Zeitschrift Flugsport

Heft Nr. 18 vom 20. August 1909

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Die Zeitschrift Flugsport war die illustrierte, flugtechnische Zeitschrift für das gesamte Flugwesen und wurde im Zeitraum von 1909 bis 1944 von Oskar Ursinus herausgegeben. Über einen Zeitraum von 36 Jahren hinweg wurde in dieser Zeitschrift sowohl über die zivile als auch über die militärische Luftfahrt berichtet. Jedes Heft widmete sich in besonderen Kapiteln u.a. den Themen Segelflug, Motorflug, Luftschiffahrt, Ballonfahren, Modellflug, Luftwaffe oder Luftsport. Ebenso wurden die Bereiche Flugzeuge, Flugzeugtechnik, Flughäfen, Landeplätze sowie Flugnavigation und Luftverkehr im Inland und Ausland behandelt. Alle Seiten aus den Jahrgängen von 1909 bis 1944 sind mit Fotos und Abbildungen als Volltext in der nachstehenden Form kostenlos verfügbar. Erscheint Ihnen jedoch diese Darstellungsform als unzureichend, insbesondere was die Fotos und Abbildungen betrifft, können Sie alle Jahrgänge als PDF Dokument mit Inhaltsverzeichnissen, Seitenzahlen, Fotos und technischen Zeichnungen für eine geringe Gebühr herunterladen. Um komfortabel nach Namen, Themen und Begriffen zu recherchieren, nutzen Sie bitte die verfügbaren PDF Dokumente. Nutzen Sie bitte die kostenfreie Leseproben von Heft 17/1933 sowie von Heft 8/1939, um die Qualität der angebotenen PDF Dokumente zu prüfen.



Internationale Luftschiffahrt-Ausstellung Frankfurt a. M., Stand C. 24.

Flugsport

Jllustrierte technische Zeitschrift und Anzeiger

für die gesamte

„Flugschiffahrt"

(L' Aviation)

Le seul organe allemand traitant particulierement les interets de l'Aviation

unter Mitwirkung bedeutender Fachmänner herausgegeben von Oskar Ursinus, Civilingenieur.

Brief-Adr.: Redaktion und Verlag „Flugsport" Frankfurt a. M., Bahnhofsplatz 8. Repräsentant pour la France: E. Raphael, Paris, Rue du Faubourg Poissonniere 62.

Erscheint regelmäßig am 1. und 3. Freitag jeden Monats. ===== Zu beziehen durch alle Buchhandlungen. ===== Abonnement: Bei portofreier Zusendung unter Kreuzband Mk. 14.—. Durch Postbezug Mk. 12 — pro lahr.

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Nr. 18. Frankfurt a. M., 20. August 1909. Jahrg. I.

Internationale Luftschiffahrt Ausstellung Frankfurt a. Main 1909.

XV.

Die Motorflüge

haben begonnen. Baron de Caters hat mit seinem Voisinflieger am 15. August, abends 7 Uhr auf dem Jlaflugfelde den ersten

Baron de Caters führt am 15. August 1909 auf dem Ilaflugfelde seinen

prslpn Fliio- ans.

Flug ausgeführt. Um 8 Uhr erhob sich der Flieger zum zweiten Male um einen Flug von 5 Minuten, 17 Sekunden auszuführen. Der erste Flug, den er in Frankfurt a. M. machte ist in umstehender Abbildung wiedergegeben. Am 16. 8. führte Baron de Caters

Plugversuche auf dem Ila-Felde.

Oben: Baron de Caters unterfährt den Clouthschen Lenkballon. Unten: Baron de Caters und Dr. Gans-Fabrice.

weitere Flüge aus und schlug seinen Rekord vom Sonntag mit einer Zeit von 11 Min. 52 Sek. Er umkreiste dabei das Flugfeld 15 mal. Am gleichen Abend, 7 Uhr 30 Min. unternahm er noch weitere Flügge und umkreiste das Flugfeld 13 mal.

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Am 17. August unternahm August Euler einen Flugversuch-Das Feld war aber durch den starken Regen derartig aufgeweicht, daß Euler nur mit großer Mühe vom Boden loskommen konnte. Durch Unebenheiten im Flugfelde streiften in der Kurve die unteren Tragdecken den Boden, wobei eine Tragdeckenspante bracli und der Flug aufgegeben werden mußte Hoffentlich bringt Euler seinen widerspenstigen Antoinette-Motor bald in Ordnung, sodaß er mit Baron de Caters erfolgreich konkurrieren kann.

Baron des Caters arbeitet mit zwei Fliegern und zwar verwendet er einen E- N- V--Motor und einen 50 PS-Anzani-Motor.

Ein besonders eindrucksvolles Bild war der Moment am Montag als der Clouth'sche Motor-Ballon das Flugfeld in einer Höhe von 40 bis 50 m überflog. Baron de Caters flog nur 20 m genau unter dem Ballon hinweg. Nach dem neuen Reglement, welches

Baron de Caters. (jia-phoiogr. a. Hoischiid)

Der Flieger wird aus der Zeppelinhalle gebracht.

der Aeroklub de France aufgestellt hat, müssen Flugapparate mit 50 m Entfernung Abstand aneinander vorbeifahren und in der gleichen Entfernung sich über — und unterfahren. Das Auge des Gesetzes hatte von dieser Bestimmung nocli keine Kenntnis, sonst dürfte der Baron den ersten Strafzettel zu erwarten habenin nebenstehenden Abbildungen sind die schönen Flüge wiedergegeben.

Der Frankfurter Flugtechnische Verein

ist eifrig bemüht, seine Leistungen zu erhöhen. Am Mittwoch

den 17. August wurde der letzte Rekord gedrückt und mehrere Längenflüge von 35 m ausgeführt.

Dr. Gans-Fäbricc wird mit seinem Wrightf lieger

in den nächsten Tagen mit Flugversneheirbeginnen. Der Flieger steht ziemlich fertig in der Halle. Das Bild auf dem Flugfelde wird daher in den nächsten Tagen sich sehr beleben. Ebenso wird Nolte mit seinem Schwingenflieger und Jatho aus Hannover in aller Kürze erscheinen.

Die historische Abteilung der Jla ist am 8. d. Mts. eröffnet worden. Sie veranschaulicht den Entwicklungsgang der Luftschiffahrt in Wort und Bild. Ein illustrierter Führer, der zum Preise von 40 Pfg. käuflich ist, weist auf die wichtigsten Objekte hin.

Jla-Fhotogr. A. Molschild.

Baron de Caters prüft den Gang des Motors.

Die historische Abteilung ist auf der Galerie in dem der Freitreppe gegenüberliegenden großen Saal untergebracht und kann täglich in der Zeit von 10 Uhr morgens bis 7 Uhr abends unentgeltlich besichtigt werden.

Die äußerst reichhaltige Sammlung bietet eine Fülle des Wissenswerten. Kein Flugtechniker sollte versäumen, der Ab-

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teilung einen aber mindestens halbtägigen Besuch abzustatten. Man wird sobald nie wieder Gelegenheit haben, die einzelnen Sachen mit Ruhe studieren zu können. Es ist bedauerlich, daß nach Beendigung der Ausstellung diese mit großen Mühen zusammengetragenen Objekte wieder in alle Richtungen verstreut werden.

Oben : Euler-Fliegerhalle. — Unten: Abflughügel.

Der Frankfurter Flugtechnische Verein bei der Arbeit. Der Flieger besitzt wie bei Wright und Ferber ein vorderes Höhensteuer.

Wird es nicht möglich sein, die Objekte zusammenzuhalten und in Frankfurt ein

Historisches Museum für Luftschiffahrt

ins Leben zu rufen? Frankfurt hat als Veranstalter der ersten Luftschiffahrts-Ausstellung ein Vorrecht gegenüber anderen Städten. Das Projekt hat ein gutes Fundament und Frankfurt eine Sehenswürdigkeit mehr! — —

D. Vorträge.

Ueber die

aerodynamischen Vorgänge an Plugflächen, Luftschiffen und Propellern

sprach Prof. Ah I bo rn-Hamburg. In der Eroberung der Luft, so leitete Prof. Ahlborn seine Ausführungen ein, wird derjenige Sieger bleiben, der sich am voll-

kommensten den Naturgesetzen anpaßt und sie beherrscht. In zwei Grundfragen gipfelt das Flugproblein, in der Schaffung des geeigneten Motors und in der Klärung der aerodynamischen Verhältnisse, der Luftwiderstandsgesetze. In zweifacher Wirkung kommt der Luftwiderstand bei Flugapparaten zur Geltung: als Widerstand, der überwunden werden muß und als Widerstand, der die Trag- und Steuerfähigkeit bewirkt Es ist offenbar, daß unsere Flugapparate heute noch im Zeichen der Kraftvergeudung stehen, dies zeigt die Tatsache, daß ein Aeroplan, um einen Menschen zu tragen, mindestens 25 Pferdestärken bedarf. Dies liegt daran, daß man die Verhältnisse des Kraftverbrauchs noch nicht kennt. Ueber-haupt hat die allgemeine Anschauung auch keine rechte Vorstellung mit dem Luftwiderstand verbunden. Die Frage wurde bisher meist von der messenden Seite behandelt. Man bewegte eine Platte gegen die Luft und hat den Druck auf Vorder- und Rückseite für verschiedene Neigungen und Geschwindigkeiten gemessen. In dieser Richtung sind viele Versuche gemacht worden, meistens unabhängig voneinander, meistens in den Ergebnissen nicht übereinstimmend und falsch. Auch hat man sich nur kleiner Flugflächen bedient, die den Verhältnissen, mit denen die Luftschiffahrt arbeitet, nicht entsprachen. Auf jeden Fall ist auf diese Weise durch Widerstandsmessung keine hinreichende Klärung erzielt worden, und die Frage besteht weiter, wohin die aufgewendeten Pferdekräfte kommen.

Die Sichtbarmachung der Strömungserscheinungen bringt uns der Lösung näher. Als Er3ter hat dies Dr. Ludwig Mach versucht, indem er verschieden erwärmte Luftströme, die auf photographische Platten wirkten, verwendete. In Lichtbildern sah man die so aufgenommenen Photographien, ebenso wie Aufnahmen von Prof. Wellner, der die Sichtbarmachung durch Rauchfäden erzielte. Die Bilder, die Prof. Ahlborn nach eigenen Untersuchungen vorführte, bezogen sich nicht auf Luft, sondern auf Wasser. Diese Verwechslung ist deshalb erlaubt, weil die Strömungserscheinungen für beide Medien dieselben sind, während die Wirkungen in Wasser besser zu beobachten und festzuhalten sind. In drei Arten von Bildern sind die Widerstandserscheinungen zu erfassen. Wenn man die Widerstandsplatte mit dem zu ihrer Bewegung dienenden Wagen und der photographischen Camera bewegt, erhält man das Bild der Strömungslinien, bei stillstehender Camera erhält man das Bild der Kraftlinien, während die sogenannten Schwingungslinien die Bewegung der Wasserteilchen während des Durchgangs zeigen.

