Zeitschrift Flugsport

Heft Nr. 6 vom 5. März 1909

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Die Zeitschrift Flugsport war die illustrierte, flugtechnische Zeitschrift für das gesamte Flugwesen und wurde im Zeitraum von 1909 bis 1944 von Oskar Ursinus herausgegeben. Über einen Zeitraum von 36 Jahren hinweg wurde in dieser Zeitschrift sowohl über die zivile als auch über die militärische Luftfahrt berichtet. Jedes Heft widmete sich in besonderen Kapiteln u.a. den Themen Segelflug, Motorflug, Luftschiffahrt, Ballonfahren, Modellflug, Luftwaffe oder Luftsport. Ebenso wurden die Bereiche Flugzeuge, Flugzeugtechnik, Flughäfen, Landeplätze sowie Flugnavigation und Luftverkehr im Inland und Ausland behandelt. Alle Seiten aus den Jahrgängen von 1909 bis 1944 sind mit Fotos und Abbildungen als Volltext in der nachstehenden Form kostenlos verfügbar. Erscheint Ihnen jedoch diese Darstellungsform als unzureichend, insbesondere was die Fotos und Abbildungen betrifft, können Sie alle Jahrgänge als PDF Dokument mit Inhaltsverzeichnissen, Seitenzahlen, Fotos und technischen Zeichnungen für eine geringe Gebühr herunterladen. Um komfortabel nach Namen, Themen und Begriffen zu recherchieren, nutzen Sie bitte die verfügbaren PDF Dokumente. Nutzen Sie bitte die kostenfreie Leseproben von Heft 17/1933 sowie von Heft 8/1939, um die Qualität der angebotenen PDF Dokumente zu prüfen.



Flugsport

.Illustrierte technische Zeitschrift und Anzeiger

für die gesamte

„Flugschiffahrt"

unter Mitwirkung bedeutender Fachmänner herausgegeben von

Oskar Ursinus, Civilingenieur.

Britf-Adr.: Redaktion und Verlag „Flugsport" Frankfurt a. M., Balinhofsplatz S.

Erscheint regelmäßig am 1. un : 3. Freitag jeden Monat i. _ : Zu beziehen durch alle Buchhandlungen. --_

Der Nachdruck unserer Artikel ist, soweit nicht mit „Nachdruck verboten" versehen, nur mit genauer Quellenangabe gestattet.

Nf. 6. Frankfurt a. M., 5. März 1909. Jahrg. I.

Internationale Luftschiffahrts=Ausstellung

Frankfurt a. Main 1909.

in.

Das Jalir 1909 wird in den Annalen der Flugteclinik eine hervorragende Rolle spielen und in späteren Jahren noch oft genannt werden. Die Flugtechniker haben sich endlich aufgerafft und sich zu einer Vereinigung deutscher Flugtechniker zusammengeschlossen. Ebenso wird der Kaiserliche Automobil-Club, welcher sicli in Gemeinschaft mit dem Aero-Club an den deutschen Luftschifferverband angegliedert hat, die Aviatik mehr denn je unterstützen. Seitens des Vereins der Flugtechniker sind mit dem Kaiserlichen Automobil-Club bereits Verhandlungen eingeleitet.

Sämtliche genannten Organisationen haben ihre Unterstützung der Frankfurter Luftschiffahrts-Ausstellung in vollem Umfange zugesagt. Mit diesen Machtmitteln, welche einer anderen Veranstaltung kaum in diesem umfangreichen Maße zur Verfügung standen, wird die Frankfurter Ausstellung Großes leisten können.

Der Garantiefond hat mit der letzten 10,000 Mark-Zeiclinung von Zeppelin die Summe von 700,000 Mark überschritten.

Die Flugpreise,

welche der Frankfurter Ausstellung zur Verfügung stehen, haben erfreulich zugenommen. Zu den bereits bekannten Preisen : Gans 10,<XX) Mark, Beit 3000 Mark, ein nicht genannt sein Wollender 10,(K)0 Mark, Kurverwaltung Scheveningen 1000 Gulden, ist dazu gekommen der Opelpreis von 25,000 Mark für denjenigen Flieger, welcher auf dem Ausstellungsgelände autsteigt, nach Rüsselsheiui

fliegt, dort landet und nach der Ausstellung zurückfliegt oder umgekehrt Die zurückzulegende einfache Strecke beträgt etwa 25 km. Der Flieger nniLl ein Deutscher sein. Die einzelnen Bestimmungen liegen noch nicht fest.

Für die Beteiligung an der Ausstellung

___-____ __ _ _sind bereits zahlreiche Anmeldungen eingelaufen. U. a. wird die bekannte Firma E. E. C. Mathis in Straßburg, welche für Deutschland den Wright'schen Flugapparat erworben hat, in Frankfurt einen Original - Wright-Apparat und einen zweiten Fiat-Wright-Apparat ausstellen.

Die Motor - Luft-Schiffahrt wird, nachdem die niederrheinische Motorluftschiff -Studiengesell-scliaft ihren Motor-Ballon auch in Aussicht gestellt hat, durch 5 Motorballons verschiedener Systeme dort auf der Ausstellung vertreten

Hauptmann a. D- Thewald.

sein.

In dem Vergnügungs-Park

werden die Marineschauspjeje^in welchen zum ersten Male Seegefechte unter Mitwirkung von Luftkreuzern mit ihren effektvollen Sprengungen zur Darstellung kommen, viel Interesse erregen.

Major vonTschudi befindet sich zur Zeit in Pau, um Wilbur Wright für die Frankfurter Ausstellung zu gewinnen. Der französische Aeroclub beteiligt sich offiziell an der Ausstellung.

Die Vertretung Tschudis wurde Hauptmann a. D. Thewald. welcher vom Vorstand zum Direktions-Assistenten ernannt wurde,

übertragen. Tliewald war frülier Militärattache und Teilnehmer am Feldzuge Deutsch-Südwest. Er hat in anerkennenswerter Weise der Ausstelliingsleitung seine Dienste zur Verfügung gestellt.

Der Flugsport in England.

(Originialbericlit unseres Londoner Korrespondenten.)

Die Versuche mit dem englischen Militäraeroplan haben endlich einmal einige günstige Resultate ergeben. Am 18. Februar gelang es dem Konstrukteur S. F. Cody, etwa KM) m weit zu schweben. Am 22. Februar flog er 200 ni mit leichtem Rückenwinde und 350 in mit Gegenwind. Der Aeroplan erhob sich dabei fast unmittelbar nach Anlauf des Motors und flog ohne jegliches Schwanken. Am 23. Februar endlich gab die Maschine einen endgültigen Beweis ihrer Brauchbarkeit, indem auch Wendlingen gelangen. Mr. Cody glaubt, dal.! er nach weiteren Hebungen und Proben an ruhigen Tagen sich auch größeren Flügen gewachsen fühlen werde und hält es für möglich, das Gewicht seiner Maschine noch um 1(K) kg zu vermindern, ohne ihre Stabilität zu beeinträchtigen. Wir sind in der Lage, unseren Lesern Cody mit seiner Maschine im Fluge am 22 Februar in nebenstehenden Abbildungen wiederzugeben. Die Abbildungen zeigen, daß neuerdings wieder Veränderungen vorgenommen sind: so sind die Seitensteuerflächen, wie sie Ferber anwandte, jetzt entfernt und durch ein hinteres Lenksteuer ersetzt worden, wie es Farm an früher benutzte. Die Bambusträger sind durch Stahl ersetzt und der Propeller durch Stahlbänder stärker befestigt worden.

Bei diesen Versuchen erweisen sich die Anlagen der Militärballonfabrik immer mehr als völlig ungenügend. Die Heraus-schaffung der Flugmaschine aus dem Schuppen ist sehr zeitraubend, in dem nassen Boden sinken die Räder der schweren Maschine ein, und der zur Verfügung stehende Platz ist auch zu klein. Der aeronautische Korrespondent der „Times" fordert daher die Regierung auf, an Stelle der Lstr. 13.750, wie sie im diesjährigen Etat ausgeworfen sind, gleich Lstr. 100.000 zu beantragen sofort mit der Neuanlage von drei Instituten zu beginnen, eins für Aeroplane, ein zweites für lenkbare Luftballons und das dritte für gewöhnliche Ballons.

Außer der Maschine Cody's baut die Militärverwaltung aber noch einen anderen Aeroplan unter Leitung der Hauptmanns Du+me in dem abgelegenen Tale von Athole in den schottischen Hochlanden. Ueber die Construction dieser Maschine wird aber absolutes Schweigen bewahrt.

Wie der Kriegsminister Haidane im Unterhause auf eine Anfrage mitteilte, haben die bisherigen Aufwendungen der Militärverwaltung für lenkbare Ballons und Aeroplane ca. 400,000 Mk. betragen. Dagegen lehnte der Minister eine Antwort auf die Anfrage ab, ob man Schritte getan habe, um den Aeroplan der Gebrüder Wright anzukaufen. Gerüchtweise verlautet, daß Wilbur

Wright noch vor seinen öffentlichen Versuchen seinen jetzigen Aeroplan der englischen Heeresverwaltung zum Kaufe angeböten habe. Die Antwort war: Zur Probe haben Sie von Adlershott 6 km weit nach dem Exerzierplatz Ewshott zu fliegen, die dortigen Positionen festzustellen, zurückzukehren und dann über die Zahl und Aufstellung der dortigen Truppen zu berichten." Wright mußte diese Probe jedoch ablehnen, da er mit militärischen Dispositionen nicht vertraut und in der Abschätzung der Truppenstärke nicht geübt war, und so wurde aus dem Ankaufe nichts.

In der letzten Woche kam auch aus Canada die Nachricht, dal.) die dortige Aerial Experimant Association Proben mit einer neuen Flugmaschine des Mr. Graham Bell gemacht habe. Die Maschine soll 3690 vierseitige Zellen enthalten und 450 kg wiegen, einschließlich des Führers und eines 50 HP Motors. Bei der Probe auf einer Eisfläche zerbrach der Propeller.

Die Anmeldungen für die Ltiftschiffahrtabteilting der Olympia-Ausstellung sind so zahlreieh eingegangen, daß der ursprüngliche

Flieger von Cody.

