Zeitschrift Flugsport

Heft Nr. 10 vom 7. Mai 1909

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Die Zeitschrift Flugsport war die illustrierte, flugtechnische Zeitschrift für das gesamte Flugwesen und wurde im Zeitraum von 1909 bis 1944 von Oskar Ursinus herausgegeben. Über einen Zeitraum von 36 Jahren hinweg wurde in dieser Zeitschrift sowohl über die zivile als auch über die militärische Luftfahrt berichtet. Jedes Heft widmete sich in besonderen Kapiteln u.a. den Themen Segelflug, Motorflug, Luftschiffahrt, Ballonfahren, Modellflug, Luftwaffe oder Luftsport. Ebenso wurden die Bereiche Flugzeuge, Flugzeugtechnik, Flughäfen, Landeplätze sowie Flugnavigation und Luftverkehr im Inland und Ausland behandelt. Alle Seiten aus den Jahrgängen von 1909 bis 1944 sind mit Fotos und Abbildungen als Volltext in der nachstehenden Form kostenlos verfügbar. Erscheint Ihnen jedoch diese Darstellungsform als unzureichend, insbesondere was die Fotos und Abbildungen betrifft, können Sie alle Jahrgänge als PDF Dokument mit Inhaltsverzeichnissen, Seitenzahlen, Fotos und technischen Zeichnungen für eine geringe Gebühr herunterladen. Um komfortabel nach Namen, Themen und Begriffen zu recherchieren, nutzen Sie bitte die verfügbaren PDF Dokumente. Nutzen Sie bitte die kostenfreie Leseproben von Heft 17/1933 sowie von Heft 8/1939, um die Qualität der angebotenen PDF Dokumente zu prüfen.



Flugsport

.Illustrierte technische Zeitschrift und Anzeiger

für die gesamte

„Flugschiffahrt"

unter Mitwirkung bedeutender Fachmänner herausgegeben von Oskar Ursinus, Civilingenieur.

Brief-Adr.: Redaktion und Verlag „Flugsport" Frankfurt a. M., Bahnhofsplatz 8. Erscheint regelmäßig am 1. und 3. Freitag jeden Monats.

—T====.r- Zu beziehen durch alle Buchhandlungen.------------:

Der Nachdruck unserer Artikel ist, soweit nicht mit „Nachdruck verboten" versehen, nur mit genauer Quellenangabe gestattet.

Nr. 10. Frankfurt a. M., 7. Mai 1909. Jahrg. I.

Internationale Luftschiffahrts=Ausstellung Frankfurt a. Main 1909.

VII.

» Der Garantiefond

hat bereits eine Höhe von 1,100,000 Mark überschritten.

An Preisen

sind bis jetzt 160,000 Mark zu gewinnen. Man hofft eine Höhe zu erreichen, die die bedeutendsten Flugtechniker veranlassen wird, an den Konkurrenzen teilzunehmen.

Die IIa hat weiter folgenden Aufruf erlassen:

• Frankfurts Bürger laden wir zur Stiftung einer

Bürgerspende

ergebenst ein, um Preise für Weitbewerbe auf dem Gebiete der Luitschiffahrt bei Gelegenheit der ersten Internationalen Luftschiffahrts-Ausstellung in reicherem Maße gewähren zu können.

Dem Erfolge verdie.istvollen, mühsamen und gefahrbringenden Strebens muli Anerkennung und Belohnung winken.

Die Konstrukteure, die zur Zeit noch in abgeschlossener Verborgenheit arbeiten, sie alle müssen möglichst vollzählig ihre Modelle und Apparate nach Frankfurt bringen. Nur durch reiche Preisausschreibungen wird es gelingen, in Frankfurt einen einigermaßen vollständigen Ueberblick über die Errungenschaften auf diesem Qebiete zu ermöglichen.

In Frankreich sind allein in diesem Sommer Preise im Betrage von Millionen Mark für Wettbewerbe auf dem Qebiete der Flugtechnik zu holen. Daraus erhellt, welch' hohe Aufwendungen erforderlich sind, auch hier namhafte Aviatiker anzulocken. Es ist zu berücksichtigen, daß an 100 Ausstellungstagen in Frankfurt Wettfahrten von Motor- und Freiballons, Preisfliegen von Flugapparaten, Wettbewerbe von Propellern, Brieftauben etc. etc. mit Preisen auszustatten sind.

Trage deshalb jeder sein Scherflein dazu bei, daß Frankfurt bei dem großen Turnier, das sich hier abspielen soll, würdig besteht.

Die Expedition dieser Zeitung und die Filiale der Bank für Handel und Industrie (Konto IIa) haben sich bereit erklärt, Qaben für die Frankfurter Bürgerspende entgegenzunehmen und darüber öffentlich zu quittieren.

Als eigentliche Bürgerspende gedacht, ist jede Qabe erwünscht und willkommen.

Das Präsidium und die Kommission zur Herbeischaffung von Preisen der Internationalen Luftschiffahrt-Ausstellung.

Neben den Wettbewerben für Motoren wird auch ein solcher für die

leichteste Aluminiumlegierung

deren spezifisches Gewicht zwei Drittel des Aluminiums beträgt, ausgeschrieben.

Die Saehlotterie

für die Luftschiffahrts-Ausstellung hat das preußische Ministerium genehmigt.

Während der Ausstellung wird das von Zivil-lng. Ursinus propagierte Projekt eines

flugtechnischen Kursus

zur Ausführung gelangen. Dieser flugtechnische Kursus wird voraussichtlich in der Zeit vom 25 Juli bis 15. August in ca. 16 Doppelstunden abgehalten werden. Der Kursus wird umfassen:

1. die ärodynamischen Grundgesetze für ebene und gewölbte Flächen, die Widerstandsgesetze für Körper unter Berücksichtigung der Luftreibung (eine zweistündige Vorlesung);

2. die gegenseitigen Abhängigkeiten von Gesamtgewicht und Teilgewicht, Geschwindigkeit, Propellerschub, Arbeit, Nutzeffekt, Flächengrößen, Windstellungen derselben, Widerständen usw. für Flugapparate und die praktisch günstigsten Anordnungen (eine zweistündige Vorlesung);

3. die Festigkeitsberechnung und Konstruktion des Traggerippes, der Federung und der Flächen (drei zweistündige Vorlesungen) ;

4. das Kräftegleichgewicht beim Kurvenfahren und der Höhensteuerung; die Längs- und Querstabilität des stationären Zustandes (5 zweistündige Vorlesungen);

5. die Propellerberechnung (zwei zweistündige Vorlesungen);

6. die Anordnung der für den Flugapparat in Betracht kommenden Motore und deren Einfluss auf die Betriebssicherheit; Berechnung des Ausgleiches der einander entgegenlaufenden Anforderungen an Leichtigkeit, Luftwiderstand, Kühlung usw. (vier zweistündige Vorlesungen).

Als Lehrkräfte sind bereits Autoritäten gewonnen worden.

Da als Teilnahmegebühr für diesen Kursus ein verhältnismäßig geringer Betrag in Ansatz kommen wird, so steht eine sehr rege Beteiligung zu erwarten. Die Vorträge über Motoren können getrennt belegt werden.

Diese Veranstaltungen geben auch in wissenschaftlicher Hinsicht der IIa ein besonderes Relief und zeigen, daß die Ausstellungsleitung bemüht ist, die Flugtechnik in jeder Weise zu fördern.

Der Flugsport in England.

(Originialbericht unseres Londoner Korrespondenten.)

Es wurde bereits in der vorigen Nummer berichtet, daß die britische Luftschiffahrts-Liga, welche für die Luftschiffahrt in England etwa dasselbe leisten will, was der Flottenverein für Deutschland geleistet hat, die Gründung einer nationalen Akademie für Luftschiffahrt plant, eines Instituts, das in Deutschland etwa sein Gegenstück in der beabsichtigten Luftschiffahrts-Schule in Friedrichshafen finden würde- Die Luftschiffahrts-Liga hat sich nun an das Kriegsministerium gewandt, mit der Bitte um Unterstützung in ihren Bestrebungen. Sie wünscht besonders, daß ihnen Staatsgrundstücke als Uebungsfelder überwiesen werden, und daß Offi zieren die Teilnahme an der Liga erlaubt werde. Der Kriegsminister Haidane hat darauf eine außerordentliche Commission eingesetzt, an deren Spitze der Feldartillerie-lnspecteur steht, um zu berichten, wie weit das Kriegsministerium sich mit diesem Vereine liieren kann, und Oberst Massy, der Vorsitzende der Liga, ist eingeladen worden, an den Sitzungen teilzunehmen. Die Kosten eines solchen Instituts werden auf 2 Millionen Mk. geschätzt. Zuschriften an die Tageszeitungen machen aber darauf aufmerksam, daß es mindestens ebenso praktisch wäre, wenn die Liga den Anschluß an technische Institute suchte, wie an das Kriegsministerium.

Die ersten Versuche, die jetzt Jack Humphreys auf dem Flusse Colne (bei Wyvenhoe, Essex) mit seiner vom Wasser aufsteigenden Flugmaschine gemacht hat, scheinen günstig zu verlaufen. Die Maschine ist ein Doppeldecker, insofern die beiden festen Flächen, die mehr Schwingen als Planen gleichen, über einander angebracht sind. Die starren Teile sind von Aluminium. Die Maschine hat zwei Propeller, ein Vorderhebedeck und ein Schwanzstück. Da der Erfinder sich zunächst einige praktische Gewandtheit in der Handhabung der Hebel erwerben will, so hat er Balhst angebracht, um das Erheben vom Wasser zu verhindern. Es wurde am 16. April eine Geschwindigkeit von etwa 10 Knoten erzielt und man spürte trotz allen Ballastes die Hebekraft der Flugmaschine. Man darf den weiteren Versuchen mit Interesse entgegensehen.

Die Zeitschrift „Flight" gibt in ihrer letzten Nummer eine Zusammenstellung der bisher ausgeschriebenen Flugpreise, die

als die vollständigste bisher aufgestellte angegeben wird Es sind im ganzen 124 Preise im Werfe von über Mk. 2,156,000. Die meisten davon entfallen auf Frankreich, während Deutschland vielleicht an letzter Stelle steht. Freilich sind das meiste wohl Phantasiepreise mit Bedingungen, die in dem gesteckten Zeiträume nicht erfüllt werden können. Die meisten Flieger werden die Preise von Mk. lOO.CXX) ganz aus dem Auge lassen und lieber kleineren Preisen ihre Aufmerksamkeit zuwenden. So hat jetzt wieder ein Mr. J. L. Mac Kin dem Vorstände des Aeroplan-Klubs einen Preis von Mk. 2000 überwiesen für einen geborenen Engländer, der mit einem in England hergestellten Aeroplan einen kurzen Flug von 100 Yard in einer Höhe von 10 Fuß vollendet, ohne den Boden zu berühren. Dieser Preis sollte jedenfalls in nächster Zeit gewonnen werden, wenn der Stifter nicht zu penibel in der Auslegung seiner Bedingungen ist und den betreffenden Aeroplan etwa deswegen ausschließt, weil er amerikanisches Holz verwendet.