Prof. Ahlborn demonstrierte und deutete den Verlauf dieser Linien bei einer großen Reihe von Flächen. Er zeigte normal vom Strom getroffene Flächen, erklärte die Art und Bedeutung der Wirbelbildungen und ihren Verlauf bei verschiedenen Neigungen und Krümmungen. Er trat dabei der durch die Meßversuche sehr verbreiteten Ansicht entgegen, daß gewölbte Flächen besonders günstig seien, In verschiedenen Aufnahmen zeigte er die bedeutenden Störungserscheinungen, die bei einfach gewölbten Flächen, an deren Bevorzugung Lilienthal die „Mitschuld" trägt, auftreten. Erheblich günstiger verhält sich ein oben gewölbter, aber unten gerader Flächenquerschnitt. Danach ist also die Frage nach der besten Gestalt der Tragflächen dahin zu beantworten, daß die Flächen sich den Strömungslinien möglichst anpassen und sowohl den Stoß durch die Wasserverdrängung, als auch den Rückstoß aufnehmen müssen. Erschwert wird die Erfüllung dieser Bedingung dadurch, daß für jede Geschwindigkeit andere Flächengestaltung erforderlich ist, also nur für eine Geschwindigkeit die richtigen Verhältnisse getroffen werden können.

Sehr wichtig ist für die praktische Flugtechnik auch die Frage der Interferenz, der gegenseitigen Beeinflussung mehrerer bewegter Flächen. Da zeigte Prof. Ahlhorn die außerordentlich verstärkte Wirbelbildung, also den Kraftverlust. Er zog daraus die bemerkenswerte Schlußfolgerung, daß die Zukunft dem Monoplan, dem Eindecker gehört, denn es ist nicht möglich, mehrere Flächen so weit auseinander zu stellen, daß sie sich nicht gegenseitig beeinflussen.

Nach diesen Betrachtungen über die Flugflächen wandte sich der Vortragende den Vorgängen an Luftschiffkörpern zu und zeigte den geringeren Einfluß des vorderen Endes und die große Wirkung der hinteren Form. Hier führte er den glatten Verlauf der Strömlingserscheinungen bei einer Parseval ähnlichen Form, bei noch stärker zugespitztem Ende usw. vor.

Zum Schluß wurden noch in einer Reihe von Bildern die Strömungserscheinungen bei einer Schiffsschraube demonstriert, die ebenfalls sehr interessante Aufschlüsse gaben, wenn sie auch so rasch vorüberzogen, daß man ihren Inhalt nicht ganz erschöpfen konnte. So gewann man denn aus dem außer-

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ordentlich interessanten Material recht wichtige neue Aufschlüsse über das Wesen der Widerstandserscheinungen, wodurch die photographisch-analytische Methode in bedeutungsvoller Weise geklärt wird.

Pariser Brief.

Von unserem Pariser Korrespondenten.

Wer in Frankreich auf öffentlichen Erfolg, auf Anerkennung und Ruhm rechnet, muß eine „gute Presse" haben. Na, und die hat Bleriot. Es soll natürlich an dieser Stelle unerörtert bleiben, auf welche Weise man sich hier zu Lande dieses unentbehrliche und außerordentlich wirksame „Hilf mittel" verschafft. Uns interessiert nur, zu betrachten, wie eine gewisse Presse diesen Mann, der das Glück gehabt hat, daß sein Motor ohne Störung 32 Minuten funktioniert hat, in wirbelndem Reigen umschmeichelt und dabei ein Jubelgeheul mit dem Refrain „Den kann keiner" anstimmt. Inzwischen ist der ahnungslose Eindecker, den man in London zur höheren Ehre der französischen Nation und der Firma Bleriot zunächst in einem Wa;enhause, später noch auf der Shepherds bush-Vogelwiese ausgestellt hatte, nach Frankreich zurückgekehrt, und nach Issy-les-Moulineux gebracht worden. Dort agiert Bleriot jetzt nur noch als „Professor". Er bildet Piloten aus und macht dabei für sein Atelier eine gewiß ganz einträgliche Reklame. Alfred Leblanc, der früher „in sphärischen Ballons gemacht" hat, übt sich fleißig in der Steuerung des Bleriot-Eindeckers und hat es schon auf kurze Schleifenflüge gebracht. Auch Delagrange benutzt jetzt in Issy einen Bleriotflieger von der „Kanaltype", wird aber, wie es heißt, durch widrige Winde an der Vollbringung sensationeller Leistungen behindert Seit dem letzten Sonnabend ist nun der Bleriot'sche Schuppen leer geworden. Die beiden Eindecker Leblanc und Delagrange sind nach Reims beförder. worden. Der „Witzig-Liere-Dutilleul"-Zweidecker rollt noch immer bescheiden auf dem Sande. Ein für die spanische Regierung und von spanischen Arbeitern zu Issy gebauter Zweidecker ist dieser Tage fertig gestellt worden. Er wird von dem Ingenieur Wegscheidel der ihn entworfen und seinen Bau geleitet hat, bei seinen ersten Versuchen gesteuert. Schon bei dem ersten Aufstieg wurde der Apparat, ein mit einem 3 Zylinder Anzani-Motor ausgerüsteter Zweidecker mit zwei durch Ketten angetriebene Schrauben, stark beschädigt. __

Im Lager von Chalons ist die letzte Woche besonders ereignisreich gewesen. Roger Sommer, von dessen auffallenden Leistungen mit dem Farman-Zweidecker bereits früher die Rede war, hat dieser Tage einen Dauerflug von 2 Stunden 27 Minuten 15 Sekunden ausgeführt und damit nun auch den Rekord, den Wilbur Wright bisher mit 2 : 20 : 25 ( 31. Dezember 1908) inne hatte, um nahezu 7 Minuten geschlagen. An diese Flugleistung Sommers hat sich eine widerwärtige und endlose Kontroverse geknüpft, da man diesen , Rekord" deshalb nicht gelten lassen will, weil die offiziellen Kommissare nicht rechtzeitig vorher benachrichtigt worden waren. Und wenn auch an der Authentizität des Fluges,

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den hunderte auf dem Manöverfelde anwesende Zuschauer, zumeist Offiziere der dortigen Garnison, gesehen haben, nicht gezweifelt werden kann, so existiert er eben offiziell nicht. Auch bei dieser Gelegenheit konnte man wieder sehen, welche unglaublichen Kapriolen die französische chauvinistische Presse zu machen liebt. Als die ersten Telegramme aus Chalons einliefen, die den eminenten Flug Sommers meldeten, da hub in den Blättern ein wahres Freudendelirium an. Der Rekord „des Amerikaners" war nun von „einem Franzosen" in glänzender Weise geschlagen und die französische Aviation war damit endlich in die führende Stellung eingerückt, die ihr auf Grund usw. usw. gebührt Wenn es an und für sich nicht als geschmackvoll oder geschickt bezeichnet werden kann, eine unbestritten hübsche Flugleistung, wie überhaupt jeden anderen Tagesvorgang, lediglich vom „nationalen" Stand-

Sommer stellt auf dem Felde von Chalons den neuen 2 Stunden 27 Min. 23 Sek.-Rekord auf.

punkte zu bewerten, so hat gerade in diesem Falle jenes stolze Jubelbewußtsein eine besondere tragikomische Rückseite. Roger Sommer ist Belgier, der Erbauer des Apparats, Henri Farman, ist Engländer und der Motor, mit dem der Zweidecker ausgerüstet ist, entstammt der belgischen Marke Vivinus. Wo steckt da der französische „Nationalsieg"?

.... Uebrigens hat Sommer, ein überaus fleißiger und pflichttreuer Mensch, auch sonst wiederholt erfolgreiche Flugversuche unternommen; er ist jetzt hier ohne Zweifel sehr populär geworden, wenngleich ihn die „offiziellen" Aviationskreise auffälligerweise „schneiden". Auch Farman experimentiert wieder eifrig. Am letzten Dienstag wollte er nach einem Fluge von 5 Minuten Dauer vor seiner Halle landen, konnte aber, da der Zündhebel gebrochen war, den Motor nicht anhalten. Mit großer Geistesgegenwart ließ sich Farman mit seinem Zweidecker brüsk herab, aber in dem

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Augenblick, wo er dem am Boden stehenden Apparate Cockburns ausweichen wollte, stieß er gegen eine Baumgruppe, kam aber glücklich davon ab und landete schließlich in einem Getreidefelde ohne nennenswerte Havarie erlitten zu haben. Ebenso arbeiten Cockburn und der junge Qobron unaufhörlich an ihrer Vervollkommnung, namentlich letzterer mit anerkennenswertem Erfolge. Mortimer-Singer, der mit einem Schwanz-Zweidecker alten Systems operiert, konnte einige Male das Flugfeld umkreisen, beschädigte aber am Donnerstag seinen Apparat bei einer ungeschickten Landung Jetzt ist auch der oftgenannte Apparat des russischen Prinzen Sergei Bolotoff von Billancourt in Chalons eingetroffen und in einem großen Schuppen von 16 m Länge, 16 m Breite und 7,50 m Höhe untergebracht worden. Der Apparat, der bekanntlich eigentlich für die Kanalüberquerung gebaut war, ist ein Dreidecker, System Voisin von 11 m Länge, 4,15 m Höhe und 12 m Spannfläche. Er hat einen 100 PS Panhard & Levassor-Motor. Der Motor, dessen Reservoir 70 Liter hält, wiegt 500 kg. Das Gesamtgewicht des Apparats, einschließlich des Piloten, sowie aller Ausrüstung, beträgt 1200 kg. Die Versuche mit diesem Dreidecker sollen dieser Tage beginnen. Interessant ist noch, daß Anzani, der Motor-Konstrukteur aus Asnieres, nun auch unter die Aviatiker geht. Bekanntlich war der „berühmte" Bleriotflieger mit einem Anzani-Motor ausgestattet. Die wilde Begeisterung für Bleriot, deren stummer Augenzeuge Anzani war, hat diesen offenbar „gekitzelt" und nun will er sich selber als Pilot versuchen. Bezeichnender Weise aber benutzt er hierzu nicht etwa, wie man annehmen sollte, einen Blöriot'schen Apparat, sondern einen Voisin-Zweidecker, an dem er aber auf eigene Faust einige Aen-derungen vorgenommen hat. Zu erwähnen ist noch aus Chalons, daß Roger Sommer dieser Tage einen Flug nach dem 14 km entfernten Städtchen Suippes ausgeführt hat. Natürlich ist er dort mit Jubel empfangen und von dem Gemeinderat durch Ueber-rcichung einer goldenen Medaille geehrt worden.