(In der Abbildung ist die Konstruktion des Fahrgestells sehr gut erkenntlich.)

l

Plan, 12 Aeroplane zu zeigen, hat erweitert werden müssen; es sollen jetzt 16 Aeroplane ausgestellt werden, und zwar von folgenden Firmen; Robert Esnault-Pelterie; Gobron-Brillie mit dem Bre-guet-Aeroplan, C. E. Whittaker Ltd. mit dem De Pischoff-Koecli-i'm-Aeropian, die Simms Manufacturing Company mit einein Voisin-Aeroplan, eine andere Voisin-Maschine wird J. T. C. Moore-

Brabazon ausstellen, denselben Aeroplan, den er bei seinen erfolgreichen Aufstiegen in Frankreich benutzte. Ferner die Firma Mass Cars Ltd. mit einer Delagrange-Maschine. England wird durch folgende Firmen vertreten sein: Die Wolselei Co.; Howard T. Wright; Short Bros.; Lamplough & Son und Jack Humphreys. Capitaen Windham, E. T. Wilson und Handley Page werden ihre eigenen Aeroplane ausstellen. Typen, welche auf der Pariser Ausstellung nicht vertreten waren, sind diejenigen von 0. M. Monnet und dem Miesse Petrol Car Syndicat, letzteres mit einem de la Hault-Aeroplan. Die Vereinigung der Motor-Fabrikanten steht jedoch noch mit anderen Firmen wegen der Ausstellung von Äeroplanen in Verhandlung.

Die Anlage von Uebungstätteii für Aeroplane schreitet weiter fort. Der Aero-Club hat nach sechsmonatlichein Suchen jetzt

Cody während seines Fluges am 22. Februar.

einen Platz in Shellbeach auf der Insel Sheppey an der Themse-mündung angekauft, der jeden französischen übertreten soll. Man kann dort in gerader Linie über 15 km weit fliegen, und bei Ebbe steht außerdem noch eine weite Fläche von hartem Sande zur Verfügung. Mit der Anlage von Werkstätten und Schuppen wird jetzt begonnen. Die Nähe der See will das oben genannte Mitglied des Aero-Clubs, J. Humphreys, sich dadurch zu nutze machen, daß er an den Aeroplan Wasserschotten anbringt. Ein weiteres Fliegerfeld am Strande von Essex wird von einer Gruppe von Privatleuten geplant, an deren Spitze N. Peniberton Billing steht, ein bekannter Yachtsportsmann; auf dem gewählten Platze steht ein verlassenes Fabrikgebäude und mehrere Arbeiterwoh-lumgen, die ohne grolie Kosten für die neuen Zwecke verwendet werden können.

Capitaen Windham hat sich mit mehreren Mitgliedern des Aero-Clubs nach Frankreich begeben, um die dortigen Aeroplan-Fabriken zu besichtigen. Sein eigener Aeroplan, der jetzt fertiggestellt ist, soll in lssy geprüft werden, bevor er Milte März nach

No. 6

der Olympia-Ausstellung gebracht wird. Ein anderer Engländer, Andrew Fletsclier aus Saltoun, übt sich jetzt in Pau, um sich später an den grollen Wetttliegen bei Cap Martin zu beteiligen.

Pariser Brief.

Von unserem Pariser Korrespondenten.

Die französischen Aviatiker sind wirklicli zu beneiden. Während in anderen Ländern die unermüdliche, ernste Arbeit der Flugtechniker leider noch immer mancherlei Schwierigkeiten begegnet und die öffentliche Meinung sich von der traditionellen Ungläubigkeit gegenüber allen flugtechnischen Bestrebungen noch nicht völlig frei zu machen vermocht hat, sehen wir, wie in Frankreich die Begeisterung für die Flugschiffahrt, über die direkt interessierten Kreise hinaus, in alle Schichten der Bevölkerung vorgedrungen ist, und wie man allen Bestrebungen zur Förderung der Aviationsinteressen allgemeine Sympathie und Verständnis entgegenbringt. Man bleibt auch nicht bei wohlwollenden Worten stellen, sondern zeigt Taten. Regierung und Behörden, Kommunen und Private wetteifern förmlich, durch hochherzige Spenden, durch Veranstaltung von Bewerben und durch Aussetzung namhafter Preise jene Begeisterung zu schüren und wachzuhalten. Alle jene Faktoren vereinigen sich in dem anerkennenswerten Bestreben, den modernsten Triumph, den wissenschaftliche Forschung und persönlicher Wagemut errungen, zu fördern und weiter auszugestalten.

Einen nennenswerten Schritt nach dieser Richtung bedeutet das Projekt, ein großes Versuchslaboratorium für die Flugschifffahrt zu errichten. Wie erinnerlich, hatte die französische Regierung einen Betrag von 100.000 Francs zur Förderung flugtechnischer Bestrebungen ausgesetzt und eine besondere Ministerial-Komniission damit beauftragt, diese Summe für genannte Zwecke zu verwenden. Die Kommission wandte sich an den Aero-Club de France und an die Ligue Nationale Aerienne und erbat sich von diesen beiden Vereinigungen geeignete Vorschläge. In ihrer kürzlich stattgefundenen Sitzung beschlossen nun die Vereine, die Verwendung des Betrages zur Errichtung eines Versuchs-Laboratoriums zu beantragen und es unterliegt keinem Zweifel, daß diesem Vorschlage stattgegeben werden wird. Allerdings lassen die Voranschläge einen Betrag von 200.000 Francs für den -gedachten Zweck erforderlich erscheinen, aber es wird nicht schwer fallen, den Restbetrag in den interessierten Kreisen aufzubringen. So wird also Frankreich in absehbarer Zeit eine Einrichtung besitzen, deren hoher Wert für die Entwicklung der Flugtechnik wohl unbestreitbar ist.

Außerdem werden in Frankreich eine ganze Reihe von Aero-dromen entstehen, die gleichzeitig als Versuchsterrains der Aviatiker und für regelmäßige Veranstaltungen von Flugmaschinen-konkurrenzen dienen sollen. In Cannes wird gegenwärtig im Auftrage der Societe Aeronatitique Ariel auf der Rennbahn von

No. 6 „ 1-1. UÜ5POR I ". Seite 15n

Mandelieu gleichfalls ein derartiges Aerodrom angelegt. Der rührige und um die französische Flugschiffahrt sehr verdiente Direktor jener Gesellschaft, Michel Clemencau, hofft diese Flugbahn so rechtzeitig fertigstellen zu können, daß die für den großen Flugmaschinenbewerb von Monacco bestimmten Apparate dort ihre letzten Flugexperimente vornehmen können. Das Interesse für den Aviations-Wettstreit in Monakko ist andauernd ein recht lebhaftes. Soeben ist auch aus Oesterreich ein Aeroplan durch seinen Piloten, Herrn von Ostoya - Ostaszewski angemeldet worden.

Der „Internationale Aviations-Pokal", der bekanntlich am 29. August dieses Jahres in der altehrwürdigen Krönungsstadt Reims bestritten werden wird, dürfte, soweit sich bis jetzt übersehen läßt, eine sehr starke Beteiligung finden. Bis jetzt sind bereits vom Aero-Club de France drei, vom Aero-Club von Großbritannien drei, vom Aero-Club von Amerika eine und von der Italienischen Aeronautischen Gesellschaft eine, im Ganzen also acht Nennungen, erfolgt. -

Die 8 ersten vom Aero-Club de France'bestätigten Fiugmaschinenführer.

Die französische Ligue Nationale Aerienne veranstaltet demnächst einen interessanten Bewerb. Der Pariser Gemeinderat hat ihr zu diesem Zwecke einen Betrag von 15.ÜU0 Francs und der Generalrat der Seine weitere 5000 Francs zur Verfügung gestellt. Diese Beträge sollen als Preise ausgesetzt werden für einen 10 km-Flug, wobei als Bedingung gilt, daß diese Strecke in ununterbrochenem Fluge und innerhalb weniger als 15 Minuten zu-zurückgelegt wird- Die an diesem Bewerbe teilnehmenden Piloten starten nach einander, dürfen aber das Flugfeld, einschließlich der

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Vorbereitungen zum Start, nicht länger als 30 Minuten in Anspruch nehmen. Die Zeit wird von einem fixierten Punkte an berechnet, der bereits in vollem Fluge zu passieren ist. Ferner ist bestimmt worden, dali jeder Pilot mehrere Male in dem Bewerbe starten kann, aber nicht mit derselben Flugmascliine.

In Pau ist es diese Woche lebendig hergegangen und Wilbur Wright hat hohe Gäste um sich gesehen. Nach dem König von Spanien war es der französische Minister Barthou, welch letzterer sogar einen kurzen Flug mit dem Amerikaner unternommen hat. Wright hat nunmehr seinen zweiten Apparat montiert, mit dem seine „Schüler", Tissandier und Graf Lambert, selbständige Flüge ausführen sollen- Bisher sind sie nur immer mit dem Amerikaner „mitgeflogen". Es berührt eigentümlich, daß nach den ßlätter-nachricliten Wilbur Wright seinen Eleven Tissandier „nunmehr zum Meister-Piloten" erklärt haben soll. Die Piloten-Meisterschaft wird aber bekanntlich nicht durch mündliche oder schriftliche „Freibriefe", sondern durch lange und mühevolle selbständige Betätigung erworben. Und diesen Umstand mag der kluge Amerikaner wohl auch im Sinne gehabt haben, als er sich entschloß, für die „Meisterfahrten" seiner Schüler nicht seinen Apparat herzugeben, sondern einen zweiten zu montieren. Wright selbst unternahm in der vergangeneu Woche täglich bei kaltem, aber klarem Wetter recht erfolgreiche Flüge, bei deren einem ihn zum ersten Male seine Schwester begleitete. Nach wie vor kommen zahlreiche Interessenten nach Pau, um den Experimenten des Amerikaners beizuwohnen. Auf einem Fünf-Minutenfluge führte dieser auch den Marquis de Kergariou mit sich. Die Brüder Wright haben übrigens die Einladung der Aeronautischen Gesellschaft von Großbritannien angenommen und werden sich im Laufe dieses Monats nach London begeben, um dort die ihnen zuerkannte goldene Medaille in feierlicher Sitzung entgegen zu nehmen.

Auch Henri Farman geht auf die Reise- Er begibt sich nach Wien, um dort den Aeroplan zu steuern, den er an eine österreichische Gesellschaft verkauft hat. Wie verlautet, wird bei diesen Experimenten, die sich ganz in der Nähe des Schönbrunner Schlosses abspielen werden, auch die Anwesenheit des Kaisers Franz Josef erwartet-

Im Lager von Chalons hat Moore Brabazon am Samstag mit seinem Zweidecker Flüge von 2, 3 und 5 km unternommen, wobei der Apparat eine Stabilität zeigte, wie sie bisher bei ihm nicht zu bemerken war. Ebendort setzt Welfferinger seine Flugversuche eifrig fort. Am Freitag unternahm er mit der Denia-nest'schen Maschine „L'Autoinette" einen Flug, wobei der hübsche Eindecker zu Schaden kam Der sonst so vorsichtige Pilot wollte eine etwas zu brüske Landung ausführen. Dabei stieß die Maschine mit dem Hinterteil auf den Boden und fiel dann mit solcher Wucht hernieder, daß der Rahmen zertrümmert wurde.

In lssy-les-Moulineaux ist es verhältnismäßig ruhig. Bleriot sind liier mit seinem kleinen Eindecker einige kurze Flüge gelungen, die er allerdings in beträchtlicher Höhe ausführte. Demnächst wird auch Bleriot nach Pau übersiedeln, vielleicht hat er dort mehr Glück.

