erhöht. Ein- und Auslaßventile im Durchmesser vergrößert.

Hauptkurbelgehäuse zur Befestigung der Zylinder aus Stahl. Hintere und vordere Gehäuseteile sind aus Elektron.

Kurbelwelle zweiteilig mit neuen Wright-Dämpfergegengewich-ten an beiden Kurbelarmen, welche ohne Vibrationserscheinungen höhere Drehzahlen beim Start ermöglichen.

Kolben Duralumin geschmiedet, drei Kompressions- und zwei Oelabstreifringe.

Antriebe: Starter 1 : 1, Zubehörantrieb 1,5 : 1, Magnete 1,125 : 1, Maschinengewehrantrieb 16 : 9 oder 3 : 2. Betriebsstoffpumpe 1 : 1, Tachometer 1 : 1 oder 5 : 1.

Je ein Magnet für die vordere und hintere Zündkerzenreihe. Zündkerzen BG298J3.

Injektionsvergaser Stromberg.

Bohrung 154 mm, Hub 172 mm, Kompression 6,7 : 1. Zweistufiger Kompressor. Startleistung bei 2500 U 1200 PS, in 1550 m Höhe 1000 PS, in 4200 m 900 PS. Ausführung mit Untersetzungsgetriebe 3 : 2 oder 16 : 9. Trockengewicht 590 kg.

FLUG

Inland.

Beschießung von deutschen Verkehrsflugzeugen wurde am 23. 8. gemeldet. Das dreimotorige Großflugzeug D-ABHF der DLH wurde am 23. 8. während des Fluges von Danzig nach Berlin, 20 km von der Küste entfernt, in 1500 m Höhe über der Ostsee von polnischen Küstenbatterien und einem polnischen Kriegsschiff beschossen. Besatzung Flugkpt. Böhner, Flugmasch. Nickel und Flugzeugfunker Suppa, ferner 17 Fluggäste, darunter 4 Kinder.

Ebenso wurde durch das „Deutsche Nachrichtenbüro" aus Danzig berichtet: Das deutsche Verkehrsflugzeug D-APUP „von Bieberstein", welches am 23. 8. 12.02 h nach Danzig und Königsberg gestartet war, wurde auf dem Flug nach Danzig um 14.28 h außerhalb des polnischen Hoheitsgebiets in der Nähe der Danziger Grenze von polnischer Flak beschossen. Wie der Flugzeugführer, Flugkpt. Gutschmidt, berichtete, krepierten die Geschosse in unmittelbarer Nähe rechts und links von der Verkehrsmaschine.

Weiter ist um 14.18 h ein drittes Flugzeug, und zwar die Verkehrsmaschine Hamburg—Danzig beschossen worden. Auch dieses Flugzeug hatte polnisches Gebiet nicht überflogen.

Flugverkehrs-Einschränkung über deutschem Hoheitsgebiet.

Durch Verordnung des Reichsministers der Luftfahrt und Oberbefehlshabers der Luftwaffe vom 26. 8. ist der gesamte Luftverkehr mit inländischen und ausländischen Luftfahrzeugen über dem deutschen Hoheitsgebiet mit sofortiger Wirkung verboten. Diese Verordnung findet keine Anwendung auf Luftfahrzeuge im Gebiete der deutschen Wehrmacht. Für diese Luftfahrzeuge findet Sonderregelung statt. Sie findet ferner keine Anwendung auf Regierungsflugzeuge und den Fluglinienverkehr. Für das Befliegen der Flughäfen Berlin-Tempelhof und Königsberg-Devau gelten besondere Anflugbestimmungen. Weitere Ausnahmen bedürfen der Genehmigung des Reichsministers der Luftfahrt und Oberbefehlshabers der Luftwaffe. In jedem Falle, ausgenommen bei Flügen im Dienste der Wehrmacht, ist bei Erdsicht nicht über 500 m über Grund zu fliegen. Zuwiderhandlungen sind strafbar.