Das Aerodrom von Juvisy, das nicht recht in Gang kommen will, müht sich, durch „Sensationen" die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken. Zuerst versuchte man es mit „Meetings", dann wurden es „Große Wochen", jetzt sind gar unübersetzbare „Grandes Quinzaines" daraus geworden. Eine solche „Große Doppelwoche" soll vom 3. bis 17. Oktober stattfinden und zahllose Bewerbe in sich schließen, von denen aber bei näherem Besehen bekanntlich nicht viel übrig bleibt. Weder die hohen Eintrittspreise (man verlangt für eine Karte 80 Francs!), noch die Semapnoren, die man jetzt in Juvisy errichtet hat, machen es; hervorragende Flugleistungen will man und die sind in Juvisy nicht zu erwarten. Man hat sich einen russischen Grafen, den von mir schon früher erwähnten Hedberg von Gournet, verschrieben, denn ohne etwas russisches geht es im Augenblick hier nicht Bisher hat der russische Graf in Juvisy nichts weiter vollbracht, als bei seinem ersten Rollversuch das Steuer zu beschädigen, trotzdem natürlich ist er ein „bedeutender Aviatiker, von dem man in Zukunft viel erwarten kann". Da ich keine Veranlassung habe, diskreter als der französische Kriegsminister, also päpstlicher als der Papst zu sein,

so kann icli nunmehr mitte len, daß Hauptmann Ferber, der bisher stets unter dem Pseudonym ,,de Rue" geflogen ist, von dem Minister die Erlaubnis erhalten hat, an einem Offizierspreis (es handelt sich um den „Preis Siot-Decauville" für einen Schleifenflug von einem Kilometer, nur offen für Offiziere der Armee) unter seinem richtigen Namen teilzunehmen. Nach diesem Flugbewerbe abe fliegt in Juvisy wieder nur „de Rue", das heißt, wenn er überhaupt fliegt Denn bisher hat Ferber, der treffliche Theoretiker, praktisch nur recht bescheidene Erfolge aufzuweisen. Der Eindecker Köchlin hat das Mißgeschick, daß er sich zumeist „in Reparatur' befindet, er ist nur selten heil in Juvisy zu sehen. Sivet, der sich seit einigen Wochen mit einem Schwanzzweidecker auf dem Aerodrom von Juvisy nutzlos herummühte, ist fürs erste dieser Pflicht überhoben. Bei einem mißglückten Landungsmanöver am Montag ist der Apparat arg beschädigt worden. Gaudart, der einzige, der noch ab und zu einige Flüge in Juvisy auszuführen vermochte, ist nunmehr auch abgereist. Er ist nach dem Haag gegangen, um dort öffentliche Flugvorstellungen zu geben.

Das früher erwähnte Meeting von Dunkerque spielte sich zunächst ohne nennenswerte Zwischenfälle ab. Paulhan, der in der Hauptsache die ganze Sache zu bestreiten hat, vermochte keine Resultate zu erzielen, die nur entfernt an die Leistungen heranreichten, die er, wie b kannt, früher vollbracht hat. Nachdem er wiederholt die Strecke Saint Malo nach Bray und zurück (16 km) durchflogen war, unternahm er es am letzten Donnerstag, den Sommerschen Rekord anzugreifen. Zweimal mußte er nach kurzen Flügen von 15 bis 20 Minuten landen. Beim dritten Male aber hatte er ein Mißgeschick, das die Fortsetzung des Meetings unmöglich machte. Infolge Bruchs einer Kolbenstange barst einer der Zylinder. Die anwesenden Militärmannschaften vermochten den Apparat zu bergen. Paulhan hat erklärt, vor Reims nicht wieder fliegen zu wollen. Natürlich befindet sich das Organisationskomitee in einer sehr üblen Lage, denn sie vermag keinen Ersatz aufzutreiben.

In Verdun, wo jetzt ein Soldat des dort garnisonierenden 3. Genie-Regiments, namens Beaufeist, einen Aeroplan eigener Erfindung konstruieit hat, soll am 6. September ein Meeting abgehalten werden, bei dem ein Höhen- und ein Distanzflug unternommen werden wird.

In Marseille experementiert Blanc mit seinem neuen Eindecker von 30 Quadratmeter Fläche, der mit einem 35 PS-Siebenzylindermotor Rep ausgestattet ist, der eine Schraube ^on 2 m Durchmesser antreibt Ouvriere baut einen Giroplan, der dem-1 ächst seine ersten Versuche unternehmen wird. Henri Faber hat einen Hydro-Aeroplan von eigenartiger Konstruktion fertiggestellt. Er besteht aus zwei großen Eindeckerflächen, die auf zwei im Wasser schwimmenden Luftkästen ruhen. Das Wasser wird dem Apparat als Stützpunkt beim Abflug dienen Der Apparat hat vier 12 PS-Zweizylinder Anzani-Motoren. Endlich wird noch an einem großen Dreidecker von 100 Quadratmeter Fläche gearbeitet, den Guercin konstruiert. Dieser Apparat, der einen 80 PS-Rochet-Schneider-Motor erhält, hat das gewaltige Gewicht von über 1100 kg.

Rougier, der ehen alige Automobilist und jetzige Aviatiker, bat dieser Tage einen bedauerlichen Unfall gehabt, der ihn beinahe ein Auge gekostet hat. Er war dabei, eine Ventilfeder aufzumontieren. Unglücklicherweise war der Keil nicht eingetrieben, als eine Explosion des Motors die Feder ausspringen ließ, die gegen das Auge Rongiers flog. Man fürchtete allgemein, daß der sympatische Aviatiker ein Auge verlieren wird, doch heißt es, daß die Aerzte Hoffnung haben, es zu erhalten.

In Loiient verunglückte Leutnant Groß vom dortigen Artillerieregiment mit seinem nach eigenen Ideen erbauten Aeroplan, der bei einem Flugversuche von einem heftigen Wirbelwinde erfaßt und mit ^ oller Wucht auf den Boden aufgeschlagen wurde. Der sehr schwer verletzte Offizier wurde ins Hospital geschafft, der Apparat ist vollständig zertrümmert.

Ein Flugbewerb Havre-Trouville-Havre wird geplant; der hierfür ausgesetzte Preis beträgt 25 0Ü0 Francs. Der Amerikaner Curtiß, der eben erst unter unglaublich plumpem Reklametamtam in Frankreich gelandet ist, hat sich bereits für diesen Bewerb „einschreiben" lassen! Curtiß, der nach Reims gegangen ist, hat sich natürlich vorher in Paris, wie das so die Gewohnheit aller „bedeutenden" Männer ist, interviewen lassen-

In Bordeaux hat sich eine Gesellschaft mit einem Aktienkapital von 250.000 Francs konstituiert, welche in der Nähe dieser Stadt, in Croix-d'Hins, ein gewaltiges Aerodrom erbauen wird. Die Flugbahn wird 25 km im Kreise me sen.

Die französischen Großgrundbesitzer, die in ihren Zeitungen die sensationellen Meldungen über die verschiedenen Flugleistungen lesen, aber gar zu weit entfernt von irgend einem „Flugzentrum" wohnen, sind auf eine ganz geniale Idee gekommen, um sich so einen Aeroplan und so einen fliegenden Menschen mal in der Nähe anzusehen. Nach dem neulich berichteten Beispiele einer aristokratischen Schloßbesitzerin hat jetz der Schloßherr von Parc aux Dames einen Preis von 5000 Francs für denjenigen Piloten ausgesetzt, der irgendwo in einer Distanz von 50 km aufsteigend mit seinem Apparate im Schloßpark von Parc aux Dames landet. Die Idee ist nicht so übel.

Zu dem Circuit von Brescia haben sich nun auch Bleriot und Anzani anmelden lassen. Letzterer, der übrigens Italiener ist, wurde vom König vom Italien durch Verleihung eines Ordens ausgezeichnet. Daß auch Latham, Tissandier und Graf Lambert nach Brescia gehen, ist bereits gesagt worden. Der italienische Touring-Club hat übrigens beschlossen, gelegentlic i des Bewerbes von Brescia die beiden „Helden des Kanalfluges" Bleriot und Anzani durch Ueberreichung großer goldener Medaillen zu ehren-

Auch die Stadt Dieppe veranstaltet in den Tagen vom 19. bis 24. September ihre aviatische „Woche", deren Programm noch nicht festgestellt ist.

Die „Große Woche von Reims" beschäftigt andauernd die französischen Aviationskreise, die dort eine grandiose Demonstration in Szene setzen wollen. In diesen Tagen ist der offizielle Bescheid ergangen, daß auch der Präsident der französischen Republik, sowie der Ministerpräsident zu dieser aviatischen Veran-

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staltung nach Reims kommen werden. Wir kommen auf die Einzelheiten dieser Reimser Woche in unserer nächsten Nummer eingehend zurück.

Dem Internationalen aeronautischen Kongreß, der zu Nancy in den Tagen vom 18, bis 24. September vor sich geht, sieht man auch in hiesigen aviatischen Kreisen mit lebhaftem Interesse entgegen. Abgesehen von den mancherlei für die gesamte Luftschiffahrt wichtigen Fragen, die zur Beratung kommen werden, sind einige interessante Vorträge zu erwarten: Major Renard über „aerodynamische Versuchslaboratorien", Lumet über „Flugmaschinen-Motoren", Drzewiecki über „Luftschrauben", Laurens de la Barre über „Luftrecht", Armengaud über „Geschichte der Aero-plane" u- s. w.

Eine neue Vereinigung hat sich in Frankreich gebildet: die „Pioniere der Luftschiffahrt". Diese Liga verfolgt als Hauptzweck, Erfindern von Neuerungen oder Vervollkommnungen auf dem in Frage kommenden Gebiete Beistand zu leisten, um ihnen die Konstruktion der betreffenden Apparate bezw. die Ausführung ihrer Ideen zu ermöglichen. Ein Komitee von Sachverständigen wird die eingereichten Pläne etc. prüfen und nur diejenigen natürlich zur Berücksichtigung empfehlen, die es für ausführbar und praktisch hält. Alsdann wird die Liga mit dem betreffenden Erfinder einen Vertrag schließen, wonach sich erstere zur Beistellung aller erforderlichen Mittel verpflichtet, wogegen die Liga mit einem gewissen prozentualen Anteil an den eventuellen Erträgnissen der Erfindung beteiligt wird. Der Gedanke ist ein durchaus glücklicher und nachahmenswerter. Durch diese Organisation wird manche interessante und wertvolle Erfindung für die Interessen der Aviation nutzbar gemacht werden, die sonst infolge Mangels an Mitteln verloren gehen.