Der flugtechnische Korrespondent der „Westminster Gazette" veröffentlicht die Beschreibung eines von einem Amerikaner namens George L. O. Davidson erfundenen Gyropters, dessen Bau in natürlicher Grösse von der Zuest Motor Co. in Angriff genominen wird. Die Idee kann man kurz dahin charakterisieren, daß die Maschine zunächst durch gyroskopische rotierende Schaufelräder gehoben wird, die sich horizontal um vertikale Wellen drehen. Dann werden die Wellen umgestellt, so daß die gyro-skopischen Räder sich nicht mehr horizontal bewegen, sondern, je nach dem, in einem Winkel, der eine Rückwärts- oder Vorwärtsbewegung ermöglicht. Die rotierenden Flächen haben einen Durchmesser von 27 Fuß und enthalten je 110 Schaufeln von 8 Fuß Länge. Der Erfinder behauptet, daß seine Maschine 100 Personen tragen und die Entfernung von New York nach Chicago (ca. 150 geographische Meilen) in 3 Stunden zurücklegen kann. Wir überlassen es den praktischen Versuchen, zu zeigen, wie weit diese Behauptungen zutreffend sind.

Schon in den vorigen Nummern wurde darauf aufmerksam gemacht, daß in den englischen Kolonien sich größere Tätigkeit in bezug auf den Flugsport zeigt wie im Mutterlande. Ein neuer Beweis dafür ist die Tatsache, daß die australische Regierung jetzt sechs lenkbare Ballons und sechs Aeroplane für Versuchszwecke bestellt hat. Der erste der Voisin-Aeroplane ist jetzt fertiggestellt und wird in einigen Tagen von der Fabrik in Billan-court abgesandt werden.

Wright's haben am 28. April Rom verlassen, nahmen am 1. Mai an einem Festessen in Le Mans teil und kamen am 2. Mai abends in London an, wo sie von Mitgliedern des Aero-Clubs empfangen wurden. Verschiedene Festessen, die von dem Aero-Club und der Aeronautical Society ihnen zu Ehren gegeben werden, sollen ihnen das große Interesse Englands an ihren ausgezeichneten Leistungen bezeugen. Es nehmen daran 7 Personen teil, die schon mit ihnen geflogen sind. Außerdem wird ihnen die goldene Medaille verliehen, welche ihnen von der Aeronautical Society gewidmet ist Sie werden nach Amerika zurückreisen,

aber schon im Juni oder Juli wieder nach Europa kommen, um ihre contractmäßigen Pflichten zu erfüllen.

Pariser Brief.

Von unserem Pariser Korrespondenten.

Die französischen Aviationsbestrebungen haben nun einen neuen und bemerkenswerten Impuls dadurch erhalten, daß dem Aero-Club de France, nachdem er in der vergangenen Woche durch einen besonderen präsidentiellen Erlaß als" „gemeinnütziges Institut" anerkannt wurde, jetzt eine Subvention von 43.000 Francs zuteil geworden ist. Natürlich wird diese Summe lediglich zur Förderung flugsportlicher Interessen verwendet werden und zwar hat die genannte Vereinigung die Aussetzung eines Preises von 14.000 Francs für den weitesten Flug eines Aeroplans außerhalb des Aerodroms, 9000 Francs für einen Aeroplan, der bis Ende dieses Jahres die größte Distanz von Stadt zu Stadt zurückgelegt haben wird, 15.000 Francs für einen kurzen Flug von der höchsten Geschwindigkeit, u. a. in. ausgesetzt. Es wird jetzt überhaupt hier außerordentlich rege und die kommende Saison dürfte ohne Zweifel manch nennenswerte Vorgänge bringen. So werden für die offizielle Einweihung des Aerodroms von Port Aviation große Vorbereitungen getroffen.

Auch in Vichy, wo die Societe Ariel in Gemeinschaft mit dem dortigen Aero-Club das Aerodrom errichtet, wird in den Tagen vom 12- bis 20- Juni ein Flugbewerb stattfinden, für den bekanntlich die Stadt Vichy einen Großen Preis von 10.000 Francs gestiftet hat. Im Anschluß daran geht vom 28 Juni bis 18. Juli der Aviationsbewerb von Douay vor sich, zu dessen Dotierung die genannte Stadt 20.000 Francs" beigeisteuert hat. Bei dieser Gelegenheit sollen drei Bewerbe bestritten werden: ein Schnellig-keitsbewerb über 2500 Meter, ein Distanzflug im Kreise (der Grand Prix) und ein Distanzflug in gerader Linie von Arras bis Douay.

In Rennes wird auf Betreiben der Societe adrienne de Bretagne ein Versuchsfeld für Aeroplane errichtet, für welchen Zweck ein französischer Generalrat umfangreiche Terrains zur Verfügung gestellt hat. Für die „Woche von Anjou" hat man nun die Insel Saint-Aubin, ganz in der Nähe von Angers, zum Aerodrom gewählt. Auch in Nancy will während der dortigen Ausstellung der Aviatiker de Salvert Flugvorführungen unternehmen.

Wie man sieht, sind die französischen Aviatiker in der angenehmen Lage, daß es ihnen an Anregungen und an Gelegenheit zur Betätigung ihres Tatendranges wirklich nicht fehlt. In Cannes ist es in den letzten Tagen sogar besonders lebendig geworden. Der Wrightflieger, der von Delagrange gesteuert werden soll, ist dort eingetroffen und bereits fertig montiert worden und wenn auch die wiederholt von einem Tage zum andern verschobenen Flüge bis jetzt unausgeführt geblieben sind, so trägt doch die Anwesenheit einer großen Reihe in der Aviations-Welt bekannter

Personen, wie Delagrange, Graf Lambert, Clemenceau, Tarel usw. zur Belebung des Bildes bei. Auch ein unerwünschter Gast hat sich dieser Tage noch eingefunden und eine recht peinliche Szene verursacht — ein Gerichtsvollzieher, der den Apparat, sämtliche Werkzeuge, Schuppen und Automobil von Michel Clemenceau pfändete. Bei der Stellung Clemenceaus als Leiter der Ariel-Gesellschaft mußte dieser Vorfall natürlich lebhaftes Aufsehen erregen. Es heißt denn auch, daß es sich um eine bestrittene Forderung handle, für die weder die genannte Gesellschaft, noch ihr Direktor persönlich verantwortlich sei.

Eine „Sensation": Zipfel ist in Monako eingetroffen und „studiert das Terrain", um den be. . rühmten Flug über das Meer zu unternehmen. Die 100.000 Francs sind so gut wie gewonnen ....

Auf dem Aerodrom von Pen-en-Toul, in der Nähe von Lo-rient, hat Leutnant Groos den ersten Versuch mit seinem Aero-

Wrights Flugversuche io Rom.

(Unten vor, und oben nach dem Start.)

plan unternommen und ist dabei verunglückt. Der Motor erlitt vielerlei Beschädigungen, die umfangreiche Reparaturen notwendig machen.

In Juvisy sind die Aviatiker Pischof und Köchlin mit einem neuen Zweidecker eingetroffen. Dort soll der Apparat in Gang gesetzt und dann nach Port Aviation gebracht werden, wo er an dem oben erwähnten „Preis Lagatinerie" teilnehmen will.

In Chalais-Meudon ist der von dem Ingenieur Tatin für die Firma Bayard entworfene Eindecker nach dem Militärpark geschafft worden, wo er militärischen Flugexperimenten dient. Der Apparat, der bekanntlich einen gyroskopischen Stabilisator hat, wird von dem Hauptmann Lucas udrardville gesteuert, stürzte jedoch ab. (Siehe Flugtech. Rundschau.)

Das Lager von Chalons hat eine interessante Woche hinter sich. Dort haben sich einige recht bemerkenswerte Flugexperimente abgespielt. Demanest stellte einen neuen Schnelngkeits-rekord ani, da er mit 72 km pro Stunde den schnellsten Wright-schen Flug vom 24. September vorigen Jahres mit 55 km in 54 Minuten bedeutend übertrifft. Auch Hubert Latham konnte mit seinem Monoplan Antoinette einige hübsche Flüge ausführen, darunter einen 1500 Meter-Schleifenflug in 15 Meter Höhe. Henri Farman hat am Sonntag das Aerodrom komplet umkreist, also eine Distanz von 3 km und Hauptmann Burgeat experimentiert unermüdlich, um sich zum Aviatiker auszubilen. Auch der belgische Baron de Caters ist im Lager von Chalons und hat in dieser Woche Flüge bis zu 5 km zu Stande gebracht. Er hat einen Voisin-Zweidecker mit einem 60 PS Gobron-Motor in X-Form. Der russsische Kapitän Naintschenko, der im Auftrage seiner Regierung gegenwärtig in Calons als Eleve weilt, hat ebenso, wie Jean Gobron einige selbständige Flüge unternommen. Am letzten Freitag endlich gelang es Demanest, trotz starken Windes, einen Flug von 15 km in 13 Minuten 23 Sekunden auszuführen. Ein Flügelflieger, der nach den Ideen eines französischen Dragonerfeldwebels, Fenailles, gebaut war, ist bei dem ersten Experimente in Atome zerschellt worden. Der Pilot rettete sich im letzten Augenblicke durch einen Sprung.

In Buc befinden sich jetzt Maurice Farman, Guffroy und Ble-riot. Guffroy mit einem Eindecker Esnault-Pelterie macht recht bemerkenswerte Fortschritte. Bleriot experimentiert abwechselnd mit seinem „Bleriot XI" und dem „Rep. 11", beide mit gleichem Mißerfolge. Am Montag hat er mit dem Monoplan, dessen rapide Fluggeschwindigkeit ihn völlig den Kopf verlieren ließ, eine plötzliche Landung ausführen wollen und dabei natürlich den Apparat beschädigt, indem er mit ihm in den Sumpf „Trou Sale" geriet. Als Entschädigung für all sein Mißgeschick hat Blöriot die Genugtuung, daß die Stadt Toury zur Erinnerung an seinen ersten Flug von Stadt zu Stadt im Oktober 1908 ihm einen Denkstein setzt.

In lssy-les-Moulineaux war es still. Weder Santos Dumörit, noch Jagey haben nennswerte Fortschritte erzielt. Rougier hat einige Flüge, deren längster über eine Distanz von 800 Metern ging, zu Stande gebracht. Regis beginnt mit einem selbst gebauten Zweidecker zu manöverieren. In den nächsten Tagen gedenkt Piquerez mit seinem neuen Zweidecker herauskommen zu können. Der Apparat hat eine Tragfläche von 75 Quadratmetern. Das Tiefensteuer befindet sich vorn, das Richtungssteuer hinten. Der Abstand zwischen den beiden Tragflächen mißt 2,40 m; die seitliche Stabilität soll vermittels Schaufeln erreicht werden. Ein 45 PS-Motor mit vier horizontalen Zylindern betätigt zwei Schrau-

ben, die 560 Umdrehungen in der Minute ergeben und hinter der Hauptzelle plaziert sind- Der Rahmen ist aus Holz und ruht auf einem rollbaren Chassis, welches zur Aufnahme des Piloten und eines Begleiters eingerichtet ist.