Vom Küstenflug 1939. Links: Korpsführer General der Flieger Christiansen mit NSFK-Stubaf. Sachsenberg. Mitte: NSFK-Sturmf. Harmens (Gruppe 8) und NSFK-Förderer Erstenmeyer (Orter) Sieger auf Go 150 mit 1023,1 Pkt. Rechts: NSFK-Oberstubaf. Förster (Gruppe 10) und Oberltn. Roos wurden auf Fw. 44 mit

1011,3 Pkt. Zweiter. Bilder: NSFK

Deutscher Küstenflug 1939, 12.—13. 8., veranstaltet vom Korpsführer des NS.-Fliegerkorps, an dem General der Flieger Christiansen selbst außer Wettbewerb teilnahm, war am 13. 8. in Wyk a. Föhr beendet. Flugstrecke: Borkum—t Norderney—Wangerooge (Zielabwurf)—Bremen (Uebernachtung)—Husum (Melde-' beutelabwurf) —Kiel-Holtenau — Bothkamp (Zielabwurf) — Fehmarn-Marienleuchte (Ziellinie) —Hamburg — Wyk a. Föhr.

Ergebnisse: 1. Preis Goldene Hermann-Göring-Plakette des NSFK. NSFK.-Sturmf. Harmens (NSFK.-Gr. 8) auf Gotha Go 150 mit 1025 Pkt.; 2. Preis Silberne Hermann-Göring-Plakette des NSFK. Oberstubaf. Förster auf Focke-Wulf Fw 44 „Stieglitz" mit 1011,3 Pkt.; 3. Preis NSFK.-Gruppenf. Gieler (NSFK.-Gr. 10) auf Klemm Kl 31 mit 1001 Pkt.

Der nächstjährige deutsche Küstenflug wird, wie Korpsführer General der Flieger Christiansen mitteilte, mit 200 Maschinen stattfinden, während auch 1940 der Deutschlandflug in Gemeinschaft mit der Luftwaffe und Flieger-HJ. mit 500 Flugzeugen durchgeführt werden wird.

Zuverlässigkeitsflug 1939 für deutsche Sportfliegerinnen, Start 12. 8. Fehmarn/Marienleuchte, Zwischenlandungen Hamburg/Altona und Husum, am 13. 8.. in Wyk a. Föhr beendet. Sämtliche Teilnehmerinnen landeten im Zielhafen. 1. Liesel Bach auf Bücker „Student" mit 536 Pkt., 2. Luise Harden auf Siebe! „Hummel" mit 509 Pkt., 3. Beate Köstlin auf Bücker „Student" mit 431 Pkt.

Bezugsfertige Normblätter. In letzter Zeit sind folgende Normblätter herausgegeben worden und beim Beuth-Vertrieb, Berlin SW 68, Dresdener Straße 97, beziehbar: Maschinenbau: DIN 617 Lagernadeln, Nadellager; DIN 1442 Schmierlöcher für Bolzen, Baumaße; Kunststoffe: DIN 7702 Ueberwachungszeichen für typisierte Preßmassen und Preßstoffe; DIN 7703 Vornorm Lager aus Kunstharz-Preßstoff, Technische Lieferbedingungen. (Träger: Fachausschuß für Kunst- und Preßstoffe des VDI; für DIN 7702 ferner: Technische Vereinigung der Hersteller typisierter Preßmassen und Preßstoffe e. V., Fachgruppe 7 „Isolierstoffe" der Wirtschaftsgruppe Elektroindustrie, Verband Deutscher Elektrotechniker E.V.)

Kundt, M, d. R., bekannter Abgeordneter aus dem Sudetenland, mit Wirkung vom 1. Juli zum Hauptmann d. Reserve d. Fliegertruppe ernannt.

Ausland.

Engl. Avro-„Manchester"-Jagdflugzeug soll mit einem noch in Erprobung befindlichen Rolls-Royce-3000-PS-Motor ausgerüstet werden.

200 Blenheim-Bombenflugzeuge wurden nach einer Meldung von „Scannews" in der zweiten Augustwoche nach Warschau überführt.

Manöverflug England 200 franz. Militärflugzeuge. Strecke Paris—Harwick— Manchester—Liverpool—Birmingham—Bristol—Oxford—London—Paris am 18. 8.