Der französische Minister der Marine soll, wie einstweilen noch wenig bekannt geworden ist, ernstlich die Absicht haben, jährlich eine1 gewisse Anzahl von Marine-Offizieren zum Studium der Aviatik aozukommandieren. Zunächst sollen in jedem Jahre zwei Offiziere an der an anderer Stelle näher besprochenen Hochschule für Aeronautik teilnehmen.

Noch eine Frage von „eminenter Wichtigkeit" beschäftigt gegenwärtig die hiesigen aviatischen Kreise. Man will für die Wörter „fliegen", „Flug" andere Bezeichnungen schaffen. Bekanntlich heißt „voler" nicht nur fliegen, sondern auch „stehlen" und „vol" nicht nur "Flug", sondern auch „Diebstahl". Man schlägt yor, für „vol" das Wort „plane", für „voler" „planer" zu gebrauchen. Es hat sich um diese Frage eine lebhafte Diskussion entsponnen und die unglaublichsten Vorschläge regnen von allen Seiten herein. Wie man sieht, haben die hiesigen Avia-tiker noch viel Zeit für nutzlose Dinge übrig. In der Tat nutzlos. Denn wenn man heute berichtet, daß HerrBleriot einen „vol" von 32 Minuten ausgeführt hat, so wird doch kein Mensch auf die lächerliche Idee kommen, daß dieser bedeutende Mann etwa diese Leistung — gestohlen hat. Rl.

Der Flugsport in England.

(Originialbericht unseres Londoner Korrespondenten.)

Ende September oder Anfang Oktober will Bleriot mit einer seiner Maschinen, vom ihm selbst oder von einem seiner Schüler geführt, den Flug von London nach Manchester unternehmen, für den die „Daily Mail" einen Preis von 200000 Mk. ausgesetzt hat. Sein Freund C. S. Rolls wird dazu die nötigen Vorbereitungen treffen und die passenden Plätze für Landung usw. aussuchen. Seine Maschine wurde im Selfridgeschen Warenhause von 120000 Personen besichtigt.

Wie sehr der Kanalflug Bleriots England angeregt hat, zeigt sich allerwärts. Abgesehen von dem das letzte Mal schon erwähnten Preise von Lstrl. 4000 des Baron de Forest hat jetzt auch der bekannte Marmeladenfabrikant William Hartley in Liverpool einen Preis von Lstrl. 1000 gestiftet für einen Aeroplanflug zwischen Liverpool und Manchester. Der Flieger, über dessen Nationalität keine beschränkenden Bestimmungen getroffen sind, der also auch ein Deutscher sein könnte, muß im Weichbilde von Liverpool abfliegen und ohne Zwischenlandung im Weichbilde von Manchester niedergehn. Da die Entfernung nur ca. 50 km beträgt, so ist wohl keine Frage, daß dieser Preis in der vorgeschriebenen Zeit, das heißt innerhalb 6 Monaten gewonnen werden wird. Bewerber haben 2 Stunden vor ihrem Abfluge die Liverpool Daily Post zu benachrichtigen. Hartley ist der Ansicht, daß es eine nationale Pflicht ist den Industriebezirk von Lancashire für die Flugkunst zu interessieren.

Der erste, der die Absicht ausgesprochen hat, sich um diesen Preis zu erwerben, ist der von uns schon oft erwähnte Amerikaner Cody. Denn Cody hat tatsächlich in den letzten Wochen große Fortschritte gemacht. Am 11. August machte er einen Flug von 3 km ohne irgendwelche Schwierigkeiten, was vor anderhalb Jahren noch als eine Rekordleistung hätte betrachtet werden müssen; am 13. August brachte er es aber schon bis zu 13 km. Der Steuerappaiat wirkte tadellos, und auch der neue E N. V.-Motor mit 80 HP eiwies sich als vorzüglich, obwohl Cody jetzt bedauert, nicht einen 100 HP-Motor gewählt zu haben. Es wäre wirklich erfreulich, wenn Cody nach einer langen Reihe von Enttäuschungen jetzt endlich einmal größere Erfolge beschieden wären. Daß er selbst sich nunmehr ganz sicher fühlt, geht aus dem Umstände hervor, daß er am 14. August 2 Passagiere zu kürzeren Flügen mitnahm, zuerst Oberst Capper und dann seine Frau. Diese Flüge verliefen ohne jeden Zwischenfall, und man darf also annehmen, daß die Maschine mit Leichtigkeit einen Benzinvorrat für eine Fahrt von 4 Stunden tragen könnte.

Im folgenden geben wir eine Zusammenstellung der übrigen in England augenblicklich Versuche machenden Aeroplanisten:

1. A. V. Roe, in Leyton bei London, übend mit einem von ihm se;bst konstruierten Triplan mit 9 HP-Motor. Das Gewicht der Maschine beträgt nur 300 engl. Pfund.

2. Henry Britain in Enfield, mit einem Triplan, der von ihm selbst konstruiert und von Messrs. Seamer Bros, in Lnfield gebaut

ist. Der Motor einem Antoinette-Motor ähnelnd, entwickelt 40 HP; die Maschine ist jedoch so konstruiert, daß sie verhältnismäßig langsam fliegt, nämlich 24 km per Stunde.

3. Generalmajor Baden-Powei auf dem Fluggrunde von Dagenham mit einem von ihm selbst konstruierten Biplan. Derselbe ist 25 Fuß lang, größte Breite 13 Fuß- Rahmen von Bambus. Die Fläche der Plane ist 200 Quadratfuß. Buchet-Motor von 12 HP, hinter dem Flieger im Zentrum des Rahmens angebracht. 2 schmale Frontplane dienen zur Steuerung. Luftkissen unter dem Rahmen sollen als Schutz dienen, falls die Maschine ins Wasser fallen sollte, da der Fluggrund an der Themsemündung liegt

4. Frank Mac Clean auf dem Fluggrunde von Shellbeach mit einem Biplan.

5. A. E. George, ebendort, mit einem Voisin-Biplan

6. Cristopher Pride in Fishponds bei Bristol mit einem von ihm erfundenen Monoplan. Die Maschine ist ca. 9 m lang und mit einem 50 HP-Motor ausgestattet. Bester Flug bisher ca. 1 km in 1 Min. 9 Sek.

7. und 8. Harold und Frank Barnwell in Stirling (Schottland) mit einem Biplan. Der weiteste Flug Harold Barnwells war bisher 80 m.

9. Mr. Seton-Karr in Camber bei Hastings.

10. Ein Aeroplanist, der in Colmgton (5 km von Edinburgh) eine Maschine probierte, die gleich anfangs stark beschädigt wurde. Weiteres ist darüber nicht bekannt geworden.

Endlich sei noch erwähnt, daß zwei Marineoffiziere von der Unterseebootsabteilung in Portsmouth, die Leutnants Porte und Pirie, Uebungen mit einem Biplan-Gleitflieger machen. — Die von Sir Hiram Maxim konstruierte Flugmaschine, die in den Werken von Messrs. Vickers Sons und Maxim in Crayford unter größter Geheimhaltung erbaut wird, soll soweit fertiggestellt sein, daß Uebungen damit in Kürze begonnen werden können.

Der Aeröplan-Club hielt am 13. seine erste Wochenübung in Wembley-Park ab. Capitän Wyndham zeigte dabei seinen neuen Doppel-Monoplan, doch wurde wegen einer Beschädigung des Rahmens kein Versuch damit unternommen.

Neben diesen Bemühungen von Privatpersonen ist aber auch die Regierung nicht müßig- Auf die Anregung eines Parlaments-Mitgliedes, eine internationale Konferenz zur Regelung der Flugschiffahrt zu berufen, antwortete die Regierung, daß sie dafür die Zeit noch nicht gekommen halte, obwohl sie diese Frage im Auge behalten wolle. Dagegen ist-dem Berichte des Kriegsministers lialdane über die Absichten der Regierung bezüglich der Flugschiffahrt große Wichtigkeit beizulegen. Am 2. August kündigte er im Unterhause an, daß die Regierung im nächsten Jahre über anderthalb Millionen Mark für Aeronautik verwenden würde, und wenn der größte Teil davon auch auf Luftballons verfällt, so kommt doch auch ein Teil der großen für wissenschaftliche Untersuchungen bestimmten Summe den Aeroplanen zu gute. >ußerdem hat die Regieru: g 2 Aeroplane für Versuche geliehen erhalten, und Ende des Jahres wird sie ihr,eigenes Konstruktionsdepartement für Aeroplane haben. Jedenfalls wird aber die Re-

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gierung der wissenschaftlicheu Seite mehr Aufmerksamkeit zuwenden als den sogenannten Praktikern.

Der am 30. April von der Regierung eingesetzte „Beratende Ausschuß für Aeronautik" mit Lord Rayleigh als Präsident hat jetzt zum ersten Male der Oeffentlichkeit Mitteilungen über seine Tätigkeit gemacht. Der Bericht an den Ministerpräsidenten bezeichnete sich jedoch selbst als „Interimsbericht" und will nur das Programm für die Arbeit des Komitees aufstellen. Es sind im ganzen 37 Themata, die behandelt werden sollen, nach den folgenden 5 Hauptgesichtspunkten geordnet: 1. Aerodynamik; 2. Aeroplane; 3. Propeller; 4- Motoren; 5. Luftschiffe; 6. Meteorologie. Zunächst sollen jedoch die folgenden 5 Themata untersucht werden, die augenblicklich als die dringendsten anzusehen sind: 1. Experimente über den Luftwiderstand und die Luftreibung;

2. Prüfung von Motoren; 3. Propellerexperimente; 4. Untersuchungen der Gasdichtigkeit von Materialien für lenkbare Luftschiffe; 5. Experimente bezüglich des Verhaltens verschiedener Stoffe zur Ansammlung elektrostatischer Ladungen und den Schutz der Luftschiffe demgegenüber. Zur Ausführung dieser Untersuchungen ist das Reichslaboratorium für Physik mit folgenden neuen Anlagen ausgestattet: 1. Ein Windschacht, je 4 Fuß breit und hoch und 20 Fuß lang, mit einem Ventilator, der einen regelmäßigen Luftstrom von 40 Fuß per Sek. entwickelt, für die Untersuchung der Luftwiderstandskomponenten an geraden und gewölbten Flächen des Luftwiderstandes vo- Modelluftschiffen und Aeroplanen und zur Beobachtung des Druckzentrums, des Reibungswiderstandes, der Stabilität usw. 2. Eine Wirbeltafel von 70 Fuß Durchmesser, für welche ein besonderes Gebäude errichtet wurde, zur Prüfung von Propellern- Die von Langley früher ausgeführten Experimente sollen hier wiederholt und weitergeführt werden.