Gegenwärtig ist Hauptmann Windham in Paris, um hier die Fertigstellung seines von de Piscliof konstruierten Aeroplans zu betreiben, ts ist dies ein Zweidecker, dessen Tragfläche ein Ausmaß von 56 Quadratmeter hat. Der Apparat hat einen 25 PH Motor; seine aus Holz gefertigten Propeller nach Wright'schem Muster sind aber in anderer Art, und zwar durch Ketten, befestigt. Seitliche, vermittels eines Hebels verstellbare Schaufeln sollen dem Apparat eine höhere Stabilität sichern.

Als Kuriosum sei schließlich noch erwähnt, daß die französischen Aviatiker zur leichteren Unterscheidung ihrer Apparate für das Publikum ihren „Karosserien" verschiedene Farben geben wollen. Wright hat die silbergraue, Esnault-Pelterie die rote, die Gebrüder Voisin die Natur-Firnißfarbe gewählt Rl.

Eine einfache Treibschraubentheorie.*)

1. Die Berechnung der Treibschrauben und ihres Wirkungsgrad js.

Von Dr. phil. R. Wegner v. Dallwitz.

Ganz ähnlich wie das der Tragdecken können wir das Problem der Berechnung von Treibschrauben anfassen. Wir können die Vorgänge an der Treibschraube auf die an einfachen Tragdecken reduzieren, wenn wir die spezielle Bewegungsforni der Treibschrauben berücksichtigen. (Man vergleiche „Die Tragkraft der Tragdecken etc." in Nr. 4, Seite 95 des Flugsport), Die Treibschraube bewegt sich nicht stationär, wie die Tragschraube, sondern schreitet während des Ganges in der Luft vorwärts. Wir wollen nun ermitteln, welche Treibkraft T eine Schraube entwickelt, wenn sie mit ihrer Flugmaschine mit der Geschwindigkeit V in der Luft vorschreitet, und was der Motor hierbei theoretisch und was er praktisch leisten muß.

Würden wir die Flügelflächen der Treibschrauben so formen, daß sie sich bei der Geschwindigkeit V nur in der Luft vor-schrauben, wie in einer Mutter, ohne einen Druck, eine Wirkung auf die Luft auszuüben, so müßten wir der Flügelfläche eine gewisse „Steigung" geben, eine Neigung von b Graden gegen die Ebene des Flügelkreises, die sich aus der Beziehung V 0,1045 n R tg b berechnen läßt. Hierin ist b die Neigung eines Flügel-flächenteils, der die Entfernung R von der Achse besitzt, n istdie Tourenzahl/Min. der Schraube, und 0,1045 - (2 *0 : 60, 0,1045 n R ist die Bewegungsgeschwindigkeit jedes Punktes mit der Entfernung R von der Achse in der Ebene des Flügelkreises. Jeder Punkt der Flügelfläche besitzt aber noch die Geschwindigkeit V in der Achsenrichtung, woraus folgt: tg b -=■-' V : 0,1045 n R.

Beispiel: Die Schraube habe einen Durchmesser von 2,2 m, V betrage 18 m/sek oder 65 km/Std, die Tourenzahl n sei 1400, dann wird mit Hilfe einer Tabelle für Tangens

*) Aus der demnächst im Verlage von Volckniann in Rostock erscheinenden Broschüre de. Autors dieser Arbeit „Oer praktische Flug chilfer".

für R =■- 0,30 ni der Neigungswinkel b - 22—23 Grad

0,40 17

0,50 14

0,60 11-12

0,70 10

0,80 9

0,90 7—8

1,00 7

1,10 6-7

Der Wert St 2 R 7t tg b hat an jedem Punkte des Flügels denselben Wert, bei unserem Beispiel den von etwa 0,78 m. St ist die tote Steigung oder die tote Ganghöhe der parabolischen Treibschraube, oder der Weg, den eine solche Schraube bei einer Umdrehung zurücklegen würde, wenn sie in der Luft wie in einer Schraubenmutter vorgeschraubt werden würde. Da St der Wegist den das Flugschiff bei einer Umdrehung der Schraube zurücklegt, so ist auch

St = (V : n) 60.

Die Treibschraube soll bei der Geschwindigkeit V nun aber eine Treibleistung hervorbringen, die, wie wir in dem von den Tragdecks handelndem Abschnitt (in Nr. 4 des Flugsport) gesehen haben, gleich Ni PS, gleich der „nützlichen Arbeit des achsialen Schubes" ist. Hierzu müssen wir den Flügelflächen zu der toten Neigung b gegen die Rotationsebene eine weitere Treibneigung c geben. Die gesamte Neigung der Flügelfläche beträgt dann (b + c) — a Grad.

Zur Ermittlung der Treibneigung haben wir nun zu beachten, dal.! sich jeder Flügelteil, dessen Entfernung von der Achse R ni beträgt, im Flügelkreis mit der Geschwindigkeit 0,1045 n R ni'sek, in der Achsrichtung mit der Geschwindigkeit von V m/sek, bewegt, daß er aber im Räume in jeder Sekunde einen Weg zurücklegt, oder eine1 Bewegungsgeschwindigkeit Vc besitzt, die

Vc i/V2 (0,HH5rTR)2 m/sek

zu setzen ist.

Die kleine Treibkraft t eines kleinen Teils f der gesamten Flügelfläche von F qm Inhalt können wir aus Gleichung I in Nr. 4 des Flugsport ohne weiteres bestimmen, es ist

t f Vc-' (0.52 cos c tg2 O cos b = f Vc2 A' cos b kg, neu hinzugetreten ist hierin nur der Faktor (cos b), der daher rührt, daß die Treibkraft t nicht achsial, sondern normal zur toten Steigung Sr gerichtet ist, so daß für die Achsrichtung vom ganzen Betrage der entwickelten Treibkraft nur t wirksam werden kann. Dieser Faktor kompliziert die Rechnung aber nur wenig, und macht sie nicht schwieriger.

Bestimmen wir, daßigleichelfFlächen gleicne TreibkräfteJier-vorbringen sollen, so erhalten wir als Beziehung zur JErmittlung von c, da t/f T/F ist;

(cos c tg' c) v cJh ()>52

No. 6

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oder zur bequemen Ermittlung von c aus Tabelle 1 in Nr. 4 des Flugsport

F V2c cos b

Beispiel: Für unsere Schraube sei N, -24, also T

75 Ni

V

100 kg. Den gesamten Flächeninhalt der Treibschraube können wir wieder, wie bei den Tragschrauben gleich dem fünften Teil des Flügelkreises machen; er wird dann 0,2 ■ n ■ l,r -- 0,76 gm. Der Wert T/F, die spezifische Belastung der Flügelfläche wird l(X):0,7ö 131. Wir erhalten nun mit Hilfe der Tabelle I aus der letzten Gleichung:

für R 0,3 in wird A1 0,060, also c 19 Grad, u. b c 42 Grad 0,4 0,036 15 32

0,5 0,023 12 26

0,6 0,014 9-10 21

0,7 0,013 9 19

0,8 0,009 8 17

0,9 0,(X)7 7 15

1.0 0,<X)0 6-7 14

1.1 0,(X)3 6 13 Hiermit ist die Treibschraube in ihren Dimensionen festgelegt.

Der Wert 2 R tg a oder die totale Steigung der Schraube ist auch bei der parabolischen Treibschraube einigermaßen konstant, bei unserm Beispiel gleich ca. 1,5 m Man könnte also die totalen Neigungswinkel dieser Schraube annähernd auch aus diesen Eigenschaften bestimmen, indem man a ■-■ 2 b Grad setzt, worin man b aus der Beziehung: tg b V : (0,1045 n R) leicht findet.

Jetzt wollen wir aber mal die Treibschraube zerteilen, wir wollen zwei Treibschrauben daraus machen, von denen jede Ni 12 PS leisten soll. Die tote Steigung St der Schrauben bleibt dieselbe, demnach auch die tote Ganghöhe b, nur die Treibneigung c wird anders. Nach Gleichung 13 wird A' grade halb so groß, da T auf die Hälfte, auf 50 kg für jede Schraube reduziert ist. Wir erhalten jetzt mit Hilfe der Tabelle I für R 0,3 wird A' 0,030, also c ■- 14 Grad, und b + c 36 Grad 0,4 0,01t> 11 28

0,5 0,012 9 23

0,0 0,(HI7 7 18

0,7 0,000 0 10

0,8 0;f)c>5 6 15

0,9 (),(X)4 5 13

1.0 0,(X)3 5 12

1.1 0,003 5 II

Der Wert 2 R n lg a oder die totale Steigung ist bei diesen Schrauben etwa 1,35 in, also nur wenig kleiner als bei der kräftigeren Schraube.

Zur Berechnung der notwendigen Leistung des Motors zum Betriebe der Treibsclirauben ist folgendes zu überlegen: Die Schraube selbst leistet Ni - (T V) ' 75 PS dadurch, daß sie in der

Achsrichtung mit der Treibkraft T vorwärts schreitet Diese Arbeit 11 ni 1.1 natürlich der Motor leisten. Der Motor soll aber auch alle die Flügelteilchen f unter der Treibneigung c mit der Geschwindigkeit V,. gegen die Luft in Schrntibenwindungen um die Achse der Schraube vortreiben. Solange c keine erheblich größeren Werte annimmt als 30 Grad, kann man zur Bewertung dieser Arbeit, die wir Nc nennen wollen, ohne weiteres Gleichung 3 benutzen, nach

der theoretisch Nc 1,4-==-Up PS ist. Die gesamte Motor-

übersteigen.

Beispiel: Bei unserer einfachen Schraube ist nach Voraussetzung Ni 24 PS. Hierzu kommt noch der Betrag Nr. - 1,4 100__

75-1/131= 21,4 PS. Demnach wäre Nt 24 + 21,4 oder 45,4

Pferdestärken. Der theoretische Wirkungsgrad dieser Schraube, die unter einem Arbeitsaufwand von 45,4 PS eine Nutzarbeit von 24 PS leistet, wäre demnach 24:45,4 - 0,53 oder 53 pCt. Unser Schraubenbeispiel gleicht der Treibschraube des Ferberschen Fliegers, der ca. 50 PS zum Fliegen erfordert. Das würde einem Wirkungsgrade von 24:50 oder 47 pCt. entsprechen. In der Praxis bleibt der Wirkungsgrad also nur wenig hinter dem theoretischen Wert zurück.

Bei der doppelten Schraube ist Ni ebenfalls 24 PS insgesamt, F ist aber 2 0,76 - 1,52 qm, und T:F 66. Es wird also Nc -

1,4 V6ö — 15 PS oder 7,5 PS für jede Schraube. Demnach

wird Nt 24 + 15 == 39 Pferdestärken. DertheoretischeWirkungs-grad der Doppelschraube, die 24 PS nützlicher Arbeit leistet, wäre demnach 24:39 oder 0,61 oder 61 pCt. Durch Verwendung mehrerer Schrauben spart man also an Motorkraft, wie auch der Wrightsche Flieger (dessen Schrauben aber andre Dimensionen haben) in der Praxis erkennen läßt.