Verkehrsflugzeug der brit. Imperial Airways, Lockheed „Electra", stürzte am 18. 8. J.3,3r0' h auf der Strecke Hamburg—Kopenhagen, in der Nähe der Storsjrömbrücke, etwa 800 -m von" der Küste der Insel Falster entfernt, ins Meer, Der engl. Flugzeugführer Wright wurde gerettet, währeni ''die übrigen 5 Insassen, Mechaniker und 4 Fluggäste, Reuß-Deutschland, Simonton-USA, Crossby-England, Castello-Mexiko, ums Leben kamen.

311 km/h über 10 000 km flog Rossi auf Amiot-370 mit Hispano-Suiza 12-Y 960 PS am 18. 8.

Französ. Regnier 12 Zyl. V sind für die Coupe Deutsch, Leistung bei 4000 U 420 PS, Gewicht 231 kg.

III. Intern. Luftfahrtausstellung Mailand, 2.—17. Okt., wird sich auch England und USA beteiligen. Von den ital. zur Ausstellung gelangenden Maschinen werden schon heute genannt die „Breda 88", „Fiat 42", Macchi 200, ein SAI 6 usw.

Alfa Romeo 135 R. C.-32, 18 Zyl. Doppelstern, Zylinderinhalt 48,2 1. In Bodennähe 1250 PS bei 2400 U/min, in 3400 m Höhe 1400 PS. Startleistung 1500 PS. Gewicht 950 kg, Durchmesser 1,315 m, Betriebsstoffverbrauch bei Normalleistung 265 ig am Boden und 250 g in 3400 m. Untersetzungsgetriebe 1 : 2.

■: Russ. Riesenflugzeug „U. R. S. S. L. 1760" wird von Novikov und Schwartz eingeflogen. Spannweite 63 m, Höhe 7 m, Leergewicht 31 t, Fluggewicht 45 t. Sechs Motoren von je 1000 PS. Im Rumpf zwei große und ein kleiner Aufenthaltsraum, hinten Küchenraum. In den Flügeln vier Kabinen mit 4 Sitzen.

Russ. Flugvorführungen vor der franz.-engl. Militärkommission, etwa 1000 Flugzeuge, fanden am 18. 8. in Moskau statt.

USA-Kriegslieferung nach Frankreich betrug nach einer Veröffentlichung in-Washington 612 Flugmotoren. Bestellt sind 1345. USA-Fabriken sollen zur Zeit durchschnittlich monatlich 400 Motoren für Frankreich liefern.

USA-Ozeanflieger Alex Loeb, 32 Jahre, und Dick Becker, 23 Jahre, sind am 11. 8. mit einem veralteten Flugzeug von St. Peters (Neuschottland) gestartet, um nach Irland zu fliegen. Das Flugzeug ist bis heute überfällig.

USA X-100. Bomber der Stearman Aircraft Division der Boeing Airplane Co. in Wichita, Kansas, ist ein Hochdecker, Ganzmetall, zwei Motoren Hörnet R-2180 von je 1400 PS mit Dreiblattverstellschraube. Besatzung vier Mann, Bewaffnung MKs. Spannweite 19,81 m, Länge 18,85 m, Höhe 3,66 m, Fluggewicht 9050 kg. Die Maschine soll an dem USA-Bomber-Wettbewerb teilnehmen.

Pan American Airways Verkehrsflugzeug, zweimotorige Sikorsky, streifte bei der Wasserung im Hafen von Rio de Janeiro mit einem Flügel ein Schleppboot und stieß, hierdurch aus der Richtung gedreht, gegen ein Trockendock, wobei die Maschine in Flammen aufging. Von den 16 Insassen kamen 14 ums Leben.

500 Seeflugzeug-Häfen in

USA sollen in 240 km Abstand an der Atlantik- und der Westküste errichtet werden. Hierzu müssen die anliegenden Orte je 100 $ beitragen. Leitung CAA und NYA.

USA Air Transport Association America gehören 16 Gesellschaften an. Juli-Leistung betrug 63 500 000 Passagier/ Meilen. Trans-Continental and Western Juni - Leistung fast 10 000 000 Passagier/Meilen.

Northrop Aviation Incorporated von Mr. John Northrop gegründet. Fabrikanlagen, Baukosten 500 000 $, Long Beach, Californien. Die alte Northrop Aircraft Corp. ist bekanntlich 1937 in der Douglas Aircraft Corporation aufgegangen.