In Pau experimentieren die ehemaligen Eleven Graf Lambert und Tissandier nunmehr mit ihren Schülern Rene Gasnier, Le-blanc und Schreck herum. Den „Postkartenflug" hat Tissandier noch nicht ausgeführt. Es wird demnächst sehr lebhaft werden in Pont Long. Astra werden in einigen Tagen einen neuen Wright-Apparat dorthin expedieren. Ebenso will Michel Clemenceau einige Zweidecker nach Pau schaffen lassen. Auch Delagrange befindet sich in Pont Long und läßt sich in der Steuerung der Wright-Flieger unterweisen. Zwei neue Apparate gehen außerdem noch nach Pau, diejenigen von Fournier und Fletcher. Beide Aeroplane werden mit besonderen, in Italien construierten Motoren ausgestattet, von denen man besondere Leistungen erwartet. Wie es heißt, soll auch Bleriot die Absicht'haben, sein Quartier in Pau aufzuschlagen. Es ist erstaunlich, wie dieser Aviatiker von einem Ort nach dem anderen umherzieht; am Aerodrom aber liegts nicht.

Und während so in Pau die großen und kleinen Geister, namentlich aber die letzteren, ihr geräuschvolles Wesen treiben, feierte der „Meister" im sonnigen Italien seine Triumphe. Wenn man den so überaus geschickt lanzierten Meldungen Glauben schenken darf, so scheint er ja wirklich, abgesehen von den verdienten Ehren, auch dort neue Erfolge davongetragen zu haben. Es werden ja eine Unzahl von italienischen Offizieren genannt, die das Fliegen von ihm gelernt haben. Nun ist Wright, der vom König und den höchsten Spitzen gefeiert worden ist, nach England gegangen. Allerdings lauten in diesem Punkte die Nachrichten widersprechend. Man will wissen, daß er seinen Besuch in Deutschland, den er im Anschluß an die Amerikafahrt machen wollte, schön vorher ausführen will und man behauptet sogar, daß einer seiner Apparate bereits nach Berlin vorausgeschickt sei. Wie gesagt, mit den „Wright-Meldungen" kennt sich kein Mensch aus. Manchmal will es scheinen, als ob diese Nachrichten und später ihre Dementis nur zu dem Zwecke veröffentlicht werden, damit es nur ja jeden Tag eine „Wright-Sensation" gibt. Was soll nur werden', wenn der Amerikaner seine Fahrt über den Ozean antritt und eine Woche lang fern von jedem Telegraphenamt herumschaukelt? Na, glücklicherweise hat man jetzt die Telegraphie ohne Draht .... Rl.

Verhaftungsmassregeln bei Flugübungen mit Gleitfliegern.

Der Schlesische Flugsport-Klub gibt seinen Mitgliedern einige fundamentale Verhaltungsmaßregeln, die wir in Nachstehendem wörtlich wiedergeben:

1. Flugübungen sollen nur von solchen Mitgliedern vor-

genommen werden, die die feste Absicht haben, sich dauernd und eingehend mit dem Flugsport zu befassen. Für sogenanntes „malprobieren" wollen wir gern die ausrangierten Apparate zur Verfügung stellen.

2. Merkt der Führer, daß der Apparat Vorderwind von oben bekommt und stürzen will, so ist sofort im Laufen innezuhalten und der Apparat kräftig nach oben zu drücken, beziehungsweise mit ihm in die Höhe zu springen (Schutz in der Luft suchen, nicht am Boden).

3. Beim Sprung oder überhaupt in der Luft darf der Apparat unter keinen Umständen losgelassen werden, da das gefürchtete Ueberschlagen nach hinten bei diesen Apparaten nie eintreten kann.

4. Nur wenn plötzlicher starker Seitenwind auftritt und der Führer ist nicht imstande, den Apparat in der Mitte festzuhalten, muß er ihn sofort freigeben. Der Apparat überschlägt sich dann zwar, beschädigt sich aber dabei niemals.

5. Dagegen zerbricht er sofort, wenn er an einer anderen Stelle als an den Schulterblättern oder den starken Bambusstangen des Mittelgerüstes gehalten wird.

ö. Deshalb sollen auch keine Umstehenden beispringen und den Apparat zu halten versuchen. Es ist viel besser, der Führer hilft sich selber, da er die Punkte kennt, an denen er gehalten werden muß.

Schaufelflieger mit Kunstwind.

In einer kürzlich erschienenen Broschüre: „Der praktische Flugschüler" wies der Physiker und Dipl.-Ingenieur Dr. R Wegner von Dallwitz u. a. auf ein neuartiges Luftfahrzeug von Adolf Wagner in Rhoda bei Hatzfeld hin, das wie ein Schraubenflieger vom Stillstand direkt aufzusteigen imstande sein soll. Es besitzt eine Tragdecke, die bei etwaigen Unfällen als Fallschirm wirkt.

Die -Auftriebswirkung wird aber nicht durch einen horizontalen oder schräge aufwärts gerichteten Vorwärtsflug erzeugt, sondern durch ein Schleudergebläse, das einen Luftstrom unter die gegen die Horizontale geneigte Tragdecke bläst.

Die Erfindung ist zum Patent angemeldet als „lenkbares

Luftfahrzetrg, dessen neues Kennzeichen darin gesehen wird, daß-------------

eine oder mehrere Luftschrauben die Luft gegen zweckmäßig geformte, gegen die Horizontale geneigte Flächen blasen zur Erzeugung einer das Fahrzeug ganz oder teilweise tragenden Auftriebskraft."

An Stelle der Luftschrauben, die von einem oder mehreren in dem Fahrzeug angebrachten Motoren angetrieben und als Ventilatorräder aus Ballonstoff geformt gedacht sind, ist jetzt eine neue Konstruktion getreten, von der der Erfinder (A.Wagner in Rhoda) größere Hubwirkung bei geringerem Kraftaufwand erwartet. Sie wird durch Abbildung 1--3 veranschaulicht:

Abb. 2.

Welle 2 angetrieben. Die Welle steht vertikal in dem Gestell und tragt oben eine kreisringförmige Platte 43. Auf dieser Platte

sind 4 eigenartig geformte Schaufeln aufgenietet, die wie Ventilatorschaufeln durch ihre Rotation um die Vv eile sich die Luft teils von unten (durch die Aussparung in der Platte), teils von oben heranholen und nach außen schleudern werden.

Die Schaufeln werden mit der aufwärts gebogenen Schneide 41 die Luft unter den horizontalen Schaufelteil 44 drücken und durch den vertikalen Rand 42 nach dem Umfange befördern. Die in die kreisförmige Plattenaussparung hineinragenden Nasen 45 des Randes 42 schöpfen die Luft aus der Mitte und tragen zur besseren Wirkung des Ganzen bei.

Die nach dem Umfange der Platte 43 geschleuderte Luft trifft hier auf eine rund.um das Fliegergestell gegenüber den Schaufeln befestigte ringförmige Tragdecke T. Sie ist aus Ballonstoff hergestellt und hat innen, die nach unten zu dreieckförmigen Kranzschaufeln Q, die zu dem Zwecke angebracht sind, um das durch die Umdrehung der Schaufeln auf das Fahrzeug ausgeübte Drehmoment aufzuheben. Die Kranzschaufeln können fest oder auch drehbar sein. Der Ballonstoff 7 (siehe Schnitt op) ist am äußeren Rande an einen leichten Ringkranz befestigt, dessen höchste Stellung im Betriebe des Apparates durch Drahtseile fixiert wird. Außer Betrieb wird die Tragdecke herabsinken, soweit es die Breite des Ballonstoffes 7 zuläßt Im Betriebe wird sie durch die nach außen geschleuderte Luft aufgeblasen und etwa die in der Abbildung angedeutete Form annehmen.

Es werden nun durch die Bewegung der Schaufeln und durch die unter die äußere Tragdecke geschleuderte Luft zwei Hubwirkungen erzielt. Die sich drehenden inneren Schaufeln haben das Bestreben, sich in der Luft gewissermaßen hochzuschrauben und der unter der Tragdecke nach unten abgelenkte Luftstrom hat zweifellos eine bedeutende Auftriebswirkung.

Die Platte, die auf ihr befindlichen Schaufeln und die die Platte mit der Welle verbindenden H - Arme sind aus Aluminium oder Magnalium hergestellt gedacht.

Das Gewicht des ganzen Fahrzeugs wird incl. Motor-Ausrüstung- und Führergewicht auf ca. 500 bis 520 kg zu bringen sein.

Die Frage nach der erforderlichen Betriebskraft dürfte vielleicht auf folgende Weise beantwortet werden können:

Die äußere Tragdecke habe bei einem Gesamtdurchmesser von 13,5 m einen Flächeninhalt von ca. 85 qm; die inneren Schaufeln, deren Gesamtdurchmesser etwa 8,5 m beträgt, bestreichen einen Kreisring von ca. 48,0 qm Fläche. Die 4 Schaufeln selbst haben zusammen ca. 38 qm Flächenprojektion. Sie werden die Luft bei etwa 65 Umdrehungen der welle in der Minute mit mindestens 20 M./sec. unter die Tragdecke schleudern. Die Pressung, die die Luft hierbei erfahren muß, wird nun:

Tragdecke betragen; ihre kinetische Energie, die sich in Druck umsetzt, erzeugt dann unter der Tragdecke von 85 qm Fläche

h

202 . 1,29 2 . 9,81

26 kg pro qm.

einen ^Auftrieb von L - Q . —.y — F . Ii, weil h =

V2 T = 2g

ist. wir

S.-ite 275 „fLUüSPOK T." No (0

erhalten daher einen Auftrieb von 85 . 26 221 ü mkg, oder wenn wir vorsichtig einen Wirkungsgrad von nur 0,5 annehmen:

??10

Ne W7T5 - % 59 PS-

Der Erfinder hat in seiner Patentanmeldung auch zwei über-oder nebeneinander angeordnete Ventilatorräder vorgesehen, die unter eine, zweckmäßiger aber im ersteren Falle unter zwei über einander angebrachte Tragdecken wirken. Diese Konstruktion wird allerdings die in dem Fliegergestell auftretenden Reaktionskräfte wohl noch besser ausgleichen, als die unter der äußeren Tragdecke angeordneten Kranzschaufeln; indessen dürfte das Eigengewicht des Fahrzeuges und somit auch die erforderliche Kraftleistung größer werden müssen. Allerdings wird man die erforderliche Motorleistung sowieso noch deshalb größer wählen, als oben berechnet wurde, wenn man noch eine oder besser zwei Treibschrauben an der Seite des Fahrzeuges für zweckdienlich hält. Man könnte auch ein Laufgewicht anordnen, um hierdurch eine Schrägstellung der vertikalen Achse und damit ein seitliches Fortbewegen außer dem Steigen zu bewirken. —

Bei einem durch irgend welchen Umstand herbeigeführten Motordefekt dient die Tragdecke und die innere Schaufelplatte als Fallschirm. Sie sichern durch ihre etwa im Ganzen 130 qm großen

Flächen ein gefahrloses Niedergleiten, p — 4 kg Trag-

kraft pro qm, was etwa einer Geschwindigkeit von 6 m/sec. entspricht. Die innere Schaufelplatte muß dann selbstverständlich auch, wie die Tragdecke, durch nach unten ziehende Drahtseile verspannt sein.