Für Wright's Flieger findet man aus der letzten Gleichung N ca. 25 PS und als Wirkungsgrad i\ ca. 70"/...

Bei nicht normalem Barometerstand sind die Leistungen der Treibschrauben wie die des Gleitfliegers bis 5°'« besser oder schlechter, je nachdem der Luftdruck höher oder geringer als 700 mm ist.

Im nächsten Abschnitt wollen wir uns ausschließlich der Praxis zukehren.

Im vorigen Abschnitt haben wir die Leistungen von Treib-schrauben aus ihren individuellen Werten bestimmt. Es ist für den praktischen Flugschiffer sehr instruktiv, einige solcher Rech nungen durchzuführen, denn er lernt dadurch die Eigenschaften seiner Treibschrauben viel besser kennen, als durch mechanisches

leistung muß also den theoretischen Betrag

+ -=- Pferdestärken

2. Wellners Faustformeln für Treibschrauben.

Probieren. Für den praktischen Gebrauch sind aber Wellners Faustformeln sehr bequem (vgl. Wellner „Beitrag zur Theorie der Luftschrauben", Zeitschrift des Oesterreichischen Architekten- und Ingenieurvereins, No. 51, 1908). Mit ihrer Hilfe wollen wir noch einige instruktive Rechnungen durchführen, um ihre Verwendbarkeit zu zeigen.

Nach Wellner ist die Treibkraft einer Treibschraube T (k Nt D) % Kilogramm, worin D der Durchmesser der Schraube in Metern, Ne die Motorleistung an der Schraubenwelle und k eine Konstante ist, die zwischen 9 und 11 liegt, je nach der Güte der Ausführung der Schraubenkonstruktion. T ist die Treibkraft der Schraube. Bewegt sich der Gleitflieger mit der Fluggeschwindigkeit von V m/sek. so ist (T V): 75 die nützliche Arbeit des achsialen Schubes in PS, eine Größe, die wir in einem früheren Abschnitt Ni nannten. Nach Gleichung 3 in Nr. 4 des „Flugsport" erhalten wir deshalb

A / A ,4 y y p- Kilogramm,

woraus wir T für einen bestimmten Gleitflieger ermitteln können. Wir wollen das durch ein Zahlenbeispiel verdeutlichen. Der Gleitflieger wiege samt Flugschiffer 400 kg, und besitze 40 qm Tragdeck. Die spezifische Belastung des Tragdecks A:F ist dann gleich 10. Die Tragflächen des Gleitfliegers sollen so geformt sein, daß er bei einer Fluggeschwindigkeit von 11 m/sek oder ca. 40 kilometer/Stunde am besten fliegt. Es ist also A:V 36,4. Nun finden wir aus der letzten Gleichung als notwendige Treibkraft der Treibschraube oder der Treibschrauben T 1,4 36,4 3,16 oder 161 Kilogramm. Auf diese Weise haben wir also das T eines bestimmten Fliegers kennen gelernt. Wir müssen nun nach der vorletzten Gleichung den Gleitflieger mit einer oder mehreren Treibschrauben so ausstatten, daß die Treibschrauben die geforderte Treibkraft hervorbringen.

Um die Abmessungen dieser Treibschrauben festsetzen zu können, lösen wir zunächst die Gleichung nach N( auf, und erhalten

Nt -= JrJ/7P Pferdestärken, rv u

oder, wenn für T der gefundene Wert von 161 kg eingesetzt wird

Nt PS

Aus Wellner's Gleichung geht hervor, daß Nt, die Motorleistung um so kleiner sein darf, je größer wir den Durchmesser der Treibschrauben wählen, eine Treibschraube von doppelt so großem Durchmesser bedingt nur die halbe Motorleistung. Das stimmt mit den Tatsachen natürlich nur innerhalb gewisser Grenzen überein, denn sonst brauchten wir nur eine Schraube von sehr großem Durchmesser anzuwenden, um Ni ganz beliebig klein machen zu können, sogar kleiner als Ni zu machen, was einer perpetuummobileu Vorrichtung entsprechen würde. Die Wellnersche Gleichung, ist eben nur eine sogenannte empirische Faustformel, die nur innerhalb ihres Geltungsbereichs für Schrauben

bis 5in Durchmesser ungefähr zutrifft und gute Dienste leistet; aber aucli nur für grolle Treibleistungen, wie wir noch sehen werden. Hierauf sei ausdrücklich aufmerksam gemacht.

Setzen wir für k 10 ein, so wird für D 1 m die Motorstärke Nt -200 PS, für D 2 in wird Nt - 100 PS, und für 1.)

4 m wird Nt - 50 PS. Da die nützliche Arbeit des achsialen Schubes Nr aus (3) (in Nr. 4 des Flugsport) für unsern Flieger 24 PS beträgt, so wäre der Flugwirkungsgrad im ersteren Falle t\ -Ni Nt 0,12 oder 12 pCt., im zweiten Fall 24 pCt. und im dritten Fall 47 pCt. Da wir bei einem Gleitflieger aber nur Schrauben von wenig mehr als 2 m Durchmesser anwenden können, so niüllteii wir uns also mit einem sehr mäßigen Wirkungsgrad begnügen, wenn wir an den Verhältnissen nichts ändern könnten. Die Fahrzeuge der Praxis lassen aber erkennen, wie wir bei den Oleitfliegern gesehen haben (in Nr. 4 des Flugsport), daß man einen höheren Wirkungsgrad, so von 50pCt. etwa, erreichen kann. Die Abmessungen unseres Fliegers gleichen etwa denen des alten Ferber-Fliegers, der mit einem 50 PS Motor ausgerüstet ist, und dieser Flieger besitzt eine Schraube von 2,2 m Durchmesser, was etwa einem Wirkungsgrad von 50 pCt. entspricht. Wir müssen also bei unserm Flieger etwas verfehlt haben.

Sehen wir uns die vorletzte Gleichung darauf hin an, welche Faktoren wir darin ändern können wenn wir für D auch einen Wert von 2,2 m festsetzen, so finden wir nur den Wert von T als veränderbar. Nach unserer Gleichung für T wieder können wir T nur verändern durch Veränderung von V, der Fluggeschwindigkeit. Wir müssen V erhöhen, wenn unser Flieger besser abschneiden soll. Nun finden wir zwar angegeben, daß der Ferber-Flieger mit einer Geschwindigkeit von etwa 11 m/sek auffliegt, es ist aber zu beachten, daß dies mit Hilfe des Höhensteuers und der Massenträgheit des Flugschiffs geschieht, (Manipulationen, die das Auffliegen schwierig machen, weshalb Wright eine andere Methode des Auffliegens gewählt hat) in der Luft nimmt das Flugschiff aber eine größere Geschwindigkeit an, die bei 60 km/Std. liegt.

Nehmen wir nun eine Fluggeschwindigkeit von ca. 18 m/sek an, einer Stundengeschwindigkeit von etwa 65 km entsprechend, und formen wir das Tragdeck dieser Geschwindigkeit gemäß nach Gleichung 1 (No. 4 des Flugsports) oder der Tabelle des vorigen Abschnitts, so wird jetzt nach unserer Gleichung ungefähr T=--100 kg, und nach der nächsten Gleichung wird N= 1000:(KD). Setzen wir jetzt D 2,2 m (um die Verhältnisse wie beim Fer-ber-Flieger zu erhalten), und schätzen wir k nur auf den Wert 9, so wird Nt---'50 PS, und der Wirkungsgrad tj 26,6:50 oder etwa 47 pCt.

Verwenden wir zwei gleichartige Treibschrauben, so wird T ----- 50 kg, und entsprechend wird Nt 18 PS für jede Schraube, für 2 Schrauben also etwa 36 PS- (Im vorigen Abschnitt stellten wir als theoretischen Kraftbedarf der 2 Schrauben 39 PS. fest,) Verwenden wir 10 Schrauben, so wird T 10 und N, 1,6 PS. für jede Schraube, für alle 10 Schrauben also 16 PS. Da der Gleitflieger aber schon theoretisch zum Fliegen 24 PS. gebraucht,

so finden wir, daß Wellner's Formel für kleine Treibleistungen nicht mehr zutrifft. Solche Schrauben müssen in der umständlicheren Weise des vorigen Abschnitts berechnet werden.

Zum Schluß sei noch eine Tabelle mitgeteilt, die Weliner an der erwähnten Stelle selbst angibt, und in der die Leistungen von Treibschrauben unter verschiedenen Betriebsumständen enthalten sind.

Tabelle

Die Treibkraft T (9 Ntl))'J'» Kilogramm bei: N PS nnd D 1 1,5 2 2,5 3 4 5 Meter

5 12,o 16,6 20,1 23,3 26,3 31,6 37,0

10 20,1 26,3 31,6 37,0 41,8 50,6 58.7

15 26,3 34,4 41,8 48,5 54,7 6o,3 80,0

20 31,9 41,8 50,6 58,7 66,3 81,3 63,2

25 37,0 48,5 58,7 68,2 80,0 93,2 108,1

30 41,8 54,7 66,3 80,0 86,9 105,3 121,0

40 50,6 66,3 81,3 93,2 105,3 127,5 148,0

50 58,7 83,6 93,2 108,1 121,0 148,0 171.8

Für die Benutzung dieser Tabelle gilt das eben Festgestellte! Die Schrauben müssen für den speziellen Fall nach dem vorigen Abschnitt nachgerechnet werden.

Wie baut man sich auf billige Weise einen Gleitflieger?*)

Bei dem wachsenden Interesse, auch der weiteren Kreise, für die Flugtechnik, ist es vielen Anhängern ein Herzenswunsch, sich selbst einen Gleitflieger billig herzustellen. Die hierzu nötigen Mittel sind gering. Wir führen unseren Lesern in nebenstehender Abbildung in eine derartige schnell etablierte Fliegerwerkstätte, zu welcher weiter nichts gehört als Hobel, Säge, Hammer, Zange und der nötige Raum.