Australische Luftverkehrsgesellschaften erhalten jährlich Regierungsunterstützung von 394 000 £.

Segelflug

Beim 10. amerikanischen Segelflug Wettbewerb in Elmira N. Y.

Sonderbericht für den „Flugsport" von Wolf Hirth.

Als Teilnehmer des ersten amerikanischen Segelflugwettbewerbs in Elmira im Jahre 1930 erhielt ich eine Einladung, die Jubiläumsveranstaltung zu besuchen und an der Gründungsversammlung der S. P. (Soaring Pioneers) teilzunehmen.

Da sich meine Reise noch mit anderen Interessen verbinden ließ, entschloß ich mich im letzten Moment ziemlich plötzlich, „auf Strecke" zu gehen.

Am 23. Juni kam ich um Mittag in New York an. Gustav Scheurer, der uralte Segelfliegerkamerad von 1922, erwartete mich am Pier und nahm mich gleich mit sich, heraus aus dem sonneglühenden New York. Wir fuhren unter dem Hudson durch hinüber nach New Jersey. Abends 7 h starteten wir dann mit dem Segelfluganhänger hinten dran und trafen um 3 h früh am 24. Juni in Elmira ein, nachdem wir unterwegs noch auf weitere Segelflugtransporte gestoßen waren.

Westhang von Harris Hill. 18 Bilder: Wolf Hirth

Vom 10. amerik. Elmira-Segelflug-Wettbewerb 1939. Leitwerk des „Nomad".

In den 9 Jahren meiner Abwesenheit war in zäher Aufbauarbeit trotz sehr geringer Mittel ein hübsches Fliegerlager auf dem Harris Hill entstanden, das sich gut in die Landschaft einfügt. Der Hauptbau in Holzkonstruktion enthält die Verwaltungsräume, einen Versammlungssaal und eine Gaststätte. Eine Flugzeughalle ist fertiggestellt,

eine weitere im Bau. Die Teilnehmer und Helfer wohnen in

kleinen Holzhäuschen, die je 10 Betten enthalten. Auch ich durfte mich darin einquartieren, um „mitten drin4' zu sein. Ein prächtiges Schwimmbad wurde bei großer Hitze eifrig benutzt.

Am Nachmittag fand die feierliche Eröffnung statt mit vielen Reden und schönen Worten.

Vom 10. amerik. Elmira-

Segelflug-Wettbewerb 1939. Bob Stanleys „No-mad". Der Teil a ist zurückklappbar. Vergleiche die Abbildungen S. 469 Seitenansicht.

Vom 10. amerik. Elmira-

Segelflug-Wettbewerb 1939. 2 obere Bilder: „Schweitzer"-Metalldop-pelsitzer, mit dem Lew Barringer einen neuen

amerik. Zweisitzer-Höhenrekord aufstellte. Vor dem Hügelland bei Elmira. 2 untere Bilder: Bowlus Albatros Baby in Elmira (mit Grünau Baby-Fläche). Mit diesem Typ wurde in Texas ein inoffiz. Streckenrekord von 450 km aufgestellt.

Das Segelfluggerät macht auf einen Kenner neuerer Rhönwettbewerbe zuerst einen enttäuschenden Eindruck. Es gibt nur einige wenige Leistungssegler. Weitaus in der Mehrzahl sind Uebungs-segelflugzeuge, wie alte, teils etwas modernisierte Franklin's, Göppingen I oder Eigenbauten.

Das interessanteste Stück war der „Nomad" von Robert Stanley, eines Marineleutnants aus Pensacola in Florida, der Konstrukteur, Erbauer und Flugzeugführer war. Der Rumpf war in Dural-schalenbau, der Flügel in Holz ausgeführt.

Das Leitwerk bestand aus zwei in 90° zueinander angeordneten Flächen, die so gleichzeitig Höhen- und Seitenruder bildeten. (Siehe Abb. S. 469.) Soweit es sich vom Boden aus feststellen und aus den Flugleistungen ableiten läßt, hat die Maschine gute Flugeigenschaften. Stanley machte mit ihr ausgezeichnete Blindflüge und überbot zweimal den amerikanischen Höhenrekord.

Bei einer gegen Wettbewerbsende durchgeführten Beanspruchungsprüfung brach dann allerdings der Flügel an einer schlecht geschalteten Reparaturstelle, wobei sich Stanley mit dem Fallschirm retten konnte.