Kann der Mensch mit eigener Körperkraft

fliegen ?

(Eine empirische Betrachtung.) Obschon der Flugsport noch sehr jung ist, sind bereits Erfahrungen erworben, welche empirische (erfahrungswissenschaftlich;) Betrachtungen gestatten. Als Erfahrungen gelten :

1. Wright fliegt mit seinem Drachenflieger und braucht einen Motor von 25 PS bei einem Gesamtgewicht von 360 + 140 (2 Personen) = 500 kg

2. Der Gänsegeier fliegt bei einem Gewicht von 9 kg und ist imstande eine Beute von 7 kg zu tragen.

3. Der Storch fliegt bei einem Gewicht von 4 kg.

4. Der Mensch leistet bei einem Körpergewicht von 75 kg

eine Arbeit von '/» PS = 15 mkg bei Dauerleistung,

i. » 7a v = 25 „ „ */, bis 1 stündiger Arbeit, „ 7s » = 45 „ „ 1 bis 2 Minuten Arbeit, » 7s , = 60 „ „ 1 paar Sekunden Arbeitsdauer. Die vorstehenden Leistungen sind maximale Werte, wie solche nur von gut durchtrainierten Sportsleuten als Höchstleistungen erreicht werden können.

Die nachstehende Ueberlegung gibt ein Mittel, an Hand dieser Erfahrungen zu prüfen, ob die menschliche Körperkraft genügt, sein Körpergewicht in der Schwebe zu halten.

somit auch

und

e c2

Gg

Fr

Gc _ G ./Gg 1 3/ / e \ V,

T "~T V Fr = TQ h

>

Diese Gleichung besagt:

Die Leistung, weIche e rf orderlich ist, um einen Körper schwebend zu erhalten, wjächst mit der '/«fachen Potenz seines Gewichts. Mit Hilfe dieses Satzes kann man nun über Wright gemessen die Leistung, welche für den Menschen erforderlich ist, bestimmen. Zuerst seien jedoch die Leistungen für den Gänsegeier und für den Storch über Wright bestimmt, um Zwischenwerte lür Qefühl und Schätzung zu bekommen. Gegeben:

Der Wrightflieger wiegt complet 500 kg und braucht 25 PS - 1875 mkg der Gänsegeier „ 9 kg -------

„ „ „ mit Beute 16 kg

„ Storch „ 4 kg

Für den Gänsegeier /500\ 3/8 ohne Beute erhält man \~g~)

Für den Gänsegeier mit Beute

Für den Storch (^j

 

1875

 

414;

414

4,5 mkg

 

1875

 

174;

174

10,7 mkg

 

1^75

 

1400;

1400 "

- 1,34 mkg

*) Baumann, Zeitschrift d. V. d. lng. 1909, Seite 282. Es ist dort ein Druckfehler in Gl. (2) indem G anstatt g gesetzt ist.

Befindet sich ein Körper, z. B. ein Vogel in der Luft, so erhält er sich dadurch schwebend, daß er die ihn umgebende Luft in der Richtung der Schwerkraft von sich schleudert. Hierbei muß offenbar der Beschleunigungsdruck gleich dem Gewicht des Körpers sein. Es ist gleichgültig, ob dies Herabschleudern periodisch wie beim Vogelllug oder continuierlich wie beim durch Propeller angetriebenen Flugapparat erfolgt. In ersterem Falle wird die Flugbahn eine Wellenlinie, im letzteren eine Gerade sein.

Es sei

F in m2 der Querschnitt des gegen die Erde gerichteten Luftstromes

T kg skz

~ seine spez. Masse in —fjj-j—

c seine Geschwindigkeit in msk

so muß die sekundliche Masse cF— von der Geschwindigkeit 0 auf c gebracht

werden. Dem entspricht eine sekundliche Arbeitsleistung von

F-r c E — -E g 2

Der Beschleunigungsrückdruck ist

/"* AJt <« 'ßT-

Nach dem Oesagien muß er gleich dem in der Schwebe zu haltenden Gewicht G sein, also

Ft

r-.___L

Seite 277

FLUGSPORT'

No. 10

Um nun den Menschenflug in Rechnung setzen zu können, ist es notwendig, zunächst die Mittel, welche es ihm ermöglichen könnten zu fliegen, zu prüfen.

Einer der ersten bekannt gewordenen Apostel auf diesem Gebiete dürfte der Wiener Uhrmacher Jacob Degen mit seinen Versuchen aus den Jahren 1808 und 1809 gewesen sein. Von diesem heißt es: „Er verfertigte ein paar große Flügel die mit den Flügeln gewisser Käfer e'nige Aehnlichkeit haben und aus einem Gerippe von äußerst leichtem Rohr bestehen, das mit fast unzähligen zusammengelegten, buntscheckigen Papierklappen von feinstem Seidenpapier gleichsam durchwirkt ist. Die Flügel stehen durch feinste Seidenfäden miteinander in Verbindung und sind beweglich, daß wenn ein gemeinsamer Zug geschieht, diese Klappen sich wechselweise entfalten und schließen und auf diese Weise gleich wahren Flügeln den Wind fangen. Sie sind an einer sehr einfachen Vorrichtung von eisernen Stangen oben befestigt und hängen mittelst eines dünnen hölzernen Ringes zusammen, welcher um den Hals des Luftfahrers festgemacht wird. Der Künstler setzt durch zusammenwirkende Arbeit, sowohl mit den Füßen, die auf der Qrundstange angebunden sind, als auch mit den Händen, in welchen er die Querstangen bält, die Flügel mehr oder weniger in Bewegung."

Soweit die Beschreibung, denen sich folgende Versucbser^ebnisse anschließen:

„Die ersten Versuche, welche Degen im vorigen Jahre machte, zeigten zwar, daß er sich von der Erde emporschwingen konnte, aber die Maschine war noch zu unvollkommen und seine Leibeskräfte waren zu gering, um eine etwas beträchtliche Höhe zu erreichen. Um zu erforschen, wieviel Kraft er hierzu noch nötig habe, setzte er seine Maschine mit einem Gewicht in Verbindung, welches an einer von der Decke des Saals herabhängenden Schnur befesiigt war und den Mangel seiner Kraft ersetzte. Es fand sich, daß 50 Pfund hinlänglich waren, um ihn, der 150 Pfund wiegt, zu einer ansehnlichen Höhe zu bringen und darin zu erhalten."

Das in der Schwebe zu haltende Gewicht hetrug also 150 - 50 = 100 Pfund = 50 kg

und man erhält

500 \ 3I2 „. „ 1875

2 - 3|.6; ^TTT 61-8 mkg.

50/ ~~ ' ' 3l,0 Wenn diese Leistung auch noch etwas hoch erscheinen mag, so ist dieselbe doch auf Sekunden erreichbar nach Pausen. Durch Niederschweben kann diese Arbeit auch mehrere Male hintereinander vollbracht worden sein, sodaß die Chronik über Degen wahrheitsgetreu berichtet haben kann.

Ohne die 50 Pfund Gegengewicht errechnet sich aber die notwendige Arbeitsleistung auf

500 \ 'I, ____ 1875

?5 j 8 = 17,17; = 108,2 mkg.

Schon vor 15 Jahren hatte Lilienthal von ganz anderen Gesichtspunkten und auf andere Weise die erforderliche Arbeit zum Fliegen für den Menschen mit 1'/, PS^^-142,5 mkg ausgerechnet. _________

Diese Uebereinstimmung mit der Rechnung Lilienthals einerseits, die das Gefühl und Schätzung befriedigenden errechnet.n Leistungen des Gänsegeiers und Storches anderseits lassen die Annahme berechtigt erscheinen, daß das Linial über Wright, obgleich kein ideales Maß, als ein brauchbarer empirischer Wert betrachtet werden kann.

Aber auch wenn man dies nicht gelten lassen wil und einen Fehler von 20% annimmt, d. h. die Konstruktion derart verbessert, daß Wright anstatt 25 PS nur 20 PS benötigt, so erhält man immer noch zu hohe Arbeitsleistungen von ' 500 \ 3|o 1500

2 17,17; ----87,5 mkg.

Noch ungünstiger sind die neuen Versuche, bei welchen allgemein das Fahrrad zu Hilfe genommen wird. In diesem Falle kommt das Gewicht des Rades hinzu und Gewichte von über 80—100 kg sind unvermeidlich. Es darf deshalb gesagt werden, daß die menschliche Kraft nicht ausreicht, um sein Körpergewicht in der Schwebe zu halten.

Adolf Schöpflin, lng.

Fingtechnische

Rnndschau.

Inland.

Flieger von Hayn, Chemnitz. Dieser Flieger, welchen wir in Nr. 8 des „Flugsport" Seite 225 eingehend beschrieben haben und welcher bereits in Dresden und Berlin ausgestellt war, wird auch auf der Frankfurter Luftschiffahrts-Ausstellung

Flieger ^von^Hayn, Chemnitz.

vertreten sein. Beistehende Abbildung zeigt eine Vorderansicht des Fliegers. Der Apparat ist bekanntlich eine Kombination von Rad- und Drachenflieger. Die Abbildung läßt die Anordnung der einzelnen Organe sehr gut erkennen.

Der Flieger von Professor Reißner, ist eine der best konstruiertesten Flugmaschinen, die Deutschland besitzt. Professor Reißner unternahm am 12 April früh 6 Uhr auf der Brander Heide bei Aachen mit seinem zweiflächigen Aeroplan einen Flugversuch. Bei der ersten Anfahrt zeigte es sich, daß die Hinterflächen etwas steiler zu stellen waren. Bei der zweiten Fahrt hob sich der Apparat schon nach 50 Metern mit Leichtigkeit auf etwa 5 Meter Hö e. Der Fahrer, Prof. Reißner, stellte, um nicht zu hoch zu kommen, nach einem Fluge von 40 Metern den Motor ab und landete deshalb etwas unsanft, wodurch ein Stahlrohr und mehrere Hölzer einknickten Die Leistung war für den ersten Versuch eine sehr zufriedenstellende, da das Hochgehen außerordentlich stabil erfolgte und der Propeller sehr viel überschüssige Kraft zeigte, was daraus hervorging, daß der Apparat bei Windstille mit starker Flächenneigung, 15 20 Grad, und kleiner Geschwindigkeit, ohne das Höhensteuer zu gebrauchen, stetig hochging. Der Apparat ist ein Zweiflächenflieger ohne

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Kopfsteuer und mit geteilten Schwanzsteuern. Der Motor hat 40 Pferdekräfte, die gesamte Tragfläche beträgt 40 Quadratmeter. Die unerheblichen Reparaturen, die nur kurze Zeit in Anspruch nehmen, werden in der Junkersschen Werkstätte vorgenommen.