Das Haupttragdeck hat eine Spannweite von 6 m. Die Breite ist 1,5 m, der Abstand der hinteren Strebenreihe von der vorderen 1 m, der Abstand der Streben von einander 1,3 m, während er bei den beiden mittleren Streben, wo sich der Flieger mit den Armen hineinhängt, 0,8 m ist. Der Abstand der beiden Tragflächen von einander, bezw. die Länge der Streben ist 1,4 m. Die Streben haben vorteilhaft, um den Luftwiderstand zu verringern, elliptischen Querschnitt. Für die Streben ist Bambusrohr sehr empfehlenswert Eine Verbindung der Streben mit den Längs-

*; In mehreren aus Laienkreisen kommenden Zuschriften werden wir dringend ersucht, doch auch neben den wissenschaftlichen Abhandlungen dem Laien verständliche Abhandlungen succesive zu veröffentlichen, damit derselbe einigermaßen in der Lage ist, den Fortschritt auf dem Gebiet der Flugschiffahrt zu verfolgen. Wir geben diesem Wunsch nach und bitten die Flugtechniker in dieser Hinsicht Rücksicht üben zu wollen. Die Popularität der Flugschiffahrt ist deren bestes Förde rungsmittel.

spanten gaben wir bereits in No. 3 des „Flugsport" unter „Moderner Fliegerbau".

Die hintere kastenförmige Stabilisierungsfläche, der Schwanz, wird mit zwei ca. 2,5 m langen Leisten am Oberdeck und Unterdeck starr verbunden und durch Drähte mit der vorderen Tragdecke verspannt. Die Breite der Stabilisierungsfläche (parallel zu den vorderen Tragflächen) ist 1,5 m und die Tiefe 1 m, der Abstand der beiden Flächen 0,6 ni. Damit die Fläche sich etwas

Handgleitflieger.

nach oben durchbiegen kann, steht die hintere Reihe der Streben ca. 0,2 m zurück. Die vorderen Tragflächen sowie die hinteren Stabilitätsflächen werden durch diagonale Spanndrähte, wenn möglich mit Spannschrauben, fest verspannt.

Als Stoff für die Bespannung ist gewöhnlich nicht zu rauhe Leinwand, die vorteilhaft mit einem leichten Firniß undurchlässig gemacht werden kann, zu verwenden. Es ist jedoch vorteilhaft, erst ohne Firnissung den Flieger zu probieren und erst dann, wenn er nicht die nötige Tragkraft aufweist, mit Firniß undurchlässig zu machen. Die meisten Leinwandstoffe sind ohnehin genügend undurchlässig.

FahrradfJieger.

Der sehnsüchtige Wunsch, das Fahrrad fliegbar, wenn man so sagen darf, zu machen, ist schon vielfach geäußert worden. Mit derselben Geschwindigkeit wie mit dem Fahrrad die Luft zu durchfliegen, wäre das Idealste, was man sich vorstellen kann. Es sind auch verschiedentlich bereits Versuche in dieser Hinsicht gemacht worden. Das Fahrrad bildete in fast allen Fällen das

Fundament, auf welchem der ganze Flieger aufgebaut wurde. Nebenstehende Abbildung zeigt einen solchen Versuch- Die Schraube scheint richtig im Widerstandmittelpunkt des Fliegers angebracht zu sein- Hingegen liegt der Schwerpunkt des Apparates viel zu tief.

Es erscheint nicht unmöglich, da 1.1 der Flieger auf einer steil abfallenden Chausse sich wohl erheben könnte. Er wird aber sofort in stark pendelnde Schwingungen geraten und, da im vorliegenden Falle geeignete hintere Stabilisierungsflächen nicht vor-

Fahrradflieger „Puiseux" in Ouistrehain.

handen bezw. zu klein ausgebildet sind, sich überschlagen. Immerhin ist es erfreulich, dalj auch in dieser Hinsicht der Amateur sich bemüht, sein Wissen auf flugtechnischem Gebiete zu bereichern.

Der in der Abbildung dargestellte Flieger ist von Puiseux in Ouistrehain konstruiert. Der Aviatiker hat mit diesem Flieger bereits Flüge bis zu 15 m ausgeführt. Puiseux will sich mit seinem Apprarat bei den 50 m Flug-Konkurrenzen, die für eine Flugrnaschine- ohne Motor ausgesetzt sind, beteiligen.

Die Flugtechnik in Amerika.

Von verschiedenen Seiten hört man den Ausdruck des Befremdens darüber, da 1.1 in Amerika, trotz der bemerkenswerten Eifolge, die Wilbur Wright früher schon in seiner Heimat im Staate Ohio und gegenwärtig in Frankreich mit seinen Flug-

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„ FLUOSPOR T".

No. 6

maschinell erzielt, die Idee des Maschinenfluges nicht überall der erwarteten Sympathie begegnet. Diese Anschauung beruht auf einer oberflächlichen Beurteilung der Verhältnisse. Im Gegenteil regt es sich in den Vereinigten Staaten allenthalben und wenn auch zunächst die Bewegung zur Förderung der Flugtechnik nicht allgemein öffentlich in die Erscheinung tritt, so ist sie nichtsdestoweniger eifrig an der Arbeit und es.ist vorauszusehen, dal.) auch die Amerikaner in absehbarer Zeit in beachtenswerter Stärke auf dem Plane erscheinen werden. Allerdings hat die unverständliche Stellungnahme des Kongresses in Washington, der die beantragte Subvention zur Förderung der Aviation abgelehnt hat, die interessierten Kreise zunächst verstimmt. Aber, wie Eingeweihte versichern, ist auch in dieser Angelegenheit das letzte Wort noch nicht gesprochen und es unterliegt keinem Zweifel, da Ii die gesetzgebende Körperschaft ihren ersten Beschluß baldigst revidieren wird. Inzwischen setzen sich die Bestrebungen zugunsten der Aviation in ungeschwächtem Malie fort- Allenthalben bilden sich Vereinigungen und Interessengemeinschaften; in aller Stille arbeiten Erfinder und Konstrukteure, und die Begeisterung für die Flug-technik ergreift immer weitere Kreise. "So hat ein Farmer in der Nähe von Canton, im Staate Ohio, mit Namen Martin, einen Eindecker gebaut, von dem man viel Lobenswertes berichtet. Auch der Motor ist von dem Erfinder selbst oder wenigstens nach seinen Angaben konstruiert. Man wird demnächst Näheres über diesen Apparat hören. In Baddeck hat Mac Curdy mit dem Bell-Aeroplan einen Flug von 47* Meile ausgeführt.

Flugtechnische Rundschau.

Inland.

Flieger voii Klösterlein. In Köln wird zur Zeit in der Bau- und Kunstschlosserei von Jacob Welches, Alteburgerstraße '32, ein Flieger gebaut, welchen der Polizef-kommissar von Klösterlein konstruiert hat. Der Flieger ist 6 m breit und 6 m hoch.

Flieger von Kliisterleiii.

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Die Länge ist 20 m, die gesamte Tragfläche 24 qm. Das Gewicht beträgt 380 kg. Der Apparat besitzt 4 Hubpropeller und zwei Propeller für den Vorwärtsbetrieb. Zum Antrieb der Propeller dienen zwei 24 PS Antoinette-Motore. Das Modell des projektierten Fliegers zeigt beistehende Abbildung.

Flieger von Bourcart. J. J. Bourcart in Colmar in Elsaß hat einen Schwingenflieger gebaut, bestehend aus 4 Flügeln, die wie bei der Libelle bewegt werden. Der Flieger wird von 2 Männern, die hinter einander in dem Apparat stehen, so in Bewegung gesetzt, daß, wenn das hintere rechte Flügelende niedergedrückt wird, zu gleicher Zeit das linke vordere Flügelende nach unten geht und umgekehrt. Die

Betätigung dieser leistungsfähigen Apparate erfordert große Uebung. Die Bedienungsmannschaft brauchte zur Erlangung des gleichmäßigen Arbeitens ca. 6 Wochen. Bourcart flog mit seinem Flieger bis zu 200 m in einer Höhe von 1,5 m.

Der Preis des kompletten Fliegers beträgt 1500 Mark, das Gewicht 50 kg, die Gesamttragfläche 16 qm. Die Vorwärtsgeschwindigkeit ist etwas schneller wie die eines laufenden Menschen.

Flieger Santos-Dumont. Santos-Dumont hat seine Libelle umgebaut. Die nebenstehenden Abbildungen zeigen den Flieger in seiner neuen Form. Statt des früheren 24 PS Antoinette-Motor ist jetzt ein 18 PS Motor von Dutheil und Charlmers verwendet worden. Der Antrieb der hölzernen Schraube erfolgt nicht mehr wie früher, dureh Riemenübersetzung, sondern dieselbe ist jetzt direkt mit dem Motor gekuppelt. Der Motor besitzt gekühlte Auspuffventile. Bei dem früheren luftgekühlten Motor vorgenannter Type wurden die Auspuffventile nach kurzer Betriebsdauer fas' rotglühend. Der Kühler ist, wie aus der Rückansicht

Flieger von Bourcart.

Ausland.

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des Fliegers ersichtlich, um den Hauptträger, auf welchem das Schwanzsteuer montierl ist, gruppiert. Die Spannweite des Fliegers ist 5,50 m, die Qesamttrag" fläche 12 qm. Das Totalgewicht des kompletten Apparates beträgt 140 kg.

Flieger von Santos = Dumont. (Vordeia sieht.)

Flieger von Santos - Dumont. (Rückansicht)

Wilbur Wright hat bei einem Aufstieg, welchen er mit dem spanischen Oberst Vivez unternahm.'.einen Unfall erlitten. Beim Starten von der Schiene schob sich eine Traverse in das hintere Vertikalsteuer und zerbrach dasselbe. Die Reparatur dürfte in einigen Tagen beendet sein.

ßlerlot ist mit seinem Monoplan nach Buc gezogen, wo bereits Esnault Pelterie Flüge ausführt. Der Schuppen von Bleriot in Issy ist von Santos Dumont bezogen worden.

In Ungarn beginnt man gleichfalls der Flugtechnik Beachtung zu schenken,

Unter dem Vorsitz des bekannten Sportmannes Graf Alexander Andrassy hat sich ein Komitee sur Förderung der Flugtechnik gebildet. In der Hauptsache sollen auslandische Konstrukteure mit ihren Fliegern, wie Zipfel, herangezogen werden.

Nu. 6 „ i-'l. U O S PO H ']'". Seite 1

Flieger Robert Esnault-Pelterie, welcher durch Guffry gesteuert wurde, hat sich bei einem 400 in Fluge ;.m 17. Februar durch Aufstoßen eines Flügeledde; überschlagen. Der Flieger hatte hierbei eine Geschwindigkeit von 80 km pro Stu i.Je. Der Führer blieb unverlelzt. Ebenso wurde der Apparat fast gar nicht beschädig).

Flieger Robert Esnault Pelterie.

Baron de Caters setzt die Experimente mit seinem Aeroplan in Brecht, in der Nähe von Antwerpen, mit gutem Erfolge fort. Am Freitag führte er einen Flug von 300 Metern in 10 m Höhe über einem Kiefernwalde aus. Baron de Caters konstruiert gegenwärtig einen neuen Zweidecker, der 210 kg leichler als sein ietztger Apparat sein wird. Die ersten Versuche mit dieser Maschine werden im Laufe des Monats März vorgenommen werden.