Weiter von Bedeutung waren die zwei Schweitzer-Ganzmetall-Zweisitzer, bei denen wenig genietet aber viel geschraubt war. Die kleinen Schräubchen waren nicht gesichert. „Man hört es ja gleich, wenn sich eine Mutter gelöst hat'4, war die Erklärung des Erbauers!

Der Wettbewerb selbst war bis auf eine kleine Spitzengruppe kein so harter Kampf „bis aufs Messer" wie bei uns in der Rhön. Für viele der Teilnehmer ist der Wettbewerb fast die einzige Flugtätigkeit des Jahres, so daß sie mehr zum Vergnügen und derUebung wegen fliegen.

Vom 10. amerik. Elmira-Segelflug-Wettbewerb 1939. Bowlus Albatros von Warren Merboth — 3. in der Wertung 1939 — seit Jahren im Dienst.

Spannend war jedoch das Duell der zwei Führenden, das ehester Decker auf Minimoa zuletzt mit großem Vorsprung für sich entschied, nachdem zeitweise auch Stanley vorne gelegen hatte. 3021 Punkte gegen 2320. Dritter wurde Merboth mit dem alten Bowlus Albatros, 1930 Punkte. Weiter folgten Lehecka mit 1747 auf Rhönsperber und John Robinson mit 1028 auf seiner Eigenkonstruktion „Robin".

Die übrigen hatten unter 1000 Punkte.

Neben der Leistungsklasse lief noch ein Wettbewerb der Nachwuchsflieger, die kein Leistungsabzeichen hatten. Hier siegte: Buell vor Maxey und Hamilton.

An Höchstleistungen wurden erreicht: Neuer amerik. Höhenrekord: Robert Stanley 5200 m auf Nomad. Neuer amerik. 2-Sitzer-Höhenrekord: Lewin Barringer 1970 m auf Schweitzer. Neuer amerikanischer Fernzielflug mit Rückkehr: ehester Decker 64 km auf Minimoa. Neuer amerikanischer Streckenrekord: ehester Decker nach Atlantic City 372 km auf Minimoa.

Bei einem Vorwettbewerb in Texas hatte allerdings Woody Brown auf Bowlus Baby Albatros im Juni 1939 mit einem Flug von Wichita Falls nach Oklahama City einen inoffiziellen Rekord von 280 Meilen = 450 km aufgestellt. Was müssen die in Texas für Thermik haben!

Vom 10. amerik. Elmira-Segelflug-Wettbewerb 1939. Gut aussehender Segler von New Jersey mit Stahlrohrrumpf. Gewicht jedoch über 300 kg. Unten: Der New Jersey-Segler hat hochklappbares Höhenleitwerk zum Transport. Links: Gustav Scheurer, rechts der Erbauer.

Erwähnenswert ist noch, daß während des Wettbewerbs die drei ersten goldenen Leistungsabzeichen erflogen wurden, und zwar von Stanley, Decker und Robinson.

Stanley hatte die besondere Freude, seinen ersten Besuch in New York auf dem Segelflugwege zu bewerkstelligen. Sicher ein großes Erlebnis für einen Amerikaner, nach langem, anstrengenden Flug das Wolkenkratzergewimmel am Horizont auftauchen zu sehen, um die Riesenstadt dann noch zu überfliegen.

Am 2. Sonntag des Wettbewerbs trafen sich dann die Teilnehmer des Jahres 1930. Ein sehr vergnügter Abend beschloß die Gründungstagung der „Kameradschaft alter Segelflieger", die nicht vergessen hatte, ihrer Mitkämpfer zu gedenken, die der Tod weggerissen hatte.

Leider waren auch nicht alle Lebenden vertreten, so wurde besonders Hawley Bowlus vermißt, aber auch Peter Riedel, der im Westen weilte und versuchte, die USA im Segelflug zu überqueren.

Die Leitung des Wettbewerbs hatte A.L.Lawrence. Die Arbeit führten aus: Prof. R. E. Franklin, Jay Buxton, Gus Scheurer und Dr. Karl 0. Lange sowie Henry Wightman.

Es nahmen 36 Flugzeuge und 88 Piloten teil.