3. Zwei Windtürme im Freien, sodaß die Experimente mit dem Windschacht im Freien wiederholt werden können. 4. Ein Apparat zur Prüfung des Nutzeffektes von Motoren bis zu 50 HP.

Auf Anregung der Unterrichtsbehörde der Grafschalt London werden im nächsten Winter im Northampton Polytechnic Institute und im Regentstreet-Polytechnic Vorlesungen über die Flugtechnik gehalten werden, und ein ähnlicher Kursus wird für das Imperial College of Science und Technology in Erwähnung gezogen.

Die Bestimmungen für die große Woche der Champagne

wurden von der Commission Aerienne Mixte in der Sitzung am 12. August 1909 wie folgt aufgestellt.

1. Ein Pilot darf verschiedene Apparate führen, aber bei jedem Rennen darf derselbe Apparat nur von demselben Piloten geführt werden, außer wenn die Sportkommission etwas anderes bestimmt.

2. Um den wirklichen Flug der Apparate genau feststellen zu können, werden senkrecht zur Bahn über ihre ganze Breite verstreut Marken vorgesehen. Der Boden wird an diesen Plätzen besonders hergerichtet, und um die Marken

herum wird feiner Sand gestreut, sodaß man jede Räder- oder irgend welche andere Spur der Aeroplane beobachten kann.

Zehn Kilometer im Umkreis von Reims sind 9 Marken vorgesehen, welche am Start und den wichtigsten Richtungsänderungspunkten aufgestellt sind.

Die Apparate müssen den Start in vollem Flug passieren, ebenso auch alle andern Zeichen und wenn bei irgend einer Marke ein Kontakt eintritt, ist der Flug ungültig.

Es ist den Konkurrenten untersagt über die vorgezeichnete Bahn hinauszugehen; die Bahn ist 250 m breit.

Hierfür werden besondere Kontrollen eingerichtet.

3. Von Sonntag den 22. August bis Sonntag den 29. August können die Flüge von 10 Uhr morgens bis zu den durch die Bestimmungen festgesetzten Stunden unausgesetzt stattfinden.

Die Kommissare haben das Recht, diese Stunden zu verschieben, wenn kein Konkurrent zu der festgesetzten Stunde abgeflogen ist, oder wenn Konkurrenten, die schon abgeflogen sind, nicht die folgenden Bedingungen erfüllt haben: Für den großen Preis der Champagne müssen sie 50 km geflogen sein. „ Schnelligkeitspreis „ „ „ 30 „ „

„ „ Passagierpreis „ „ „ 10 „

Zeitpreis „ „ „ „ 10 „ „ „

In allen Fällen ist die Kontrolle aller Bewerbe um 8 Uhr abends pünktlich zu Ende, das heißt die letzte offiziell von Chronometern aufgenommene Zeit darf 8 Uhr abends nicht überschreiten.

Gemäß den Bestimmungen der Commission Aerienne Mixte ist die Zeit des Pariser Observatoriums maßgebend.

4. Es ist selbstverständlich, daß allen Konkurrenten der Zeitpreis bei allen Flügen und bei den Rennen, die diese mitmachen, zukommen kann, ausgenommen ist Konkurrenz um die Coupe Gordon Bennett (Ausscheidungsrennen und internationales Rennen).

Die Sportkommission kann jederzeit, soweit andere Rennen nicht behindert werden, den Start für den Zeitpreis geben.

5. Die Verteilung der Rennen für die einzelnen Tage ist folgende:

Sonntag den 22. August. Französisches Ausscheidungsrennen für die Coupe Gordon Bennett (20 km). Schnelligkeitspreis (30 km erster Tag). Zeitpreis (erster Tag). Aeronautischer Preis (erster Tag).

Am Sonntag den 22. August werden die Rennen nach folgenden besonderen Bestimmungen in der gewöhnlichen Reihenfolge bestritten.

Erster Abflug für das Ausscheidungsrennen von 10 Uhr morgens an Darauf: Start des Schnelligkeitspreises.

Dieser 1. Start kann auch als 2. Start für das Ausscheidungsrennen gelten. Ist füf das Ausscheidungsrennen noch ein 3. Start nötig, so findet derselbe

sofort danach statt.

Montag den 23. August.

Großer Preis der Champagne und der Stadt Reims (1. Tag).

Zeitpreis (2, Tag).

Aeronautischer Preis (2. Tag).

Dienstag, den 24. August.

Schnelligkeitspreis (2. Tag).

Zeitpreis (3. Tag).,

Aeronautischer Preis (3. Tag).

Mittwoch den 25. August.

Großer Preis der Champagne und der Stadt Reims (2. Tag). Zeitpreis (4. Tag). Aeronautischer Preis (4. Tag).

Donnerstag den 26. August. Großer Preis der Champagne und der Stadt Reims (3. Tag). Zeitpreis (5. Tag). Aeronautischer Preis (5. Tag). Freiballonfahrten.

Freitag den 27. August. Großer Preis der Champagne und der Stadt Reims (4. Tag). Zeitpreis (6. Tag). Aeronautischer Preis (6. Tag).

Samstag den 28. August. Coupe internationale d'Aviation Gordon Bennett. Passagierpreis (1. Tag). Zeitpreis (7. Tag). Aeronautischer Preis (7. Tag).

Sonntag den 29. August. Schnelligkeitspreis (3. und letzter Tag). Passagierpreis (2. und letzter Tag). Höhenpreis.

Zeitpreis (8. und letzter Tag). Aeronautischer Preis (8. und letzter Tag).

Flieger Jatho. Karl Jatho-Hannover hat mit seinem jetzt fertiggestellten Aeroplan einige Flugversuche auf der ihm zu diesem Zwecke von der Militär-Verwaltung zur Verfügung gestellten Vahrenwalder Heide unternommen, die, wie uns mitgeteilt wird, die Stabilität und das gute Funktionieren aller Teile erwiesen haben. Am 14. August gelang es Jatho, sich bereits nach einer Anfahrt-strecke von nur 35 Metern mit seinem Apparat ca. 1 Meter vom Boden zu erheben und eine Strecke von 20 Metern zu fliegen. Jatho wird sich im Laufe dieser Woche mit seinem Drachenflieger zur „ILA" nach Frankfurt begeben

Schwingenflieger Scholz. Flugversuche mit einem ganz eigenartig Konstruierten Aeroplan werden jetzt auf einem zu Schulzendorf bei Tegel gehörenden Gelände stattfinden, das unmittelbar an der Chaussee „Tegel - Heiligensee" unweit des Schulzendorfer Bahnhofes Hegt. Der neue Flugapparat ist von dem Architekten Bruno Scholz, Kopernikusstraße 22, nach 12jährigen Studien und Versuchen in großen Abmessungen nach Art eines richtigen Vogels erbaut. Er soll sich genau wie ein Vogel durch Flügelschlag von der Erde erheben und in der Luft halten. Das Gerüst ist aus Bambusstäben hergestellt, die Segel bestehen aus Leinwand. Der Apparat mißt von Kopf bis Schwanzspitze 17 Meter, die Spannweite der Flügel beträgt 14 Meter. Der Vogelkörper bildet die Sitze für die beiden Führer und nimmt die beiden Motore von je 8 Pferdekräften, sowie eine Zentrifuge auf, die zum Heben des Apparates helfen soll. An der

Flugtechnische

Rundschau.

Inland.

Seite Sil

„FLU OS PORT".

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Gondel befindet sichh vorn der Kopf mit Seitensteuer, hinten der überaus lange mit Steuern versehene Schwanz. Die je 6 Meter langen und 4 Meter breiten Flügel sind mit Klappen versehen, die sich beim Heben Oeffnen und beim Herabschlagen schließen. Sie sind zu beiden Seiten des Körpers angebracht und sollen durch ein recht kompliziertes Scherengetriebe, das durch einen der Motore bewegt wird, in der Minute sechzigmal auf und abschlagen. An den Seiten des Körpers sind noch Höhensteuer angebracht; der ganze Körper ist durch ein Dach abgedeckt. Der Apparat steht, weil die Flügel bis tief herabschlagen, auf hohen, mit Kniegelenken und unten mit Rädern versehenen Beinen, so daß der Aeroplan einem langbeinigen und kurzhalsigen Riesenvogel gleicht. Die Segelflächen umfassen 100 Quadratmeter, das Gesamtgewicht beträgt 500 Kilogramm. Hoffentlich gelingen die Flüge mit diesem Vogel, für dessen Konstruktion Architekt Scholz sein ganzes Hab und Gut verwendet hat.

Flieger Oertz. Wie verlautet, wird Max O e r t z-Hamburg in wenigen Tagen mit einem neuen Aeroplan herauskommen, der bei Erfolgen um die noch offenstehenden großen Preise konkurrieren soll.

Flieger Baumann. Baumann macht mit seinem Flieger auf dem südwestlichen Ufer der Scharfen Lanke unweit Weinmeisterhorn Flugversuche. Ingenieur Hans Baumann, der früher auf der Werft des Grafen Zeppelin tätig war, hat eine Holzhalle mit einer lichten Weite von von elf Meter errichtet, in der er am 5. d. M. die Montierung seines einsitzigen Apparates vornahm. Die Flügel haben eine Spannweite von zehn Meter und werden von einem kräftigen Motor in Bewegung gesetzt. Wahrscheinlich werden die ersten Flugversuche vom Wasser aus unternommen werden, damit der Flieger bei etwaigem Versagen der Maschine keinen Schaden erleidet. Baumann hat bereits vor kurzem unweit Hannover-einige Proben mit dem Monoplan ausgeführt und soll dabei Strecken von 150 Meter in der Luft zurückgelegt haben? —

Ausland.

Flieger von Germe. Dieser neue Flieger ist ein Zweidecker. Die Flächenenden sind ähnlich wie bei Wright verstellbar. Das Höhensteuer ist vorn angeordnet. Zum ;Betrieb dient ein 40 PS. Anzani - Motor, welcher eine vier-flügliche Schraube, kombiniert aus zwei Schrauben von Chauviere, trägt. Die Kraft-Uebertragung geschieht~durch 4 Riemen.

Der neue Flieger Germe mit 40 PS. Anzani-Motor.

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FLUGSPOR T."

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Orville Wright in Berlin Orville Wright, welcher demnächst in Berlin einige Rekordflüge ausführen will, ist in England eingetroffen. Wie die Tageszeitungen berichten, will Orville Wright in Berlin einen Dauerrekord mit einer Person an Bord, sowie einen Höhenrekord aufstellen. Ferner will Wright in Berlin zum erstenmal die Steuerung, das neue Wrightpatent, welches wir in Nummer 11 auf Seite 299 unserer Zeitschrift „Flugsport" unseren Lesern bekannt gegeben haben, erproben. Die bisher am Schwanz vorgesehenen Flächen für die Seitensteuer sind zwischen die beiden Tragdecken-Enden verlegt worden.