Flieger William Martin, Canton (Ohio). William Martin hat einen motorlosen üleittlieger konstruiert, mit welchem er Flüge von 50 bis 80 m ausgeführt hat. Zur Erhaltung des Gleichgewichts ist ein Stabilitätssteuer vorgesehen.

Seasate-Larios in Buenos-Aires hat einen Schwingenflieger konstruiert, welcher auf dem Prinzip des Ruderfluges basiert.

Flieger von Breguet. Breguet hat mit seinem Flieger (siehe diesen in „Flugsport" Heft 2 auf Seite 39) einem kombinierten Schrauben- und Drachenflieger" auf dem Felde bei Lille drei gelungene Flüge von 3500— 8000 m in durchschnittlich 6 m Höhe ausgeführt. Der Flieger von Breguet besitzt bekanntlich zwei 4 flügelige Schrauben. Zur Zeit schweben Unterhandlungen mit einer englischen Gesellschaft behufs Ankaufs.

Ein französischer Militäraeroplan wird gegenwärtig auf Rechnung der Regierung in einer großen Werksfälte in Havre gebaut. Er ist ein Zweiflächenapparat, dessen Form dem Wrightschen System gleicht, aber dessen Steuerung im wesentlichen dem Biplan Farman ähnelt. Der Flugapparat wird mit einem 100 HP-Motor ausgestattet. Das Gewicht des Motors darf nicht ein Kilogramm per Pferdekraft

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überschreiten. Die ersten Versuche des. Aeroplans werden in einigen Wochen beginnen.

Flieger von R. Ravaud. R. Ravaud baut zur Zeit einen Mehrdecker mit staffeiförmig hintereinander liegenden Tragflächen. Die Profilierung der Tragflächen ist sehr gut durchgearbeitet. Zum Antriebe des Apparates dieni ein 50 PS Qnorn-

Flieger von R. Ravaud.

Motor, welcher zwei hintereinander liegende Propeller antreibt. Die Steuerung soll durch Versetzung der Schraubenachsen bewirkt werden. Die Länge des ganzen Fliegers ist 8,5 m die Höhe 2,20 m. Die Spannweite des Fliegers ist 3,25 m. Da der Flieger auf dem Wasser starten soll, wird er mit Schwimmern versehen.

Flugpreise.

Bleichröder 10,000 Mark Preis. James v. Bleichröder hat dem Kaiserlichen Automobilklub einen Preis von 10,000 M. übergeben, mit der Bestimmung, daß im Jahre 1909 und 1910 derjenige Aviatiker den Preis erwirbt, der mit einer Flugmaschine den Umriß des Starnberger Sees umfliegt und ohne Zwischenlandung zum Ausgangspunkt zurückkehrt. Die Länge des Fluges beträgt 44 bis 50 Kilometer, der Preis ist für die internationale Bewerbung ausgesetzt. Der Repräsentantenausschuß des Kaiserlichen Automobilklubs wird demnächst die näheren Bestimmungen festlegen. Dem bayerischen Automobilklub, der für alle Veranstaltungen automobilistischer Natur für das Königreich Bayern zuständig ist, obliegt die Ueberwachung der Konkurrenz. Auch dieser Preis stellt an die Flugtechniker so enorme Forderungen, so daß wenig Aussicht besteht, daß derselbe nach dem jetzigen Stand der Flugtechnik in Deutschland überhaupt gewonnen werden kann. Was nützen den Flugtechnikern die schönen Preise, wenn sie sich nicht darum bewerben können. Ein Ermunterungspreis, und wenn er nur 5000 Mark beträgt, wird die Flugtechniker viel e! er snspornen, sich an dem Wettbewerb zu beteiligen.

Es wäre dringend zu wünschen, wenn die Kommission, im vorliegenden Falle beim Bleichröderpreis, sich den Verhältnissen anpassen würde und statt des ganzen Preises von 10,000 Mark, mehrere kleine Preise abgeben würde. Unseren Flugtechnikern wäre tatsächlich hiermit viel mehr gedient.

100,000 Dollar Preis hat W. R. Tankin für eine Fliegerfahrt von Kanton-Cleveland und zurück ausgesetzt.

Ein Suhülerpreis für Wrightflieger ist von dem Syndikat Weiller ausgeschrieben worden. Auf dem Aerodrom in Cannes werden sich im August die Jünger Wilbur W"ris;ht5, i begriffen der Vertreter des Syndikats Michel Clemenceau, in der Lenkung des A-roplans messen. Man spricht auch davon, dali die Begleiterin Delagranges, Fräulein Peltier, und die Qattin des Ingenieurs Surcouf unter die Aviatiker gehen und in Kürze Unterricht nehmen werden. Es sind Preise von 8000, 6000 und 1000 Francs festgesetzt worden.

Patentwesen.

Deutschland.

Patentanmeldungen.

No. 77h. D. 20203. Flügel für Luftschrauben. P. F. Degn, Bremen, Lobbendorf, rstralie 7. 24. 6. 08

No. 77 h. L 25050. In die Achse von Propellerschrauben für Luftschiffe, Motorboote, Vemilatoren usw. mit entgegengesetztem Kurbel-Drehsinn eingebauter Motor Guido Wünsch, Schloßpl. 9 und Hans Lewald, Maxstr. 2, Chemnitz. 25. 10.07.

No. 77 h. L. 26 565. Gegen Blitzgefahr gesichertes Luftschiff. Dr. Paul Lehmann, Berlin, Heilbronnerstr. 3. 13. 8. 08.

Patenterteilungen.

No. 77h. 208215. Schraube für Flugmaschinen, Luftschiffe u. dergl. Adolf gen. Arthur Hein, Düsseldorf, Liebigstr. 20. 6. S 07. H. 41 370.

No. 77h. 208216. Sackiörmiger, außerhalb der Gondel hängender Ballastbehälter für Luftfahrzeuge. Emil Zimmer, München, Ricliildenstr. 60. 18. 9. 07. Z. 5453.

No. 77 h. 208217. Luftschiff, dessen Tragkörpe eine flache Gestalt besitzt, die durch Streben erhallen wird. Pju; Veeh, Elber eld-Grenze. 13.12,07. V. 7548.

No. 77h. 208 218. Flugmaschine mit unter Federwi kung stehenden, zum Absprung dienenden Kippstützen. Josef Deixler, Haag, Niederld. Vertr.: E. v Niel'ien, Pat.-Anw., Berlin W. 15. 30. 5. 08. D. 20 102.

No. 77h. 208219. Schraubenflügel für Flugmaschinen. Rudolf Chillingworth, Nürnberg, Ostbahnhof. 16. 6. 08. C. 16867.

England.

(Anmeldungen vom 8. bis 20. Februar 1909.)

No. 3144. Samuel Franklin CoJy, Verbesserungen an Schraubenpiopellcni, rotierenden Fächern usw. für Flugmaschinen.

No. 3202. James Means, Verbesserungen am Kontrollapparat für Flugmaschinen (in den Vereinigten Sta.ten angemeldet 2. März 1908).

No 3412. Reuben Tucker, Market Street, Watford: Flugapparat.

No. 3455. Charles Ebene/er Richardson, 46, Cherry Bank Rd., Sheffield: Verbesserungen an Drachenfliegern.

No. 3503. George Gatton Melhuiss Hardingham, Clun House, Surrcy Street, London (für Paul Konstantinovich Browd, Rußland): Verbesserte aero lautische Maschine.

No. 3535. Wynford Brierley, Parkstone, Coombe Rd., New Maiden, Surrcy: Verbesserungen an Luf schüfen.

No. 3616. Leslie Sidney Kear, 165, Queen Victoria Street, London: Lenkbare Flugma chine.

No. 3645. John Law Garsed, Verböserungen an rotierenden Propellern für Luftmaschinen und Dampfschiffe.

No. 3 97. Louis Rottenburg, Verbesserungen an Aeroplanen. No. 3728. Vyvyan Henrv Donnnithorne. 76, Queen's Gate' London, Verbesserungen an Radiatoren und Kontrollplanen für Luitschiffe.

No. 3837. Leonard Francis Dureil, 62 St. Vincent Street, Glasgow: Verbesseiter Aeroplan und Lufteisenbahn.

No. 3908. David Francis Rourke, Verbesserungen an Luftschrfen.

Seite 173

FLU 0 S P O R T"

No. 3932. Paul Friedrich Degn, Verbesserungen an Flugmaschinen (in Deutschland angemeldet am 24. Juni 1908).

No. 3962. John George Herbert Batchelor, Grafton Stechford, Birmingham: Verbssserungen an Flugmaschinen.

No. 3965. Sidney Herbert Holland: Verbesserungen anAeroplanen und selbst-ständ'gen Hülfsapparaten zum Abfl egen.

No. 4006. Heinrich Rosenberg, Verbessertes Verfahren, um Explosionsstoffe von Luftschiffen zu schleudern.

No. 4097. William Charles Vincent, 18, Hervord Street, Coventry: Verbesserter Propeller für Luftfahrzeuge.

No. 4217. Theodor Zorn: Luftschiff.

Vorrichtung zur Bestimmung der Fahrtrichtung von Luftfahrzeugen. )

Die Erfindung bezieht sich auf eine Vorrichtung zur Bestimmung der Fahrtrichtung von Luftschiffen, bei welcher in bekannter Weise die Erdoberfläche durch Spiegel beobachtet wird, und besteht darin, daß das Visierinstrument außerdem eine freie Durchsicht gestattet, und d ß im Visierinstrument Strichmarken angebracht sind.

Die Vorrichtung besteht in einer Doppel Visiereinrichtung, welche um eine vertikale Achse drehbar ist, und welche es gestattet, durch ein Fernrohr, das durch Gewichtsheschwerung oder sonstwie in vertikaler oder annähernd vertikaler Lage gehalten wird, die scheinbare horizontale Verschiebung der auf der Erde beündlichen Gegenstände infolge der Ballongeschwindigkeit zu beobachten. Das in dem senkrecht nach unten gerichteten Fernrohr entstehende Bild wird durch ein Glasprisma p oder einem Spiegel in Okular des horizontalen Fernrohres geworfen, und zwar in der

Weise, daß dieses Bild nur das halbe Gesichtsfeld des Fernrohres mit horizonlaler Achse bedeckt. Im Gesichtsfelde des Prismas sind Linien in derWeise angebracht, daß sie in Vertikalebenen, die parallel zur Achse des horizontalen Fernrohres verlaufen, sich befinden. Bei der Bewegung des Ballons werden nun die Gegenstände auf der Erde das Gesichtsfeld des Prismenfernrohres durchlaufen und man hat nur nötig, das horizontale Fernrohr so lange zu drehen, bis die Bewegnngsrichtung der Gegenstände auf der Erde mit der Richtung der im Prismenfernrohr angebrachten Linien zusammenfällt. Dann befindet sich die Achse des horizontalen Fernrohres genau in der Richtung der Bewegung (rückwärts oder vorwärts) des Luftschiffes. Man kann durch diese Einrichtung dauernd den Punkt am Horizont bestimmen, auf welchen der Ballon sich infolge der kombinierten Bewegung aus Eigengeschwindigkeit und aus Windgeschwindigkeit hinbewegt.