Starts von Harris Hill 460; Starts vom Flugplatz 226; Streckenflüge 117; Höhenflüge 138; Dauerflüge 54; Gesamtstrecke 11 000 km.

Die meisten Flüge wurden mit Winde gestartet. Nur bei sehr ungünstiger Wetterlage gab es Flugzeugschlepps, zusammen 145.

Vom 10. amerik. Elmira-Segelflug-Wettbewe.rb 1939. Oben links: John Robinson von Kalifornien — 5. in der Punktwertung 1939. Rechts: Vor dem Hauptgebäude, von rechts nach links: Robert Stanley, Parker Leonard, Lawrence (Wettbewerbsleiter), Speed Westphal von Los Angeles (fliegender Reporter), Wolf Hirth. Unten links: Mit dieser Winde wurden die meisten Starts ausgeführt. Seil aus Hanf, nach hinten 2 Stabantennen für drahtlose Teelgraphie mit Start und Zentrale. Rechts: Eine andere Winde von Illinois.

Man darf jedoch nicht den Fehler machen, diese Ergebnisse ohne weiteres mit den deutschen zu vergleichen, weil der Segelflug in USA noch vollständig auf privater Initiative aufgebaut ist.

Deutsches Studenten-Segelfliegen bei den Studenten-Wettspielen Wien. 24. 8.,

war ein deutscher Erfolg. Der Deutsche Flinsch, welcher in den ersten beiden Tagen seine Aufgaben löste, traf am 3. Tag nach 42 Min. am Ziel ein und wurde mit 300 Pkt. Gesamtsieger. Mit großem Abstand folgte als 2. Meier zu Bentrup, 60 Min., 256 Pkt., 3. Bollmann, Ungarn. Am letzten Tag wurde in Gegenwart des Reichserziehungsministers Rust und des italienischen Kultusministers Botai über dem Wiener Stadion die Segelkunstflugkette des Korpsführers des NSFK. im geschlossenen Verband vorgeführt. In der Kette flogen NSFK-Hauptstuf. Braeuti-gam, NSFK-Stuf. Haase und NSFK-Stuf. Hofmann.

Ostafrikan. Segelflugklub Mbeya, Südwest Tanganyika, wird wieder Segelflugbetrieb aufleben lassen.

Wehrle, Präsident des Aero-Clubs von Hericourt, der 1931 den Segelflug aufnahm, ist am 30. 7. tödlich verunglückt.

Borel-Segelflugpreis, Bedingung geschlossener Rundflug über zwei 25 km voneinander entfernt liegende Städte, 1922 ausgeschrieben, Preis 10 000 Fr. (vergessen worden) von Eric Nessler gewonnen.

Belg. Segelflugmodell Michel Verbinnen flog am 14. 8. 39 1 h 16 min. 14 sec. (Weltrekord beträgt 1 h 06 min 13 sec). Start in Kiewit mit 60 m langem Seil.

Banne d'Ordanche franz. Modellwettbewerb, Preis des Präsidenten der Republik, gewann Richard mit 5 min 39 sec.

Literatur.

(Nachsteh. Bücher können, soweit im Inland erschienen, von uns bezogen werden.)

Mobilmachung, Aufmarsch und erster Einsatz der deutschen Luftstreitkräfte im August 1914. Mit 14 gr. Uebersichtskarten über die Ergebnisse, der operativen Luftaufklärung zu Beginn des Weltkrieges. Herausgegeben und beziehbar von der Kriegswissenschaftl. Abteilung der Luftwaffe, Berlin NW 40, Moltkestr. 4. Vorausbestellpreis bis 15. 9. 39 RM 5.30.

Das vorliegende Buch gibt einen genauen Ueberblick über die Mobilmachung der Luftstreitkräfte vom Weltkrieg, vermittelt ein genaues Bild über den Aufmarsch der Luftstreitkräfte im Zusammenhang mit den Aufmarschbewegungen der Heere und der deutschen Aufklärungs- und Kampftätigkeit während der ersten Operationen in Ost und West sowie der Land- und Seestreitkräfte. Zum ersten Mal wird sich mancher Kriegsteilnehmer an Hand dieses Buches, insbesondere mit den vielen übersichtlich gehaltenen Karten, ein Bild über die wirklichen Vorgänge machen können. Die Verteilung der Luftstreitkräfte und die namentliche Liste der Führer der deutschen Luftwaffenverbände im August 1914 läßt manche Erinnerungen aufleben. Generalmajor Haehnelt hat mit seinen Mitarbeitern in diesem Buch den Männern der Luftwaffe im Weltkrieg ein Denkmal gesetzt.