Klimm in Stuttgart hat ein großes Fliegermodell konstruiert. Das Modell hat folgende Abmessungen: Länge 3,50 m, Breite 2 m, Gesamttragfläche 4,85 qm. Gestell aus Bambusrohren, durch Aluminiumbleche verbunden. Versteifung durch Drähte aus Aluminiumbronze. An Flächen sind vorhanden: eine große Tragfläche von 3,85 qm, darüber ein verstellbares Höhensteuer von 0,7 qm, eine Schwanzfläche von 1,5 qm, unter der eine dreieckige Stabilisierungsfläche befestigt ist. Material für die Flächen Batist mit Pyrocilinlack getränkt. Neigung t'er Tragfläche betrug 19 Grad, die des Höhensteuers beim Fluge etwa 35 Grad Anfänglich wurden mit dem Modell Versuche als Gleitflieger vorgenommen, später ein zweipferdiger Antoi-nettemotor mit zwei Zylindern und einem Ge.vicht von 8 Kilo eingebaut. Dieser trieb einen Propeller von 700 mm Durchmesser und 23 Grad Steigung. Außerdem wurden an den federnden Kufen, welche zum Zweck sanfter Landung vorhanden waren, drei leichte Räder angebracht. In diesem Zustande soll das Modell nur 17 kg gewogen haben. Die Versuche fanden in folgender Weise statt: Nach Anlassen des Motors begann der Apparat vorwärts zu rollen und nach einigen Sprüngen zu schweben. Nach kurzer Zeit wurde die Zündung unterbrochen, indem mittels einer Schnur ein Steckkontakt ausgezogen wurde. Der Apparat senkte sich und landete ziemlich sanft. Auf diese Weise wurden Flüge erreicht bis zu 50 Meter Länge. Nach diesem Modell soll ein großer Flugapparat gebaut werden, mit zwei Schrauben, um die Steuerwirkung, die eine Schraube ausübt, aufzuheben.

Wilhelm Oösele in Ulm hat das Modell eines neuen Fliegers hergestellt. Zum Betriebe dienen zwei 30pferdige Motoren, welche 4 Propeller von je 4 m Durchmesser antreiben sollen. Beim Abflug wird zuerst ein Anlauf ausgeführt, wobei ein Motor das vordere Propellerpaar und der andere das hintere Propellerpaar und die beiden Hinterräder des Wagens, auf welchem die ganze Maschine aufgebaut ist, antreibt. Die Wagenräder können nach dem Aufflug außer Betrieb gesetzt werden, so daß nur noch die Propeller weiter arbeiten. Sechs Tragflächen von je 11 Meter Länge und 3 Meter Breite sind so angeordnet, daß je zwei übereinander stehen und die Paare in gewissen Abständen hintereinander liegen. Eigene Höhensteuer bewirken nach 50 m Anlauf das Hochsteigen der Maschine. Sinnreich ist die Ausgestaltung der seitlichen Tragflächen, die sich bei bei seitlichen Windstößen von selbst so einstellen, daß ein Umkippen der Maschine vermieden wird. Auch beim Nehmen von Kurven treten die seitlichen Tragflächen in Tätigkeit, indem sie gleichzeitig mit dem am Ende der Maschine angebrachten Seitensteuer sich in der die Wendung fördernden Richtung heben und senken.

Ausland.

Demanest unternahm in Chalons am 29. April mit einem Antoinette-Monoplan einen Aufstieg, wobei er in 10 m Höhe drei Runden von je 2 Kilometern durchflog. Da er zur Zurücklegung der 6 Kilometer nur 5 Minuten gebrauchte, so entspricht das einer Stundengeschwindigkeit von 72 Kilometern, die bisher von keiner Flugmaschine gezeigt wurde. Es herrschte bei dem Versuch ziemlich starker Wind.

Schwingenflieger Mickl ■ Bohrer. In Klagenfurt arbeiten seit einiger Zeit der Ingenieur und ehern rlige Assistent des Professors Buda der Wiener Technischen Hochschule J. Mickl im Verein mit dem Sohne des Klagenfurter Wagenfabrikanten Bohrer, Thomas Bohrer jun., an einem neuen System eines Fliegers. Die Flugversuche des Modells haben glänzende Resultate gezeitigt; es wurde auch schon an

die Ausführung der wirklichen Flugmaschine gegangen. Das Wesentliche dieses neuen Systems ist die genaue Anpassung an den Vogelflug, die durch photographische Aufnahme fliegender Vögel und genaues Studium an Hand der Gesetze der Mechanik ziemlich genau erreicht wurde.

Flieger Farman III. Farman hat einen neuen Flieger gebaut, mit welchem er zur Zeit Versuche anstellt. Wie die untenstehende Abbildung des Fliegers (Seitenansicht) zeigt, ist das Höhensteuer, um mit einer möglichst kleinen Fläche auszukommen und um die Kraft für die Bewegung des Höhensteuers auf ein Minimum

Flieger Farman III.

zu reduzieren, sehr weit nach vorn gelagert. Für die Seitensteuerung und zur Erhaltung der seitlichen Stabilität sind an den beiden Flächenenden bewegliche Hilfssteuer angeordnet. Wenn i schon diese Steuer ihren Zweck erfüllen, dürfte der Luftwiderstand das Flugvermögen des Fliegers sehr 'beinträchtigen. Diel' Anordnung dieser Steuerflächen an den untiren Tragdecken hätte vollauf genügt.

Fahrgestell des Farman'schen Fliegers III.

Interessant ist an diesem neuen Flieger die Anordnung des Fahrgestells (s. Abbildung). Ansttelle des früher von Farman verwendeten Voisin-Chassis, sind jetzt zwei Holzkufen angeordnet, die auf je zwei Rädern ruhen.

Zum Betriebe des Fliegers dient ein 50 PS-Vivinusmotor mit Holzschraube.

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De Salvert, welcher auf dem Lager von Chalons vorigen Monat Versuche mit einem Voisin-Zweidecker unternahm, führte einen Flug in 8 m Höhe aus. Kurz vor dem Abstieg stürzte der Apparat infolge einer falschen Steuerstellung. Der Apparat ging in Trümmer. Salvert erlitt einen Knöchelbruch.

Der Schraubenflieger von Vuitton=Huber ist jetzt fertiggestellt, Dieser Flieger, welcher zwei gegenläufige Tragschrauben (s. beistehende Abbildung) besitzt, wird

durch einen 45 PS horizontalen 8 Zylinder Farcot-Motor betrieben. Zur Vorwärtsbewegung dient eine Vertikallragschraube. Das Gestell des Fliegers ist aus Bambus hergestellt.

Baron de Caters, der eifrigste belgische Flugmaschinensportsmann, ist zur Zeit in Chalons mit Flugversuchen beschäftigt. In den nächsten Tagen setzt Caters seine Flüge in Brecht bei Antwerpen fort und will dann den Preis von Belgien zu gewinnen suchen. M.;n erwartet dortselbst, daß dies dem Sportsmanne gelingen wird, da schon vor einigen Wochen de Caters über 400 Meter in Begleitung eines Passagiers fliegen konnte.

Mißerfolge mit dem Gyroskop-Stabilisator. Hauptmann Lucas Gerardville, der Erbauer eines der beiden Militäraeroplane, deren vorjährige Versuche erfolglos blieben, unterzog seinen Apparat einer neuen Probe; nachdem er ihn mit einem Gyroskopstabilisaior versehen ha.te. Der Flieger erhob sich über den Boden, ließ jedoch die erforderliche Stabilität vermissen und stürzte jäh herab. Der Apparat wurde stark beschädigt; Hauptmann Gerardville erlitt nur leichte Verletzungen. (Siehe auch Pariser Brief).

Schwingeniiieger von Wasslllj Tkatschento. Aus Rußland wird berichtet, daß ein russischer Bauer namens Wasjilij Tkatschento aus der Station Pliski der Mos-kau-Kiew-Woronesch-Eisenbahn — wie „Rußkoje Slowo" und „Rada" melden — einen einfachen Flugapparat erfunden habe, mit welchem er eine erfolgreiche Luftreise ausführte. Bei Tagesanbruch unternahm Tkatschento den ersten Flugversuch mit seinem Flugapparat; er legte dabei die 16 Werst lange Strecke vom Dorfe Bel-matschewsk bis zur Station Pliski in l1/« Stunden zurück. Nur einmal mußte er die

Schraubenflieger von Vultton Huber.

Fahrt unterbrechen, weil der Apparat eine Beschädigung erlitt. Ein Redakteur der „Rußkoje Slowo" hat den Luftschifer aufgesucht und seinen Apparat besichtigt. Es ist die denkbar einfachste Konstruktion. Der Apparat besteht aus mehreren Reifen und aus Leinwand. Die Hauptbestandteile des Apparates sind ein um den Leib laufender Schirm und zwei Flügel, die durch die Füße in Bewegung gesetzt werden.

Die Nachricht klingt sehr märchenhaft.

Flieger von Stackel. Ein Einflächner ist von dem Sportsmann Stackel gebaut worden. Zum Betriebe dient ein 4 Zylinder-Motor von 25 PS, welcher zwei Holz-

Flieger von Stackel.

schrauben mittelst Riemen antreibt. Die Konstruktion des Fliegers ist aus, beistehenden Abbildungen in Vorder- und Seitenansicht ersichtlich.

Flugpreise.

Eine Internationale Aeroplan Konkurrenz will die Ligüe Nationale Äerienne in der Zeit vom 28. Juni bis 18. Juli in Douay abhalten. Die Prüfungen sollen umfassen: 1) einen Weil lug auf einer 2% Kilometer langeri' Rundstrecke,, ferner einen Dauerflug um den Großen Preis von Dousy und 3) einen 25 Kilometer-Flug in" gerader Linie. Die Konkurrenzen sollen mit Preisen in Höhe von 40000 Francs ausgestattet werden.

Eine Preisaufgabe für die Flußschiffahrt hat dieTechnische Hochschule Charlottenburg für das Jahr l%9| 1910 ausgeschrieben. Die Aufgabe, welche von der Abteilung für Schiffs- und Schilfsmaschinenüau ausgestellt ist, lautet folgendermaßen: Für ein Flug schiff (Aeroplan) ist ein Antriebsmotor von 50 bis 60 Pferdekräften mit zu-

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FLUGS PO RT"

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gehörigem Luftpropeller zu entwerfen. Es sind zu liefern sämtliche Werkstattzeichnungen und eine'Zusammenstellungszeichnung, ferner dfe ausfühiliche Berechnung aller Teile einschl. genauer Gewichtsbestimmung. Bezüglich der Durchführung der Aufgabe ist volle Freiheit gelassen, jedoch sind alle getroffenen Maßnahmen eingehend zu begründen.

Pas neue Prelsauschreiben Vir Flugmotoren der M. St. G. mußte wegen Platzmangel zurückgestellt werden.

Patentwesen.

Deutschland.

■ sj, Patenterteilungen.

77h. 209844. Flugmaschine mit beweglichem Höhensteuer. Ernst Wilhelm Brackelsberg, Ohligs, Rhld. 27. 9. 07. B. 47771.

77h. 210003. Versteifungsfläche für Lustfakrzeuge. C. Georg Rodeck, Hamburg, Schröderstiftstraße 3. 3. 7. 07. R. 24742.

Gebrauchsmustereintragungen.

77h. 373 530. Flugschiff mit beweglicher Tragfläche. Waldemar Schüßler, Köpenick b. Berlin. 10. 3. 09. Sch. 31473.