Flieger Moncher. Im Aerodrom von Brescia soll der Aviatiker Gui Moncher in Begleitung seines Mechanikers mit einem neuen Apparate, der dank einer besonderen Anordnung der Schraube den direkten Aufstieg vom Boden gestattet, einen Flug von 24 km ausgeführt haben. Der Apparat ist mit einem ge-wöhnlichen^Automobilmotor versehen.

Qerme in seinem Flieger.

Flieger de Laminne. In Belgien hat der Chevallier de Laminne soeben einen Zweidecker fertiggestellt, der sich an die Konstruktion Wrights anlehnt. Der Apparat, der samt dem Lenker nicht mehr als 500 Kilogramm wiegt, wird mit einem auffallend starken Motor betrieben, nämlich mit einem 60 HPTVivinus der Motorballontype.

Flieger Willard. Der Aviatiker Willard, welcher auf Long Island am 3. August einen Curtis-Zweidecker erprobte, führte einen Querfeldflug von 12 englische Meilen Uber der Ebene von Mineola aus. Willard segelte in 40 Meter Höhe über die Städte Garden-City, Westbury und Hicksville hinweg und kehrte dann nach Mineola zurück. Der Flug, den Tausende von Zuschauern beobachteten, vollzog sich unter sehr günstigen Witterungsbedingungen und dauerte 19 Minuten.

Erfolgreiche Flüge des Codyschen Fliegers. Anfang der vergangeneu Woche gelangen ihm, wie bereits an anderer Stelle berichtet, einige ausgedehnte

Flüge, und nun hat er gar Passagiere auf seinem Aeroplane fliegen lassen. Sein erster Passagier war Oberst Cappen, den er einmal um Laffan Piain herumfuhr. Oberst Cappen nahm dabei einen Sitz dicht hinter dem Erfinder ein. Das zweite Mal flog Cody mit seiner Frau auf, die um etwas schwerer als der erste Passagier war. Wieder umkreiste die Maschine das Flugfeld und landete nach einigen Minuten unter dem jubelnden Beifall einer großen Zuschauermenge. Frau Cody ist die erste Engländerin, die je einen Flug mit einem Aeroplan unternommen hat. Interviewern teilte Frau Cody mit, sie habe es garnicht gemerkt, als der Flug begann, und erst als ihr Gatte sie darauf aufmerksam gemacht habe, sei sie gewahr geworden, daß die Erde anscheinend unter ihr „davonlief" und die Maschine durch die Luft sauste.

Guffroy wird mit einem Flieger von Robert Esnault Pelteri gleichfalls an den Konkurrenzen in Reims teilnehmen. Die Konstruktion des Fliegers von R. E. P. ist unsern Lesern bekannt. In beistehender Abbildung führen wir den Flieger nochmals im Bilde vor.

Flieger von Robert Esnault Pelterie mit Guffroy am Steuer.

Dr. Folmer Hansen will den Oeresund überfliegen. Neben Ellehammer (siehe Flugsport S. 487) wird jetzt Folmer Hansen den Oeresund überfliegen und zwar an jener schmälsten Stelle zwischen Heisingborg und Helsingör, wo Schweden und Dänemark in Blickweite einander nahetreten. Da der Ausstand den bisher in Stockholm angestellten Versuchen Folmer Hansens ein Ende gemacht hat, so hat sich der dänische Aviatiker kurz entschlossen die Aufgabe des Sundfluges vorgenommen. Am Mittwoch ist bereits seine Flugmaschine in Heisingborg angekommen. Als Ausgangspunkt des Fluges hat Folmer Hansen nach eingehender Untersuchung der Sachlage die schwedische Seite bestimmt, und zwar hat er sein Hauptquartier in dem großen Herrensitze „Sophienruh", etwa eine halbe Meile nördlich von Heisingborg, aufgeschlagen. Vollzieht sich die Montierung der Maschine so schnell, wie Folmer Hansen wünscht und hofft, so will er, vorausgesetzt, daß das Wetter dies erlaubt, schon an diesem Sonntag Nachmittag den Versuch unternehmen. Es winkt ihm dabei als Preis der Goldpokal, den die Kopenhagener Tageszeitung „Politiken" für die erste Ueberfliegung des Oere-sundes ausgesetzt hat. Ein umfangreicher Sicherheitsdienst ist für den Versuch in Vorbereitung, und flinke Motorboote sollen auf dem Sunde zur Stelle sein, um dem Flugtechniker beizustehen.

Flieger Hermann. Der Techniker Gottfried Hermann in Bruck a. d. Mur (Oesterreich) hat einen Drachenflieger, Doppeldecker, konstruiert und die Pläne dem Berliner Luftschiffahrtverein zur Begutachtung vorgelegt. Der Verein

sandte dem Konstrukteur sofort den Betrag von 2000 Mark zur Ausrüstung des Flugapparates. (?) Die Herstellung dürfte sich jedoch auf rund 10500 Kronen belaufen. Das Gewicht des Apparattes beträgt 270 bis 280 Kilogramm. Hermann hofft bis Mitte September die ersten Flugversuche unternehmen zu können. Er wird sich an der Grazer Herbstmesse mit seinem Apparat beteiligen.

Unfall des Aviatikers Curtiß. Im Lagerfeld Betheny (Departement Marne) unternahm der Aviatiker Curtis am 15. d. M. seine ersten Versuche mit dem Herring-Curtiß-Zweidecker. Der Amerikaner führte zwei hübsche Flüge von zwei Minuten aus, Bei dem dritten Fluge versagte der Motor, der Apparat stürzte zu Boden und wurde schwer beschädigt. Curtiß erlitt keine Verletzungen.

Farman verletzt. Als Henry Farman am 13. d. M. bei Chalons nach mehreren Flügen einen neuen 120pferdigen Panhardmotor ausprobierte, brach ein Ventilstutzen ab. Dem Apparat entströmte infolgedessen eine große Menge heißes Wasser, welches ihn nicht unbedenklich verbrühte. Obgleich sich Farman zunächst nichts daraus zu machen schien, fühlte er sich doch bald schwach, so daß ein Arzt geholt werden mußte. Vor einer Woche wird Farman wahrscheinlich nicht wiederhergestellt sein. Farman hatte vorher auf dem Lagerfeld in Chalons interessante Studienfluge in 12 bis 30 Meter Höhe ausgeführt. Bei einem Fluge von etwa 10 Kilometer beförderte Farman eine Dame sowie 50 Kilogramm Ballast.

Flieger Koechlin. Koechlin hat einen neuen Eindecker gebaut. Die Spannweite ist 8 m. Gewicht 300 kg. Zum Betriebe dient ein 4 Zylinder - Gre-

Flieger Koechlin.

goire- Motor von 25 PS. Die Tragdeckenenden sind elastisch verbreitert, verstellbar, und dienen zur Erhaltung des seitlichen Gleichgewichtes. Die Vorderlaufräder sind durch starke Gummischnüre abgefedert.

Verschiedenes.

Wilbur Wright in Odessa. Wie man aus Odessa berichtet, hat der dortige Aeroklub mit Wilbur Wright ein Arrangement getroffen, demzufolge der Amerikaner im Oktober in Odessa eine Reihe von Schauflügen veranstalten wird. Der Aero-

klub steht unter der Patronanz und der Kontrolle der Heeresverwaltung, und sein Präsident ist General Kaulbars.

Bleriot hat 40 Apparate in Auftrag erhalten. Die Flieger sollen bis Mitte November geliefert werden. Der Preis des Bleriotfliegers ist 10000 Frs.

Mißglückter Flugversuch eines englischen Aeroplanes. Ein von dem

Marineleutnant Porte konstruierter Zweidecker-Aeroplan sollte am 7. August in Portsdownill einen Flugversuch unternehmen. In dem Augenblicke, als der Apparat die Schienen verließ, wurde er jedoch zerschmettert.

Ueber Orville Wrights Dauerflüge berichteten wir bereits in Nr. 16 unserer Zeitschrift „Flugsport". Um dies zu vervollständigen, tragen wir heute noch einiges nach.

Die ursprüngliche Frist der Wrights zur Ablieferung ihres Aeroplans an die Regierung war am 28. Juli abgelaufen. Am 26., dem letzten Montag, gaben sie bekannt, daß sie zur Fahrt bereit seien. Und doch mußten nicht nur der Präsident, sondern auch an die zwanzigtausend enthusiastische Zuschauer wieder unbefriedigt von hinnen ziehen, da ein starker Gewittersturm gerade zur Zeit des beabsichtigten Aufstieges hereinbrach. Am folgenden Tage, dem Dienstag, vollzog sich dann der erste Teil des denkwürdigen Ereignisses. Am Nachmittag noch war die Witterung so ungünstig gewesen, daß niemand an einen Aufstieg glauben wollte. Und doch klärte sich der Himmel gegen 6 Uhr abends so weit auf, daß Orville Wright das Wagnis unternehmen konnte, seinen einstündigen Flug mit dem Leutnannt Lahm vom Signalkorps als Begleiter anzutreten. Unter dem Jubel der Zuschauer flog der Aeroplan mit seinen zwei Passagieren in die Lüfte, während Präsident Taft und seine Begleiter hochinteressiert jede Bewegung des Luftschiffes verfolgten. In der Nähe des Schuppens hatte sich Katherine Wright, die Schwester der Aviatiker, aufgestellt, welche durch ihre aufopfernde Hilfe ihren Brüdern erst die Vollendung ihrer ersten Aeroplane ermöglicht hatte und auch heute noch die dankbarste Zuschauerin bei allen Aufstiegen ihrer Brüder ist. Unter allen Zuschauern war wohl Wilbur Wrigt der kühlste und ruhigste. Unablässig verfolgte er, abseits von allen anderen in der Mitte des Feldes stehend, jede Bewegung seines Meisterwerks, während ab und zu ein zufriedenes Schmunzeln das einzige Lebenszeichen in seinen steinernen Gesichtszügen bildete. Und unaufhörlich umkreiste der Aeroplan mit außerordentlicher Stabilität den Exerzierplatz. Minute auf Minute verrann; mit vorzüglicher Präzision arbeitete der Motor, das Geräusch der Propeller klang so regelmäßig wie nur irgend möglich, der Jubel und Enthusiasmus der Zuschauer erreichte seinen Höhepunkt, und immer noch flog der Aeroplan ruhig seine Bahn. Deutlich konnte man beobachten, wie interessiert Leutnant Lahm eine jede Einzelheit des Fluges studierte. Er ist ein bekannter Praktiker auf dem Gebiete der Luftschiffahrt und hat nunmehr sein ganzes Interesse dem Aeroplan zugewandt, mit welchem er später selbst manövrieren soll