Flugwesen fünfsprachig, Taschenwörterbuch, Deutsch-Englisch-Französisch-Italienisch-Spanisch, zusammengest. v. Lothar Ahrens, mit einem Geleitwort von Generalleutnant Udet. 576 S. VDI-Verlag G. m. b. H., Berlin NW 7. Preis RM 12.—, für VDI-Mitgl. RM 10.80.

Die Fliegerei ist international, völkerverbindend. Die Männer vom Fach in allen Ländern möchten technischen und wissenschaftlichen Gedankenaustausch pflegen und die in den jeweiligen Landessprachen veröffentlichten Fachzeitschriften und sonstiges studieren. Hierzu gehört ein handliches Wörterbuch. Ahrens hat es uns mit seinem „Flugwesen fünfsprachig" geschaffen. Die Fremdwörter sind im vorliegenden Buch nach ihrer technischen Zusammengehörigkeit in Klassen unterteilt (Flugzeuge, Ausrüstung des Flugzeugs, Kennzeichen usw.) aneinandergereiht, alphabetisch geordnet und mit Nummern bis zu 3660 versehen. Für jede Sprache ist wieder ein besonderes Verzeichnis, so daß sich beim Uebersetzen aus der Fremdsprache oder umgekehrt, schnell der gewünschte Ausdruck finden läßt. Etwas einfacheres gibt es nicht. Ein unentbehrliches Buch.

Land aus Feuer und Wasser, v. Hans Dominik. 336 S. Verlag v. Hase & Koehler, Leipzig. Preis RM 4.50.

Der vorliegende Roman handelt von einem genialen Erfinder, welcher beauftragt ist, eine Flugzeugbasis in der Südsee zu errichten. Die spannend geschriebene Handlung, Durchführung der Experimente und technische Vorbereitungen für die Planung, kennzeichnet den Verfasser Hans Dominik als Meistererzähler.

Luftfahrtforschung, Bd. 16, Lfg. 6, 7, herausgeg. v. d. Zentrale f. wissensch. Berichtswesen üb. Luftfahrtforschung. Verlag R. Oldenbourg, München. Preis je Lfg. RM 2.50.

Heft 6 enthält: Gedankengänge zur Flatterberechnung, v. A. Teichmann; Wechselwirkung zwischen anliegender u. abgerissener Strömung, v. W. Fabri-cius; Dämpfungsarten f. d. Schwingungen d. Kreiselhorizontes u. ihre Wirkungen i. Kurvenflug, v. M. Schuler u. K. Magnus; Ergebnis d. Preisausschreibens der Lilienthal-Ges. f. Luftfahrtforschung 1937/38; Zusammenstellung d. bekannt gewordenen Vorschläge z. Abstandsbestimmung u. z. Rückstrahlpeilung auf funk-techn. Wege u. ihre kritische Betrachtung, v. K. Dziewior; Höhenmeßverfahren auf funkentechn. Grundlage, v. U. Theile.

Heft 7: Ueber d. Krafteinleitung in einholmige Flügeltragwerke d. unvollkommen ausgebildete Querwände, v. F. Reinitzhuber; Aerodynamik d. Drehflüglers m. Blattwinkelrücksteuerung, v. A. Pflüger; D. Einfluß d. Zahl d. Abschreckungen u. d. Glühdauer auf d. Aushärten v. Al-Cu-Mg-Legierungen, v. P. Brenner u. H. Kostron; Untersuchung v. Bleibronze-Ausgüssen i. d. DVL.-Lager-prüfmaschine, v. G. Fischer; Ueber Resonnanzschwingungen i. d. Ansaug- u. Auspuffleitungen v. Reihenmotoren, v. 0. Lutz; Betrachtungen z. Aufbau d. elektr. Flugzeugbordgeräts n. d. Drehspulprinzip, v. W. Fischer.

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