77h. 373535. Als Fahrradrahmen ausgebildeter Rahmen für Flugapparate. APWeingstrt-Hferbst, Bfeisäch ä. Rh. 11.3 09 W. 27 051. •iy77n..> 373909. Ruder Luftschiff. Max Pichler, Schwetzingen. 11. 3. 09. PJ«15«&-■

77h. 373930. Aus einem geschlossenen Metallbehälter, vorzugsweise aus Aluminium bestehender Ballonkörper für Luftschifte. Bielefelder Maschinenfabrik vorm. Dürkopp & Co., Bielefeld. 16. 3. 09. B. 42028.

England.

(Anmeldungen vom 15. März bis 3. April). No. 6119". John Law Garsed, Verbesserungen an Propellern für Luftmaschinen.

No. 6125 Charles Peacock Foster, Vale View, Wellington St., Matlock-Flugmaschine. N. B. Mit vollständiger Spezification.

Nö.. 6154. Stanislaw Julius Przyjemski, 4, Welleslay Villas, Clapham Oval, London. "Verfahren, um den Anlauf einer Flugmasctiine vor der Erhebung zu reduzieren.

No. 6310. John T. Bowden und William H. Lambert. Verbesserungen an Aeroplanen.

No. 63C6. Christoph Gerullis, Veibesserungen an Luftschiffen.

No. 6378. Giuseppe Pietro Ottino und Algernon^Wylliif, Verbesserungen an Schwerer als Luft-Maschinen.

No. 6414. Henry B. Molesworth. Verbesserungen an Luftmaschinen und Propellern.

No. 6500. Stanislaw Julius Przyjemski. Verbesserungen an Aeroplanen. (F. No. 6154).

. No. 6568. Jean Baptiste Passat, Verbesse: ungen an Flugmaschinen (in Frankreich an .cmeldet Nov. 27, 1908).

'■: -r No. 6598. Charles Ebenezer Richardson, 46, Cherry BankRd., SheffieldfVer-besserungen an Luftmaschinen.

No. 6547. Giles Henry Pointer. Verbesserungen an aeronautischen Maschinen.

No. 6745. Louis Bleriot. Verbesserungen in der Wasserkühlung von Motoren für Luftmaschinen (in Frankreich angemeldet März 30, 08).

No. 6869. Etablissements de Dion-Bouton, Verbesserungen an Schrauben» Propellern. (In Frankreich angemeldet 2 i. Okt. 1908.)

No. 6966. Qaetano Arturo Crocco und Ottano Ricaldoni: Verbesserungen in den Sicherungen des Gleichgewichts von Flugmaschinen.

No. 6989. Frederick Lamplough, Verbesserungen an Aeroplanen.

No. 7057. Charles R. B. Brown, 106, Vartry Rd„ Stamfort Hill, London: Verbesserungen an rlugmaschinen.

No. 7084. Arthur Gillett Taylor, Verbesserungen an Schraubenpropellern.

No. 7105. David M. Bowyer-Smyth: Verbesserungen im Antrieb von Flug-maschin. en. ::

No. 7209. Louis Breguet, Verbesserungen an Flugmaschinen.

No. 7237. August Westonbaum: Steuerbarer Luftballon.

No. 7395. Frederick Karel Bahle: Verbesserungen an Aeroplanen.

No. 7501. Dragotin Fäkin: Verfahren, das Gleichgewicht von Aeroplanen automatischjierzüstellen.

No. 7503. Frederick Ch. Hodges und George May Selby: Verbesserte Luftmaschine.

Schraube für Flugmaschinen, Luftschiffe n. dgl.*)

Die vorliegende Erfindung betrifft eine Schraube für Flugmaschinen, Luftschiffe u. dgl., welche sich gegenüber anderen Luftschrauben dadurch unterscheidet, daß je zwei aufeinanderfolgende Schraubenlläch'en Q durch winklig abstehende, konzentrisch um die Achse angeordnete Querrippen N miteinander vebunden sind, -so daß kästen-, förmige Luftdurchlässe S ge- ildet werden, zun Zwecke, das Entweichen der Luft nach den Seiten zu verhindern. '

In den nebenstehenden Abbildungen stellt Abb. 1 die Schraube von der Seite gesehen, Abb. 2 in Draufsicht dar.

Abb. 3 zeigt den Durchschnitt und . -

Abb. 4 den Längsschnitt der Schraube. Die von der Achse Y ausgehenden Schraubengänge werden gebildet durch Flächen Q, von denen zwei aufeinanderfolgende sich teilweise überdecken. Je zwei sich so überdeckende Flächen Q sind durch winklig abstehende, konzentrisch um

Abb. 1. ' Abb. 3.

Abb. 2. Abb. 4.

die Achse geordnete Querrippen N miteinander verbunden, die außerhalb der Ueberau. R. P. 208 215 Adolf genannt Arthur Hein in Düsseldorf.

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.FLUOSPOR 1.

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deckung der nächsten überliegenden Flügelfläche frei nach unten hängen, so daß kastenförmige Luftdurchlässe S gebildet werden. Patent-Anspruch:

Schraube für Flugmaschinen, Luftschiffe u. dgl. dadurchgekennzeichnet, daß je zwei sich überdeckende Schraubenflächen (Q) durch konzentrisch um die Achse angeordnete Querrippen (N) verbunden sind, die außerhalb der Ueberdeckung tieferliegende Schraubenlläche frei nach unten hängen.

Schraubenfing el für Flugmaschinen*).

Um die Schraubenflügel für Flugmaschinen möglichst leicht zu machen, hat man sie bereits aus Blech hergestellt und zur Erzielung der erforderlichen Widerslandsfähigkeit in den mittleren Teil der Blechscheiben Rippen eingepreßt. Die bAb. 1. Abb. 2.

Abb 3.

AI b. 4.

Abb. 5.

letzteren finden einen verhältnismäßig großen Widerstand in der Luft, auch fängt sich diese in den durch die Rippen bedingten Vertiefungen, so daß der der Nabe zunächst liegende Teil des Flügelblattes nicht voll zur Wirkung kommt.

*)D. R. P. Nr. 208 219. Rud. Chillingworth, Nürnberg.

Dieser Nachteil wird bei dem Schraubenflügel nach vorliegender Erfindung dadurch vermieden, daß derselbe aus einer ebenen Blechscheibe hergestellt ist, auf derem mittleren Teil zwecks Vertiefung ein mit scharfen Rädern versehener Rahmen befestigt ist, dessen Innenraum mit leichtem Holz o. dgl. ausgefüllt bezw. mit dünnem Blech abgedeckt ist.

Aus der Zeichnung ist de- neue Schraubenflügel in einer Ausführungsform in Abb. 1 in Ansicht und in Abb, 2 im Längsschnitt dargestellt. Abb. 3 bis 5 zeigen Querschnitte der Flügelschraube.

Die Flügelblätter sind ais einer entsprechend zugeschnittenen ebenen Riechscheibe a hergestellt. Auf dieser ist der Versteifungsrahmen b befestigt, der 8-förmig gestaltet ist u d in seinem mittleren Teil zur Nabe c sich verbreitert. Der Rahmen b ist an den Rändern zugeschärft, wie aus den Querschnitten (Abb. 3 bis 5) zu erkennen ist, so daß er die Luft leicht durchschneidet, Von der Nabe c an nimmt die Dicke des Rahmens nach den Enden der Flügelblätter hin entsprechend der Abnahme der in den Flügelquerschnitten auftretenden Biegungsbeanspruchung ab. Der innere Raum des Verstärkungsrahmens a ist mit Holz ü oder einer andern leichten Masse ausgefüllt, so daß eine glatte Fläche entsteht, an der die Luft ohne wesentlichen Reibungswiderstand entlang streichen kann. Es findet also nicht, wie bei den bekannten Flügeln infolge der an der Nabe beginnenden, die Reibungsarbeiten erhöhenden Rippen ein Arbeitsverlust statt. Vielmehr ist die ganze Flügelfläcne einschließlich des der Nabe zunächst liegenden Teiles für den Antrieb des Luftfahrzeuges wirksam.

Der Innenraum des Rahmens könnte auch mit dünnem Blech oder dergleichen abgedeckt sein.

Pa te n t- An sp ru ch. Schraubenflügel für Flugmaschinen, dadurch gekennzeichnet, daß derselbe aus einer ebenen Blechscheibe a hergestellt wird, auf deren mittleren Teil ein nach den Flügelenden an Dicke abnehmender und mit zugescharrten Rändern versehener Rahmen b befestigt ist, dessen Innenraum mit Holz d oder dergleichen ausgefüllt, oder mit dünnem Blech abgedeckt ist, so daß die ganze Flügelfläche einschließlich des der Nabe zunächst liegenden Teiles für den Antrieb des Luftfahrzeuges wirksam ist.

Vorträge.

F. W. Lanchester, unseren Lesern aus dem Berichte Seite 103 bekannt, begann am 26. Ap il, wie unser Londoner Korrespondent berichtet, einen Kursus von drei Vorlesungen über die Flugkunst in der Royal Socie'y of Arts in London. In der ersten Vorlesung behandelte er die Prinzipien des dynam sehen Auftriebes. Die zweite Vorlesung am 3. Mai wird über die Prinzipien der Stabilität und die dritte am 10. Mai über die Konstruktion der Flugmaschine handeln. Die Vorträge werden später in den Berichten der Gesellschaft veröffentlicht werden. Im allgemeinen enthalten sie in freierer Form, was wissenschaftlich in dem zweibändigen Werke desselben Gelehrten „Aerial Flight" niedergelegt ist.

Verschiedenes.

Ein Kolleg über Avlatik wird zurzeit an der Universität Göttingen abgehalten. Professor Dr. Prandtl hat vom Kultusministerium diesen Lehrauftragjber das gesamte Gebiet der Aeronautik erhalten. Das erste Thema, über das er ein zweistündiges Kolleg halten will, heißt „Wissenschaftliche Grundlagen der Luftschiffahrt". Professor Prandtl will seinen Hörern von Zeit zu Zeit kleinere Modelle vorführen. Außerdem steht eine Modellversuchsanstalt für Luftschiffe und Flugmaschinen, sowie ein Laboratorium zur Verfügung. Als Vorkenntnisse für die Kollegs werden Differential-, Integralrechnung und Physik gefordert.

Ausstellung des Aeronatischen Klubs für Jugendliche in Amerika. Der etwa vo ■ einem Jahre auf Betr ibung ein r Dame, Miß Todd, begründete Aeronautische Klub für JuL'endlicht- in Amerika veranstal ete vor kurzem seine erste Ausstellu g.

Die Ausstellung enthielt allerlei Luftschiffmodelle und Aeroplane, die von den jungen Mitgliedern des Klubs, meist Knaben von 12 und mehr Jahren, nach Zeitungsberichten und auf eigene erfinderische Tätigkeit hin erbaut waren, und bot viel recht Interessantes.

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„FLU O SP ORT.'

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Der größte Aeroplan war von einem gewissen Percy Pierse nach dem „June Bug'-Modell hergestellt und mit zwei sich in entgegengesetzter Richtung drehenden Propellern versehen. Es war im ganzen etwa über 3 Meter groß. Anßerdem stellte derselbe junge Herr einen Gleitflieger von 5 Meter Spannweite nach dem Chanute-Prinzip aus.