Patent-Anspruch: Vorrichtung zur Bestimmung der Fjhrtri.hlung von Luftfahrzeugen, dadurch gekennzeichnet, daß in einem unmittelbare Durchsicht gestaltenden Visierinstrument die sich unter dem Luftfahrzeug scheinbar fortbewegenden Gegenstände auf der Erde durch Spiegelung erkennbar gemacht werden und die Einstellung des Visierinstruments in die Fahrtrichtung mittels im Visierinstrument angebrachter Strichmarken ermöglicht wi d

Luftschraube.**)

In der nebenstehenden Abbildung wird eine Luftschraube dargestellt, mittelst welcher eine möglichst große Auftri bs- oder Hebewirkung erreicht und die hauptsächlich in Verbindung mit einer Flugmaschine, Ballon etc. verwendet werde i soll.

Das Eigenartige an der Konstruktion ist die Ausbildung der Schraubenflügel, durch welche bei der Drehung eir.e starke Luftreaktion erzeugt wird, die die Hervorrufung einer beträchtlichen Auftriebskraft des betreffenden Fahrzeuges zur Folge hat.

Jeder einzelne Flügel besteht aus mehreren Schaufeln, die so angeordnet sind, daß sich ihre hinteren Ränder überragen. Hierdurch wird die durch die Drehung der Flügel nach außen gedrängte und zusammengepreßte Luft von den Schaufeln festgehalten, so daß sie infolgedessen einen Druck gegen die Schaufel ausUber muß.

?) D. R. P. No. 204239 Siemens-Schuckertwerke, G. m. b. H. in Berlin. **) D. R. P. No. 203 785, Louis Galhmann in Washington.

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Seite 17<l

In der Mitte der Luftschrauben ist eine Narbe angeordnet, welche mit den Flügeln fest verbunden ist. Der mit 17 bezeichnete Teil des Apparates soll den

Körper der Flugmaschine darstellen, dessen Antriebsmotoren zum Drehen der Luftschraubenwelle oder -wellen mit 19 angedeutet sind.

Bei schneller Drehung der Luftschrauben ergibt sich ein Unterschied zwischen dem Druck auf die obere und untere Seite der Schaufeln, der dem Propeller eine hebende oder treibende Kraft gibt.

Die hohe Wirkung der Luftschrauben ruht auf der Anordnung der Kombination der über-einandergelegten Luftschaufeln und der dieselben umgebenden Abschluß wand. Die unter atmo-phänischem Druck an dem vorderen Teil zwischen die Luftschrauben eintretende Luft wird infolge der Drehung der;Flügel durch die Zentrifugalkraft gegen die Abschluß wand gepreßt und wird daher bevor sie die Austrittsknnäle an dem hinteren Teii der Luftschauf In nach unten verläßt, komprimiert. Wenn diese komprimie:te Luft aus den Ausströmungskanälen nach unten hin austritt, entsteht eine Reaktionswirkung, wodurch der Propeller in entgegengesetzter Richlung zu dem austretendem Luftstrom, getrieben wird. Die Luftschaufeln sind nach außen hin geneigt angeordnet, so daß beim Rotieren derselben die Luft, welche infolge der Zentrifugalwirkung in horizontaler Richtung nach außen strömt, gegen die ihr den Weg versperrenden Schaufeln drückt und die Triebkraft des Propellers erhöht.

Die oberste Luftschaufel reicht über die hintere Kante der unteren Luftschaufel hinweg und die hintere Kante der Luftschaufel reicht weiter nach unten als die der darunter angeordneten Luftschaufeln. Dadurch wird verhindert, daß beim Rotier.-n die Luft aus den Schaufeln seitlich herausgeschleudert werden kann.

Es würde nichts ausmachen, wenn die vorderen Ränder der Schaufeln nicht senkrecht übereinander liegen. Sie können auch derart schräg übereinander liegen, daß die weiter untenliegenden Schaufeln gegenüber den weiter oberliegenden an den Vorderrändern zurückstehen.

CN-L

Verschiedenes.

lieber die internationale Luftwettfahrt New-York—Albany, die in Verbindung mit dem 300. Jahrestage der Entdeckung des Hudson-River im Herbst d. Js. stattfinden soll, wird gemeldet: Zu der Wettfahrt, welche von der Erie-Station in Jersey-City (gegenüber New York, am westlichen Ufer des Hudsonflusses) aus angetreten wird, sollen alle modernen Verkehrsmittel, lenkbare Luftballons, Aeroplane usw. zugelassen werden. Die Fahrt wird möglichst genau über die Strecke gehen, welche Robert Fulton vor 100 Jahren mit dem ersten Dampfer „Clermont" in 32 Stunden zurücklegte. Die Vorbereitungen der Wettfahrt hat der Aero-Club von Amerika, No. 12, 42. Straße. New Vork (Präsident Cortlandt F. Bisliop) in die Hand genommen. Jedes Luftschiff ist mit zwei Personen zu bemannen, indes können auch „Passagiere" zugelassen werden. An welchem Tage der Start stattfindet, ist noch unbestimmt, da dies vom Winde abhängt. Die Fahrzeuge müssen innerhalb eines Umkreises von fünf Meilen vom Kapitol landen, doch sind Zwischenlandungen erlaubt. Sieger wird der, der die kürzeste Zeit vom Auf- zum Abstieg gebraucht hat. Der Start soll möglichst am 1. Oktober, am Tage der großen Schiffsparade auf dem Hudson erfolgen.

In Marseille, das sich immer mehr zum zweiten Hauptquartier der franzö-i-schen Aviatiker herausbildet, beginnt Leutnant Magnan einen Aeroplan zu bauen, der mit ei em Dreizylinder-Anzani-Motor ausgestattet wird.

Einen neuen Flugmaschiiienmotor beabsichtigt die A. E. Q. zu bauen. Der Motor, welcher in der Automobilfabrik in Oberschöneweide gebaut wird, soll keine Wasserkühlung sondern nur Luflkühlung erhalten.

In Toulon hat sich eine Oesellschaft „Union Francaise Aerienne" konstituiert, welche Erfinder von aussichtsreichen Flugmaschinenkonstruktionen finanziell unterstützt.

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.FLUGSPOR T."

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Motor von Dutheil und Chalmers. Ergänzend an unseren bericht über die französischen Flugscliiffmotore geben wir in nebenstehender Abbildung den Motor von Dutheil und Chalmers in verschiedenen Ansichten. Genannie Firma baute früher den Motor hauptsächlich nur mit Luftkühlung. Auch in Deutschland sind verschiedene dieser Motore gelaufen. Es stellte sich heraus, daß die Luftkühlung nicht dazu ausreichte, die Ventile so zu kühlen, daß ein Dauerbetrieb möglich war. Die Besitzer dieser Motoren waren gezwungen, besondere Einrichtungen für die Kühlung der Ventile vorzusehen.

Neuerdings baut genannte Firma nach dem gleichen Prinzip 4-Zylinder-Motore, welche effektiv 60 PS leisten sollen. Das Oewicht dieses Motors betraut 120 kg. Die Details sind in nebenstehender Abbildung in den verschiedenen Ansichten sehr gut zu erkennen.

Zur Förderung der Deutschen Flugschifffahrt. Unter diesem Namen wird in letzter Zeit von einer Zeitung, welche sich ,1m Reiche der Lüfte" nennt, für eine Sammlung Propaganda macht. Das „Berliner Komitee zur Förderung der deutschen Flugschiffahrt", so netint sich dieses Unternehmen, sucht durch große Versprechungen Geldbeträge zusammeln. Die Förderung soll weiter durch Zuweisung von Eintrittsgeldern einer sogenannten ständigen Ausstellung für Luftschiffahrt, welche im Industrie-Palast Johannishof eröffnet werden soll, erfolg n. Von einem Versuchsgelände ist bis jetzt noch nichts bekannt. Ebenso dürfte die projektierle Ausstellung, wenn sie Uberhaupt s attfindet, ein klägliches, mindestens unvollkommenes Bild dars eilen. Die Flugtechniker, die an und für sich mit finanziellen Schwierigkeiten durch den Bau ihrer Apparate zu kämpfen haben, werden wohl selbst einsehen, daß es zwetklos ist, in einer derartigen von privater Seite inszenierten Ausstellung auszustellen und noch Geld für Platzmiete zu zahlen.

In dem Komitee befinden sich viele Personen mit hoebklingenden Namen, die wohl zum großen Teil selbst nicht wußten, worum es sich handelte. Wie wir hören, haben sich bereits mehrere dieser Herren zurückg; zogen

Versicherungsprämien für Aviatiker. Französische Versiehe: ungsgesellschaften haben bereits Tariie für aviatische Unfallversicherungen aufgestellt. Die Prämien sind außerordentlich hoch bemessen, so ho h, i aß die Versicherungsgesellschaften Anspruch auf einen Höhenpreis hätten. So beträgt zum Beispiel die Jahresprämie bei körperlichen Verletzungen dritter Persone i bis zu einer Maximalsumme von 20.000 Frank per schädigendes Ereignis 500 Frank. Für Unfälle in den angrenzenden Ländern erfährt die Prämie eine 50prozenti e Erhöhung (das sind also 750 Frank per Jahr), für das übrige Ausland ist die Jahresprämie mit 1000 Frank festgesetzt. Für körperliche Verletzungen, die den Aviatiker selbst betreffen, beträgt der Prozentsatz 8 Prozent des zur Versicherung gelangenden Kapitals.

MiiLdi- vuii Oiilheil und Chalmers.

No. 6

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Die Gemeindeverwaltung von Chartres hat die Errichtung eines Aerodroms in der Nähe dieser Stadt beschlossen, das schon im April der Benutzung übergeben werden soll. Ferner setzte die Stadt ansehnliche Preise für Aeroplanbewerbe aus.

Die Ffugschiffahrts-Industriellen Frankreichs haben sich dieser Tage zu Paris zu einer besonderen ..Union" konstituiert und haben den Vorsitz in der neuen Vereinigung Herrn Robert Esnault-Pelterie übertragen, Von bekannteren Persönlichkeiten, die dem Vorstande angehören, seien die Herren Clement (Bayard-Clement), Mallet (Societe Zodiac), Michel Clemenceau (Societe Ariel) genannt. General-Kommissar der vom 5. bis 17. Oktober in Paris stattfindenden aeron utischen und Aviations-Ausstellung ist Robert Esnault-Pelterie.