Ein Jubelruf aus Tausenden von Kehlen hallte durch die Lüfte: Die sechzig Minuten des vorgeschriebenen Fluges waren vorüber, und selbst Wilbur verließ die Ruhe, und er schwenkte dem Bruder in den Lüften den Strohhut zum Gruße entgegen. Noch aber denkt Orville nicht an den Abstieg. Man sah, wie ersieh lachenden Mundes zu seinem Begleiter wandte, und später hörte man, daß er ihm zugerufen: „Jetzt wollen wir 'mal Wilbur ärgern, wo wir so schön dabei sind; brechen wir 'mal flugs den von ihm gehaltenen Weltrekord für den Flug mit zwei Personen!" Und richtig: noch volle zwölf Minuten über die Stunde flog der^Aeroplan weiter und stieg erst graziös nieder, nachdem er den von Wilbur in De Maus, Frankreich, in Begleitung des Professors Pauleve aufgestellten Weltrekord für den Zweipersonenflug von einer Stunde und neun Minuten um drei Minuten geschlagen hatte. Der Jubel der Zuschauer wollte kein Ende nehmen, und schon schritt Präsident Taft aus seinem Zelt quer über das Feld, um als Erster den Wrights seinen Glückwunsch auszusprechen. Gerade noch erwischte er Wilbur, der sich schon bescheiden nach seinem Schuppen zurückziehen wollte. Von Orville war nichts mehr zu sehen, schließlich entdeckte ihn der Adjutant Tafts in einer dunklen Ecke des Aeroplanschuppens beim gemütlichen Abendbrot mit Leutnant Lahm und Schwester Katherine, welche als Begrüßung sofort den mitgebrachten Speisekorb für den in der Luft hungrig gewordenen Bruder geöffnet hatte. Wohl oder übel mußte Orville nun das leckere Mahl im Stiche lassen, und einige Minuten später stand auch er dem Präsidenten gegenüber, welcher nicht genug anerkennende Worte finden konnte.

Der Mittwoch war für den zweiten Flug bestimmt, welcher mit Leutnant Fulois vom Signalkorps als Passagier über waldiges Hügelland, das zum Landen keine Gelegenheit bietet, nach dem fünf Meilen entfernten Alexandria und zurück führen sollte. Doch mit des Wetters Mächten ist auch in Amerika kein ewiger Bund zu flechten; ein Regensturm verhinderte den Aufstieg, und so ungern sie es taten, mußten die Gebrüder Wright um einen Aufschub von drei Tagen ersuchen. Ohne ein Wort der Erörterung erhielten sie diesen. Und dann unternahm Orville glücklich den zweiten Flug, welcher die Erfüllung der Regierungsbedingungen vollendete. Die Bedingungen lauteten so, daß auf dieser Fahrt eine Mindestdurchschnittsgeschwindigkeit von 36 englischen Meilen pro Stunde erzielt werden müsse, damit die Uebernahme des Aeroplanes durch die Regierung erfolgen könne. Für jede Meile über 40 Meilen Durchschnittsgeschwindigkeit sollten die Brüder je 2500 Dollar erhalten. Und richtig, was niemand erwartet hatte, geschah. Trotz ungünstiger Winde gelang es Orville, auf diesem Zehnmeilenflug eine Durchschnittsgeschwindigkeit von über 42 Meilen zu erzielen, so daß eine Extra-Prämie von 5000 Dollar an die Wrights ausgezahlt wurde.

Patentwesen.

Deutschland.

Patentanmeldungen.

77h. R. 27 360. Vorrichtung zum Auswerfen von Explosivgeschossen aus den Gondeln von Luftschiffen. Heinrich Rosenberg, Gelsenkirchen II, Fürstinnenstraße 60. 13. 11. 08.

Gebrauchsmustereintragungen.

77h. 386 033. Gelenkiges Rahmengestell für Flugmaschinen mit zwei kreuzweise angeordneten Scharnieren. Jean Jacques Bourcart, Colmar i. Eis. 21. 6. 09. B. 43 318.

England.

No. 9303. John Bode, Carshalton, Surrey, Verbesserter Aeroplan. No. 9321. Hermann G. Schumann, Verfahren zur Fortbewegung von Aeroplanen.

No. 9388. Edvard Milton Wildey, Liverpool, Verbesserungen an Schraubenpropellern für Luftschiffe.

No. 9500. Edgar Arthur Ashcroft, Verbesserungen an Ballons usw.

No. 9512. Sir Hiram Stevens Maxim und Vincent Cartwright Vickers, Verbesserungen an Flugmaschinen.

No. 9519. Alfred J. Bartlett: Verbesserungen an Aeroplonen.

No. 9525. Richard W. Roger : Verbesserungen an einem Schwingmechanismus iür Flugmaschinen.

No. 9608. James Means: Verbesserungen an einem Startapparate für Flugmaschinen. (In den Vereinigten Staaten angemeldet 20. August 1908.)

No. 9609—9611. Derselbe. Dasselbe. NB. Mit vollständiger Spezifikation.

No. 9616. Hamilton Hartridge und Ch. E. A. Hartridge, Verbesserungen an Aeroplanen.

No. 9635. Isaac H. Storey, Manchester, Verbesserungen an Flugmaschinen.

No. 9687. Joseph A. Rignon, Verbesserungen an Luftschiffen. NB. Mit vollständiger Spezifikation.

No. 9805. John Gale\ 53, Strada Britannica, Valetta, Malta: Elektrischer Apparat zur Herstellung des Qleichgewich s und Verbesserung der Stabilität von Aeroplanen. NB. Mit vollständiger Spezifikation.

No. 9843. William A. Roessler, Verbesserungen an Aeroplanen.

No. 9846. Frank William Qunton und John Howard: Verbesserungen an Aeroplanen.

No. 9857. Francis Leigh Martineau: Verbesserungen in der Lufischiffahrt. No. 9983. Robert Fr. Macfie, Verbesserungen an Aeroplanen. No. 9989. Horatio Claude Barber, Verbesserungen an Aeroplanen. No. 9990. Derselbe, Verbesserungen an Flugmaschinen. No. 10 006. Samuel Jenkinson und Harry Oflicier Elliott, Verbesserungen an Flugmaschinen.

No. 10 098. Robert Esnault-Pelterie, Verbesserungen an Schraubenpropellern zur Fortbewegung in der Luft. (In Belgien angemeldet 22. Mai 1908.)

No. 10131. Harry Watson, Chester-Ie-Street, Verbesserungen an Flug-Maschinen.

No. 10 142. James W. Peebles und James Brownlee, Qlasgoy, Verbesserungen an Aeroplanen und anderen Flugmaschinen.

Berichtigung. Auf Seite 463 Nr. 16 des „Flugsport", sechste Zeile von oben, muß es heißen statt Franz Langer Fritz Langer.

Nach Schluß der Redaktion eingegangen:

August Euler hat heute morgen 5 Uhr mit seiner neuesten Maschine auf dem Jlaflugfelde einen Flug von 1000 Meter in ca. 10 Meter Höhe ausgeführt.

Literatur.

Die Eroberung der Luft. Ein Katalog über die aeronautische Literatur von Benjamin Auffahrth Buchhdlg. Frankfurt a. M. Die genannte Buchhandlung hat mit dieser Zusammenstellung allen Interessenten einen großen Dienst erwiesen. Wir finden in dem Verzeichnis nicht nur die Literatur des 20. Jahrhunderts, sondern auch die meisten früheren Veröffentlichungen registriert. Der Katalog wird jedem Bücherkäufer gratis zugestellt. Hinauf zur Höh! Ein historischer Rückblick auf die Entwicklung der Luftfahrzeuge von Ingenieur F. M. Feldhaus. Gratis zu beziehen durch die Herausgeberin, die Continental-Caoutschouc- u. Gutta-Eercha-Compagnie Hannover.

In einer knapp gehaltenen Zusammenstellung gibt Ingenieur Feldhaus einen historischen Rückblick über die Entwickelung der Luftfahrzeuge. Die anregende Schilderung der aeronautischen Vorgänge früherer Jahrhunderte bis zum heutigen Tage wira allen, die sich in kurzer Zeit über die hauptsächlichsten geschichtlichen Daten der Luftschiffahrt bezw. deren Entwicklung orientieren wollen, gute Dienste leisten. Der zweite Teil der Broschüre behandelt die Fabrikation der Ballonstoffe.

Offizielle Mitteilungen

des

Frankfurter Flugtechnisch. Vereins

Sitz Frankfurt a. Main.

Geschäftsstelle: Bahnhofsplatz 8. Vorstand:

1. Vorsitzender: Civil-Ing. Paul Schubbert.

2. „ Dipl.-Ing. Karl Aug. Schreiber. Schriftführer: Civil-Ing. Oskar Ursinus.

1. Flugwart: Civil-Ing. Oskar Ursinus.

2. „ Baron Curt Trützschler von Falkenstein. Kassierer: Grödel, Mörfeider Landstraße 68. Beisitzer: Ing. Schöpflin.

Ing. Hans Krastel.

Oberleutnant a. D. zur See Dornheim. Bisher fanden regelmäßig Montags und Mittwochs abends 7 Uhr Gleitflugübungen statt. Infolge der beständig wechselnden Witterungsverhältnisse sollen

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von jetzt ab die Gleitflugübungen jeden Abend zwischen 5 und 7 Uhr stattfinden. Der Flieger darf nur aus der Halle genommen werden, wenn drei im Training befindliche Herren anwesend sind. Der Schlüssel zu der Fliegerhalle III auf dem Abflughügel ist in Zimmer 32 der Sportkommission abzuholen und mit einem Bericht nach Beendigung der Uebung an die Sportkommission wieder abzuliefern. Es dürfen keine Flugübungen in Abwesenheit der Sanitätsmannschaften vorgenommen werden. Sind Aussichten auf Rekordflüge vorhanden, so ist sofort von der Sportkommission ein Starter zu verlangen. _________

Die Flugübungen dürfen bei mehr als 8 m Wind ohne Genehmigung des Flugwarts oder des Flugfeld-Oberaufsichtsführenden, Rittmeister von Beckerath, nicht vorgenommen werden.

Am 18. August hat Pölke einen Flug von 35 m ausgeführt. Grödel hatte gleichfalls gute Resultate.

Die im Training befindlichen Herren sind: Zivil-Ingenieur Ursinus, 1. Flugwart; Baron Kurt Trützschler von Falkenstein, 2. Flugwart; Diplom-Ing. Grödel; Diplom-Ing. Schreiber; Techniker Pölke und Techniker Hofmann.