Walter B. Phipps, der Sohn eines bekannten Ingenieurs, stellte einen Langley-Aeroplan aus, bei dem er unter den Steuerflächen einen längslaufenden Kiel angebracht hatte, merkwürdigerweise eine Neuerung, die gleichzeitig von diesem erst zwölf Jahre zählenden Knaben und von dem greisen Aeronautiker Chanute vorgeschlagen wurde.

Ein anderes ausgestelltes Modell war nach dem Wrightschen Prinzip erbaut und mit einem wirklich arbeitenden Vs pferdigen Dampfmotor nebst Kessel ausgerüstet.

Auch lenkbare Luftschiffe der verschiedensten Systeme waren vertreten, verschiedene Drachenflieger, und endlich sogar eine komplette Einrichtung für drathlose Telegraph e, alles von den Knaben-Mitgliedern dieses Klubs gebaut, die etwa 40 an der Zahl über das ganze Gebiet der Union zerstreut sind und nur durch Briefwechsel miteinander in Verbindung stehen.

Das Fliegerfeld bei Berlin. Den Bemühungen des Kaiserlichen Automobilklubs ist es nunmehr gelungen, die Freigabe des bei Potsdam gelegenen Bornstedter Feldes für aviatische Versuche durchzusetzen. Da die Potsdamer Garnison meist nur einen Teil des Feldes für ihre Uebungen benötigt, werden die hier ansässigen Aviatiker genügend Gelegenheit zum Training finden.

Aeroklub und Automobilklub von Amerika. Der amerikanische Aeroklub hat beschlossen, sich als aviatische Sektion dem amerikanischen Automobilklub anzugliedern. Er hat sich damit in die Lage versetzt, seine Beziehungen zum Ausland aufrechtzuerhalten, woselbst die meisten führenden automobilistischen Vereinigungen auch die obersten Sportbehörden in aviatischen Fragen sind.

Vereinsnachrichten.

Der Hamburger Verein für Luftschiffahrt hat eine Sektion für Flugschiffahrt eingerichtet und wird zuerst einen Gleitflieger anschaffen. Ferner soll durch Ausschreiben von Preisen an der Vervollkommnung der Apparate und an der Eroberung der Luft mitgearbeitet werden.

Geschäftliche Nachrichten.

Motorfahrzeug.Qesellschaft m. b. H., Wien. Unter diesem Namen ist in Oesterreich eine neue Gesellschaft ins Leben getreten, welche von der österreichischen Daimler-Motoren-Gesellschaft, der österreichisch-amerikanischen Gummifahrzeug A.-G. und dem Wiener Bankverein unterstützt wird. Technischer Leiter ist Direktor Fischer von den Daimler-Werken. Die Gesellschaft beabsichtigt den Bau von Luftfahrzeugen aller Art. Das Betriebskapital beträgt 300,000 Kronen.

Eine Aero.Qesellschaft m. b. H. soll in Berlin gegründet worden sein. An der Spitze der Gesellschaft, die sich die Förderung der Flugschiffahrt mit Apparaten schwerer als die Luft und das Studium dieses Problems zum Ziele gesetzt hat, stehen Otto von Mendelssohn-Bartholdy, ferner Konsul Fritsch und Mathis - Straßburg i. E. Die genannte Gesellschaft soll Lizenzen auf Wrightsche Apparate erworben haben.

Briefkasten.

Antwort 7. S. M. 1000. Eine genaue Zeitbestimmung, wann der erste Bescheid des Patentamtes erfolgt, läßt sich nicht geben. Es kommen hier so viele Zufälligkeiten wie: Starke Inanspruchnahme des Vorprüfers, Vorhandensein ähnlicher Erfindungen etc. in Betracht. Eine Antwort vor 6 Wochen ist im günstigsten Falle nicht zu erwarten. Doch haben einzelne Fälle auch schon die Dauer eines halben Jahres überschritten.

Literatur.

Luftreisen von Johannes Poeschel. Verlag von Fr. Wilh. Qrunow, Leipzig.

Das vorliegende Buch enthält eine große Anzahl Beri :hte interessanter Freiballonfahrten. 44 Autotypien, 2 Karten und 4 Fahrtkurven ermöglichen auch den nicht Ballonfahrern, sich ein Bild von den Reizen, welche eine Ballonfahrt bietet, zu machen. Wenn auch der Flugmaschine die Zukunft gehört, so werden sich doch noch viele an den Eigenarten einer Ballonfahrt erfreuen. Gerade für diejenigen, welche nicht das Vergnügen hatten, Ballonfahrten mitzumachen, bietet das vorliegende Buch eine interessante Lektüre.

Der Bau von Riesen-Luftschiffen von Albert Welzel. Verlag von Konrad Wittwer, Stuttgart. Preis M. 2.-.

Verfasser behandelt in diesem Buch ein neues Projekt eines innen und außen gleich starren Luftschiffes aus Meta'lstäben. Das Luftschiff von 20 m Durchmesser und 300 m Länge soll einen Kubikinhalt von 85 800 cbm erhalten. Der Qesamtauf-trie1! beträet 103 220 kg. Zum Betriebe dienen 8 Motore ä 200 PS insgesamt 1600 PS. Der Motorballon soll 80 km stündlich zurücklegen und 400 Personembe-fördern können. Verfasser macht in vorliegendem Buch ganz genaue Angaben über Konstruktion und Wirtschaftlichkeit dieses neuen Projektes.

Offizielle Mitteilungen des Schlesischen Flugsport=Club.

Sitz Breslau.

Vorstand:

1. Vorsitzender: Oberingenieur E. Schräder.

2. „ Ingenieur C. v. Sallwürk.

1. Schrift wart: Ingenieur E. Leischner.

2. „ Postsekretär P. Solger. Propagandaausschuß: Chefredakteur L Beninatto.

Sportsgruppen, zugleich Sportskommission:

1. Maschinenflug; Obmann E. Schaden

2. Freiflug: Obmann E. Leischner, H. Kukol.

3. Freiballon: Obmann E. Schräder.

4. Automobilfahren: Obmann C. v. Sallwürk.

5. Rasenspiele, Florettfechten, Pistolenschießen: Frau von Sallwürk, K. Ritzmann, L. Beninatto.

6. Wintersport: C. O. Schlobach, Fritz Heidenreich, C. Stach.

Clublokal: Theater-Restaurant. Sitzung: Jeden Sonnabend 8.30 Uhr.

Als Mitglieder wurden aufgenommen: Privatdozent^Dr. v. d. Borne, Breslau-Krietern, Diplom-Ingenieur Otto Qraez, Paulslraße 32 und Bauführer Rudolf Hausdorf, Münzstraße 10. Ingenieur Kurt Metze, Klosterstraße 123 und Oekonom Stahl, Inhaber des Theaterrestaurants.

Am Sonnabend, den 24 April, hielt der erste Vorsitzende ..Oberingenieur E. Schräder, im Klublokal (Theaterrestaurant) einen durch Vorführung von Modellen erläuterten Vortrag über „Die moderne Flugmaschine", in welchem der Redner über den gegenwärtigen Stand der Flugtechnik, über die Art der modernen,Maschine und über die Zukunft-aussicht der Flugmaschine»!sprach, i Der Redner teilte die Flugmaschine, wie allgemein üblich, in drei größere Klassen ein, in Schwingenflieger, Schraubenflieger und Drachenflieger.

Von den Schwingenfliegern, obwohLdiese direkt'auf einer Nachahmung des Vogelfluges beruhenden Flugmaschinen die ältesten sind, liegen bis heute brauchbare Maschinen nicht vor, trotzdem einigen Konstrukteuren es gelungen ist, mit solchen

„Schwingenfliegern" geringen Auftrieb zu erzielen. Es wird jedoch unter anderem seitens einer schwedischen Aktiengesellschaft an er Lösung dieses Problems gearbeitet, so daß in absehbarer Zeit auch diese Flusmaschinenart wahrscheinlich zu praktischen Eifolgen kommen wird. Die Hauptschwieriukeiten liegen bei solchen Schiagflieuern in der Ueberwindung der bei der Umkehrung der Flügel auftretenden großen Trägheitskräfte, die das leichte Material der Flugmaschine zerstören. Einige neuere Versuche, diese Trägheitskräfte durch die Anwendung fortgesetzt rotierender Schla^flügel zu beseitigen, führt - Redner durch Vorzeigung von Modelen an.

Bezüglich der „Schraubenflieger", welche bis heute ebenfalls keine bemerkenswerten Leistungen anzuweisen haben, verweist der Redner auf die Arbeiten von Hermann Ganswindt, welchem Konstrukteur trotz mancher Einwände eine technische Genialität und vor allen Dingen eine große mechanische Kunstfertigkeit und eine rühmenswerte Ausdauer nicht abzusprechen sei. Von modernen Schraubenflieger-Konstrukt onen ist der Gyroplan von Breguet, eine französische Kons ruktion mit mehreren großen Doppelschrauben, erwähnenswert. Diesem Gyroplan ist es gelungen, sich, wenn auch nur einseitig und wenige Meter vom Boden, zu erheben. Redner glaubt, daß dem Schraubenflieger eine sichere Zukunft in Aussicht gestellt werden könne, nur müsse der wesentliche Teil desselben, eben die horizontale Tragschraube, noch eine Umgestaltung erfahren, da der Nutzeffekt einer jeden Schraube allzu gering sei. Versuche, die auf eine Reformation der Schrauben hin-zie'en, seien zur Zeit im Gange; bemerkenswert sei die Luftturbine von Penkala-Budapest, mit welcher zurzeit von der Krieterner Versuchsanstalt Versuche angestellt worden sind, deren Abschluß noch im Laufe der nächsten Monate zu erwarten sei.

Die dritte Klasse der Flugmaschinen, die „Drachenflieger", haben es bis heute am weitesten gebracht. Diese sind hervo'gegangen aus den einfachen ("lleitfliegern, einer Art Fallschirme, die bei geeigneter Konstruktion und unter Benutzung eines Anlaufes von einem erhöhten Punkte aus, einen Menschen in schwach geneigter Richtung abwärts zu tragen vermöge. Der Redner wies auf die verdienstvollen Arbeiten des deutschen Ingenieurs Otto Lilienthal hin, der nebst seinem Nachfolger dem Engländer Pilcher, die Grundlage für den Bau der modernen Flugmaschine durch seine Uebung mit Gleitfliegern gelegt habe. Redner schildert dann weiter, wie durch die Anwendung des Kastendrachens an Stelle der einfachen Gleitfläche eine weitere Vervollkommnung erzielt sei und wie mit solchen Kastendrachen in Frankreich und in Amerika von verschiedenen Gruppen langjährige Versuche vorgenommen wurden, cie eidlich zu dem Einbau eines brauchbaren leichten Motors in solchen Kastendrachen seitens der Gebrüder Wright führten und schließlich auch zu der Herstellung von Drachfliegern mit motorischem Antrieb in Frankreich.

Ein besonderes Kapitel war der aerostatischen Stabilität der Flugmaschinen, das heißt de.r Beibehaltung ihrer normalen Lage unter dem Einfluß störender Windbewegungen gewidmet. Diese Stabilität erläutert der Redner abermals an der Hand iliegender Modelle.