In Türkismühle a. d. Nahe werden Versuche mit einem Aeroplan gemacht. Er ist nach dem Vorbild der Wright'schen Bauart aus Holzstreben, die mit Klavier-saitendrählen verspannt sind, gebaut. Vor einigen Tagen wurde der erste Flugversuch gemacht und zwar, weil der Antriebmotor noch fehl', durch Andrehen der Schraubenflügel mit der Hand, zu welchem Zwecke mehrere Personen mitfahren mußten. Der Versuch gelang insofern, als etwa 20 Meter bei einer Flughöhe von 2 Meter zurückgelegt werden konnten. Wenn weitere Versuche besser glücken, will der Erfinder einen Motor einbauen lassen.

Vereinsnachrichten.

Der Verein Deutscher Flugtechniker hielt am 23. Februar im Restaurant „Großer Kurfürst", Berlin, seine zweite Vereinsversammlung ab. Der Vorsitzende des Vereins, Dr. Huth, eröffnete die Sitzung und begrüßte u. a. den Bruder des hochverdienten verunglückten Altmeisters der Flugtechnik, Gustav Lilienthal, ferner Zivil-Ingenieur Ursinus-Frankfurt a. M, dessen Bestrebungen dahin gerichtet sind, einer Zersplitterung der Flugtechnik vorzubeugen, sowie Hauptmann Thewald, Direktions-Assistent der Frankfurter Lultschiffahrts-Ausstellung. Thewald wird bemüht sein, in Frankfurt die Interessen der Flugtechnik nachdrücklichst zu vertreten.

Während der Versammlung erklärten 26 Personen ihren Beitritt.

Nach Eintritt in die Tagesordnung erfolgte die Verlesung der Vereinssatzungen, die voraussichtlich noch einer Ueberarbeitung durch den Syndikus des Vereins, Rechtsanwalt Dr. Eschenbach, unterliegen werden, ergab folgende Zwecke und Ziele: Förderung der ausübenden Flugtecbnik in Deutschland unter Ausschluß des wirtschaftlichen Geschäftsbetriel es in irgend einer Form, Einrichtung von Flugversuchs-und Uebungsfeldern, Unterstützung von Unlernehmungen, die die Errichtung solcher Uebungsfelder anstreben, Einrichtung von Versuchslaboratorien, Beschafiung geeigneter Motoren nnd Propeller, Gründung von Bezirksvereinen, Anschluß an bereits bestehende Vereinigungen, die ähnliche Zwecke und Ziele verfolgen, Versuche mit Flugmaschinen zur Verwendung für Heereszwecke, Beschaffung von Preisen für interne Wetlbewerbe.

Als 1. Vorsitzender wurde Dr. Huth bestärigt, während der Posten des 2. Vorsitzenden vorläufig noch unbesetzt blieb. Als Kassier und Schriftführer wurde Herr O. Schmal durch Akklamation bestätigt. Als Beisitzer des Vorstandes wurden die Herren Ing. Schüler, Grade, Dorner und Rosenstein-Elbing vorgeschlagen und gewählt.

Hiernach erstat.ete der rührige Geschäftsführer O. Schmal Bericht über die bisherige Tätigkeit des Vorstandes, welcher sich ganz besonders mit der Platzfrage und mit der Beschaffung der nötigen Mit el zur Einrichtung eines Uebungsfeldes befaßt hat.

Auf Vorschlag des Vorstandes wurde einstimmig Gustav Lilienthal zum Ehrenmitglied des Vereins gewählt. Weiter durch Zuruf eine Platzkommission, bestehend aus den Herren Kapitän zur See von Pustau, Schmal, Jaeckel, Willy Schulze und B. von Lengerke gewählt, welcher Vorschläge und Auswahl eines geeigneten Uebungsfeldes zur Aufgabe gemacht wurden.

Eine kurze Umfrage unter den Anwesenden ergab unter ihnen die stattliche Anzahl von nicht weniger als 17 Konstrukteuren und Erbauern von Flugapparaten, so daß also der Verein Deutscher Plugtechniker mit Fug und Recht als der erste praktisch ausübende Verein auf diesem Qebiet bezeichnet werden darf. Ein Vorschlag des Herrn B. von Lengerke auf Formulierung eines Fragebogens an die Konstrukteure ü er ihre Wünsche und Ansprüche an die von ihnen benötigten Motoren, wurde als zweckentsprech nd sehr eingehend diskutiert; die auf diese Anfragen von den e nzelnen Konstrukteuren eingehen en Daten und Antworten dürfien unseren deutschen Motor-Industriellen wertvolle Anhaltspunkte für den Bau von Motoren für Flugapparate geben.

Der Verein wird offiziell auf der Frankfurter Internationalen Luftschiffahrts-Ausstellung mi einer Kollektiv-Ausstellung vertreten sein.

Mit dem Kaiserlichen Automobil-Klub wird ein Kartell angestrebt

Der Damen-Aeroklub „Stella" in Paris hielt am 10. Februar seine Gene al-versammlung ab. Vorsitzende der Versammlung ist Madame Surcouf, 2. stellvertretende Vorsitzende die Damen Bleriot, Max-Vincent, Des'osses-Dalloz. In den Ausschuß wurden weiter gewählt: di- Damen Airault, Charpentier und Savignac.

Frankfurier Verein der Flugtechniker. Zwecks Gründung eines Vereins Deutscher Flugtechniker für Mitteldeutschland fand gestern im Hotel-Restaurant , Salzhaus" eine konstituierende Versammlung statt. Dass in flugtechnischen Kreisen die Schaffung eines Frankfurter Vereins begründet war, dafür spricht die Tatsache, daß bereits ca. 35 Beitrittserklärungen vorliegen.

Nach Eröffnung der Sitzung durch den Vorsitzenden, Zivil-Ingenieur Ursinus, trat man in die Tagesordnung ein, und beschloß, um einer Zersplitterung vorzubeugen, sich mit der flugtechnischen Abteilung des Frankfurter Vereins für Luft-schilfahtt zu vereinigen. Zur Durchführung der Verhandlungen wurde eine besondere Kommission gewählt, bestehend aus den Herren: Stadtverordneter lngenieur Scliubbert, Hauptmann Thewald, Ingenieur Krastel

Herr Ingenieur Storz wies daraufhin, daß das Interesse der Flugtechnik nach der Ausstellung ein bedeutend grösseres sein wird und die Flugtechniker im Ver-1 ältnis zu den Ballontechhikern nicht mehr in der Minderheit sein werden.

An den geschäftlichen Teil schloß sich eine interessante Diskussion über technische Fragen, in welcher so recht zum Ausdruck kam, daß gerade in wissenschaftlicher Hinsicht eine Vereinigung der Flugtechniker dringend notwendig ist.

Herr Prof Dr.-Ing. Reißner, Aachen, hat dem Verein seine besondere Unterstützung zugesagt und wird für das projektierte Versuchsfeld einen E0 PS An oinette-Motor, welchen er durch viele Mühe und Kosten in einen ziemlich betriebssicheren Zustand gebracht hat, unter günstigen, roch zu vereinbarenden Bedingungen und unter Leitung eines sachverständigen Mechanikers zur Verfügung stellen.

Es lagen noch viele von auswärtigen Mitgliedern gestellte Anträge vo , die jedoch wegen .Mangel an Zeit nicht erledigt werden konnten und für spätere Versammlungen zurückgestellt werden mußten.

Literatur.

Fachzeitschrift H. P. für Automobilismus zu Land, zu Wasser und in der Luft.

Wien I, Wipplingerstr. 38. erscheint in einem neuen Gewände. In einer besonderen Rubrik finden wir eine Reihe flugtechnischer Abhandlungen so: „Das Fliegen im Winde" von Hofrat Prof. Wellner, „Luftfahrzeuge als Kriegsmittel" von Oberstleutnant Ritter von Weiß sowie eine interessante Zeitscliriftenschau.

Leitfaden der Luftschiffahrt und Flugtechnik in gemeinverständlicher Darstellung und mit besonderer Berücksichtigung der historischen Entwicklung von ür. R. Nimiuhr, A. Hartlebens Verlag, Wien und Leipzg. Luftschiffahrt und Fiugtechnik haben es in den letzten Jahren verst.m_'en, das Interesse weiterer Kreise auf sich zu ziehen. D e Tagespresse hat das ihrige getan, einen Ueberblick über Lufts hiffahrt und Flugtechnik zu geben. Für den Interessenten war es jedoch schwer, die versteckten Nachrichten zu sammeln und wo ein literarisches Werk über die Flugtechnik existi rte, da war es durch die ständigen Verbesserungen und täglich eingehenden Neuerungen nicht möglich, ein auf der Höhe der Zeit stehendes Buch aufzutreiben. Es war deshalb zu begrüßen, daß Dr. Nimführ ein Handbuch der gesamten Ballon- und Flugtechnik in vorliegendem Werk geschaffen hat. Es haben in der Zusammenstellung fast alle Konstruktionen Aufnahme gefunden. Der gewöhnliche Kugelballon, der lenkbare Ballon und die ballo: freie Flugmaschine finden wir in dem Nmführ'schen Buche auslührlich behandelt. Die zahlreichen guten A bildungen erhöhen die Verständlichkeit des Gesagten in hervorragender Weise. Der Autor hat sich davon fern gehalten, rein praktisch konstruktive Daten zu geben. Es ist ein großes Verdienst Nimführs. das sehr umfangreiche in verschiedenen Archiven zerstreut liegende Material dem Interessenten zugänglich gemacht zu haben. Dem Buche ist eine weite Verbreitung zu wünschen.

Briefkasten.

Flugt i. W. Die alte Konstruktion des Fliegers von Bleriot ersehen Sie in in beistehender Abbildung. Die Flügelenden waren damals schon mit angesetzten beweglichen verticalen Steuerflächen versehen.

Flieger Bleriot (alte Konstrukiion).

S.o. in München. Den größten Flug in Deutschland hat bis jetzt Grade, Magdeburg (400 tn), ausgeführt.

Flugtechnische Literatur.

Zu beziehen vom Verlag des „FLUGSPORT", Frankfurt a- M.

Hilfsbuch für den Luftschiff- und Flugmaschinenbau. Eine übersichtliche Darstellung der verschiedenen Konstruktionen, sowie Anleitung zur Berechnung der Leistungen und des Wirkungsgrades von Luftschiffen, F.ug-maschinen aller Art und von Treibschrauben. Von Dr. R. Wegener von Dallwitz.

Preis Mk. 4.—,

Wie der Vogel fliegt und wie der Mensch fliegen wird von Ingenieur

Wilhelm Kress. Motorballon und Flugmaschine

von Major A. von Parseval, Berlin. Preis Mk. 1.— Flugapparate von Ingenieur Fritz Rost Preis Mk. 1.60

Der Vogelflug als Grundlage der Fliegerkunst von Otto Lilienthal Preis

Mk. 10.- .

Leitfaden der Luftschiffahrt und Flugtechnik von Dr. Raimund Nimführ.

Preis Mk. 12.-.

Luftkrieg von R. P. Hearne mit einem Geleitwort von Sir H. Maxim. Preis Mk. 6. -


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