Die Mitgliederzahl hat 60 überschritten.

Offizielle Mitteilungen des Schlesischen Flugsport=Club.

Sitz Breslau.

Vorstand:

1. Vorsitzender: Oberingenieur E Schräder.

2. „ Ingenieur C. v. Sallwürk. 1. Schatzmeister: Postsekretär E Solger. Bankkonto: Schles. Bankverein. Propagandaausschuß: Chefredakteur L. Beninatto

Sportsgruppen, zugleich Sportskommission:

1. Maschinenflug; Obmann E. Schräder.

2. Freiflug: E. Schräder, H. Kukol, Frau Metze.

3. Freiballon: v. d. Borne, E. Schräder, H. Wolff.

4. Automobilfahren: Obmann C. v. Sallwürk.

5. Rasenspiele, Florettfechten, Pistolenschießen: Frau von Sallwürk K. Ritzmann, L. Beninatto.

6. Wintersport: C. O. Schlobach, Fritz Heidenreich.

Clublokal: Theater-Restaurant. Sitzung: Jeden Sonnabend 8.30 Uhr. Sitzungsbericht vom 7. August 1909. Beginn der Sitzung 8.45 Uhr. Zu den einzelnen Gruppen ist zu berichten:

Gruppe 1: Maschinenflug. Der für die Heitmannsche Flugmaschine bestimmte Argus-Motor ist in der vergangenen Woche in der Fabrik probeweise in Betrieb genommen worden, wobei er äußerst exakt arbeitete. Statt der garantierten 40 PS leistete er zirka 52 PS. Bis derselbe jedoch soweit ausprobiert ist, daß er zur Ablieferung gelangen kann, dürften noch einige Wochen vergehen. Außer der Heitmannschen sind noch zwei kleinere Flugmaschinen bei der „Bagum" augenblicklich in Arbeit, die in den nächsten Wochen fertiggestellt sein werden. Für den Herbst sind daher hier Flugversuche in Breslau zu erwarten, wie sie in diesem Umfange in Deutschland noch nicht stattgefunden haben. Das durch die Erfolge Bleriots erweckte Interesse an der Aviatik wird dadurch hoffentlich noch eine weitere Steigerung erfahren.

Gruppe II: Freiflug. Die Uebungen in der letzten Woche waren wenig erfolgreich infolge der äußerst ungünstigen Windrichtung. Sämtliche Apparate sind wieder instandgesetzt, so daß deren drei der Trainingsmannschaft

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zur Verfügung stehen. Da die Windrichtung sich in den nächsten Tagen zu ändern scheint, so können die Uebungen dann wieder in vollem Umfange aufgenommen werden. Da die Beteiligung an den Uebungen sehr gestiegen ist, soll jetzt, um ein geregeltes Training herbeizuführen, ein Reglement aufgestellt werden, mit dessen Ausarbeitung die Obmänner der Gruppe, sowie der Wettflugausschuß beauftragt werden.

Schluß der Sitzung 10.30 Uhr.

N i p p e r n. Da die Windrichtung etwas günstiger geworden war und auch die Windstärke nachgelassen hatte, waren die am Sonntag den 8. stattge-fundenen Uebungen von Erfolg begleitet. Es gelangen eine Reihe schöner Flüge von zirka 30—35 Meter Länge.

Sitzungsbericht vom 14. August 1909. Beginn der Sitzung 8.45 Uhr.

Der Vorsitzende gibt zunächst eine kurze Uebersicht über die Ereignisse der letzten Woche auf aviatischem Gebiete. Von besonderem Interesse ist die Tatsache, daß Orville Wright nunmehr bestimmt Ende dieses Monats nach Berlin kommen wird, um dort Flugversuche zu veranstalten. Der Vorsitzende konnte hierzu die erfreuliche Mitteilung machen, daß dem Klub eine Anzahl Einlaßkarten zur Verfügung gestellt seien.

Zu den einzelnen Gruppen ist zu bemerken:

Gruppe I: Masch i n enf 1 ug. Die von den beiden Mitgliedern, Herren Heitmann und Beninatto, bei der „Bagum" bestellten kleinen Maschinenflieger sind in Arbeit und dürften in einigen Wochen fertiggestellt sein. Der erstere erhält einen Eindecker von 24 Quadratmeter, während für Herrn Beninatto ein ein Doppeldecker von 32 Quadratmeter gebaut wird. Beide Apparate sind zusammenlegbar, was speziell für einen Doppeldecker etwas vollkommen neues bedeutet, da es eine derartige Ausführung bisher noch nicht gab.

Gruppe II: Freiflug. Infolge des sturmartigen Windes konnten die Uebungen in Nippern fast garnicht durchgeführt werden. Da eine baldige Aen-derung nicht zu erwarten ist, so wird beschlossen, am morgigen Sonntag auf den gewohnten Ausflug nach Nippern zu verzichten und dafür am Nachmittage der „Bagum" einen Besuch abzustatten.

Terrainkommission. Wie die Herren Dr. Pfeiffer und Kutsch mitteilen, beabsichtigen sie, dem Klub einen Verbandskasten zu schenken, der in der Halle in Nippern untergebracht werden soll. Den Spendern sei hierfür unser Dank ausgesprochen.

Schluß der Sitzung 11.15 Uhr.

Am Sonntag den 15. August fand nachmittags eine Besichtigung der „Bagum" statt. Besonderes Interesse erregte außer den beiden kleineren im Bau befindlichen Maschinenfliegern die große für unser Mitglied Herrn Heitmann bestimmte Maschine, deren Gestell fertig montiert auf dem Platze vor der Montagehalle sich befindet. Das Gestell, das nur zirka 100 kg wiegt, wurde einer Belastungsprobe unterworfen, indem 10 Personen darauf Platz nahmen. Die Stabilität war eine derartige, daß keinerlei Durchbiegungen stattfanden. Es wurden mehrere photographische Aufnahmen gemacht, die demnächst an dieser Stelle veröffentlicht werden sollen. Schräder. v. Sallwürk. Leischner.

Offizielle Mitteilungen des Vereins Deutscher Flugtechniker.

Sitz Berlin.

Ehrenmitglieder: Gustav Lilienthal, Qroß Lichterfelde. Orville Wright, Dayton. Wilbur Wright, Dayton. 1. Vorsitzender: Dr. Fritz Huth, Rixdorf.

No. 18

„FLUGSPORT."

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2. Vorsitzender: Major von Parseval, Charlottenburg. SchrifHührer: 0. Schmal-Carbur, Tempelhof. Syndikus: Rechtsanwalt Eschenbach, Berlin. Beisitzer: Diplom-Ingenieur H Dorner, Berlin. Ingenieur J. Grade, Magdeburg. Ober-Ingenieur H. Rosenstein, Elbing. Ingenieur Max Schüler, Chemnitz. Vorsitzender der technischen Kommission: Ober-Ingenieur Zix, Berlin. Vorsitzender der Platzkommission: Kapitain z. S. a. D. von Pustau. Den Bemühungen des Vorstandes ist es gelungen, für die Mitglieder des Vereins, die in Berlin weilen, die Benützung des Flugfeldes „Mars" bei Berlin zu sehr günstigen Bedingungen zu vereinbaren. Die Herren, die die Absicht haben, auf dem Flugfelde „Mars" Versuche zu nnternehmen, werden gebeten, dem Vorstand hiervon Mitteilung zu machen.

Ungezwungene Zusammenkünfte. Wir bringen zur gefl. Kenntnis, daß für unsere Mitglieder in Berlin jeden Freitag ein Stammtisch im Restaurant Heidelberger belegt ist. Wir bitten unsere Mitglieder von dieser Gelegenheit zur ungezwungenen Aussprache Gebrauch zu machen.

Offizielle Mitteilungen des Westdeutschen Vereins für Flugsegler.

Sitz Oberhausen i. Rhld.

Vorstand: Vorsitzender: Schüller, Bürgermeister a. D. Schriftführer : Timmer, Hafenmeister, Meiderich. Schatzmeister: Häußer, Ingenieur. Gerätewart: Trutewart, Maschinenmeister.

Am 11. August hielt der Westdeutsche Verein für Flugsegler unter dem Vorsitze des Bürgermeisters a. D. Schüller seine erste Versammlung ab. Nach Aufnahme von 5 neuen Mitgliedern wurden folgende Herren in den Vorstand berufen: Bürgermeister a.D. Schüller-Oberhausen als Vorsitzender; Hafenmeister Timmer-Meiderich als Schriftführer und Stellvertreter des Vorsitzenden ; Ingenieur Häußer hier als Schatzmeister und Maschinenmeister Trutewart hier als Platz-und Gerätewart. Von der Gründung des Vereins, der sich eine so hochbedeutsame Aufgabe gestellt hat, ist bereits dem Herrn Bürgermeister und der Stadtverwaltung, sowie der Generaldirektion der Gutehoffnungshütte Kenntnis gegeben worden; an letztere ist gleichzeitig die Bitte gerichtet worden, von dem Schlackenberge am Kaisergarten dem Verein einen Teil zur Anlegung einer Abflugbahn zur Verfügung zu stellen. Oberingenieur Schräder von der Breslauer Erdbebenwarte hat dem Verein bereits seine Unterstützung zugesagt. Es sollen keine fertigen Gleitflieger bezogen werden, vielmehr sollen die Mitglieder an selbstgebauten Modellen ihre Versuche machen und sich weiterbilden. Zum Schluß fand eine eingehende^ sehr interessante Aussprache über die Flüge, die Motoren usw. statt. Mit einem kleinen Modell probt ein Mitglied schon jetzt jeden Sonntag früh 5 Uhr auf dem Sportplatz Ecke Moltke- und Lothringerstr.; am 22. August soll mit einem größeren Modell eine Probe vor einer größeren Allgemeinheit stattfinden. Entsprechend seiner eminenten Bedeutung dürfte der junge Verein, als dessen Vereinslokal die „Reichskrone" bestimmt ist, schon bald für die Provinzen Rheinland, Westfalen und Hannover der Kulminationspunkt für alle die Arbeit werden, die in nächster Zeit auf dem Gebiete des Flugsegeins zu leisten ist, was für die Stadt Oberhausen ein nicht zu unterschätzender Vorteil wäre. Hoffentlich lassen die Behörden und auch diejenigen Teile der Bevölkerung, welche dem Flugsegeln ihr Interesse zuwenden, dem Verein die weiteste Unterstützuug zuteil werden.

Als offizielles Vereinsorgan wurde bereits in der konstituierenden Versammlung die Zeitschrift „Flugsport" (Frankfurt a. M.) gewählt.


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