Zum Schluß führte der Redner die Modelle zweier typischer Flugmaschinen vor, nämlich der Zwei-Deckermaschine der Gebr. Wright und der Einflächenmaschine des französischen Konstrukteurs Bleriot. Redner erläuterte die Unterschiede der beiden und ihr Verhalten inbezug auf Stabilität. Sodann gab der Vortragende noch seiner speziellen Meinung über die Zukunft der Flugmaschine Ausdruck und meinte, daß noch im Laufe dieses oder spätestens des nächsten Jahres die Flugmaschine als Verkehrsmittel wenigstens für kürzere Strecken und bei geeigneten Windverhältnissen zur Geltung kommen werde.

Bericht über unsere Uebungen in Nippern. Der neue Apparat F. C. 11 war am 20. IV. nach dem Uebungsterrain transportiert und daselbst auch ausprobiert worden. Die Windjeschwindigkeit hatte bei östlicher Strömung 2 Meter pro Sekunde betragen F. C. 11 erwies sich in der Konstruktion sehr gut und entsprach in seinen Leistungen ganz unseren Ei Wartungen. LeiJer wurde die vordere Steuerfläche bei einem Fall des Führers beschädigt und konnte trotz sofortiger Reparatur am Platze für diesen Tag nicht wieder vollkommen brauchbar gemacht werden, so daß dieser Apparat bei den Uebungen am Nachmittage weniger gut arbeitete, als der F. C. I. Es ist übrigens natürlich gar nicht daran zu denken, daß es den Uebenden, die ja meist noch völlige Laien sind, gleich bei den ersten Versuchen gelingen wird, sich in d r Luft zu erhalten. Die Versuche haben den Uebenden wenigstens einen Begriff von der stets unterschätzten Kraft des Windes gegeben, der die Apparate, die scheinbar so leicht zu beherrschen sind, einfach mit <amt ihren Führern wie Spielzeug umherwarf. Es wird natürlich

noch etliche Bambusstäbe kosten, bis die Uebenden so weit snd, daß sie durch richtiges Verhalten wenigstens Beschädigungen der Apparate vermeiden lrrnen.

F. C. III und F. C. IV sind bereits im Bau und zwar soll F. C.III eine völlig starre Fläche erhalten, die, weil unelastisch gebaut, im Winde die gegebene Form beibehält. Ebenso F. C. IV, der jedoch im Querschnitt von links nach rechts eine von vornherein gebogene Form erhält. An dem F. C. II wird die ursp üngliche Steuerfläche, die sich gut bewährt hat, wieder hergestellt werden.

Wir bitten zum Schluß alle Teilnehmer, Führer sowohl als auch Zuschauer, die in der Lage sind, uns irgendwelche Betrachtungen von Wert oder neue An-reeungen bezüglich der Konstruktion der Apparate zu geben, dies uns unter Begründung sofort melden zu wollen, da diese Anregungen beim Bau berücksichtigt werden sollen. Auf Antrag A. Heidenreichs sollen von jetzt ab außer Sonntags auch an Wochentagen, morgens von 4—7 Uhr Flugversuche vorgekommen werden. Für Nachtquartiere ist Sorge getragen worden. Die Teilnahme an den Flugübungen b.tten wir bei dem Obmann der Gruppe I anzumelden. ris beteiligen sich zurzeit die Herren: Schräder, v. d. Borne, Beninatto, Kukol, Fr. u. A. Heidenreich, Bischoff, Metze und Steiner.

Schräder. v. Sallwürk. Leischner.

Offizielle Mitteilungen des Vereins Deutscher Flugtechniker.

Sitz Berlin.

Ehrenmitglieder: Gustav Lilienthal, Groß Lichterfelde. Orville Wright, Dayton. Wilbur Wright, Dayton.

1. Vorsitzender: Dr. Fritz Huth, Rixdorf.

2. Vorsitzender: Major von Parsev I, Charlottenburg. Schriftführer: O. Schmal-Carbur, Tempelhof. Beisitzer: Diplom-Ingenieur H. Dorner, Berlin.

Ingenieur J. Grade, Magdeburg. Ober-Ingenieur H. Rosenstein, Elbing. Ingenieur Max Schüler, Chemnitz. Vorsitzender der technischen Kommission: Ober-Ingenieur Zix, Berlin. Vorsitzender der Platzkommission: Kap ta:n z. S. a. D. von Pastau. Zuschriften sind zu richten an die Geschäftsstelle: Berlin, W. 35, Schöneberger Ufer 25.

Am Freitag den 16. April hielt der Verein für seine Mitglieder in Berlin eine Vereinsversammlung ab, die von etwa 100 Personen besucht wurde. D?r Vorsitzende Dr. Huth eröffnete die Sitzung mit einem Hinweis auf das außerordentlich schnelle Wachstum des Vereins und erteilte Herrn Ingenieur Georg Rotlgießer das Wort zu einem Vortrag über seinen Besuch in Pau. Herr Ingenieur Rothgießer berichtete über seine Beobachtungen bei den Biüdern Wright, die durch Abbildungen und Zeichnungen den Zuhörern noch besonuers verständlich gemacht wurden. Der Vortragende war zu der Zeit in Pau, zu der auch König Eduard von England den Flügen Wilbur Wrights beiwohnte. Der König der Lüfte zeigte als echter Republikaner zuerst wenig Nei.ung dem König des größten Weltreiches etwas vorzufliegen und erst die Vorstellungen seiner Freunde bewogen ihn auch, dem König von England seine Künste zu zeigen.

Ingenieur Rothgießer gab nach Erzählung dieser launigen Episode mehrere technische Details des Wright-Apparates, sowie eine Beschreibung des Flugplatzes in Pau.

Ferner berichtete der Vortragende über den Unfall des Lenkballons Jacques Faures auf seiner geplanten FahJ von Monaco nach Corsica, dessen Zeuge Herr

Ingenieur Rothgießer zufällig war. Mit einem Bericht über die letzten Fahrten Zeppelins, denen der Vortragende auf seiner Rückreise ebenfalls beiwohnte, schloß der hochinteressante und überaus beifällig aufgenommenen Vortrag.

Hierauf ergriff Dr. Fritz Huth das Wort, um den Versammelten mitzuteilen, daß die Brüder Wilbur und Orville Wright zu Ehrenmitgliedern des Vereines Deutscher Flugtechniker ernannt wurden und daß die A-nerlkaner die Ehrung mit herzlichen Worten angenommen haben. Ferner überreichte Herr Dr. Huth dem Bruder und Mitarbeiter des Altmeisters Otto Lilient) al, Herrn Gustav Lilienthal um ihn und seinen Bruder zu ehren, das Diplom für die Ehrenmitgliedschaft des Vereines Deutscher Flugtechniker.

Schriftführer O. Schmal-Carbur erstattete hierauf Bericht über den Stand der korporativen Beschickung der Frankfurter Ausstellung und der Vorsitzende der Platzkommission Kapitän z. S. a. D. von Pustau referierte über die Platzfrage.

Den Schluß des Abends bildeten die Vorführungen de*- Modelle Ingenieur Loli und Ingenieur Rothgieße s, an die sich eine ungezwungene Diskussion knüpfte, an der sich die Herren Major von Parseval, Gustav Lilienthal, Dr. Huth, Ingenieur Schüler, u. a. beteiligten. Als Mitglieder des Vereins wurden aufgenommen Lebenslängliches Mitglied Herr Arthur Müller, Berlin Ordentliche Mitglieder: Ingenieur von Blücher, Dr. Bendemann, Ober-Ingenieur Rittberger, Ingenieur Rurnpler, Halvor Teigen, Adolf Herling, Ingenieur Mascow und Otto Schüler. Als außerordentliche Mitglieder Dr. Gg. Schmidt und von Pnyjewski.

Flugtechnische Literatur.

Zu beziehen vom Verlag des „FLUGSPORT", Frankfurt a- M.

Hilfsbuch für den Luftschiff- und Flugmaschinenbau. Eine übersichtliche Darstellung der verschiedenen Konstruktionen, sowie Anleitung zur Berechnung der Leistungen und des Wirkungsgrades von Luftschiffen, Flugmaschinen aller Art und von Treibschrauben. Von Dr. R. Wegener von Dallwitz. Preis Mk. 4.—

Wie der Vogel fliegt and wie der mensch fliegen wird von Ingenieur Wilhelm Kress.

Preis Mk. 4. .

Motorballon nnd Flugmaschine von Major A. von Parseval, Berlin. Preis Mk. I.—. Fingapparate von Ingenieur Fritz Rost. Preis geb. Mk. 1.60, brosch. M. 1.20. Der Vogelfing als Grundlage der Fliegerkunst von Otto Lilientha . Preis Mk. 10. — . Leitfaden der Luftschiffahrt nnd Flugtechnik von Dr. Raimund Nimführ

Preis Mk. 12.-.

Luftkrieg von R. P. Hearne mit einemGeleitwort von Sir H.Maxim. Preis Mk. 6.—. Wie der Vogel fliegt von Milla. " Preis Mk. I.—.

Die endgültige Lösung des Flugproblems von Nemethy. Preis Mk. 2.—.

Der Fing, ein auf der Wirkung strahlenden Luftdrucks beruhender Vorgang von

Dr Emil Jacob, Kreuznach Preis Mk. 3.—.

Der praktische Fingschiffer von Dr. Wegener von Dallwitz. Preis geb. Mk. 3.—.

brosch. Mk. 2.—.

Mechanik des Vogelfluges von Major A. von Parseval. Preis Mk. 5.—.

In die Lüfte empor von Hauptmann von Krogh. Preis Mk. 1.-.

Die Luftschiffahrt von Hauptmann H. Gross. Preis Mk. 0.30.

Die Ortsbewegung der Tiere von Petigrow. Preis geb. Mk. 5.—.

brosch. Mk. 4.—.

Luftfahrten einst nnd Jetzt von F. M. Feldhaus. Preis Mk. 2.—.

Im Reich der Lüfte von A. Santos-Dumont. Preis Mk. 4.—.

Eroberung der Luft vojl Gr?f Ferdinand von ZeppePn. Preis Mk. 0.75.

Das Fingproblem und die Erfindung der Flugmaschine von Eugen Kreiß.

Preis Mk. 2 80.

Laviation, de Crete ä Crete, de Ville ä Ville et de Continent ä Continent von Ferber.

Preis Fr. 5.—.

Die Luftschiffahrt von Graf Ferdinand von Zeppelin. Preis Mk. 1.60.

Der Vogelflug von Wilh. Winter. Preis Mk. 3.60.

Luftwiderstand und Lnftfrage von Ing. Samuelson. Preis Mk. 2.—.

Flight-Velocity von Ing. Samuelson. Preis Mk. 2.—.

Resistance oi Air and the question of flying von Insj. Samuelson. Preis Mk. 2.—. Die Luftschiffahrt von A. Hildebrandt. Preis Mk. 15.—.

Motorflugapparate von Ansbert Vorreiter. Preis Mk. 2.80.

Luftreisen von Johannes Poeschel.

Der Bau von Riesenluftschtffen von Wetzel. Preis Mk. 2.—.

Aeronantischer Kalender 1909J10. Preis Mk. 3.—.


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